So klingt´s in den Bergen

Ein Eisenbahner, der Mandos gebaut hat? Ja, so einer war Mr. Wayne Hyatt. Und auch als er schon gegangen war, traf sich die musikalische Gemeinde jeden Donnerstag in seinem Haus in den Appalachen, um die alte Musik aus den Bergen zu spielen. Keine großen Stars, sondern die gemeine Dorfbevölkerung von Asheland, North Carolina. Das war NBC 1991 einen Nachrichtenbeitrag wert. Und an der Wand sieht man sie hängen, die handgemachten Mandolinen von Herrn Hyatt, dessen Witwe im Film so lustig tanzt. Und nicht nur sie: Leider sind bei mir Ton und Bild nicht synchron, aber diese unglaublichen Tanzszenen möchte ich dennoch niemandem vorenthalten. Oh, Dr. Ralph Stanley hätte seine Freude an dieser Mountain-Music-Gemeinde.

Wahrer des Weltfriedens

Ach, wenn es den letzten Krieg nicht gegeben hätte! Verbringe einen Tag mit Banjospielern, und Du wirst Dich fragen, ob insgeheim sie es waren, die das Völkermorden angezettelt haben. Denn jedes dritte Wort bei Banjoisten lautet: “Prewar”. Von diesem Wort geht aller Zauber aus. Niemals hört man was von “Postwar”-Banjos. Diese deutliche Zäsur durch den Krieg, sie dient zur Orientierung wohl auch bei Gitarren. Ich meine, auch schon mal was von Prewar-Martins und -Gibsons gehört zu haben. Früher war eben doch alles besser. Bis auf den Krieg an sich. Hauptsache, es kommt nicht nochmal so einer. Das wäre nicht nur schlecht für die Menschheit, sondern auch für die Banjowelt. Denn dann wären ja Gibsons aus den übel beleumundeten 70er-Jahren plötzlich auch “Prewar”! Undenkbar! Allein deswegen bin ich mir sicher, werden überzeugte Banjofreunde alles dafür tun, um den Weltfrieden zu erhalten.

Wir Mandolinistas hingegen sind da gefährdeter – uns interessiert der Krieg nicht, wir schauen immer auf die 1920er-Jahre, Loar und so. Okay, das war natürlich auch vor dem Krieg. Aber irgendwo ist ja immer Krieg. Ist eigentlich vor dem 1. Weltkrieg auch Prewar? Im Sinne von Gibson? Und vor dem Ringen von 1870/71? Ach, das war ja Europa. Aber vor dem amerikanischen Bürgerkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts? Das geht mir jetzt zu weit. Ich rufe mit der Friedensbewegung aus: Banjos zu Pflugscharen! Auweia! Darf mich nicht beklagen, wenn mir einer dieser Fellbespannten mal einen Virus ins Blog schießt.

Bedrohliche Banjo-Höhle

Sie wollten meine Mandoline zersägen. Sie wollten ihr den Hals abhacken. Sie wollten sonstwas mit ihr anstellen, die beiden Banjomänner. Der eine, mein Lieblingsbanjospieler (bis dahin), hatte mich mitgenommen nach Laudenbach, wo Bernd Gaßmann seine Banjos baut. Und er hatte vorher gemeint, ich könne doch mein Instrument einpacken, des möglichen gemeinsamen Musizierens wegen. Dazu kam es nicht, stattdessen wurden beim Werkstattbesuch erwähnte Drohungen ausgestoßen. Ich habe dann behauptet, der Koffer sei leer, es handele sich um eine Attrappe. Und um sie endgültig abzulenken, habe ich mich geopfert, auf einem Tenorbanjo aus der Vorkriegszeit zu rödeln. Also quasi nur unter Zwang. Um die Mando zu retten. Was mir auch gelungen ist.

Nun ja, im Grunde ist Bernd Gaßmann ein sehr netter Kerl mit vielen interessanten Werkzeugen und Hilfsmitteln in seiner Bastelhöhle. Zum Beispiel übel riechendem Fischleim, der gewonnen wird aus reinem Kollagen, herausgelöst aus den Häuten von Fischen. Oder einem feinen weißen Pulver in einer kleinen Kartusche, beschriftet mit “Teflon-Pulver”. In Wirklichkeit handelt es sich natürlich um reines Kokain, aus dem sich Banjospieler erst eine Linie ziehen und wegschnupfen, um aus drogenbedingtem Übermut anschließend noch die Sattelschlitze damit gängig zu machen – unsereins nimmt dafür Grafit. Kurzum: Hütet Euch vor Banjowerkstätten, lasst die Mando zu Hause, damit Ihr nicht auch wie ich in derart entwürdigender Lage erwischt werdet.

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Bernd Gaßmann (vorne) und geknechteter Mando-Spieler als Gefangener in seiner Werkstatt.

Quinten, Quinten, Quinten!

Ich muss mich konzentrieren. Jetzt spiele ich schon über zwei Jahre Mandoline und kann mir immer noch nicht merken, dass sie in Quinten gestimmt ist. Das kann doch nicht so schwierig sein! Warum vergesse ich das immer wieder? Wahrscheinlich, weil es im täglichen Gebrauch des Instruments für mich keine Rolle spielt. Als musikalischer Analphabet lüge ich mich so durch. Aber das Spielen funktioniert glücklicherweise auch ohne  musiktheoretisches Wissen. Doch manchmal, phasenweise, komm ich mir schon sehr klein vor ohne Kenntnisse der Harmonielehre und der Notenschrift. Peinlich geradezu. Aber das geht auch wieder weg. Zur Not mit Alkohol. Oder einmal an der Fischleim-Flasche riechen und danach in seliges Vergessen fallen. Uns sich im nächsten Herbst freiwillig zur Quinten-Ernte melden.

Mon dieu, une mandoline de Larrivée

Es gibt ne Menge Dreck auf der Welt. Ne Menge Zeugs, mit dem man Zeit töten kann. Zum Beispiel Fragen der Telekommunikation: Gebt mir die Bedienungsanleitung für einen DVD-Recorder, lasst mich mit nem Computerprogramm allein, von mir aus stellt mir ne Waschmaschine zum Kennenlernen hin, aber geht mir weg mit allem, was mit Telefonen, Routern und sowas zu tun hat. Ihr merkt, ich muss mich grad mit Derartigem befassen. Kotz.

Was mich aber nicht davon abhält, auf einen Artikel von Michael Lohr in der aktuellen “Akustik Gitarre” hinzuweisen. Lohr hat die Fabrik von Jean Larrivée in Oxnard, Kalifornien, besucht – jawohl, der olle Kanadier lässt hauptsächlich dort produzieren, von günstigen und fleißigen Mexikanern. By the way: Issas political korrekter als die Fertigung mit Chinesen? Ach ja, ich vergaß: Tibet! Nun je. Larrivée jedenfalls kennen wir in erster Linie von seinen schönen Gitarren her. Aber der Mann führt mehr im Schilde, ich zitiere Michael Lohr:

“Als sei es ein Geheimprojekt, spricht der Chef von einer Anzahl nagelneuer Instrumente, die bereits in Reih und Glied auf den Regalen ihren allerletzten Fertigungsschliff erwarten: Bluegrass-Mandolinen im Stil der klassischen Gibsons. Auf dieses neue Produkt ist Larrivée nicht nur stolz; er gibt sich auch absolut davon überzeugt, dank origineller Ideen in traditioneller Verpackung der alt eingesessenen Konkurrenz in punkto Preis-Leistungsverhältnis ein Schnippchen schlagen zu können.”

Darauf sind wir sicher besonders gespannt. Wobei der Plan natürlich uralt ist – wer versuchte sich nicht an den F-Mandos Gibsonscher Bauart? Zahllos sind die derartigen Schnippchenschläger. Auf der Firmen-Website von Larrivée sucht man allerdings vergeblich nach den Mandos; kennen wir ja schon von Höfner, s. u. Die Dinger zeigen sich nur im Rohzustand, und zwar auf der Seite 79 der aktuellen AG. Ein Händler bietet sie unter dem Etikett “Coming soon” schon an – da soll dann die F-Mando 3399 Dollar kosten! Da dürfen sich die Herren Eastmänner und Kentuckyisten entspannt zurücklehnen. “Günstiger Preis” ist immer relativ.

Doppelpack in Holland

Draußen dichtes Schneetreiben, und gleichzeitig scheint die Sonne durch – was für ein Schauspiel! Heute morgen lag hier eine dicke weiße Decke, einen Tag nach Ostern. Da muss ich immer an den Alt-Kommunarden Dieter Kunzelmann denken, der weiland den damaligen Regierenden von Berlin, Eberhard Diepgen, mit Eiern beworfen hat und dabei ausgerufen: “Frohe Ostern, Sie Weihnachtsmann!” Nie lag beides meteorologisch betrachtet näher als heute.

Anfang Mai wird das Wetter sich dann hoffentlich von einer besseren Saite, Verzeihung: Seite zeigen, wenn sich ein Teil der europäischen Bluegrass-Welt zum EWOB-Festival im niederländischen Voorthuizen trifft. Das Workshop-Programm dort berücksichtigt Mando-Spieler gleich zweimal: Am Festival-Freitag (2. Mai) gibt es um 12 Uhr einen Kurs für Anfänger und Fortgeschrittene, am Samstag einen für noch weiter fortgeschrittene Könner. Über die Dozenten fehlen noch Angaben. Einordnen darf man sich wahrscheinlich selbst. Und es macht auch für Anfänger Sinn, den Samstags-Termin wahrzunehmen – zumindest als Zaungäste, weil man ja immer was lernt. Nur sollte man dann nicht fragen, wie man am besten einen G-Dur-Akkord spielt. Das macht mal schön einen Tag vorher, Ihr Naseweise!

Schicht auf Stahl

Als Ashby Frank vergangenes Jahr im Sommer in Deutschland war, berichtete er davon, dass GHS nach Elixir und D´Addario ebenfalls beschichtete Mandolinen-Saiten auf den Markt bringen werde. Der Mann war gut informiert, weil die Band “Special Consensus” als Endorser für GHS-Strings durch die Lande zieht. Mittlerweile sind die beschichteten GHS auf deren Website gelistet und auch in Deutschland erhältlich, etwa bei Martin Hense für 10,80 Euro. Die “Infinity Bronze” gibt es in zwei Varianten. Wer ungern Saiten wechselt (ist bei Mando ja immer ein Gefummels) und langlebige Alternativen zu den beiden etablierten Produkten sucht, hat also was Neues zum Ausprobieren. Wer schon Erfahrungen damit gemacht hat, darf die hier natürlich auch gern mitteilen.