Grinsen und denn Prost!

Heute ist es auf den Tag genau zwei Jahre her, dass der erste Post von Doppelstopp hinaus in den Äther des Internets ging! Damals hatte ich keine Ahnung, wie lange ich wohl bloggen würde. Alles mal ein paar Monate lang probieren, gucken, wie die Resonanz so ausfällt. Zu der Zeit hatte ich noch meine Eastman 515. Das kommt mir eigentlich länger her vor. Aber der Kalender lügt nun einmal nicht. Also hat Doppelstopp heute Geburtstag und in den vergangenen Monaten gab es auch immer jeweils über 1000 Views. Da lacht der Blogger von Welt, aber für so ne Nische wie die hier werte ich das mal positiv. Sämtliche Beiträge der beiden Jahre sind noch abrufbar – entweder hier oder unter der alten Adresse http://doppelstopp.blogg.de. Und weil es heute ein Freudentag ist, sollt Ihr mitlächeln und noch was zum Lernen bekommen. Also spielt gleich Chris Henry “Wheel Hoss” und ihm zur Seite sitzt seine Mutter. Und beide grinsen diesem Anlass hier angemessen breit. Are you ready, Mam?

Möhren in der Mando

Seit Tagen keine neuen Einträge? Was ist denn da los bei Doppelstopp? Mando Feuer gefangen? Computer in die Luft geflogen? Überhaupt komplett den Löffel abgegeben? Nein! Zwei tatsächliche Erklärungen sind möglich: 1. Leere im Kopf, fehlende Inspiration; 2. Die Einträge der jüngsten Tage sind mit Geheimtinte geschrieben worden und werden erst irgendwann auftauchen. Nun dürfen alle mal raten, wo die Ursache liegt. Bis mir wieder was einfällt, folgt hier dieses Mandoline-Lehrvideo.

Der Popolski Musik

Viele meinen immer noch, Bill Monroe sei der Vater der Bluegrass-Musik. Dabei war es auch hier: Piotr Popolski, der vor 100 Jahren die gesamte Popmusik erfunden hat. Daher lade ich Euch ein zu einem Besuch mit Pavel Popolski bei den Popolskis, die heute abend im WDR-Fernsehen um 23.45 Uhr zu sehen sind. Ich warte auf “Blue Moon of Zabcze” aus dem Plattenbau-Siedlung!

Greven Grass geben Gas

Die Vorbereitungen zur Gründung eines neuen deutschen Bluegrass-Festivals nördlich des Mains gehen in eine heiße Phase: Am Samstag, 13. September, können sich alle, die das Ereignis mitgestalten und unterstützen möchten, auf den Weg ins nördliche Münsterland nach Greven machen. Das Treffen beginnt um 11 Uhr und findet statt in der “Möbelbrücke”, Mühlenstraße 7. Dann wird über den aktuellen Sachstand informiert, das mögliche Festivalgelände besichtigt, über Finanzierung und Organisation geredet. Schließlich soll nach hoffentlich erfolgreicher Arbeit am Abend das Vergnügen folgen: mit gemeinsamem musikalischen Tun in der “Möbelbrücke”. Übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden. Eine Website gibt es auch schon, Inhalte allerdings noch nicht. Bin gespannt, was noch kommen mag.

Schlafende Mandos wecken

Wenn hierzulande eine Mandoline ungenutzt in der Ecke liegt, liegt sie wahrscheinlich ewig ungenutzt in der Ecke – oder sie wird eines Tages zu Dekorationszwecken an der Kopfplatte durchbohrt und an einem Nagel aufgehängt. In den USA kümmert sich eine Initiative darum, dass solche Mandos nicht an die Wand gestellt werden, sondern in die Hände interessierten Nachwuchses gelangen. Wer eine Mando hat, sie aber nicht spielt, kann das Instrument an die “Cool Mandolin Company” senden. Die gibt es dann weiter an einen Buben oder ein Mädel (um hier mal Carolin Reiber beim Ansagen des Kinderprogramms zu zitieren), die dann ausprobieren und lernen können und vielleicht mal zu den Großen gehören werden. Wie heißt es auf der Website: “We LOVE the mandolin and we want to help promote it to the next generation of ‘mandolin legends’.” Kosten entstehen den Jungmandolinista dadurch nicht. Nun gehen in Deutschland die Mando-Uhren anders und der Bedarf an Umsonst-Hobeln dürfte eher gering sein. Dennoch soll man von denen, die Gutes tun, gut reden. Was hiermit geschehen ist. Außerdem gibt´s auf der Seite noch allerhand Gimmicks zum Bestellen.

Workshops in Stille

Auf Mandolinenworkshops geht es ja in der Regel recht unruhig zu: Hier wird noch gestimmt, dort vor sich hin geschrammelt, hüben bereits gerade verteilte Tabs getestet, drüben noch schnell Saiten gewechselt. Nun ist die Mando nicht direkt ein lautes Instrument, aber großes Durcheinander kann einen doch erheblich entnerven. Einen äußerst praktischen Weg hat Rainer “Yogi” Zellner (Yogi Mandeloni) entwickelt: Er rät den Teilnehmern seiner Mandolinenworkshops zu einer neuen Haltung des Instruments und erzielt damit verblüffende Stille! Auf dem Foto unten vom Workshop beim Sommermusikfest 2008 in Bad Hersfeld kann ein jeder erkennen, worin des Zellners (obere Reihe, 2. v. r.) Methode besteht. Na dann: Keep on pickin´, hähähä!

Hinein in den Cadillac-Himmel

Ihr Feind sei die Erdanziehungskraft, behaupten “Cadillac Sky” auf ihrer am 19. August in den USA erscheinenden neuen CD “Gravity Is Our Enemy”. Wahrscheinlich, weil sie sich am liebsten in den Cadillac-Himmel erheben würden. So aber müssen sie noch eine Weile bei uns bleiben. Und das ist auch gut so. Weil sie musikalisch hochwertige und dazu noch witzige Dinge anstellen. Schon ihre Website stellt einen vor gewisse Anforderungen, ich sag nur: Infos flippern! Auf ihrer MySpace-Präsenz geben sie als Stilrichtungen “akustisch, Psychobilly, experimentelle Musik” an. Was sie darunter verstehen, lässt sich dort anhand von fünf Songs erfahren. Den Begriff “Bluegrass” verwenden sie nicht. Aber viel davon steckt drin in den Songs. Außerdem aber auch Jazz, ob Fusion-Elemente oder Gypsy-Swing, und was weiß noch. Alle sind ziemlich fit auf ihren Instrumenten, natürlich auch Bandleader und Mandolinenspieler Bryan Simpson. Und weil ich mich nicht für ein Video entscheiden konnte, folgen hier gleich zwei amüsante Filmchen: der “Insomniac Blues For Matthew” macht Spaß in Bildern, der zweite bringt uns einen Klassiker von “Green Day”, den ich auch mal für mich als reine Bluegrass-Nummer ausprobiert habe: “Basket Case“. Also, lebt alle sauber, dann kommt Ihr vielleicht eines Tages in den Cadillac-Himmel.

So schwer war die Kindheit

Nichts Wichtiges, aber das Cover der nächsten CD von Darrell Scott, von der hier schon die Rede war, hat mich inspiriert, im Schrank zu kramen und mein erstes eigenes Radio vorzukramen: einen Neckermann-Transistorempfänger, wahrscheinlich Baujahr 1971. Um an die Batterie (9V-Block) heranzukommen, musste man die Rückwand abschrauben. Samstagnachmittag für Samstagnachmittag habe ich damit versucht, auf Mittelwelle halbwegs anständig die “Großen 8 von Radio Luxemburg” zu hören. Naja. War eben doch mehr ein Spielzeug. Bittesehr:

In Nashville aufs Treppchen

Was für die einen die Olympischen Spiele sind, ist für die anderen der spannende Wettkampf um die Trophäen bei den “International Bluegrass Music Awards”. Die Medaillen werden dieses Jahr am 2. Oktober im historischen Ryman Auditorium in Nashville vergeben, von Peking-Experten auch Bluegrass-Würfel” genannt. Noch steht nicht fest, wer dort auf dem Treppchen stehen wird. Aber die Kandidaten der engeren Wahl sind benannt. So wurden in der Kategorie “Mandolin Player Of The Year” ungewöhnliche Namen gelistet: Sam Bush, Doyle Lawson, Ronnie McCoury und Adam Steffey. Ach, ich vergaß: Außer der Altherrenriege gehört noch Sierra Hull zu den Auserwählten – was für ein Alterssprung! Wenn man sich allerdings die weiteren Instrumental-Kategorien anschaut, dann finden sich dort auch fast ausschließlich die üblichen Verdächtigen. Beispiel Dobro-Abteilung: Douglas, Ickes, Auldridge, Kohrs, Leadbetter. Es sind immer dieselben, über deren Können man nicht diskutieren muss, aber irgendwie … langweilig. Gespannt bin ich darauf, wo die Steeldrivers landen werden, die in mehreren Kategorien auftauchen. Aber dass deren Sänger Chris Stapleton nicht in die Rubrik “Male Vocalist Of The Year” aufgenommen wurde, wundert mich hier in der Ferne. Nicht traditionell genug? Alle Nominierten hier zum Nachlesen und Auswendiglernen.

Grasser an die Ems!

In deutschen Bluegrass-Kreisen kreist es noch in den Köpfen: das verblichene Bluegrass-Festival Neusüdende. Nun soll ein neuer Anlauf gestartet werden, um Ersatz zu schaffen. Einige Aktive um Olaf Gläsmer und Ulli Sokol haben auch bereits eine Ortschaft ins Auge gefasst – Greven an der Ems im Kreis Steinfurt, also im nordwestlichen Nordrhein-Westfalen. Der dortige Verkehrsverein hat ein Konzept namens “Greven an die Ems” vorgelegt, das helfen soll, die Emsauen verstärkt als Freizeitraum zu nutzen. Möglicherweise lässt sich auch ein Bluegrass-Festival einbeziehen. Aktuell sucht die Initiative weitere Helfer, die bereit sind, ein neues Festival ins Leben zu rufen. “Wir stellen uns einen gemeinnützigen Verein, eine Stiftung u. Ä. vor. Und natürlich braucht eine solche Organisation Leute, die verschiedenste Aufgaben (u. a. Mundpropaganda, Bloggen im Netz, Threads in Internetforen, Hilfe vor Ort usf.) wahrnehmen”, heißt es in einer Mail von Olaf Gläsmer. Mit dem Bloggen hätte ich hier schonmal begonnen. Anfang September soll es ein Arbeitstreffen geben. Wer mitmachen möchte, darf folgende Nummer anrufen: 0176/50428385. Ich hör´s schon klingeln …

Bluegrass on Low-Noise

Eine der wirklich großen Errungenschaften unserer modernen Zivilisation ist die Möglichkeit, Musik zu speichern und nahezu überall zu hören. Die Medien, auf denen heutzutage gespeichert werden kann, sind langsam unüberschaubar: Handy, MP3-Player, Sticks, Festplatten, Flash-Speicher, DVDs usw. usf. Meine ersten Aufnahmen habe ich noch auf Magnetband gemacht, mit dem Grundig-Tonbandkoffer meines Vaters. Und dann gab´s, ich glaube es war Weihnachten 1972, einen ersten Kassettenrecorder. Ab da waren es vor allem Musikassetten, die mich bis zum ersten CD-Recorder 2001 begleitet haben. Also fast 30 Jahre lang! Nun möchte ich nicht in falsche Nostalgie verfallen. Heutige Speichermedien bieten fast alle höheren Komfort und mehr Klangqualität bei größerer Robustheit. Aber in Ehren wird man sich doch noch erinnern dürfen an die Plastikgehäuse mit dem schmalen Band drin.

Da kommt eine Web-Seite gerade recht: “tapedeck.org” mit dem Untertitel: “analog audio tape cassette nostalgia”. Ähnlich lange Beschreibungen standen früher auch gern auf entsprechenden Abspielgeräten. Jedenfalls bietet die Seite jede Menge Aha-Erlebnisse, denn da sind sie alle noch mal zu sehen: die lila Agfa-C 60, die futuristische That´s VX 90, die silberne Memorex und die rotschwarze BASF. Die Eisen-, Ferrochrom-, Chrom- und Metall-Varianten. Was da bei manchen Marken alles zusammenkommt! Und manchen Exemplaren sieht man an, was sie alles mitmachen mussten. Es ist herrlich! Seht selbst! Und wer will, kann sich an der virtuellen Sammlung beteiligen und Fotos seiner Kassetten einsenden. Und sich beim ablichten daran erinnern, welche Bedeutung gerade dieses eine Band dereinst hatte.

Wundert Euch nicht, Westler! Die “ORWO” rechts war der DDR vorbehalten, Aufschrift: VEB Filmfabrik Wolfen, Fotochemisches Kombinat, DDR

Bären, Berge, Bluegrass

Hitze, Schwüle, Schweiß – doch was ist das? Da kommt mir etwas in den Weg, das mir sofort die Gedanken kühlt: Bluegrass in Alaska! Ja, selbst in diesem mächtigen Zipfel der Welt wird diese Musik gepflegt. In Achorage pickt Joe Page auf seiner Mando, lässt sich von einer überhaupt nicht üblen Band begleiten und nennt seine Debut-CD “Alaska Mando“. Darauf finden sich ausschließlich rein instrumentale Eigenkompositionen von “Alaskas Mandolinenspieler Nr. 1″, wie es in der Werbung heißt. Nun weiß ich nicht, wie viele Mandolinista es da oben gibt, aber er gehört sicher auch davon abgesehen zu den sehr guten Meistern seines Fachs. Und er liebt offenbar die Abwechslung, treibt sich mal im Bluegrass rum, dann schippert er in Dawg-Gewässern, dann in beschaulichen Folk-Teichen. Mit Greg Booth hat er außerdem einen ziemlich flotten Dobromann an seiner Seite. Kurzum: Die Alaskaner können sich auf dem Bluegrass-Markt sehen lassen. Inzwischen würde es mich auch nicht mehr wundern, wenn plötzlich herauskommt, dass ein bislang unentdeckter Mando-Virtuose auf Grönland lebt und mit seinem winterharten Bluegrass-Hobel im Iglu alte Innuit-Weisen abfeiert. “Suni Matekuu and his Eisklotz Mountain Boys”, oder so ähnlich.

Darrells moderne Hymnen

Darrell Scott ist einer von denen, die uns mit Songs versorgt haben, die tief sitzen, etwa “You´ll never leave Harlan alive” oder “Long time gone”. Seine neue CD “Modern Hymns” wird allerdings nur Fremdkompositionen enthalten, unter anderem von Leonard Cohen, Joni Mitchell, John Hartford und Gordon Lightfoot. Er hatte einfach Lust Stücke aufzunehmen, die ihn in jungen Jahren persönlich begeistert und beeinflusst haben. Und die ihm nach seinen Worten den Pfad gewiesen haben zum eigenen Songwriting. Das sind nun keine Titel, die sowieso jeder kennt, sondern es handelt sich tatsächlich um eine sehr individuelle Auswahl. Keine Frage, dass ihn bei den Aufnahmen jede Menge musikalische Prominenz unterstützt hat, etwa Alison Krauss, Tim O´Brien, Danny Thompson und Sam Bush. Aufgenommen wurde in den Blackbird Studios in Nashville. Was dabei herausgekommen ist, lässt sich hier schonmal vorhören. In Deutschland erscheint “Modern Hymns” am 29. August.

Mandoline wird olympisch

OFFENER BRIEF

An das
Internationale Olympische Komitee
Herrn Rogge persönlich
Lausanne
Schweiz

Sehr geehrter Herr Rogge,

mit einer dringenden Bitte wende ich mich heute an Sie. So viele merkwürdige Sportarten sind inzwischen olympisch. Zum Beispiel Softball oder Turnen. Daher stelle ich den Antrag, kurzfristig noch das Bluegrassmandolinespielen als olympische Sportart in den Katalog aufzunehmen.

Begründung: Jüngst sah ich nochmals eine Darbietung des US-amerikanischen Sportsmanns Chris Thile. Mit seinem Sportgerät, einer Mandoline, vollführte er derartige Leistungen in Sachen Tempo, Ausdruck und Entschlossenheit, dass in mir sogleich der Gedanke an Olympia wach wurde. Bitte tun Sie alles in Ihrer Macht stehende, um diese Art der Körperertüchtigung endlich der Jugend der Welt nahezubringen. Ich bin sicher, es stehen uns erhebende Wettkämpfe bevor! Triolenspiele in Dur und Moll, über 3, 6 und 10 Minuten, modernes Geschwindigkeitstremolieren und Mandolinenweitwurf dürfen den Sportsleuten rund um den Globus nicht vorenthalten werden. Also, Herr Rogge: Ran an den Speck!

Es grüßt Ihr

F-Loch

Alte Truppe fürn paar Dollar

Es gab eine Zeit, da war es an dieser Stelle guter Brauch, Euch mit einem Stückchen Musik ins Wochenende zu entlassen. Daran will ich heute mal anknüpfen. Zu sehen und hören gibt´s einen Auftritt der frühen Alison Krauss & Union Station mit “Another Day Another Dollar”. Interessante Besetzung: An der Mando Adam Steffey, Tim Stafford (heute Blue Highway) singt und am Banjo mache ich Alison Brown aus. Die Stimmung scheint nicht gerade überzukochen bei diesem Fernsehauftritt, aber die Nummer kommt gut rüber. Wat willste mehr, machste halt die Augen zu.