Gefahren frischen Holzes

Der Mai ist fast gekommen, und bekanntlich schlagen dann die Bäume aus! Besitzer blutjunger Mandolinen aus Fernost sollten in diesen Tagen gut aufpassen. Denn manchmal kann das Holz der Instrumente noch so frisch sein, dass an der ein oder anderen Stelle ein Zweiglein hervorbricht. Normalerweise begrüßen wir knospendes Leben mit Hurra!-Rufen. In diesem Fall aber sollte man den Trieb gleich abknipsen. Denn täte man das nicht, würde aus dem scheu hervortretenden Gewüchs bald ein großer Baum, an dem irgendwo die Reste der Mandoline hängen, die doch der Ursprung der Pflanze war. Bin ich froh, dass mein Instrument schon so viele Jahre auf dem Buckel hat, da wird nichts mehr keimen. Ihr anderen aber wappnet Euch! Wenn es zu sehr sprießt, hilft nur noch Vernichtungsmittel aus dem Baumarkt. Aber vorher aufs Etikett gucken, ob sich das Spritzzeugs mit der empfindlichen Nitrocellulose-Lackierung Eurer Mando verträgt! So, genug Unfug für jetzt, ich wünsche einen guten Rutsch in den Mai und viel Spaß an einem langen musikreichen Wochenende.

Mando-Workshop am Sonntag

Wer sich am kommenden Wochenende nicht in Bühl auf dem Bluegrassfest aufhält oder von dort schnell wieder abreist, kann am Sonntag, 3. Mai, von 9.30 bis 13.00 Uhr an einem Mandolinenworkshop teilnehmen: Auf dem “Banjoree” im westfälischen Hagen gibt es dieses Angebot für 35 Euro – darin inbegriffen der Tageseintritt für die Veranstaltung der Tonring-Freunde. Als Referent steht Ulli Sieker von den “Looping Brothers” bereit, und der ist ja bekanntlich nicht der schlechteste Mann an der Mando. Am Freitag spielt er mit den Brüdern noch in Bühl, dann steht er Sonntag in Hagen bereit. Fleißig, sehr fleißig. Ob er wohl wieder seine Lodenjacke tragen wird?

Der Fuchs nimmt Reißaus

Als Thomas Gottschalk noch Radiomann beim BR war und dann ab 1976 in der ARD freitagsnachmittags die Musiksendung “Szene” moderieren durfte, erklang zum Ende jeder Sendung das gleiche Lied über dem Abspann: “Fox On The Run”. Ich erfuhr, dass es sich um ein Stück von Manfred Mann handelte. Und es wurde einer meiner liebsten Pop-Songs, weil es so schön eingängig war. Dann, viele viele Jahre später, hörte ich eben diesen Song in einer Bluegrass-Version. Und ich begann zu zweifeln: Hatte der Cover-Spezialist Mann vielleicht gar einen alten Mountain-Song hergenommen und neu eingekleidet? War seine Fassung möglicherweise gar nicht das Original? Die kursierenden Bluegrass-Versionen klingen derart authentisch, dass sie mich völlig unsicher werden ließen.

Jetzt aber habe ich Sicherheit: “Fox On The Run” ist geschrieben worden vom Liverpooler Tony Hazzard, der für Manfred Mann beispielsweise auch “Ha ha said the Clown” komponiert hat. Es handelt sich also um ein Stück Popmusik, das übergangslos in die Bluegrassszene eingewandert ist. Die allerdings hat dem Chorus eine vierte Stimme hinzugefügt, was ihm eine zusätzlich fesche Note verleiht. Das Original lässt sich etwa hier anhören. Wir lauschen und sehen nun in mäßiger optisch-akustischer Qualität eine Referenz-Bluegrass-Fassung der “Country Gentlemen” aus Mike Seegers Sendung “Grassroots”.

Termine über Termine

Jetzt wird es so manchem schon ganz wuschig – nein, nicht wegen der Frühlingsgefühle, sondern aufgrund der anstehenden Großereignisse im Mai: das Bühler Bluegrass-Festival gleich zu Beginn, zeitgleich das Banjoree in Hagen, dann ist Crooked Still in einigen deutschen Regionen unterwegs, dann folgt um Himmelfahrt das EWOB in Voorthuizen/NL und eine Woche später an Pfingsten zum ersten Mal das Festival “Greven Grass” in dem münsterländischen Städtchen. Da wird es fast schon zu einer Frage des Geldes, davon möglichst viel mitzubekommen. Und wer nicht unverdrossener Hardcore-Bluegrasser ist, dem werden schnell die Ohren klingeln angesichts der vielen Konzerte. Und was machen wir dann im September oder Oktober? DVDs gucken? Bislang im Kalender steht immerhin was Belgisches: das Picnic-Festival in Namur vom 4. bis zum 6. September. Ach so, nochmal zum Mai: Da gibt es für Rheinländer am 20. Mai im Bonner Jazz-Club “Session” ein Konzert mit “Bluegrass Stuff” aus Italien – mit dem Mandolinisten Massimo Gatti. Hätte ich doch fast vergessen, ts ts, warum bloß?

Es sirrt und surrt der Tonerite, wo Mutti sonst nur …

Unsereins macht sich gern schon mal lustig über technische Zaubergeräte, die erstmal viel Geld kosten und bei denen einem die Beschreibung merkwürdig vorkommt. Deshalb amüsiere ich mich auch mit Freude über Zeitgenossen wie den älteren Herrn hier auf der Seite mit seinem Schulter-Vibrator. Es gibt aber nicht wenige, die schwören tatsächlich auf Apparate wie “Tonerite“: ein Gerät, das aussieht wie ein externes Netzteil und auf Instrumenten montiert wird und deren Decken in Schwingung versetzt. So sollen etwa Mandos ihren bestmöglichen Klang erreichen, setzt man fortwährend Tonerite ein. Sogar schon nach einer Woche sind laut Website die positiven Effekte deutlich spürbar. Ich schreibe das, weil es das Modell für Mando derzeit zum Sonderpreis von 195 Dollar gibt. Ja, sollte man das tatsächlich wagen? Angeblich kann man gar nicht so viel spielen, wie das Tonerite rüttelt. Verführerisch klingt das schon und billiger als eine teurere Mando ist es auch. Im Café wird eifrig darüber diskutiert. Interessante Sache.

Es tropft ins Loch

Lebt denn der alte Mando-Blog noch, Mando-Blog noch, Mando-Blog noch? Ja, er lebt noch! Aber in Zeiten fliegender Birkenstäube erlahmt sowohl die Lust am Bloggen als auch am Tremolieren. Es würde ja bei leicht gesenktem Kopf immer gleich von der Nase aufs Instrument tropfen. Dann läuft´s ins F-Loch und weiter ins Innere meiner geschätzen Mando und was es dann da anrichtet … Da muss ich mir bald wohl keinen Be-, sondern einen Entfeuchter für den Korpus besorgen. Wenigstens besteht das Instrument nicht aus Birkenholz, wer weiß, vielleicht könnte ich das Ding dann gar nicht mehr anfassen. Aber Instrumente aus Birke sind wohl relativ selten, jedenfalls bei Mandolinen. Ich lobe mir Ahorn, von dem hab ich noch nie Schnupfen bekommen, stattdessen aber schöne Töne. Fichte nicht zu vergessen, die Gute, völlig ungefährlich – es sei denn, ein Eichhörnchen würde zu sehr mit den Zapfen herumwirbeln, dann vielleicht käme es zu allergischen Reaktionen. Aber Eichhörnchen werden ja plattgefahren, trocknen anschließend und sehen aus wie eine F-Mando. Aber das Thema hatten wir hier ja schon …

Kleine Deckenmassage

So kurz vor Ostern muss ich Euch doch noch ein Ei ins Nest legen, und zwar Teil 3 der kleinen Reihe zum besseren Mandolinenspiel. Einmal war die Botschaft, das Pick zu lieben, ein andermal, schön in die Mando hineinzusingen, um sie aufzuwärmen. Eine gut klingende Mandoline beflügelt unser Spiel. In diese Richtung zielt auch Tipp Nr. 3 unseres Freundes Bill Kilpatrick: Er setzt sein Instrument den Vibrationen eines Nackenmassagegeräts aus! Die Schwingungen führen zum Eingrooven der Mando, wovon besonders neue Teile profitieren sollen. Das heißt woanders Tonerite und kostet 300 Dollar. Also, noch schnell so ein Gerät besorgt und dann frohe Ostern mit positive vibrations! Aber nicht dass Ihr Euren Frauen deren liebste Spielzeuge entführt und die dann über die Feiertage unbefriedigt an Eiern mümmeln müssen!

Picken gegen die Leere

Dass die Wirtschaftskrise in den USA härtere Folgen hat als hierzulande, lesen und hören wir fast täglich. Letztlich sind die Leidtragenden drüben aber weit weg, anonym und ohne Gesicht, zumal wir mit unseren eigenen Problemen kämpfen. Vielleicht habe ich mich deswegen erschreckt, als ich gelesen habe, dass “Mandolin Café”-Kolumnist Bill Graham nach 25 Jahren seinen Job bei der Tageszeitung verloren hat. Ob aus Gründen der Wirtschaftskrise oder den generell schwächelnden Zeitungsmärkten: Es tut weh, wenn ein Mando-Bruder schreibt, dass er sich derzeit fühlt wie eine Hülle ohne Inhalt. Das Gefühl der Leere und die Vorstellung, nutzlos zu sein, dürfte vielen hier nicht unbekannt sein. Aus der Situation herauszufinden, wieder Mut zu schöpfen und Energie zu entwickeln fordert unsere gesamte Selbstdisziplin. Da tut es bestimmt gut, Zuspruch zu bekommen. Deswegen hier Bill Grahams E-Mail-Adresse: bgraham@mandolincafe.com. Damit sich die Hülle nach und nach wieder füllt.

Der einzig positive Nebeneffekt: In dieser persönlichen Krise hat er erfahren, was ihm seine Mandoline und sein Spiel bedeuten und welche hilfreiche Wirkung Erfolgserlebnisse auf dem Instrument haben können. Das ist ein Hoffnungsschimmer, der hoffentlich weiterleuchtet – egal, was sonst passiert.

Ein Hauch von Spitzenklasse

Besser Mandoline spielen, Teil 2: Sein Pick zu lieben, reicht nicht. Immer wieder weisen Könner darauf hin, wie wichtig es sei, sich vor dem Spielen richtiger Stücke aufzuwärmen – nicht nur, damit die Finger locker werden, sondern auch, um das Instrument zu wecken. Dafür gibt es jede Menge komplizierter Läufe das Griffbrett rauf und runter. Unser Experte zeigt eine wesentlich einfachere Methode des Mando-Aufwärmens: Hineinhauchen! Also fürs nächste Mal nicht vergessen: erst hauchen, dann spielen.

Liebt Eure Plektren!

Es gibt viele Wege, sein Mandolinenspiel zu verbessern: Lehrer nehmen, Bücher durcharbeiten, DVDs gucken, zu Aufnahmen mitspielen. Doch da ist noch etwas, das darüber hinaus weist – das spirituelle Element. Von vielen komplett missachtet, öffnet kosmische Vibration neue Türen zu größerer Virtuosität. Dazu gehört es auch, sein Spielgerät und die Dinge darum herum zu ehren und zu lieben: beispielsweise das Plektrum. Jenes unscheinbare Stück Plaste, ohne das unser Mandolinenspiel nicht möglich wäre. Wir wollen es ab heute mit anderen Augen sehen und lieb haben, so wie hier zu sehen. Das Plektrum wird es uns danken!

Schlaffe Saiten, schlaffe Stimmung

Ach Musikmesse: Sie lässt mich diesmal eher erschöpft als interessiert zurück. Das liegt vor allem an einem Phänomen, das ich nicht wirklich verstehe – der häufig nachlässigen Präsentation. So waren zwar etliche Mandolinen, Bouzoukis etc. zu sehen, aber gestimmt war fast keine. Im Gegenteil: Manche verfügten noch nicht mal über gespannte Saiten, die hingen einfach lose drauf, noch im Transport-Zustand. Und wenn man die dritte und dann die vierte Mando in die Hand nimmt und immer wieder komplett stimmen muss, lässt die Laune rapide nach. Und damit auch die Motivation, weitere Instrumente zur Hand zu nehmen. Ein Stimmgerät hatte ich natürlich dabei, aber trotzdem. Kaufen denn Händler Instrumente nach Augenschein, ohne sie mal probiert zu haben?

Vorhanden waren beispielsweise Mandolinen von Larrivée in A- und F-Form. Die F kostete laut Liste mehr als 4000 Dollar – ein stolzer Preis. Und die wäre sie mir nicht wert. Ein schönes Instrument, ja, aber für soviel Geld fehlte mir auch beim neuen Instrument der Holzklang. Wobei man natürlich immer bedenken muss, welche akustischen Verhältnisse dort in der Halle herrschen. In denen klang auch die Giacomelli-Kopie von Eastman nicht besonders beeindruckend. Vielleicht also tut man manchem Instrument unrecht, das man auf der Musikmesse beurteilt. Aber dass die Mandos mit schlaffen Saiten an den Wänden hängen, bleibt trotzdem ärgerlich.