Das schöne Geld

Alle Äußerungen seitens der Politik von gestern deuten für mich darauf hin, dass der Euro gerettet ist! Und Europa gleich mit! Mann, bin ich froh! Wenn nämlich Geld nichts mehr wert wäre, was hätte ich dann in einer Tauschwirtschaft anzubieten? Eine Mandoline für ein Pfund Butter und ein Kilo Kartoffeln? Wer will schon eine Mandoline? Unsereins wäre völlig aufgeschmissen auf dem Schwarzmarkt. Ich hätte da noch einen ganzen Satz frischer Elixir-Saiten, die guten, die so lange halten, wie wär´s? – Okay, gegen die alte Zahnspange meines Bruders nehm ich sie. Wie soll man denn da überleben? Erstklassiger Kapodaster der Firma Shubb einzutauschen, kaum benutzt! – Wenn Du im Gegenzug mit meiner Kronkorkensammlung einverstanden wärst? Wirklich, ich bin so dankbar für die Euro-Rettung. Und stimme ein bei diesem Lied ohne Mandoline, dafür aber mit treffendem Text.

Mann gestohlen

Nun spielen wir hier nicht Aktenzeichen XY ungelöst, aber wenn uns ein Hilferuf aus der Schweiz ereilt, wollen wir nicht tatenlos beiseite stehen. Es geht um eine – für uns Mandolinenfreunde – abscheuliche Straftat, die sich in Südfrankreich zugetragen hat. Eines der Opfer: eine Mandoline des Instrumentenbauers Jonathan Mann, Tennessee, USA. Sein Besitzer: Mandolinenfreund Klaus Wittich. Ihm wurde sein Urlaub verleidet, als bislang unbekannte Täter sein Auto ausräumten, in dem eben u. a. jene Mandoline lag, die Mann für ihn gebaut hatte – ein spezielles und schönes Stück. Und vor allem: ziemlich auffällig, wie die beiden Fotos hier unten zeigen. Sollte also jemandem dieses Instrument günstig angeboten werden, wäre eine Meldung an die Polizei fällig. Oder eine Mail an die Schweizerin Martina Ruhmann, die für Klaus sachdienliche Hinweise entgegennimmt: ruhmann.martina@bluewin.ch. Die MANNdoline steckt in einem silbernen Fiberglas-Case der Firma Eastman. Und der wiederum trägt eine Menge Aufkleber. Wir drücken die Daumen, dass Klaus Wittich seine Mando bald wieder in Händen halten kann.

Attraktiv und kreuzüber

Eine hübsche Gesellschaft hat sich da zusammengefunden beim Projekt Goat Rodeo: Yo-Yo Ma am Cello, Chris Thile an der Mandoline, Edgar Meyer am Bass und Stuart Duncan an der Fiddle. Offiziell läuft das Ganze als Album von Yo-Yo Ma mit dem Titel The Goat Rodeo Sessions. Kostproben gibt´s auf Mas Website. Gern würde ich hier eins der Teaser-Videos einstellen, doch hat Youtube die Dinger aus rechtlichen Gründen in Deutschland gesperrt – die liebe Gema. Die Videos sind aber auch auf der Yo-Yo-Seite drauf und eben auch Audio-Schnipsel. Ausreichend, um beeindruckt zu sein – falls man solche Kollaborationen mag. Es gibt auch ein Gesangsstück auf der CD: ein Duett von Crooked-Still-Sängerin Aiofé O’Donovan und Chris Thile. Berückend schön, sagt man da wohl zu.


Potente Truppe

Mandolinenstunden bei Jesse

Freunde der Infamous Stringdusters müssen sich an ein neues Gesicht an der Mandoline gewöhnen: Der bisherige Mann am Hobel, Jesse Cobb, hat sich Anfang Oktober von der Band verabschiedet. Auf der Website der Dusters begründet er das vor allem mit dem ewigen Unterwegssein: In meinem Leben haben sich große Veränderungen ergeben, und ich habe gemerkt, dass Reisen und das Entferntsein von lieben Menschen seinen Tribut fordert – sowohl geistig als auch physisch. Der Band, die ihm so viel gegeben hat, wünscht Jesse Cobb eine großartige Zukunft. Er selbst sucht offenbar nach dem Mittelweg, um als Musiker überleben zu können, ohne ständig auf Tour zu sein. Zunächst bietet er Online-Lektionen für Mandolinenspieler an: via Facebook.  Ein Schulstündchen mit ihm als Lehrer wäre sicher nicht das Schlechteste. Bei den Stringdusters hat aushilfsweise für die Release-Tour des neuen Albums We´ll Do It Live ein 21-Jähriger die Lücke geschlossen, von dem hier gestern die Rede war – Dominick Leslie, der hoffentlich trotzdem im Dezember mit seiner eigentlichen Band, den Deadly Gentlemen, in Deutschland zu erleben sein wird. Ansonsten nehmen die ISD vielleicht noch Bewerbungen an – wer sich also berufen fühlt …


So sehen Mandolinenlehrer aus.

Wahre Gentlemen

Ein Weilchen ist es schon noch hin bis zum diesjährigen Bluegrass Jamboree von Anfang bis Mitte Dezember. Vorstellen sei aber jetzt schon erlaubt. Jedenfalls, was die Deadly Gentlemen angeht. Sie haben einen Imagefilm ins Netz gestellt, der zeigt, was sie bewegt, wo ihre Wurzeln sind und was sie so von ihren Bandkollegen halten. Da wird dann auch Mandolinenspieler Dominick Leslie gefeatured (Dominick Leslie is my name/playing mandolin is my game). Wir aber warten natürlich auf ihr leibhaftiges Erscheinen in jetzt nicht einmal mehr zwei Monaten. Das Jamboree startet am 1. Dezember in Offenburg und endet am 18.12. in Kaarst. Promoter Rainer Zellner liefert mit einem Preview-Video einen Vorgeschmack aufs gesamte Programm – das hier mit Sicherheit noch mehrmals Thema sein wird.

Wenn das Banjo farbig schillert

Noam Pikelny: Beat The Devil And Carry A Rail (Compass Records 7 4565 2)

Kein Zweifel: Dies ist ein Mandolinen-Blog. Was allerdings kein Grund ist, Noam Pikelnys zweites Soloalbum links liegen zu lassen. Weil er zum einen Banjo auf eine Weise spielt, die weit entfernt ist von üblichen Klischees und überstrapaziertem Twang. Und weil er zum anderen erstklassige Mandolinenspieler bei den Aufnahmen zu Gast hatte: nämlich Tim O’Brien, Mike Compton und Chris Thile. O’Brien gehört dabei fest zur Begleitband, gemeinsam mit Stuart Duncan an der Fiddle, Mark Schatz am Bass und Chris Eldridge an der Gitarre. Letzterer zählt wie Thile zu den Punch Brothers, Noam Pikelnys musikalischer Heimat, die auch Produzent Gabe Witcher mit ihm teilt. Es steckt also eine Portion Punch Brothers in dem Album, besonders zu hören in Bear Dog Grit, dem schrägsten, wildesten Stück der CD, mit Thile an der Mando und Bryan Sutton an der Gitarre. Den Gegensatz dazu bildet gleich der nächste Song Day Down, ein stilles Duett mit Banjo und Kontrabass, in diesem Fall von Paul Kowert gespielt. Instrumentals bestimmen das Album, wobei jeder Gastmusiker “seinem Stück” eine besondere, wiedererkennbare Farbe verleiht.

Den Großteil der Songs hat Noam Pikelny komponiert, allein oder mit Co-Autoren – keine Easy-Listening-Sammlung, sondern gründlich durchgearbeitete und fein arrangierte Stücke eines der besten Banjo-Spielers der US-amerikanischen Akustik-Szene. Der zudem eine große Bandbreite beherrscht, von 30er-Jahre-Jazz über Western Swing und akustischen Balladen bis zum Bluegrass, dessen Klassiker Cluck Old Hen er hier im Duett mit Steve Martin präsentiert: Die ineinander fließenden Linien wirken fast wie Harfenmusik. Zu den Höhepunkten zählt außerdem eine Version von Tom Waits´ und Kathleen Brennans Song Fish and Bird, den Aoife O’Donovan von Crooked Still singt. Natürlich kommt nicht zwingend ein großartiges Album heraus, wenn lauter Stars der Szene zusammenkommen – wozu im Übrigen auch Jerry Douglas und Alex Hargreaves gehören. Aber in diesem Fall treffen Virtuosen auf beachtenswerte Songs – mit überzeugendem Ergebnis. Eine CD zum Durchhören. Das Album erscheint am 25. Oktober.

Lernen, wie der Alte klung

Immer, wenn es spät wird im Jahr, lädt die New Acoustic Gallery in Solingen zum Mandolinen-Workshop ein. In diesem Jahr kommt unser dänischer Freund Jesper Rübner-Petersen am Wochenende 12./13. November ins Bergische, um uns die Mando-Töne beizubringen. Und weil Bill Monroe 2011 hundert Jahre alt geworden wäre, steht seine Mandolinenkunst im Mittelpunkt des Workshops. Jesper hat sich vorgenommen, den Teilnehmenden Monroes beste Songs und Soli nahezubringen. Darüber hinaus wird es um das Thema Jazz-Blues gehen, um den besten Mandolinensound, um Lieder-Begleitung und Anschlagtechnik. Um möglichst vielen gerecht zu werden, besteht die Möglichkeit, zwei Arbeitsgruppen zu bilden: für Anfänger und Fortgeschrittene. Die Anmeldefrist läuft bereits. Das Mandolinen-Wochenende kostet 150 Euro und beinhaltet den Eintritt zum Konzert am Sonntagabend, 13.11. Dann wird das Trio Vibracao spielen, erweitert um einen besonderen Gast: Don Stiernberg. Der US-Amerikaner gehört zu den weltweit Besten im Fach swingende Jazz-Mandoline. Das Konzert steht natürlich auch denjenigen offen, die keine Mando spielen – ihr aber gern lauschen. Nähere Infos auf der Website.


Wurzel aus A-Dur minus d-Moll im Quadrat=Jerusalem Ridge

Es spricht: der Solist

Die Mandolinenriffs und -soli der Popgeschichte sind selten virtuose Meisterstücke. Sie beruhen vor allem auf einprägsamer Struktur und geschicktem Einsatz, um einem Song eine bestimmte Farbe zu geben oder ihm noch das gewisse Etwas zu verpassen. Über R.E.M.s Losing My Religion haben wir kürzlich schon geschrieben, Ähnliches gilt für Stücke wie Boat on the River von Styx oder When I´m dead and gone von McGuinness/Flint. Vieles entsteht auch aus dem Moment heraus. Von einem solchen Fall erzählt Ray Jackson, früher Gitarrist der englischen Folkrockband Lindisfarne. Er war es, der den Schluss von Rod Stewarts Maggie May per Mando verziert hat. Gegenüber der BBC breitet er die ganze Wahrheit aus.

Spaß mit Katzenjammer

Wer gestern abend versehentlich oder absichtlich in die Radio-Bremen-Talkshow 3 nach 9 geraten ist, hat möglicherweise die vier norwegischen Mädels mit dem Bandnamen Katzenjammer gesehen. Das Quartett baut unter anderem Mandoline und Banjo in seine Musik mit ein. Was ist da los in Norwegen, wo offenbar immer mehr junge Mädchen Mandoline spielen wollen? Und nicht Marit Larsen heißen? Die vier spielen ihre Instrumente oft unkonventionell und tauschen sie auch schonmal untereinander. Tatsächlich handelt es sich um Spaßmusik, in die auch Spuren von Bluegrass und Old Time einfließen. Wer also bisher dachte, die Juxerei sei Bands wie Shotgun Party oder Oh My Darling vorbehalten, der kann hiermit auch Amüsement seitens einer europäischen Frauenkapelle bekommen. Tiefere Einblicke in Katzenjammer gibt ein Beitrag von Christiane Rebmann auf SWR 2, hier zu hören.