Greenhorn im Wolkental

Manchmal gehen die Gedanken zurück in die Vergangenheit, in die frohen Tage von Kindheit und Jugend. Oder auch in die Zeit, in der der Schreiber dieser Zeilen ein blutjunger Lokalreporter war, der jedes Wochenende durchs Land zog, um über kulturelle Ereignisse zu berichten. Zumindest einmal im Monat kam er nach Bergneustadt, einem Städtchen zwischen Köln und Olpe. Dort veranstaltete die „Folk-Initiative“ ihre Konzerte, über die der noch unerfahrene Tintenpinkler schreiben durfte (Cheforganisator damals war übrigens Mike Kamp, Herausgeber des „Folker„). Und einmal, es war der 14. April 1984, Ostersamstag, da trat tatsächlich eine Bluegrass-Formation auf: „Cloud Valley“ aus Virginia/USA. Der Eintritt betrug 6,- DM. Aber der Schreiberling durfte ja umsonst rein.

Damals hatte er mit Bluegrass nichts am Hut, war aber objektiv verblüfft über die instrumentalen Fähigkeiten der vierköpfigen Band, mit der anschließend noch beim örtlichen Griechen über Musik und Politik diskutiert wurde. Damals stand ja die Friedensbewegung hoch im Kurs, ebenso wie der Anti-Amerikanismus. Und die Grasser reagierten irritiert, als wir bekundeten, die Sowjets nicht als unsere Feinde zu betrachten, sondern in erster Linie als Europäer. Es ging dann noch einiges hin und her, bis der Abend endete.

Nun, mehr als 20 Jahre später, ist dem Schmierer von damals sein Artikel samt Presseinfo wieder in die Hand gefallen. Und was sehen seine Augen? „Cloud Valley“ bestand mindestens zu drei Vierteln aus Leuten, die noch heute in der Bluegrass-Szene einen exzellenten bis überaus exzellenten Ruf genießen. Da wäre zum einen Bassistin Missy Raines, damals noch als Melissa angekündigt, seinerzeit 22 Jahre alt, aber bereits über die Maßen fähig. Dann der Gründer der Band, Bill Evans, der in Banjo-Kreisen hoch angesehen ist und von manchen als Innovator auf dem Instrument betrachtet wird. Schließlich hatten Cloud Valley auch einen Mandolinenspieler dabei: Steve Smith, der ebenfalls weiterhin musikalisch aktiv ist. Nur der Gitarrist Charlie Rancke scheint wenig Spuren hinterlassen zu haben, jedenfalls sind keine aktuellen zu finden. Mit denen also saß der Grünschnabel am Tisch und hat sich statt über Musik über Zivildienst und Waffen mit den amerikanischen Freunden unterhalten. Sünden der Jugend.

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