Hörgewohnheiten, sprunghafte

Weil ich mich hier immer wieder als Bluegrass-Möger zu erkennen gegeben habe und das logischerweise auch in der Natur dieses Blogs liegt, traue ich mich kaum, ein paar gegenläufige Zeilen zu schreiben. Aber in der letzten Zeit hat mein Interesse am Grass ein wenig Schaden genommen. Bitte jetzt keine Panik! Bl Bl – Blog bleibt! Nein, grundsätzlich möchte ich mal in die Runde werfen, wie das bei anderen so läuft. Bei mir lief es in der Vergangenheit immer in Phasen ab, das Musikhören. Da gab es nach den ersten Jahren mit Hitparadenklängen die Rockmusik, eine Jazzphase, eine mit viel afrikanischer Musik, auch mal Klassik, eine Folkphase, dann nochmal eine Punkphase usw. Resultat: Man hat mal an allen möglichen Musikformen und -richtungen geschnuppert und den Horizont erweitert. Aber dass ich seit 30 Jahren fortlaufend bei einem Stil geblieben wäre, kann ich nicht sagen. Sonst wäre ich zum Experten in irgendeiner Sache geworden. So bleibt´s beim Generalistentum.

Beim Bluegrass von einer Phase zu reden, wäre unzutreffend. Weil diese Phase schon relativ lange dauert (ist es dann eine Periode? Eine Ära?) – für meine Verhältnisse. Und die Zuneigung geht ja nicht weg. Aber kann es sein, dass man manchmal einfach Urlaub braucht nach zu intensiver Beschäftigung mit einer Musik? Dass mal ein Interregnum kommen muss, um manche Dinge wieder würdigen zu können? Ich weiß nicht, ob es so ist. Vieleicht handelt es sich auch um einen akuten Fall von frühseniler Sprunghaftigkeit und mangelndem Durchhaltevermögen. Aber es geht ja beim Musikhören und -machen nicht um einen Kampf (höchstens kurzfristig), sondern um freudige Veranstaltungen.

Jedenfalls habe ich immer Leute bewundert, die seit ihrer Jugendzeit an einer Sache konsequent drangeblieben sind – und heute über jede Menge Wissen oder spezielle Fähigkeiten verfügen. Nun, das ist die Sache der Generalisten-Psyche nicht. Der wird immer irgendwann langweilig, mehr oder weniger schnell. Der Song kann noch so toll sein, nach dem siebzehnten Hören kommt er zu den Ohren raus. Und mit Genres kann das ähnlich gehen. Niemand ist natürlich gezwungen, in einem Zeitabschnitt nur eine Art von Musik zu hören, da geht sicher auch einiges parallel. Das beantwortet aber nicht die Frage, ob das den Abnutzungseffekt stoppt und ob nicht trotzdem Ruhepausen eingelegt werden müssten. Das alles ist wahrscheinlich eine sehr persönliche Geschichte. Wäre trotzdem interessant zu erfahren, was die Gemeinde dazu denkt.

Und um Euch recht grüblerisch ins Wochenende zu entlassen, folgt hier noch der Sinnsuche-Song der „Indigo Girls“: „Closer to fine“ – mit Mando-Beteiligung (wenn auch nicht im Bild zu sehen).

3 Gedanken zu „Hörgewohnheiten, sprunghafte

  1. Ich glaube wir sind da aus relativ ähnlichem Holz gestrickt. Monokultur war noch nie mein Ding. Klar, es gibt Konstanten, die sich über Jahre halten. Meine Lieblingsplatte ist seit meinem 14. Lebensjahr zB: Elvis Costellos „This Years Model“. Ansonsten kann es gut passieren, das nacheinander Steve Earle, Motörhead, Miles Davis, Graham Parker, Robert Johnsons, Marc Ribot, Bob Marley, die Ramones und Junior Brown meinen CD-Player besuchen. So war das immer bei mir und ich bin guter Hoffnung das sich das die nächsten 43 Jahre auch nicht mehr ändert. Achso, und Bluegrass hör ich zwischendurch auch mal ganz gern.😉

  2. Pingback: Aufdrehen « DoppelstoppBluegrassMandoline

  3. Ach. Und ich dachte, dieses jetzt-MUSS-ich-aber-mal-wieder-was-anderes-hören wäre eine der Norm entsprechende Sache! So wie auf zu viel Kuchen fast unweigerlich die Lust auf ’ne Currywurst steigt.
    Ich wundere mich da übrigens auch über mich selbst, was den Bluegrass betrifft. Ich bin schon sehr schwankend in meinen Vorlieben, aber Bluegrass kann mich immer wieder begeistern – auch noch nach ca. 20 Jahren, die wir uns jetzt persönlich kennen! Feels like home – kein anderer Stil kann dieses mysteriöse Empfinden in mir auslösen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s