Mark macht alles

Wer stark verschnupft ist, dem knackts und knicksts in den Ohren und … Ah ja, hatte ich ja gestern schon. Lesen funktioniert jedenfalls. Auch über Musik lesen geht. Und da erlebe ich heute eine Sensation: Beim Blick in die stinknormale Tageszeitung (in diesem Fall: Kölnische Rundschau) springt mir eine fette Überschrift entgegen: „Auch mal was für Mandoline“ steht da. Darunter ein Foto von Mark Knopfler – nicht mit Mando, sondern mit Gitarre in der Hand. Anlässlich seines neuen Albums „Kill To Get Crimson“ scheint er eine Reihe von Interviews gegeben zu haben. Hier die Passage, die den Redakteur zur Überschrift inspirierte:

„Und mit meinem Studio bin ich in der großartigen Situation, tun zu können, was mir gefällt. Die Hälfte der Zeit schreibe ich Sachen für Kontrabass, manchmal schreibe ich was für Violine, dann wieder was für Bouzouki, für Mandoline, dann wieder was für eine Beat-Gruppe, ab und zu denke ich mir was aus für eine Blaskapelle und dann wieder was für Streicher. Momentan habe ich wirklich das Gefühl tun zu können, was mir gefällt. Und das behagt mir sehr. Ich will nicht auf eine Sache festgelegt sein. Das langweilt mich nämlich.“

Der Redakteur hätte also durchaus auch ein anderes Instrument in die Headline nehmen können. Aber nein, die Mandoline ist es geworden. Wahrscheinlich, weil es in der Leserschaft große Erregung auslöst, das zu lesen. Knopfler schreibt für Mandoline! Eine wahrhaft heraushebenswerte Verirrung des sonst doch so liebenswerten Kerls. Nun denn, Mandolinenfreunde werden sagen: Hauptsache Schlagzeilen! Bekommt man ja sonst keine in Mainstream-Organen.

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Vom Wert des Ohrs

Wer stark verschnupft ist, hat Schleier auf den Ohren und Stopfen drin und es knackst und knickst immer wieder. So macht das Musik hören keinen Spaß. Das Musik machen natürlich auch nicht. Wie soll das mal im Alter werden? Falls dann der schöne Hörsinn nachlässt? Siehe Helmut Schmidt: Für den ist die Musik ja eher zur Qual geworden, eben weil er sie immer so geliebt hat. Aber jetzt, mit der Schwerhörigkeit und den empfindlichen Hörgeräten? Das führt uns zu der beliebten Abenddiskussion, was schlimmer wäre – blind oder taub werden? Ich tendiere zu taub werden. Denn das Sehen verbindet uns „lediglich“ mit den Dingen, das Hören aber mit den Menschen. Stammt nicht von mir, hab aber vergessen, wer das mal gesagt hat. Finde ich aber passend. Nicht dass ich jetzt eines von beiden gern hätte, bitte Schicksal, jetzt hier nicht falsch verstehen! Aber taub sein muss doch ziemlich isolieren. Wie komme ich von Schnupfenohren auf Taubheit? Hypochonder, elender!

Alte Europäer, neue Welt

Europe rules! Na, jedenfalls am 1. Oktober in Michael Jonathons „Woodsongs„. Dann stehen die vier freundlichen Italiener von „Red Wine“ auf der Bühne in Lexington/Kentucky und die keltischen Urgesteine „Boys Of The Lough“ – obwohl zwei der letzteren gar nicht so urgesteinig, sondern noch relativ jung aussehen. Red Wine sind sowieso in den Staaten unterwegs, spielen beispielsweise bei der IBMA in Nashville: Vier kleine Italiener/die gingen nach Tennessee/und spielten dort Bluegrass/so schön und so schnell wie nie. Und wer weiß, vielleicht trifft Mandolinenspieler Martino Coppo dort einen Kumpel wieder: s. u.

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Gut Ding will sagen: Es dauert noch

Auf den Mandolinen-Workshop mit Jesper Rübner-Petersen hatte ich an dieser Stelle bereits hingewiesen. Und von seinem Buch war auch schon die Rede. Es soll dereinst bei Mel Bay erscheinen und sich ausschließlich dem Thema Improvisation widmen. Jesper schätzt, dass er rund 30 Kapitel auf 150 bis 200 Seiten verteilen wird – jede Menge Stoff also fürs Mandolinenvolk. Bis zur regulären Veröffentlichung via Mel Bay wird es aber wohl noch bis zu drei Jahre dauern. Möglicherweise bekommt Jesper allerdings die Möglichkeit, das Werk in der Zwischenzeit schonmal im Eigenverlag zu vertreiben. Mit dem Schreiben will er jedenfalls im kommenden Frühjahr fertig sein und vielleicht wissen wir zur Frankfurter Musikmesse schon mehr. Neuigkeiten dann hoffentlich an dieser Stelle. Seit drei Jahren arbeitet der Däne mit Wohnsitz Schwaben schon an dem Buch, in das auch zahlreiche Erfahrungen aus seinen Workshops einfließen werden. Einen Käufer für das Buch kenne ich jedenfalls schon …

Außer Mandoline spielt der Mann ja seine Gretsch in der Rockabilly-Kapelle „Red Back Spyders“ – was auf die Ohren gibt´s auf des Rübners Myspace-Seite. Ich verabschiede mich derweil in die Heimat des Bluegrass: die deutschen Südstaaten! Oder hab ich da was falsch verstanden? Til next week then. Und hier noch Jesper in Aktion:

Peel wird geschält

Vom legendären BBC-Discjockey John Peel war im alten Doppelstopp schonmal die Rede. Knapp drei Jahre nach seinem Tod geht der WDR dem Phänomen nach, im Rahmen der „WDR-Hörwelten 2007“: Am Samstag, 29. September, wird um 22 Uhr im Funkhaus die Live-Performance „Radio Peelings“ von Hans-Peter Metzler aufgeführt. Dazu kommen im kleinen Sendesaal DJs zusammen, die zum Teil selbst legendär sind: Alan Bangs, Klaus Fiehe, Thomas Meinecke, Sandra und Patrick Ziegelmüller und Klaus Walter. Sie werden natürlich Platten auflegen, doch was genau passieren soll, hat sich mir noch nicht erschlossen. „Schicht für Schicht“ soll das Phänomen Peel freigelegt werden, schreibt der WDR. „Gehört wird, was auf den Teller kommt. Eine gute Gelegenheit, flotte Sohlen auf das denkmalgeschützte Fischgrätenparkett des WDR-Funkhauses zu legen“, heißt es in der Ankündigung. Am 22. Oktober um 23.05 sendet WDR 3 dann das Ergebnis. Ob die DJs Bluegrass auflegen, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber zumindest DJ und Musiker Thomas Meinecke hegt ja ein Faible für US-amerikanische Musik. Und dessen Formation „F.S.K.“ war John Peels deutsche Lieblingsband, die sich gern beim Country bedient hat. Wer mag, soll hingehen – es kostet mit 6 Euro ja nicht die Welt. Ob´s nachher im Radio interessant wird oder ob nicht zu viel von der Performance verloren geht? Frage bleibt so stehen.

So hört Herr Kaiser

Nie hätte ich gedacht, dass Bluegrass in audiophilen Kreisen die Runde macht. Doch neulich im Hifi-Laden habe ich sie gesehen: die Hybrid-SACD „Gator Strut“ von Mando-Gott Mike Marshall. Na gut, das ist kein reiner Bluegrass, sondern hoch entwickelte akustische Musik, aber es sind beispielsweise Tony Rice und Dave Grisman mit von der Partie. Und das alles auf einer MFSL-CD. Ja, die Firma kennen wir noch von früher – jene sündhaft teuren LPs im schwarz-goldenen Gewand, als Teenager davor gestanden und gedacht: „Seid Ihr bekloppt?“ Über 60 Mark für ne LP? Die´s doch auch zum Normalpreis gibt? Aber egal, das „Mobile Fidelity Sound Lab“ mit Sitz in Chicago gibt´s immer noch, bietet 24-Karat-Gold-CDs an, Hybrid-SACDs und weiterhin original gemasterte LPs – darunter auch zwei Veröffentlichungen von Alison Krauss & Union Station! Da kostet das aus 25 Stücken bestehende „Live“-Album auf 180g-Vinyl um die 85 Euro – definitiv zu viel für uns einfache Landarbeiter, die wir unsere Kinder täglich mit Bohneneintöpfen durchbringen müssen. „Dies dürfte das erste Album in der Musikgeschichte sein, bei dem eine LP von einem reinen DSD-Mastertape geschnitten wurde“, schreibt der deutsche MFSL-Vertrieb dazu. Das überzeugt mich. Die Kinder können ja mal eine Woche Steinsuppe essen. Tja, wer an Musikgeschichte teilhaben und hören will wie ein Kaiser, kann nicht auch noch essen wie einer.

Damals im Äther

„A Prairie Home Companion“ hieß der letzte Film des 2006 verstorbenen Regisseurs Robert Altman, der beispielsweise auch „Short Cuts“ gedreht hat. In Deutschland bekam der Film den Titel: „Last Radio Show“. Erzählt wird die fiktive Geschichte einer Live-Radiosendung aus St. Paul in Minnesota, die eine eigenartige Mischung präsentiert aus Folk, Country, Gospel, Jazz, Sketchen und erfundenen Werbespots für gar nicht existierende Unternehmen. Das heißt, genauer geht es darum, dass der Sender die Show einstellt und wie es zuende geht. Unter anderem stirbt auch ein alter Bluegrass-Sänger. Ob Mandolinen im Film auftauchen, ist mir nicht bekannt. Für den Streifen hat Altman eine Starriege aufgeboten mit beispielsweise Meryl Streep, Lily Tomlin, Tommy Lee Jones und Lindsay Lohan. Kritiker haben den Film gefeiert, mal mehr, mal weniger. Die Komödie lief hierzulande ab April in den Kinos, mittlerweile liegt sie auch auf DVD vor. Den Trailer gibt es hier zu sehen – obwohl ich meistens finde, dass die nicht zum Gucken einladen.

Ansonsten könnten wir hier auch mal ein kleines Forum zur deutschen Radio-Nostalgie eröffnen: zu längst eingemotteten Jingles, Moderatoren, Sendungen. Obwohl im Internet allerhand zu finden ist, etwa zu Radio Luxemburg. Aber das wäre gerade ein anderes Thema. Vielleicht mal später. Mein Lieblings-Banjospieler ist jedenfalls gerade dabei, alte SWF3-Radiosendungen von Walter Fuchs zu digitalisieren. Na, das wird ein Nostalgiefest.