Fein ziseliert, fein formuliert

Man liest ja manchmal merkwürdige Dinge. Da testet Michael Vrzal CD-Player, Vollverstärker und Lautsprecher der englischen Manufaktur „rega“ und schreibt über die Exemplare im Januar/Februar-Heft 2007 von „image hifi„: „Objektiv haben sie keine Chance gegen die Vergleichsgeräte. Subjektiv aber gelingt ihnen wieder einmal dieser mir immer noch unbegreifliche transzendierende Schritt, dass elektronische Gerätschaften als Interpreten wahrgenommen und mit demselben Vokabular bewertet werden, das gemeinhin künstlerischen Darbietungen vorbehalten ist.“

Da schrickt der Musiker erstmal auf: Maschinen als Interpreten? Aber beim Durchdenken ist das gar nicht mal abwegig: Wahrscheinlich haben die meisten von uns schon Aufnahmen auf unterschiedlichen Anlagen gehört und festgestellt, dass sie immer anders klingen. So wie eine Stromgitarre immer anders klingt, je nachdem, in welchen Verstärker sie eingestöpselt ist. Und Mandos, je nachdem, durch welche Mikros sie gespielt werden. Ok, das Wort „Interpreten“ mag ein wenig zu menschelnd sein, aber letztlich klingt Musik nie ausschließlich auf eine einzige Weise. Konzerthallen wären danach übrigens auch Interpreten.

Vrzal fährt fort: „Was bei den Regas auffällt, ist ihr offensichtliches Wissen um die Kohärenz von Melodien.“ Wobei ich Kohärenz hier mal mit „inneren Zusammenhang“ übersetze. Das ist schon weit gedichtet. Aber so formulieren nicht nur Hifi-Freaks, die davon begeistert sind, wie Geräte es schaffen, Musik lebendig wiederzugeben. So sind auch Musiker, zumindest, wenn sie in irgendeiner Form mit technischen Hilfsmitteln umgehen. Ob der handverlötete Marshall-Amp oder die P-90-Pickups mit dem ganz besonderen Schmatz oder das unglaubliche Neumann-Mikrofon: ein bisserl Technik-Begeisterung darf´s schon sein. Wir sind ja schließlich Männer!

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