Kalender, Kalender, Du bist ja schon so dünn

Termine, Termine, Termine! Das fängt ja schon im Privaten an. „Du, ich würd gern mal wieder vorbeikommen. Wie wär´s bei Dir nächstes Jahr in der ersten Juliwoche?“ – „Oh, tut mir leid, da bin ich auf Radwanderung im Teutoburger Wald.“ Und das ist doch kein Einzelfall! In der Bluegrass-Welt tut sich Ähnliches: die Zwänge des Kalenders. So herauszulesen aus der Mail von Walter Fuchs, die gestern hereinkam – ich hatte ja wissen wollen, warum Bühler Bluegrass und holländischer Bluegrass 2008 an ein und demselben Wochenende ausgetragen werden. Damit ist der Macher des Bühler Festivals auch ganz und gar unglücklich und erklärt: „Es ist zwar nicht so, dass wir irgendwann mal mit der EBMA an einem Tisch sitzen und die Termine koordinieren. Die EBMA kennt jedoch unsere Termine weit im voraus.“ Denn das Bürgerhaus in Bühl leidet offenbar nie unter Leerstand, alle wollen sie rein, nicht nur die örtliche Stadtkapelle. Deswegen können sich Bluegrasser schon heute die Daten für die Festivals der nächsten Jahre notieren: 2. Mai 2009, 15. Mai 2010 (wahrscheinlich).

Mal eben in den April ausweichen geht offenbar aus verschiedenen Gründen auch nicht, wobei ein Aspekt fürs Bühler Festival eine besondere Rolle im Hinblick auf Qualität spielt – am letzten Wochenende im April läuft in den USA das Merlefest. Walter Fuchs: „Zu diesem Termin bekommt man kaum eine US-Band von Rang und Namen. Deshalb sind wir auch nach schlechten Erfahrungen in den Mai gerutscht.“ Jetzt könnte man natürlich theoretisch einen der anderen schönen zehn Monate ausgucken, um was zu veranstalten. Aber einmal entwickelt sich auch sowas wie Tradition, auf die man sich einstellen kann. Und zum zweiten hat ja auch der Mai meistens vier bis fünf Wochenenden. Naja. Koordination ist eine schwere Sache, und wenn man sie dann noch „auf europäischer Ebene“ betreiben soll … „Ich weiss natürlich auch nicht, wie beweglich die EBMA mit ihren Terminen ist. Ich kann nur hoffen, dass es künftig nicht wieder zu solchen Überschneidungen kommt“, schließt Walter Fuchs. Wir hoffen mit. Und fragen die EBMA, wie beweglich sie mit ihren Terminen ist.

Fünf sind besser als zwölf

Gestern ist er zu Ende gegangen, der dreitägige Mando-Workshop in Solingen mit Jesper Rübner. Ich gehörte zwar nicht zu den Teilnehmern, aber mir ist zu Ohren gekommen, dass die anwesenden Schülerinnen und Schüler sehr zufrieden waren. Besonders die Nachricht von der Erfindung der Pentatonik soll eingeschlagen haben wie eine Bombe! So wie ich es verstanden habe, bedeutet Pentatonik: Soli zum halben Preis, aber mit maximalem Effekt! Nur fünf Töne, aber mit dem Resultat großartiger virtuoser Blenderei! Die muss ich auch haben, denke ich bei mir, suche im Internet und finde das hier – nebst anderen Skalen mehr. Der Name kommt übrigens vom griechischen penta=fünf. Kennen wir ja vom Begriff „Penthouse“, der soviel heißt wie fünf Häuser in einem zu bekommen. Oder vom Pentagon mit seinen fünf Ecken. Oder von Pentagungen, wo nur bis zu fünf Schriftsteller hin dürfen (ok, übler Kalauer, ich entschuldige mich beim deutschen Pen in aller Form). Liebe Workshop-Teilnehmerinnen und -teilnehmer, ich rufe es jetzt mal in hoffentlich Eurem Sinne aus: Lang lebe die Pentatonik!

Beste Bands besuchen Bühl

Wer es noch nicht anderswo gelesen hat, der bekommt hier das Line-up fürs Bühler Bluegrass-Festival 2008. Auftreten werden: The Infamous Stringdusters (USA), Don Rigsby & Midnight Call (USA), Frigg (Finnland) und Main Spring (D). Bei letzteren handelt es sich ja um Urgesteine der deutschen Bluegrass-Szene, die Band wurde 1983 gegründet und formierte sich in den Neunzigern neu. Mark Stoffel wird übrigens die Mandoline spielen – er lebt zwar seit einer Weile in den USA, kommt aber eigens fürs Konzert nach Bühl. Ziemlich exotisch muten Frigg an: Die Finnen stellen fünf (!) Fiddles in die erste Reihe. Was mich an meine Idee erinnert, mal eine Bluegrass-Band mit drei Mandolinen aufzustellen, wo dann alle Mandos im Rhythmus synchron hin- und herschwingen, so ähnlich wie bei Status Quo eben.

Nun wollen wir aber nochmal kurz ernst werden. Denn das Bühler Festival steigt am 3. Mai 2008. Gleichzeitig, vom 1. bis 3. Mai, gibt´s das große EWOB-Festival in Voorthuizen, Niederlande. Bevor ich mich da über mangelnde Absprachen und fehlende Koordination aufrege, werde ich erstmal Walter Fuchs fragen, wie sowas zustande kommt. Und nachher sind wir vielleicht alle schlauer.

Hopf mit neuem Knopf

Wir verfolgen in diesen Tagen das Schicksal einer alten Hopf-Mandoline. Nach 40 Jahren Dienst war ein Tuner-Knopf gebrochen – so ließ sie sich nur noch mit Zange stimmen. Um diesen unhaltbaren Zustand aus der Welt zu schaffen (und das Stimmen insgesamt zu erleichtern) hat sie nun neue Gotoh-Mechaniken verpasst bekommen: von mir höchstselbst! Jawohl, ich habe mich mit beiden linken Händen an die Reparatur gewagt. Zum Glück passten die Achsen (?) in die vorhandenen Löcher, nur zur Befestigung mussten die Schrauben an neue Stellen gesetzt werden. Mit ein wenig Vorbohren war auch das kein Problem. Nur die beigelegten Schrauben konnte ich nicht verwenden, die waren a bisserl lang und wären auf der anderen Seite wieder durchs Holz gekommen.

Nun ja, was soll ich sagen? Das sieht jetzt nicht ganz so schön aus wie vorher (die alten Dinger waren kleiner), aber es funktioniert alles bestens. Hab dann noch ein bisschen Steg-Schiebung betrieben und die Intonation eingestellt. Jetzt darf Hopf wieder ran. Mal sehen, was man damit Schönes spielen kann. Bei der Gelegenheit müsste ich mal rausfinden, ob solche Blogs wie dieser hier das Hinterlegen von O-Tönen erlauben – ich bin ja doch manchmal noch ein kleiner Dummer …

Gestern Showbühne, morgen Studio

Der späte Gast macht sich bemerkbar. Beim Reinkommen knallt die Tür hinter ihm zu, er schreitet froh durch den Raum, wo das Konzert bereits läuft, nimmt sich rumpelnd einen Stuhl vom Stapel, obwohl noch einige Plätze frei sind, stellt ihn vernehmlich in Position, zieht die Jacke aus – wobei er mit dem Reißverschluss wogegen schlägt –, klimpert dann noch vernehmlich mit dem Schlüsselbund und setzt sich unter nochmaligem Zurechtrücken des Stuhls. Dann können wir uns wieder der Musik widmen. Doch nein! Der Gast steht wieder auf, nimmt den Stuhl und trägt ihn an einen anderen Platz. Dann, nach diesem neuerlichen Procedere, kehrt Stille ein.

Das ist auch gut so, denn auf der Bühne der „New Acoustic Gallery“ in Solingen spielt das „Duo Vibração“: Oliver Waitze an Gitarren und Mandoline und Jesper Rübner-Petersen an seiner F5, beides Virtuosen ihrer Instrumente. Gypsy, Swing, Bluegrass, Choros, Dawg-Music: Funktioniert alles in nur einem Programm. Und demnächst wohl auch auf CD, denn Waitze und Rübner gehen von Montag bis Mittwoch mit dem Bassisten der Band von Joscho Stephan, Max Schaaf, ins Studio und nehmen auf. Natürlich nix für Hardliner einer bestimmten Stilrichtung, aber wer den Horizont weit hält, wird möglicherweise seinen Spaß haben. Möglicherweise, weil manchmal das Live-Erlebnis noch in den Ohren steckt und Studioaufnahmen dagegen blutleer wirken können. Oder es aufregend ist, die Musik zu hören und zu sehen, das Hörerlebnis allein aber nicht trägt. Ging mir persönlich mal so nach einem Konzert mit dem Gitarristen Peter Finger – live sehr schön, die CD vergleichsweise langweilig. Letztlich sind Aufnahmen ja doch nur Konserven, was zählt, ist live, haha. Aber was können wir alle glücklich sein, in einer Zeit zu leben, in der es musikalisches Dosenfutter zu schleckern gibt. Der Griff zur Büchse ist auch ein lustvoller. Danke Edison, Philipps, Sony und wer noch dran beteiligt war und ist.

Heute abend um 23:35 gibt es übrigens auf SAT 1 in „News & Stories“ einen Film mit dem Cousin des Heiratsschwindlers Rodriguez Fatzanatas. Ich glaube, es handelt sich dabei in Wirklichkeit um Helge Schneider. Kann – wie immer bei Helge – große Klasse oder großer Mist werden.

Onkel Tommy lebt als Mönch

Manchmal überschlagen sich die Meldungen über Kuriositäten! Blogger Boogie macht mich auf das Duo „Uncle Monk“ aufmerksam, das bereits in den „Woodsongs“ (Nr. 439) aufgetreten ist. Und beim männlichen Part handelt es sich doch tatsächlich um den früheren Drummer der Ramones, Tommy Ramone, bürgerlich Tamás Erdélyi! Nun drischt er heute nicht mehr auf Felle ein, sondern spielt Mandoline. Ein lebender Ramone, unglaublich! Während seine Kollegen von damals alle schon in die ewigen Punkgründe eingegangen sind, spielt Tommy Folk und Bluegrass. Schicksale gibt´s …

Außen brav, innen wild

Das ist ja wohl das Zitat des Tages, vielleicht auch der Woche, wenn nicht gar des Monats: „Mir gefällt vor allem Musik, in der die Leute brav aussehen – aber im Inneren sind sie wild. Tango-Musiker sind so. Und Bluegrass-Musiker sind so. Sie sehen sehr zahm aus – Gott, Familie, u. s. w., aber hinter dem Vorhang, da ist das, was man »Moonlight» nennt – das Unergründliche.“ Gesagt hat das der französische Musiker und DJ Philippe Cohen-Solal, Mitgründer des „Gotan Project“, das Tango-Musik mit Hilfe von Dance-Beats und Elektronika aufgepeppt hat. Jetzt ist der Mann in die Nähe von Nashville gegangen und hat ein Bluegrass/Country-Album aufgenommen, mit Leuten aus der Nashville-Szene. Titel: „The Moonshine Sessions“. Warum hat er das getan? Weil er es als französischer Country-Fan traurig findet, dass diese Musik in seinem Heimatland marginalisiert wird. Und weil er Songs zu schreiben begann, zu denen er besondere Ideen entwickelte: „Ich stellte mir vor, dass ich dazu Banjo, Geige und Mandoline spielen würde. Aber ich wusste nicht, wie es klingen könnte.“ Dann besuchte er in Tennessee einen Bluegrass-Kurs und die Sache nahm ihren Lauf – in Kooperation mit Dylans früherem Pedal-Steel-Gitarristen Bucky Baxter. Die ausführliche Geschichte dazu steht hier. Und wie hört sich das an? So!

Wenn die Ali mit dem Robbie

„Juhu! Meine Alison kriegt jetzt reihenweise neue Fans!“ So jubelte vorgestern ein Kundenrezensent bei „Amazon“ über „Raising Sand“, die gemeinsame CD von Alison Krauss und Robert Plant. Wer sich selbst ein erstes Bild machen möchte, kann bei Rounder Records Hörproben abrufen. Was da von T-Bone Burnett produziert wurde, klingt wenig nach Bluegrass. Hört sich eher an wie eine angenehm zurückhaltend instrumentierte Songwriter-Scheibe, auf der Alison Krauss ihren gewohnten Zauber entfaltet, Robert Plant hingegen weit weg agiert von seiner alten Funktion als „Shouter“. Was aber gar nichts Schlechtes bedeutet, im Gegenteil: Der 59-Jährige kann es glaubwürdig zart. Bin mal gespannt, ob diese Platte von Medien wie dem „Rolling Stone“ wahrgenommen wird und wie dort die Beurteilung ausfällt. Ein Fall für Feyer. Oder Doebeling, der neulich sonntags auf „Radio eins“ in „roots“ seine 50 Lieblings-LPs vorstellen durfte. Da war viel Schönes dabei, vielleicht ein bisschen viel Stones und Scott Walker, aber egal. Die Moderationen zwischen den Stücken muss man allerdings schon teilweise aushalten wollen. Vielleicht sollten Schreiber nur für den Hörfunk arbeiten, indem sie Sendungen zusammenstellen, wo die Songauswahl für sich stehen kann und die Stücke lediglich per Internet-Playlist und Radiotext kundgetan werden. Das erspart uns manch ermüdendes Sprüchlein aus dem Äther.

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Bluegrass unter Sonderzeichen

Was ist das Dumme am „Duo Vibracao“? Dass sowohl unters „c“ als auch übers „a“ Sonderzeichen gehören, von denen ich nicht weiß, wo ich sie suchen soll, geschweige denn, wo sie zu finden sind. Im Übrigen gibt es an Jesper Rübner (Mandoline) und Oliver Waitze (Gitarre, Banjo, Mandoline etc.) nicht viel auszusetzen. Die beiden sind flotte Finger mit breitem Repertoire, das von Bluegrass über brasilianische Choros bis zu Django-Jazz reicht. Am kommenden Samstag, 27. Oktober, spielen sie um 20 Uhr für 15 Euro ein Konzert in der „New Acoustic Gallery“ in Solingen – im Rahmen des dortigen Mando-Workshops. Was als gut gemeinter Tipp für Menschen aus den Rhein- und Ruhr-Landen gedacht ist, die Spaß an professionell gespielter akustischer Musik haben.

Keine Hauer, schöne Beißer

Als Bühnenkünstler hat man so seine Sorgen. Zum Beispiel jedes Mal die Frage: Was ziehe ich an? Das bunt bestickte Bluegrass-Hemd oder das einfache T-Shirt? Dabei handelt es sich noch um ein vergleichsweise einfaches Problem. Schwieriger wird´s, wenn man sich als singender Mandolinenspieler um die Strahlkraft seines Gebisses sorgt. Nach diversen Zahnarztbesuchen in jüngster Zeit denke ich manchmal, dass da nur noch Stümpfe vorhanden sind. Was natürlich nicht stimmt. Bin ja auch jahrelang immer brav hin in diese Praxen. Jetzt empfahl der Arzt eine prophylaktische Paradontose-Behandlung, Kostenpunkt: 80 Euro pro Stunde. Ob das nun sein muss, ich weiß es nicht. Aber die Behandlung weckt Hoffnung auf anschließendes strahlend weißes Lächeln, was nicht nur wichtig fürs Fernsehen ist, sondern auch für die Damen am Bühnenrand. Männer schauen ja eher auf die Finger als aufs Gesicht.

Vielleicht mach ich mir zu viele Gedanken um makellose Zähne. Aber man soll seine Eitelkeit auch nicht vollständig ignorieren. Zu meiner Beruhigung tauchte die Tage ein Video auf Youtube auf, das den früheren Sänger der „Pogues“, Shane McGowan, im Duett mit Folk-Legende Christy Moore zeigt. Die beiden geben „Dirty Old Town“. Shane, angeblich ja der erste irische Sänger, der wegen Alkoholismus´ (!) aus der Band gewuppt wurde, Shane also liefert ein absolutes Bild des Jammers – nicht nur wahrscheinlich komplett betrunken, sondern diese Zähne! Oder besser: diese nicht vorhandenen Beißer der ersten Reihe! Dämon Alkohol! Wenigstens fühl ich mich jetzt wie ein Colgate-Model. Auch schön, so schön wie das Wochenende, das Ihr hoffentlich haben werdet. Wen höre ich da rufen, ich solle mir mal lieber Gedanken ums Mandolinenspiel machen statt um Äußerlichkeiten? Keine Ahnung vom Showbusiness, der Mann.

Dreimal Saitenputzer

Gute Nachrichten sind gute Nachrichten: Drei Termine der „Infamous Stringdusters“ in Deutschland stehen bereits. Im Mai 2008 werden sie in Bühl auf dem Bluegrass-Festival spielen (Samstag, 3.5.), dann in Lutherstadt Eisleben (Freitag, 9.5.) und schließlich in Haus Opherdicke in Holzwickede, gleich bei Dortmund (Mittwoch, 14.5.). Vielleicht kommen noch ein paar Termine dazu? Aber was sollen wir uns mehr wünschen als das Date am 14.? Natürlich drücken wir auch jenen in Restdeutschland die Daumen, dass sie einen ortsnahen Termin abbekommen. Wir sind schonmal bedient.

Stofflieferer #4: Gillian Welch

Man kann nicht alles kaufen und nicht alles haben. Manchmal plagt mich trotzdem das schlechte Gewissen, dass keine CD von Gillian Welch im Regal steht. Wohl aber Platten anderer Künstler, auf denen Songs von ihr zu finden sind, Chris Thile beispielsweise, der ihr „Wayside/Back in time“ für seine jüngste CD aufgenommen hat – eines der stärksten Stücke des Albums. Gillian Welch begegnet uns relativ häufig: bei „Red Wine“, die „Winter´s come and gone“ aufgenommen haben, oder bei Solomon Burkes „Nashville“-CD, wo er „Valley of Tears“ interpretiert. Oder mit „Orphan Girl“ in der Version von „Crooked Still“. Dabei wirkt Gillian Welch gar nicht übermäßig produktiv, jedenfalls nicht, was den Output eigener CDs angeht. Seit 1996 hat sie vier Platten veröffentlicht, die bislang letzte, „Soul Journey“, erschien im Sommer 2003. Aber irgendwie ist sie trotzdem allgegenwärtig. 2004 war sie mit ihrem musikalischen Partner David Rawlings sogar mal in Europa unterwegs – im Vorprogramm von Norah Jones! Also irgendwann fordert es der Anstand, sich mal mit ihren Originalen zu befassen. Über diesen Krokodilsversand via Amazon sind die CDs ja relativ günstig zu bekommen. Und dann beginnt das große Wundern, wie die Songs ursprünglich geklungen haben. Das ist die große Aufgabe interpretierender Künstler: die Substanz eines Stücks erkennen und für sich umsetzen, dass es wie ein eigenes wirkt. Doch wir werden nicht müde, auf die Urheber hinzuweisen – wie auf Gillian Welch.

Junge Dame, schon weit oben

Hm, schon wieder ein Name, der mir bisher nicht begegnet ist: Sarah Jarosz. Kommt wohl heute abend in der Deutschlandfunk-Sendung zum Telluride-Festival zu Wort. Ihr Geburtsdatum hab ich auf die Schnelle nicht recherchieren können, aber sie dürfte kaum 20 sein. Hat allerdings als Wunder-Teenie schon mit den großen US-Stars wie Tim O´Brien und David Grisman und Ricky Skaggs und so weiter auf der Bühne gestanden. Die Texanerin spielt vor allem Mandoline, dann noch Gitarre, Banjo, schreibt Songs und singt. Und scheint auf einem ziemlich erfolgreichen Pfad zu wandeln. Im März dieses Jahres hat sie den „Austin Music Award“ gewonnen – so jung war nur Charlie Sexton, als er Mitte der 80er dort bepreist wurde. Also warten wir mal ab, wie sich die Lady so entwickelt. Hier zu sehen und hören an der Seite von Mike Marshall.

Höhenberauschte Gipfelstürmer

Liebe Hörfunk-Freunde! Liebe TV-Glotzer! Liebe Mediennutzer! Falls Ihr den morgigen Montag noch nicht komplett verplant habt, aufs ZDF-Montagskino und fünf Minuten Beckmann verzichten könnt, gebe ich Euch mal einen Radio-Tipp. Denn im Deutschlandfunk gibt´s in der Sendung „Rock et cetera“ am Montag, 15. Oktober, von 22.05 Uhr bis 22.50 Uhr einen Bericht vom diesjährigen „Telluride-Festival“. Musikjournalisten-Urgestein Jörg Feyer war dabei und lässt uns teilhaben. Hier die offizielle Vorankündigung:

„Es gibt Bluegrass-Festivals – und es gibt Telluride. Seit nun schon 33 Jahren ist der Gebirgsort in fast 3000 Meter Höhe Schauplatz für musikalische Höhenflüge, die zwar auch auf die klassische Instrumentierung mit Fiddle, Banjo und Mandoline bauen, aber Genre-Grenzen längst immer wieder erfolgreich ignorieren oder erweitern. Inzwischen machen sich auch Rockbands und Jazzkünstler gern auf den Weg nach Colorado, um vor zehntausend Fans und einer traumhaften Bergkulisse in den Rocky Mountains eine gute Zeit zu haben und sich dabei vielleicht noch ein bisschen neu zu erfinden. Jörg Feyer suchte vor Ort nach den Demarkationslinien zwischen Tradition und Erneuerung, sprach mit Veteranen wie Sam Bush, der bisher nur die Premiere 1974 verpasste, und Newcomern wie Sarah Jarosz, die aufgeregt ihrem Debüt auf dem inzwischen vier Tage dauernden Festival entgegenfieberte. Das darf sich neuerdings auch noch – als erstes Musikfestival – mit dem großen Öko-Etikett schmücken, denn es geht, Reise-Emissionen inklusive, komplett CO2-neutral über die Bühne.“

Rein höhentechnisch betrachtet, müsste ein derartiges Festival bei uns auf der Zugspitze stattfinden – aber wohin dort mit den 10.000 Zuschauern? Auf die Nachbargipfel verteilen. Aber ob da Stimmung aufkommt? Wir lassen´s lieber beim Jodeln. Ach, fällt mir ein: Mein Lieblings-Banjospieler ließ mir eine Aufnahme der „Country Gentlemen“ zukommen mit deren Stück „Matterhorn“ (sprich: Mädderhorn), dargeboten live in Japan! Alles also doppelt bekloppt! Zum Exotischen drängt, am Exotischen hängt doch alles. Offenbar.