Glotzen, lauschen, staunen

Musik hören ist ne feine Sache, Musik hören und gleichzeitig sehen manchmal noch toller. Aber auf youtube wackelt´s zeitweise arg und die Tonqualität darf bisweilen gar nicht als Qualität bezeichnet werden. Außerdem sucht man sich öfters schwindlig. Schön sortiert präsentiert uns dagegen „Country Music Television“ (CMT) im Internet Auszüge aus seiner Reihe „Unplugged at Studio 330“. Wer das zugehörige Archiv durchforstet, findet neben jeder Menge Country auch Bluegrass- und Mandolinen-Acts wie Sam Bush, Ricky Scaggs und Chris Thile (Nickel Creek ebenso). Fast ohne Mando kommen anscheinend die „SteelDrivers“ aus, was schade ist, weil sie eine knackige Variante von Bluegrass spielen, die jemand in Blues getunkt hat – man höre und sehe ihr „Midnight Train to Memphis„. Aber in der wunderbaren Nummer „Heaven sent“ spielt doch eine Mando mit. Kurzum: geile Band, die mir bisher noch völlig durch meine schüttere Aufmerksamkeit gerutscht ist. Wer sich dafür interessiert, kann sich auch Interviewausschnitte mit den Künstlern angucken. Dank an CMT, das zu MTV gehört, wo ja eigentlich kaum noch Musik läuft. Die haben das wohl alles ins Netz verschoben?

Nachtrag zu den SteelDrivers: Sie werden ebenso wie Tim O’Brien im März im Rahmen der Woodsongs auftreten – am 17.3. Bis dahin folgende Stahltreiber-Quellen studieren: Website und MySpace-Auftritt.

Was bringt der März außer Eier?

Bald ist März. Und was bringt der März? Angeblich am Samstag Orkan. Dann ist Mitte des Monats mal wieder Musikmesse in Frankfurt am Main, wo sich all die hübschen Mandolinen treffen – manche, die man anfassen darf (beispielsweise Kentucky, Eastman, aber auch Lebeda und Furch), andere, die sicher weggeschlossen sind hinter Panzerglas (Gibson). Und dann ist auf der Woodsongs-Website ein Konzert mit Tim O’Brien angekündigt: für den 24. März. Das bekommen wir ja auch irgendwann zu sehen und zu hören, was mich als erklärten O’Brien-Fan doch recht arg freut. Bis es soweit ist, müssen wir uns mit seinen CDs begnügen oder auf seiner Website das Duett „You are my flower“ gemeinsam mit Chris Thile anhören. Im Übrigen soll im Frühling ein neues Album von Tim erscheinen namens „Chameleon“, genau gesagt: am 25. März auf „Proper American„. Unbesehen ruf ich: Her damit! Ist ja doch einiges los im März.

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Darf´s ein Grammy mehr sein?

So ganz ohne Mandolinenlorbeeren ist die Vergabe der Grammy-Awards doch nicht abgegangen. Andererseits: Angesichts der Vielzahl an Kategorien fällt es auch ein bisschen schwer, den Überblick zu behalten. Jedenfalls sei hier nachgetragen: Ex-Band-Drummer und Mandolinenspieler Levon Helm hat einen Grammy bekommen in der Abteilung „Best traditional folk album“ für die CD „Dirt Farmer„. Der zunehmenden Vollständigkeit musste es gesagt werden.

Bewahrt uns die Natur!

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Ja, wen haben wir denn da? Ist´s die kleine Flocke, die da Mando spielt? Nee. Sieht eher aus wie Pocke. Egal. Alle Tiere lauschen gebannt dem Meisterchen Petz an seiner Weber-A-Mandoline. Mit solch reizenden Bildchen also wirbt diese Edel-Schmiede für ihre Instrumente. Entzückend. Gesehen habe ich es zuerst auf einer Blog-Site, wo einige Songs gelistet sind, in denen Mandos ein Tönchen mitzuspielen haben. Mehrere Tönchen. In recht verschiedenen Stilen. Kann man sich ruhig mal anhören, hier der Link. John Hiatt und die Indigo Girls sind dabei. Ist auch keins länger als fünf Minuten.

Zeit für Krautsgrass

Es gab eine Zeit, da mussten wir immer brechen, wenn wir von Stücken lasen, die länger als vier Minuten dauerten. Sie steckten alle noch im Ohr, die verquasten, Rock-Suiten genannten, zehnminütigen Solo-Orgien mit selbstherrlichen Musikergöttern. Dann kamen glücklicherweise Punk und New Wave, die dem etwas entgegenzusetzen hatten. Und in den 80er- und frühen 90er-Jahren dachte ich, die krautrockigen Endlosstücke gehörten der Vergangenheit an. Wer allerdings heute schaut, was Schülerbands so spielen, dann ist das nicht nur Metallica und Dark Metal. Es sind die längst ausgestorben geglaubten zwölfminütigen Epen darunter, vertrackt aufgebaute Kompositionen mit bedeutungsschwangeren Breaks und sich dramatisch auftürmenden Sounds, mit verträumten Akustikgitarren neben tiefer gestimmten Metall-Brettern – alles in einem Stück, versteht sich.

Interessant, dass es weiterhin einen fruchtbaren Schoß gibt, aus dem heute das wieder entspringt, was Ende der Sechziger als „Progressive Rock“ verehrt wurde. Ich schreibe das, weil heute Punch-Brothers-Tag ist: der Tag, an dem in den USA das Debüt der Band um Chris Thile erscheint. Und wer sich die Streams auf deren Myspace-Seite anhört, kommt nicht umhin, an die vergangenen und nun wieder erwachten Kraut-Tage zu denken. Denn das hört sich (zumindest auf dem Büro-PC) so an wie eine stark verkopfte Mischung aus Bluegrass, Jazz, Folk, Alternative und Klassik, dargeboten in üppigen Portionen von vielen Minuten Länge. Ohne konzentriertes Zuhören ist da nichts zu machen. Eine akustische Kunstmusik auf hohem musikalischen Niveau. Wie nicht anders zu erwarten bei der Besetzung. Aber wenn ich wählen und mich entscheiden müsste, würde ich die gute Dreieinhalbminutenform vorziehen. Aber die haben Thile und Kollegen womöglich schon viel zu oft bedienen müssen. Und werden deshalb sinfonisch.

Stofflieferer #7: Kate Wolf

Ja, ja, ja, mir ist bewusst, dass die Rubrik „Stofflieferer“ nie enden wird, zumindest nicht, wenn die einzelnen Beiträge zeitlich so weit auseinanderliegen. Aber ab und zu werde ich trotzdem mal ein paar Namen unter dieser Überschrift liefern. Diesmal also Kate Wolf. Keine Bluegrass-Künstlerin, sondern eher in der Folk-Ecke zu suchen. Sie hat „Across the great divide“ geschrieben, was uns in der Version von „Red Wine“ so angerührt hat. Ihre Karriere dauerte im Grunde nur 15 Jahre, dann starb sie mit 44 Jahren an Leukämie. 1986 war das, aber interessanterweise werden ihre Songs noch heute gern gecovert, etwa von Emmylou Harris und Lucinda Williams. Wer etwas über Kate Wolf wissen möchte, besucht Wikipedia oder die offizielle Website. Dort findet sich auch eine Liste mit Songs, die sie aufgenommen hat – zum größten Teil mit Audio-Schnipseln zum kurzen Kennenlernen versehen. Außerdem steigt in ihrer Heimat Kalifornien jährlich das „Kate Wolf Memorial Music Festival„; auf dem 2008 beispielsweise Keb´ Mo´ und David Lindley mit dabei sind. Um ihr Andenken müssen wir uns also derzeit nicht sorgen.

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Öfter mal was Seichtes

Normalerweise geben sich Kerle unseres Schlags gern anspruchsvoll. Schnödes Hitparadengedudel lehnen wir ab. Wir zählen uns zur individualistischen Fraktion, zur progressiven Abteilung. Mit dem musikalischen Mainstream haben wir nichts zu schaffen. Bluegrass ist in Deutschland sowieso kein Mainstream, wird nie Mainstream sein. Wir verschließen unsere Herzen vor dem Seichten, obwohl die Herzen selbst gern mal ein bisschen darin waten würden. Es gehört deswegen selbst heute immer noch Mut dazu zuzugeben, auf was man als Kind und Jugendlicher mehr oder weniger heimlich stand. (Jedenfalls mehr Mut, als Tom Cruise brauchte, um Stauffenberg zu spielen.) Niemand wollte sich blamieren. Als ich anfing, mich für Popmusik zu interessieren, waren „Sweet“ meine Lieblingsgruppe. Damit war ich wahrlich nicht alleine. Damals, Anfang der 70er, für echte Rocker reines Teeniegedudel, wie auch im Grunde Slade und T. Rex. Aus heutiger Sicht natürlich knallharte Rockmusik, jetzt mal im Vergleich. Auch Johnny Haeusler vom „Spreeblick“-Blog, vormals Punker mit „Plan B“, war Sweet-Fan – ein Mensch von gleichen Jahrgang wie ich. Deswegen weise ich hier auf Johnnys Erinnerungen an sein erstes Rock-Konzert mit „The Sweet“ hin. Vor allem hat er das Zeitgefühl von damals erfasst. Nicht im geschichtlichen Sinn, sondern im Sinn eines Zwölfjährigen. Was wir heute ja oft vergessen: dass früher unser Zeitempfinden ein anderes war. Ich zitiere Johnny, den ein erfahrener Rocker damals aufklärte, dass erstmal eine Vorgruppe auftreten würde: „Die Vorgruppe? Welche Vorgruppe? Ich wollte keine verdammte Vorgruppe sehen! Ich wollte THE SWEET! Ich hatte zwei Stunden Zeit, die wollte ich nicht mit einer Vorgruppe vertrödeln! ,Meistens spielen die Vorgruppen eh viel länger als die Hauptgruppe, die haben das nicht mehr nötig´, wusste der Rocker. Ich war erschüttert, vor allem, weil die Vorgruppe (“No Dice“?) furchtbar und tatsächlich sehr lang spielte, also länger als drei Minuten.“

Ja genau. Verdammt, waren wir ungeduldig als Jugendliche. Und das kommt heute noch durch. Und dann ärgere ich mich drüber und will ein gelassener Buddhist sein. Vergebene Mühe. Also bleiben wir lieber Kindsköpfe, gönnen uns ab und an was Seichtes oder suhlen uns in unseren Kinderbands wie eben Sweet, Slade und T. Rex. Weil ich nicht in West-Berlin groß geworden bin, habe ich nie jemanden von denen live erlebt. Heute schau ich sie mir auf Youtube an. „Ballroom Blitz“ gibt´s beim Spreeblick zu sehen, hier ergänzend Slade mit „Gudbye t´Jane“. Kann das mal jemand als Bluegrass spielen? Und wo gibt´s diese tolle Perücke von Sänger Noddy Holder?