Gierige Blicke

Ich kenne Menschen, die müssen alles auseinandernehmen. Wenn sie sich beispielsweise ein neues Elektrogerät anschaffen, werden erstmal sämtliche Schrauben gelöst, um anschließend das Innenleben studieren zu können. Bei einer Mandoline geht das schwerlich. Es sei denn, man schwenkt das Instrument über heißem Dampf, damit sich der Leim löst und danach sämtliche Einzelteile durch die Gegend knallen. Vielleicht gibt es auch solche Typen. Die meisten trauen sich das nicht, möchten aber trotzdem mal in den Korpus gucken, um das Bracing zu beobachten. Nicht dass es sich bewegen würde. Ich weiß auch nicht, warum sie das wollen. Suchen sie nach unsauberen Feilungen? Nach Lacknasen? Nach Ritzen? Nach dem Gold der Nibelungen? Mit Dental-Werkzeug gehen sie zur Sache, mit kleinen leuchtstarken Taschenlampen, um Einsicht ins Verborgene zu erhaschen. Bei gebrauchten Instrumenten ziehen sie sich dabei noch eine Hausstauballergie zu, wenn sie die Wollmäuse in den Korpusecken liegen sehen. Aber in Zeiten, wo sich angeblich jeder für Wissenschaft interessiert (interessieren muss, wegen PISA), bleibt das wohl nicht aus. Wenn jeder Mann so viel Sorgfalt auch seiner Kloschüssel angedeihen ließe, wären die Infektionskrankheiten wohl bald stark auf dem Rückzug. Macht doch, was Ihr wollt! Schraubt doch ruhig den Endpin ab, um ein tolles Guckloch zu erhalten! Gafft doch rein in jedes F-Loch, das sich nicht wehrt. Ich beteilige mich nicht an derartigem Holz-Voyeurismus, an solcher Leisten-Spannerei. Ihr könnt mir ja nachher erzählen, wie´s war.

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