Doppelpack in Holland

Draußen dichtes Schneetreiben, und gleichzeitig scheint die Sonne durch – was für ein Schauspiel! Heute morgen lag hier eine dicke weiße Decke, einen Tag nach Ostern. Da muss ich immer an den Alt-Kommunarden Dieter Kunzelmann denken, der weiland den damaligen Regierenden von Berlin, Eberhard Diepgen, mit Eiern beworfen hat und dabei ausgerufen: „Frohe Ostern, Sie Weihnachtsmann!“ Nie lag beides meteorologisch betrachtet näher als heute.

Anfang Mai wird das Wetter sich dann hoffentlich von einer besseren Saite, Verzeihung: Seite zeigen, wenn sich ein Teil der europäischen Bluegrass-Welt zum EWOB-Festival im niederländischen Voorthuizen trifft. Das Workshop-Programm dort berücksichtigt Mando-Spieler gleich zweimal: Am Festival-Freitag (2. Mai) gibt es um 12 Uhr einen Kurs für Anfänger und Fortgeschrittene, am Samstag einen für noch weiter fortgeschrittene Könner. Über die Dozenten fehlen noch Angaben. Einordnen darf man sich wahrscheinlich selbst. Und es macht auch für Anfänger Sinn, den Samstags-Termin wahrzunehmen – zumindest als Zaungäste, weil man ja immer was lernt. Nur sollte man dann nicht fragen, wie man am besten einen G-Dur-Akkord spielt. Das macht mal schön einen Tag vorher, Ihr Naseweise!

2 Gedanken zu „Doppelpack in Holland

  1. Lesenswert ist immer wieder die Webseite der EBMA auf http://www.ebma.nl. Dort ist jetzt die diesjährige Festivalliste – für Europa – online gegangen.

    Was bringt uns das? Eine Menge, denn man kann sicherlich seine Urlaubsaktivität mit dem einen oder anderen Festival verbinden. Wenn das der Chef, die Frau, der Mann oder die Zöglinge zulassen.

    Für Deutschland wird sich wohl endgültig der Abgesang auf das renomierte Neusüdendefestival (bei Oldenburg) einstellen. Die Szene arbeitet ganz offenbar im Untergrund. Hie und da gibt es Jamsession-Wochenenden und Musikertreffen, ganz unoffiziell und nur über informierte Kanäle abrufbar. Anderenorts ist man glücklicherweise mit den örtlichen Behörden auf gutem Weg Festivals zu fördern. Herausragend sind dabei das Bühl Bluegrass Festival (www.buehl.de) und das Rudolstädter Folk Festival.

    In jeder Hinsicht spannend ist, was unsere europäischen Nachbarn liefern. Die Niederlande sind musikalisch hoch aktiv, was das Geschehen um das EWOB-Festival herum belegt. Unsere tschechischen und slovakischen Brüder im musikalischen Geiste haben schon lange Jahre dem Bluegrass eine würdige Heimstadt geliefert und so ist es – abgesehen von der Sprachbariere – ein Genuß an den vielfältigen Festivals und Konzerten teilzuhaben. Nicht verkannt werden dürfen die Skandinavier, bei denen sich ohnehin die akustische Musik eingenistet hat und wo auch der Bluegrass auf verschiedenen renomierten Festivals (Gräna, Törsaker, usf.) präsentiert wird. Die Briten und Iren sind seit jeher schon der Sprachnähe dem Bluegrass verbunden, und wer international bekannte Musiker sehen möchte kann das recht einfach bei einer Tour zum Didmarton Bluegrass Festival, in Omagh Folk Village Bluegrass Festival, auf dem Johnny Keenan Bluegrass Festival und bei einer Fülle ähnlicher Veranstaltungen haben. Selbst z.B. in Spanien findet man auf dem Al Raz Festival Bluegrass. In Frankreich sowieso (z.B. in Carponne sur Arzon).

    Die Moral von der Geschicht. Deutsche, vergesst den Bluegrass nicht.

    Ich würde mir jedenfalls mehr Engagement wünschen.

    • Olav, nicht verzweifeln, steter Tropfen höhlt den Stein – es gibt neben den „Festival Events“ sehr wohl flächendeckende Bluegrass Konzert Tourneen von Spitzenbands in Deutschland. Die Infamous Stringdusters -zur Zeit der Hype der Szene- spielen im Mai eine sensationelle Tournee. (siehe unsere Webseite) u.a. mit Mitschnitt beim Mainstream Radio SWR 1 und weit gefächerter Medienunterstützung.

      Wenn nun die aktiven Bluegrasser auch sehnsüchtig genug wären, selber und mit ihrem Umfeld auch diese Einzelveranstaltungen mit ihrer Präsenz zu beehren, hätten viele Veranstalter mehr Mut, sich öfter mit unserem Lieblings-Genre zu beschäftigen.

      Auf staatliche Unterstützung zu hoffen, dürfte weiterhin vergebens sein, müssen doch die kürzlich mit großem Aufwand verteilten 400 Millionen Kulturgeld überwiegend dafür hehalten, alte Schlösser wieder herzurichten. Deutschland ist nicht umsonst zum Billiglohnland für Künstler geworden…und Bühl weiterhin ein Glücksfall.

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