Von der Frage des Abklemmens

Wenn ich dann beim EWOB im Könner-Workshop sitze, stelle ich schlaue Fragen. Eine für die erlauchte Runde habe ich mir schon überlegt: „Which capo do you use for mandolin?“ Haha! Wass´n Glück, dass mich hinter der Uke keiner sieht (s. u.). Aber im Ernst: Meistens verlaufen Diskussionen zwischen Mandolinista ruhig. Doch wenn jemand davon anfängt, ob man an der Mando mit Kaponoster, nee, Paterdaster, ääääh, Kapodaster fummeln darf, wird´s emotional. Der häufigste Vorwurf ist der, dass man zu faul ist, in verschiedenen Tonarten spielen zu lernen. Andere rufen Betrug, wenn sie erfahren müssen, dass jemand seine Mando kapodiert hat, während sie wochenlang verzweifelt versucht hatten, den Sound der betreffenden Aufnahme nachzustellen. Wieder andere kommen mit ihren dicken Fingern und behaupten, wenn sie jetzt noch einen Kapo anschnallten, würden die Bünde ja noch enger und die Mando für sie unspielbar.

Mancher sieht es aber auch völlig pragmatisch und benutzt einen Kapo, wenn es der Sache dient. Also der Musik. Und was tun, wenn man gerade ein tolles Lick in B gelernt hat und das genauso in einer anderen Tonart spielen will? Bei mindestens einem Stück der „Transatlantic Sessions“ („Brother Wind“) benutzt Darrell Scott einen Kapo, und der Mann gehört ja nicht zu den schlechtesten Mandospielern des Planeten (oder spielt der da Mandola?). Ich persönlich besitze keinen Kapo für die Mandoline, was aber nicht heißt, dass ich sowas aus weltanschaulichen Gründen ablehne. Vielleicht macht es ja Spaß, damit zu experimentieren und zu gucken, wie das Instrument reagiert. Vielleicht entwickelt es Sounds, die vorher niemals zu hören waren?

Vielleicht aber ist der wirkliche Grund, warum viele einen Kapo ablehnen, der Tatsache geschuldet, dass es oft Banjo-Kapos sind, die auch für Mando funktionieren. Da hätten wir mal was Gemeinsames mit unserern twängenden Freunden, müssten nicht ihr Jammern über Metalllegierungen und Tonringmaläsen anhören, sondern könnten im Chor die Technik verschiedener Kapos erörtern, und dann das. Ein gemeinsamer Kapo, den sich Mando- und Banjospieler teilen – wäre das nicht ein herrlicher Beitrag zur musikalischen Völkerverständigung?

2 Gedanken zu „Von der Frage des Abklemmens

  1. Aaaahh…., da kommen wieder durch die Spitzen! Der BGSB (BanjoGleichStellungsBeauftragte) wacht mit Argusaugen über mögliche Verfehlungen in diesem Blog.
    Aber mal zur Sache selber! Ich stehe dem Kapodaster sehr positiv gegenüber – klar, als Banjospieler! Aber Eeees spielt ja auch Gitarre und manchmal Mandoline und ich muss wirklich sagen, dass ich puristisches Geschwafel gegen dieses extremst hilfreiche Werkzeug total albern finde. Wenn es etwas gibt, was das (musikalische) Leben einfacher macht, sollte man es nutzen und nicht mit höchst fragwürdigen Argumentationen kommen, die in etwa lauten; „Man sei zu faul zum üben“. Unfug! Es gibt auf jedem Instrument Voicings und Akkorde die nur in einer Griffweise funktionieren und klingen – Punkt! Viele Spielweisen wären demnach gar nicht erfunden worden, gäbe es keinen Kapo. Will man diese nutzen, weil sie für die Wirkung eines Stückes elementar sind, Kapo dran!! Da braucht kein Gitarren- oder Mandolinengott mit fadenscheinigem Gerede „Versager“ rufen. Man stelle sich vor, Earl Scruggs hätte keinen Kapo gehabt…., dann wärt ihr nörgelnden Mandolinenspieler garantiert um die Erfindung des bis heute gültigen Banjosounds herumgekommen. Mir ist klar, dass das für Euch nicht das Schlimmste gewesen wäre. Dass ein Mann von der Reputation eines Darrell Scott sich bei der Benutzung eines Kapos auf der Mandoline auch noch filmen lässt, macht ihn mir als Musiker nur noch sympatischer! Ein Hoch auf den Capo!

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