Mit Reimen zum Sieg

Ein bisschen neidisch bin ich schon auf die deutsche Ukulelen-Gemeinde – sie hat dieses Signet mit den beiden gekreuzten Ukes und dazu den Spruch: „Für Körper und Seele – Ukulele“. Urheber des Ganzen ist der „1. Deutsche Ukulelenclub„. Ich finde, auch wir Mandolinenspieler müssen unter einem gemeinsamen Motto unser Instrument in Deutschland nach vorn bringen. Hier einige Vorschläge:

  • Süß wie eine Biene – Mandoline
  • Auf der richtigen Schiene – Mandoline
  • Allzeit gute Miene – Mandoline

In Wirklichkeit bin ich aber stinksauer, weil sich auf -lele viel mehr reimt als auf -line. Zum Beispiel: „Was ich gern quäle – Ukulele“. Oder: „Durch alle Säle – Ukulele“. Sogar mit der Kurzform geht´s: „Statt Lug und Trug – Uke“. Und: „Bis zum letzten Atemzug – Uke“. So, und jetzt kann der Ukulelenclub mal neue Aufkleber drucken! Ich schenke Euch die Sprüche. Im Sinne der internationalen Zwergengitarrensolidarität.

Drei Hälse für ein Halleluja

Herrchen, so sagt man, nehmen mit der Zeit den gleichen Gesichtsausdruck an wie ihre Hunde – oder war es umgekehrt? Jedenfalls sollen sie angeblich einander immer ähnlicher sehen. Gut, dass Vergleichbares nicht von Instrumenten und deren Spielern bekannt ist. Sonst müssten im Lauf der Zeit John Paul Jones, vormals Bassist von Led Zeppelin, zwei weitere Hälse gewachsen sein. Weil dreihalsige Instrumente bei Led Zep offenbar ein Muss waren. Nun besitzt Jones nicht nur dreihalsige Gitarren, sondern auch eine Mandoline mit drei verschiedenen Leben: einer Mandoline obenauf, einer Mandola in der Mitte und einer Bassmando unten. Gebaut hat das Gerät Andy Manson aus Crediton im englischen Devon, der etliche weitere Instrumente für Jones fertigte, darunter diese wunderschöne Mando – allein der Rücken! „Ahornsirup“, schreibt der Meister dazu; jau, geht runter wie Sirup. Die Dreihalsige hat nicht nur Vorteile fürs Spielen, sondern öffnet auch Gelegenheiten, andere Menschen kennenzulernen. Schließlich sind noch zwei Hälse frei. Wie das Foto unten zeigt, griffen zwei weitere Herren auf einem Mandolinenfestival beim Herrn Jones beherzt zu. Ich würde meinen, es sind die Kollegen Marshall und Thile. Den Zirkus hätt´ man sich mal gern angesehen.

John Paul Jones steht neben vielem anderen auch auf Bluegrass und hört gern sowas wie Thile, Nickel Creek, Rhonda Vincent und Alison Krauss. Außerdem hat er in der „Vintage Guitar“ berichtet, wie man sich musikalisch entwickeln kann – indem man ungewöhnliche Dinge tut:

„There’s something to be learned from absolutely everything. I’ve played some killer parts over [Destiny Child’s] „I’m A Survivor.“ I’ll do that on mandolin and I’ll get some great mandolin solos I could have recorded over that. But who’d have put mandolin together with Destiny’s Child? You don’t expect to play mandolin to it, so it gets your brain working in different ways, rather than getting set routines. You ambush your brain and your chops and it will help you to be more creative.“

Hier das Interview in voller Länge. Okay, Ihr müsst ja nicht zu Destiny´s Child Mando üben. Von mir aus versucht´s erstmal mit Bushido.

Die Mando als Klopfgeist

Das Phänomen hatte ich hier schon mit Blick auf die Höfner-Mandos beschrieben: Auf der Website der Firma sucht man diese Instrumente vergebens. Genauso ist es mir jetzt mit Mandolinen des US-Herstellers Tacoma gegangen – auf deren Internetauftritt Fehlanzeige. Was ist da eigentlich los? Wollen die ihre Produkte nicht anpreisen oder verkaufen die sich per Mundpropaganda wie geschnitten Brot? Jedenfalls hatte ich vergangene Woche Gelegenheit, die Tacoma-Mando M-1 E zu testen, ein hübsches Teil mit eingebautem Pickup. Das typische Tacoma-Design, mit dem kleinen Schallloch in der oberen Ecke des Korpus´, da wo bei unsereinem die Schnecke prangt. Bespielbarkeit: hervorragend. Der Klang: gar nicht schlecht. Die Flitsch hat einen Pickup an Bord und klingt auch verstärkt noch sehr nach Mandoline. Allerdings hat der Tonabnehmer für meinen Geschmack stark mikrofonische Eigenschaften, man könnte das Instrument auch als Trommel verwenden. Beispielsweise liegt bei mir die Hand meistens noch leicht am Steg auf und bewegt sich beim Spielen. Doch alles, was auf dem Steg passiert, wird auch vom Pickup übertragen. Man könnte so zwar eine perkussive Spielweise etablieren und als ureigenen Stil verkaufen, aber ich fand´s ein bisschen problematisch.

Gleiches berichtete Steven Stone übrigens vom Schertler-Pick, der in seiner Mix-Karbonfiber-Mando steckt. Offenbar ein häufigeres Problem bei Mandolinen mit Tonabnehmer. Oder fehlt es uns nur an der entsprechenden Spieldisziplin? Aber eigentlich hab ich keine Lust, mich beim Spielen auch noch darauf konzentrieren zu sollen, dass der Steg unberührt bleibt. Trotzdem gefällt mir die Tacoma irgendwie. Und anders als so manches andere interessante Modell sind die Teile offenbar in Deutschland erhältlich – ich fand mehrere Angebote. Eins davon hält Musik Schmidt in Frankfurt a. M. parat, Kosten: 679,- Euro. Und weil Tacoma ja keine Fotos seiner Mandos anbietet, hier eins von der Website des Händlers, damit Ihr mal seht, was gemeint ist.

Im Fiberwahn

Kunststoffe gibt´s, die waren noch gar nicht auf der Welt, als die unten beschriebene „Islander“-Ukulele in den Handel kam. Dazu gehört eben auch die Karbonfaser der „New Millennium Acoustic Design„-Mandolinen. Jawohl, Plural! Denn es gibt gleich vier Modelle, entsprechend A4 und A5 sowie F4 und F5 (siehe Foto). Zur A5-Variante hat sich Steven Stone im US-amerikanischen „Vintage Guitar Magazine„, Ausgabe Dezember 2007, geäußert. Sein Fazit: Diese Mandoline wird wahrscheinlich bei traditionellen Mando-Spielern nie die Nr. 1 werden, aber sie eignet sich hervorragend für den Bühneneinsatz und auf Reisen. Denn sie ist praktisch unzerstörbar und hält die Stimmung selbst bei extremen Temperaturschwankungen.

Auch vom Klang ist Mando-/Gitarrensammler und -spieler Stone begeistert: Die Mix-A5 klingt logischerweise nicht holzig, hat aber trotzdem einen guten Chop und genügend Lautstärke für den Band-Kontext. Er attestiert ihr eine „gleichmäßige harmonische Balance“ und hohe Klangqualität bis in die höchsten Lagen. Bei Stilen, wo Sustain gefragt ist, spielt sie ihre großen Stärken aus, besonders mit Akkorden in der ersten Position, „bei denen man spürt, wie der gesamte Korpus der A5 vibriert“. Wie sich das anhört? Beispiele hier.

Bei einem Bluegrass-Workshop bekam Stones Instrument jede Menge Aufmerksamkeit. Entweder die Leute haben´s gehasst oder geliebt, dazwischen war nix. Beeindruckt und enthusiastisch waren vor allem die Luthier, die über Mandolinenbau referierten – eine Reaktion, die Steven Stone überraschte. Schließlich sind die alle erstmal auf Holz geeicht, sozusagen. Übrigens hat die Mando keinen Trussrod. Das begründet ihr Erbauer Peter Mix damit, dass Karbonfiber sich kein Stück verzieht, gleich welche Saitenstärke gewählt wird. Der Hals bleibt also immer in optimaler Position, Einstellstab überflüssig. Scheint ja ein knallharter Bursche zu sein, dieser unverbiegbare Karbon Fiber.

Aloha von Mando zu Uke

Aloha, Freunde der Ukulele! Heute geht es in unserem Uke-Blog um … Moment, äh, falscher Anfang! Kaum bin ich gestern leicht in die Welt der Uke eingetaucht, schon liege ich gedanklich neben dem Kernthema dieses Blogs! Es sind halt die Zwergengitarren aller Art, die unser Herz erwärmen und -weichen. Und mein Besuch gestern beim Ukulelen-Kenner und DLF-Musikredakteur Dr. Carlo May hat eben Spuren hinterlassen. Natürlich auch deshalb, weil mir der nette Kerl ein Instrument zum heimischen Ausprobieren mitgegeben hat. Eine fröhliche Angelegenheit, diese „hüpfenden Flöhe“. Aber eine Umgewöhnung ist es schon, nicht von der Mensur, aber vom Spielen her. Doch keine Angst, der Mando gilt meine unverbrüchliche Treue! Aber man wird ja mal nach links gucken dürfen.

Und wenn man bei den Ukes mal ganz weit nach links guckt, findet man unglaubliche Vollplastik-Instrumente! Die auch noch erstaunlich gut klingen! Konnte gestern eine Maccaferri-Islander-Uke probieren – nicht zu fassen. Fand den Klang schöner als den einer alten Gibson, die natürlich aus Holz war. Bin ich jetzt pervers, Herr Doktor? Was mich darauf bringt, nicht mehr so abfällig auf die Karbonfiber-Mando zu gucken, die vor längerer Zeit hier Thema war. Aber auch wenn sie noch so gut klingen sollten, eins haben sie eben nicht: diesen wunderbaren Augenschmaus einer lebendigen Holzmaserung. Nein, nein, nein.

Lieder, so weit die Netzwelt reicht

Was tun, wenn man orientierungslos im eigenen Blog umherirrt? Die Suchfunktion nutzen! Und die sagt mir, dass ich bisher hier noch nicht über die „Traditional Music Library“ berichtet habe (obwohl: Ich hätte schwören können, schonmal … naja). Das hole ich jetzt nach, ohne in Details zu gehen. Denn das ganze Ding scheint mir derart umfangreich zu sein, dass ich mich gar nicht traue, irgendwas hervorzuheben. Okay, ein „Von-Bis“ will ich wagen: Also, die Bandbreite reicht von Songsammlungen des legendären Alan Lomax über „Banjo-Tutorials“ (Schreck!) bis zur Weihnachtslieder-Schau. Ja, und was ist mit Mandoline? Keine Sorge, bis dem Traditionalisten dabei das Futter ausgeht, sind noch viele Raumfähren den Rhein runtergeschwommen.

Feuer unterm Korpus

Gut abgelagertes Tonholz, edle Maserung, feinstes Schnitzwerk: Zur Herstellung akustischer Saiteninstrumente wird einiger Materialaufwand getrieben. Doch was ist das! Ein Matrose, der aus Langeweile Gitarren, Banjos und Mandolinen aus Streichhölzern zusammenklebt? Geklebt hat? Tatsächlich, und zwar keine kleinen Modelle, sondern spielbare Teile in Originalgröße. Name: Jack Hall aus dem englischen Seebad Brighton. Hier ein Auszug aus seiner Statistik: Gitarre=25.000 Hölzchen, Tenor-Banjo 15.000, flachkorprige Mandoline 16.000, Ukulele immer noch 10.000. Was für ein Werk! Sein Sohn Tony Hall erzählt die gesamte Geschichte, wie es dazu kam und woher der Mann so viele Streichhölzer hatte. Jede Menge Fotos gibt es hier, darunter auch eins der Matchstick-Mando.

Bleibt nur noch eine Frage offen: Lässt sich Derartiges auch mit Einweg-Feuerzeugen bewältigen?

Besuch der alten Dame

Es gibt so Träume. Zum Beispiel den, dass eine alte Tante verstirbt, auf ihrem Dachboden ein rechteckiger Koffer gefunden wird und drin eine alte Mandoline liegt – eine mit Schnecke und F-Löchern, eine mit Etikett, auf dem ein handgeschriebener Name steht: Lloyd Loar. Danke, liebe Tante! Nur indem wir Derartiges träumen, können wir uns vorstellen, wie sich Nick Amodeo, Verkäufer im „Denver Folklore Center“, an einem ruhigen Oktobernachmittag des vergangenen Jahres gefühlt haben mag. Er erhielt nämlich einen Anruf einer alten Dame, die Fragen hatte zu einer Mandoline, einer Gibson, einer mit F-Löchern. Auf Bitten Amodeos kam die Dame mit ihrem Mann und dem rechteckigen Koffer am selben Nachmittag in den Laden, dessen Besitzer alarmiert war. Sie schauten sich das Instrument an und fanden schnell den Aufkleber unterhalb des oberen Lochs: „The top, back, tone-bars and air chamber of this instrument were fitted, tuned and the assembled instrument tried and approved Dec. 1, 1924 — Lloyd Loar, acoustic engineer.“

Das Paar dachte, die Mando sei rund 18.000 Dollar wert. Der Chef klärte es auf: Sie werde wohl so auf 180.000 Dollar kommen. Von da an hatte die alte Dame keine Ruhe mehr, schmiss ihren Plan über den Haufen, das Instrument in der Familie weiterzugeben, und gab es zum Verkauf frei. Wer 225.000 Dollar springen lässt, kann sie kaufen. Ganz viele Bilder finden sich hier. Die gesamte Geschichte erzählt Bill Graham im Mandolin Café.

Merkwürdig, diese Fotos zu betrachten. Das also ist eine Original-Loar en Detail. Kennt man eigentlich alles von den Hunderten Nachbauten. Ich könnte leicht in Majestätsbeleidigung verfallen, wenn ich sage, so sieht auch eine alte Kentucky aus. Wahrscheinlich müsste man es umgekehrt formulieren: Fabelhaft, was die Kopisten so teilweise leisten! Über den Klang des alten Originals schweigen wir uns am besten aus. Wir kennen ihn nicht. Wir wissen nur, wie selten und begehrt die Loars sind. Und deswegen sind sie so teuer. Ich vermute aber, dass der Preis in keinem Leistungsverhältnis zum Klang steht. Und jetzt dürft Ihr mir alle die Hälse Eurer Billig-Mandos über den Kopf ziehen.

Raum für Gras

MySpace kennt natürlich jeder. Aber was ist mit GrassSpace? Es scheint eine Art MySpace ausschließlich für Bluegrass-Musiker zu sein. Ob aber alle Bluegrasser, die auf MySpace vertreten sind, auch hier ihre Märkchen hinterlassen – keine Ahnung. So genau habe ich noch nicht geschaut, was in diesem Space los ist. Mein Eindruck: Es tummelt sich fast ausschließlich US-Volk, weniger die Musiker aus der ersten Reihe, sondern eher die unbekannten Profis und Semiprofis. Immerhin findet man auch jemanden wie Tim Carter dort, vormals Tonmann von Alison Brown, selbst Banjo- und Mandolinenspieler und in Nashville ein angesagter Mensch für Arbeit an Reglern. Außerdem ist er mit der „Carter Brothers Band“ unterwegs. Aber was er da auf dem Foto tut, ist doch lächerlich: Umgekehrt sollte er das mal versuchen, umgekehrt!

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Mindesthaltbare EU

So, um das gleich am Anfang des Tages zu klären und EU-Hasser sowie Leichtgläubige ins wahre Leben zurückzuholen: Natürlich gibt es die gestern hier referierte EU-Richtlinie zur Mindesthaltbarkeit von Saiten nicht! Gestern war nämlich der 1. April, nur zur Erinnerung. Trotzdem interessiert mich das Thema. Ob schonmal jemand untersucht hat, ob und wenn ja wieviel Brillanz neue Saiten durch lange Lagerung verlieren? Oder wird das trotz Luftkontakt so minimal sein, dass es für den Klang keine Rolle spielt? Aber warum schließt Gibson seine Saiten dann luftdicht ab? Fragen über Fragen, die jedenfalls nicht die EU klären wird. Zumindest derzeit nicht, aber vielleicht wird dereinst aus Spaß ja Ernst?

EU zieht neue Saiten auf

Dass die Europäische Union immer wieder von einer starken Regelungswut befallen wird, dürfte hinlänglich bekannt sein. Alles Mögliche wird von Brüssel aus bestimmt, von der Größe einer Banane bis zur Wasserqualität für Badeseen. Manchmal will diese Reguliererei aber nicht gängeln, sondern vor allem positive Ziele erreichen helfen – selbst bei Kleinigkeiten. Um so etwas geht es bei einer neuen Verordnung, die aktuell zur Entscheidung ansteht: In der EU-Richtlinie 6355-EU/832-2008 soll vorgeschrieben werden, dass künftig Hersteller von Saiten für Zupfinstrumente aller Art Mindesthaltbarkeitsdaten auf ihre Verpackungen aufdrucken müssen! Also ich fänd das gut. Bis auf Gibson fällt mir nämlich niemand ein, der seine Saiten vakuumverpackt. An alle anderen kommt somit Luft mit all ihren Inhaltsstoffen dran. Und ob neu produzierte Saiten nach einem Jahr Lagerungszeit tatsächlich noch neuwertig sind? Das habe ich mich schon oft gefragt. Wenn auf den Packungen ein Haltbarkeitsdatum abgedruckt wäre, böte das zumindest einen Anhaltspunkt, wieviel Klang da noch zu erwarten ist. Warten wir mal ab, was die EU-Kommission und das Parlament dazu sagen werden. Eine positive Entscheidung wäre jedenfalls praktischer Konsumentenschutz!

Tim und Stahl zum Gucken

Das „Woodsongs“-Archiv füllt sich weiter: Abrufbar sind jetzt auch die jüngsten Auftritte von Tim O’Brien sowie den „Steeldrivers“, deren CD bei mir derzeit rauf und runter läuft, vor allem „Heaven sent“, aber auch die bluesigen Nummern. Chris Stapleton hat nicht nur eine Stimme wie ein Tier, sondern sieht auch noch aus wie ein Bär. Uneingeschränkt würde ich jedem das Album-Debüt „The Steeldrivers“ empfehlen, aber gelobhudelt hab ich hier ja schon an anderer Stelle. Verzeihung für die Wiederholung, aber wenn´s doch raus musste?