Pralle Babys im Winkel

Wer noch keine Urlaubspläne hat und was Tolles erleben will, der könnte ja in den „Musikwinkel“ reisen, jene Region im Dreieck Sachsen, Böhmen, Bayern, wo rund 1200 Instrumentenbauer in 120 Werkstätten jede Menge schöne Dinge herstellen. Zum Besichtigungsprogramm könnte dann beispielsweise der Betrieb des Gitarrenbauers Peter Lederer gehören, der in der neuen Ausgabe des „Folker“ vorgestellt wird. In dem Artikel geht es auch um den vogtländischen Gitarrenbauer Christian Friedrich Martin – womit wir wieder beim Bluegrass wären. Denn C. F. Martin ist natürlich ein Begriff, wenn auch längst mit dem Ort Nazareth/Pennsylvania verbunden – kein Dorf des Musikwinkels. Aber Markneukirchen gehört selbstverständlich dazu. Hier ackert der Gigant Warwick, der seine Traditionsmarke Framus pflegt. Wer also dort Urlaub macht, sollte keinesfalls einen Besuch des Framus-Museums versäumen.

Online kann man natürlich auch in dessen Beständen stöbern und findet dort einige Mandos, die Framus von den 50ern bis Mitte der 70er produziert hat. Die „Graziella“ gehört selbstredend dazu, die hin und wieder auf Ebay versteigert wird. So gut wie nie dagegen taucht die süße Sau auf, die hier unten abgebildet ist: eine „Black Rose Baby de Luxe„. Da sieht man mal wieder, dass pralle Rundungen durchaus anziehend wirken.

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Fremde Federn

Darf man das? Stücke auf einem Instrument spielen, das gar nicht dafür gedacht ist? Erst recht, wenn das Werk den Namen des fremden Instruments im Titel trägt? Nun, wie auch immer, es wird gemacht, beispielsweise vom US-Amerikaner Tim Blair. Er spielt auf der Mando „Ralph´s Banjo Special“. Eine Website hat der Mann aus Neu-England auch, aber eine konfuse – man sehe selbst. Nichtstrotzdodest folgt hier die angesprochene kurze Instrumentalnummer, ausgewählt auch deswegen, weil ich weiß: Die Zeit bis zum Finale ist knapp und Ihr müsst euch selbst sowie Eure Mandos sicher noch schwarzrotgold schmücken. Aber eine halbe Minute Zeit wird ja wohl drin sein!

Beschwerden aus dem Koffer

In jüngster Zeit zog etwas Unernst ein in dieses Blog. Da höre ich es heute morgen in meinem Mandolinenkoffer leise klongeln. Ich öffnete und erblickte ein zerknautscht schauendes Instrument. Es hatte von den Witzen über Mandolinenregatten erfahren, mitbekommen, dass hier Fußballscherze getrieben wurden und natürlich gemerkt, dass ich es tagelang nicht angefasst habe. Was natürlich an beruflichem Engagement lag, aber wie willst Du das einer beleidigten Mando erklären? Sie reagierte, wie Saiteninstrumente meistens reagieren: verstimmt. Ich habe sie dann mit den zu diesem Zweck angebrachten Mechaniken gezwungen, sich zusammenzureißen und ordentliche Töne von sich zu geben. Aber letztlich forderte sie vor allem eins: Es möge wieder mehr Sachlichkeit einkehren ins Weblog. Ernsthafte Beiträge über Instrumente; Hinweise auf nützliche Webseiten; CD-Besprechungen – das wäre ja wohl das mindeste, schien sie mir bedeuten zu wollen. Okay, ich werd mich künftig am Riemen reißen. Auch wenn ich so ein Sommerloch-Gefühl habe und den Eindruck, das gerade nicht viel Aufregendes passiert. Meine Mando konnte ich immerhin beruhigen: Ich hab erstmal den Luftbefeuchter frisch befüllt und sie zurück ins Körbchen geschickt. Da liegt sie nun und wird erst wieder erwachen, wenn die Sonne zum Vorschein kommt. Und Deutschland Europameister ist.

Gemeinsam zum Titel

Sportskameraden! Am morgigen Mittwoch sind die Türken unsere Gegner! Bei allem Kampfesmut sollten wir nicht vergessen: Auch der Türke spielt Saiteninstrumente, und zwar nicht zu knapp. Allein die vielfältigen Erscheinungsformen der im osmanischen Volke verankerten Saz gebieten uns ein gewisses Maß an Respekt. Zumal wir selbst ein Instrument spielen, das eher der italienischen Mannschaft zu Gesicht stände, so die USA noch nicht an einer Europameisterschaft teilnehmen dürfen. Doch der Italiener ist bereits nach Hause gefahren und hat Schande auch über die Mandoline gebracht. Nun ist es im Grunde am Türken, die Ehre der Saiteninstrumente zu retten. Wie auch immer: Es kann morgen für uns nur Gewinner geben: Entweder siegt der Muselmane und erfreut unser Saitenherz oder die deutschen Landsleute lassen den Ball derart geschickt rollen, dass in uns von selbst ein patriotisches Lied erklingt. Lasst uns auf die Gemeinsamkeiten schauen, so wie diese beiden Sportskameraden aus Österreich hier unten.

Mando-Spaß am kühlen Nass

Gestern war ein sehr sonniger Tag, wie geschaffen für die jährliche Mandolinen-Regatta in unserer Heimat. Bereits seit 1874 holen die Junggesellen des Dorfes am vierten Sonntag im Juni ihre Mandolinen hervor, um sie mit einem kleinen Mast und Segel zu versehen und anschließend zu schmücken. Danach werden sie im Löschteich zu Wasser ge- und dem Spiel des Windes überlassen. Wessen Mandoline zuerst am anderen Ufer anlangt, bekommt vom schönsten Mädchen des Dorfes einen verdammt scharfen Zungenkuss (und wer weiß was noch, aber das gehört wahrlich nicht hierher). Zum Schluss des Tages wird noch zu Banjoklängen bis tief in die Nacht getanzt. Und wer mir das alles nicht glauben will, der kann sich ja die Fotos davon im Internet angucken. Hier die Adresse: … hm, wo ist sie denn? Eben hatte ich sie doch noch? Ach, wie ärgerlich! Vielleicht hier … oder dort … oder …

Macht uns die Südsee!

Kinder, was für eine Schwüle am frühen Sonntagmorgen! Jede kleinste Aufregung führt zum Schweißausbruch! Hektische Musik ist unbedingt zu meiden! Lassen wir andere für unser Vergnügen arbeiten! Beispielsweise die Herren Mike Marshall/Chris Thile mit „Hualalai“ – das klingt doch schon nach Südsee und kühlen Longdrinks. Und es atmet auch eine schöne Entspannung, wenngleich im Mittelteil gewisse Unruhe aufkommt. Aber bitte: zurücklehnen und genießen.

Feiste Brise aus Südwest

Sowas nenne ich Hörerservice! Wenn nichts mehr dazwischenkommt (und was sollte dazwischenkommen? Springflut über Baden-Baden?), sendet der Südwestrundfunk am kommenden Dienstag, 24. Juni, auf seinem ersten Programm zwischen 22.30 Uhr und Mitternacht Ausschnitte aus dem SWR1-Konzert mit den „Infamous Stringdusters“. Die zugehörige Sendung heißt „Kopfhörer„. Es hat eine Weile gewährt, aber jetzt wird es gut. Dank an Otto Meyer vom SWR, dass er an uns gedacht und darüber informiert hat. Da können wir wie früher mit dem Finger an der Aufnahmetaste vorm Radio sitzen und uns Live-Schnipsel bester Qualität sichern. Aber welche Aufnahmetaste? Die am Kassettenrekorder? Ha! Die am MP3-Gerät? Ho! Die vom CD-Recorder? Hu! Die am Harddiscrecorder? Hrrmpf! Am besten, wir halten das Handy vor den Lautsprecher und machen ein Foto vom Konzert! Viel Spaß dabei.

Hat übrigens gestern Abend Gerhard Delling in der ARD tatsächlich die deutsche Mannschaft über „den grünen Klo gelebt“? Oder hat er seinen Versprecher noch rechtzeitig abgebrochen und „grünen Klee gelobt“ gesagt? Aber warum sollte ich sonst auf den grünen Klo kommen? Das habt Ihr dann davon, vom stundenlangen Vorabberichterstatten!