Die Witwe und der Bausatz

„Do it yourself – selbst ist der Mann“ sang Ulrich Roski vor vielen Jahren in dem Lied, wo er am Schluss die Silberbronze ins Klo schüttet. Kurzum: Bei ihm lief alles schief. Und dabei ging es nur um eine Wohnungsrenovierung. Wie mag es erst zugehen, wenn man sich selbst eine Mandoline bauen möchte? Bausätze dazu gibt´s zumindest bei „Siminoff Banjo an Mandolin Parts“ im Web. Ob A5, F5 oder F4: zu jedem Typ findet sich ein Kit, das allerdings nur aus Holzteilen besteht. Alles Metallische, selbst den Truss Rod, muss man dazukaufen. Von jedem Typ liegen drei Kit-Varianten vor, grob gesagt: von ungehobelt (F5 preisgünstig, 429 Dollar) bis fertig zum Zusammenbau (F5 mit 549 Dollar teurer) reicht die Auswahl. Nun ja, das könnte eine günstige Mando werden, aber für Hardware wie Tuner und Tailpiece lässt sich bekanntlich sehr viel Geld ausgeben. Und wer sich sich ein fertiges Modell kauft, schützt nicht nur seinen Körper vor üblen Verletzungen. Er tut wahrscheinlich auch seinen Nerven was Gutes.

Andererseits führt das Selbermachen auch zu einem Zustand innerer Zufriedenheit – falls das Werk denn gelingt. Aber auch ohne Bastelwunsch kann man bei Siminoff bummeln gehen und sehen, aus wie vielen Teilen eine Mando besteht und was so mancher Spaß kostet. Und Spezialwerkzeug für Meister gibt´s auch zu gucken. Für Kopfmenschen: Die Seiten bieten außerdem reichlich Lesestoff zum Herrn Siminoff und den Chefs Orville Gibson und Lloyd Loar. Selbst Loars zweite Frau Bertha Snyder findet dort Würdigung. Ja hat ihn denn das Weib nicht von der Werkbank weggelockt? Nein, die Ehe war auch lange nach der heißen Gibson-Phase. Sie hat bis 1998 gelebt und Roger Siminoff berichtet von seiner Begegnung mit ihr. Rührend, rührend. Da laufen die Tränen auch ohne Holzsplitter im Daumen.

Die richtigen Töne für alle Grasser

Jeder blamiert sich so gut, wie er kann. Im aktuellen Fall habe ich versäumt, Steve Gilchrist als den berühmtesten australischen Mando-Bauer zu würdigen. Weil ich immer dachte, er sei Ami. Jetzt bin ich in Versuchung, wieder was zu behaupten. Es gibt nämlich ab Herbst einen neuen Tuner von Korg, den „BA-40 Bluegrass Tuner„. Das Ding bietet sechs Tuning Modes für sechs Bluegrass-Instrumente: Gitarre, Banjo, Dobro, Bass, Fiddle und Mandoline. Zum Anklemmen ist es nicht gedacht. Ansonsten entspricht die Ausstattung der eines guten Standard-Tuners. Und ich frage mich, ob der letztlich nicht sowieso alles das drauf hat, was der Bluegrass-Tuner auch kann. Zumindest sollte man doch diese ganzen Instrumente mit einem normalen Teil stimmen können, nein? Wahrscheinlich geht es mit dem BA-40 auf jeden Fall komfortabler. Wer also Multi-Instrumentalist ist (hallo Örl!) hat hier eines für alle. Oder die Band kauft sich gemeinsam ein Gerät. Dann dauert es allerdings, bis alle durchgestimmt haben, und wenn sie fertig sind, fängt das Banjo wieder an (nochmal hallo Örl!). Ihr kriegt das schon hin. Heute iss sowieso zu warm zum Stimmen. Einen Spezial-Tuner von Korg gibt es ab Herbst übrigens auch für Ukulelen aller Stimmungen.

Ibanez im Monroe-Style

Manche Marke geistert heute nur noch als Untote durch die Mandolinenwelt. Etwa Ibanez: Es gab eine Zeit, in der genossen die Mandos des japanischen Herstellers einen sehr guten Ruf. In den 1970er-Jahren war sogar Bill Monroe Endorser für Ibanez-Mandolinen. Mit dieser Phase vor allem befasst sich das „Ibanez Mandolin„-Blog, das den Fokus auf die Zeit zwischen 1975 und 1983 legt. Es gibt Infos über Modelle, besonders die von Bill Monroe, Hilfen, die eigene Ibanez zu datieren, und eine Datenbank mit Seriennummern aus der goldenen Ära des Herstellers. Wer eine Ibanez besitzt, kann sich am „Collector´s Journal“ beteiligen. Kurzum: Hier trifft sich die Gemeinde der überzeugten Ibanez-Spieler und -Sammler. Und wir anderen behalten im Kopf, dass nicht überall, wo Ibanez draufsteht, auch Durchschnittstöne rauskommen müssen.

Fragen und Antworten

Soso, 200.000 Menschen haben Barack Obama in Berlin also besucht. Manche Quellen sagen, er habe viel Applaus bekommen. Andere wie der Deutschlandfunk sprechen von eher verhaltenen Reaktionen, zumal kein Dolmetscher die Sätze simultan übersetzt hat. Wie auch immer, es gab interessante Antworten auf die Frage: Warum seid ihr hier? Häufige Antwort: um dabei gewesen zu sein. Andere Frage: Was ist das Tolle an Obama? Antwort: Er ist Demokrat. Lassen wir´s dabei. Noch mehr Fragen, diesmal an US-Amerikaner, also mögliche Obama-Wähler, finden sich hier unten. Und irgendwie bin ich auch froh, dass diese Umfrage nicht in Deutschland stattfand, das will ich alles gar nicht wissen. Und beim nächsten Mal geht´s hier auch wieder um Musik, versprochen.

Obama, der Quotenmann

Weil Bluegrass ja sowas wie amerikanische Volksmusik ist, erlaube ich mir einige Zeilen: Heute abend wird es in Berlin an der Siegessäule ein Open-Air-Spektakel geben. Mit einem Mann, der noch lange nicht US-Präsident ist. Der bisher noch nicht einmal von seiner Partei für die Präsidentschafts-Kandidatur nominiert wurde. Und doch übertragen sowohl ARD als auch ZDF live! Als ob sie dafür nicht ihren Dokumentationskanal Phoenix hätten, wo die gleichen Bilder natürlich auch laufen. Als ob sie sich selbst nicht zuhören würden, wenn sie immer wieder betonen, dass Barack Obama ja noch gar nicht gekürt ist. Offenbar sind die Öffentlich-Rechtlichen gleichsam gezwungen, sich am Hype zu beteiligen. Im Bluegrass-State Kentucky führte übrigens bei einer Umfrage Mitte Juni John McCain mit 53 % vor Obama mit 41 %.

Galerie ohne Frau

Ein Hinweis in eigener Sache: Schrittchen für Schrittchen, Fingerflitzer für Fingerflitzer wächst die Seite „Mandospieler in D„. Wer es sowieso tut, dem muss ich es nicht sagen, aber den anderen: Es lohnt sich, immer mal wieder draufzuschauen, die Kurzbios zu lesen und herauszufinden, welche Lieblingsmandos die Könner in oder aus Deutschland spielen. Oder wie alt die Herren sind. Oder um sie anzumailen und die Bands zu buchen. Oder um sie zu fragen, welche Saiten sie spielen und bei wieviel Grad sie die auswaschen. Leider ist mir bislang noch keine prominente Mandolinendame aus D begegnet. Das macht mich traurig. Aber vielleicht entwickelt sich ja Rupert Pauliks Schülerin – die aus dem Youtube-Video – mit den Jahren zur Frontfrau. Aber ob´s dann dieses Blog noch gibt …

My old Koala home

Australien ist ziemlich weit weg. Aber selbst dort wird Bluegrass gespielt. Sie haben sogar einen Bluegrass Blog! Und selbst beim Anhören ihrer Bands kann man neidisch werden. Nehmt nur mal die Davidson Brothers: Sie komponieren gut, singen toll und spielen ziemlich ordentlich – wie hier unten im Song „Raised on the road“ zu sehen. Scharfe Nummer – vor allem wegen der Dobro. Und Lachlan Davidson spielt auch nicht irgendeine US-Mando, sondern einen Hobel von Down Under, ein Stück des Meisters John Liddy. Das ist aber nicht der berühmteste australische Mando-Bauer. Diesen Titel darf wahrscheinlich Paul Duff für sich beanspruchen (Nachtrag: falsch, siehe Kommentare), dessen Instrumente Leute wie Joe Carr oder Tony Marshall spielen. Jawohl, Tony Marshall! Nein, nicht unser Tony, sondern der Bruder von Mike. Um Himmels Willen! Das wäre ja das Jürgen-Drews-Phänomen! Duffs F-5-Mando schlägt laut Liste mit 8500 US-Dollar zu Buche. Ist ja auch ein schmuckes Stück. Glücklicherweise nicht aus dem Holz des Eukalyptus-Baums gewonnen, denn sonst würde es wahrscheinlich immer nach Erkältung ums Instrument herum riechen. Oder nach Koala-Pippi. Und wer will das schon?