Musik aus dem Designer-Hobel

Corrado Giacomel: das klingt wie ein feuriger Sportwagen oder ein Modedesigner aus Mailand. Aber es ist – Kenner wissen das längst – ein italienischer Instrumentenbauer. Er hat diese merkwürdige Mandola gefertigt, die Tim O’Brien spielt. Italienisches Design, möchte man sagen. Da wurde ja immer großer Wert drauf gelegt, ob bei Autos oder Klamotten. In diesem Fall wird auch unser Lieblingsinstrument besonderer Gestaltung unterzogen. Giacomels Mandos heben sich deutlich von den Produkten der Konkurrenz ab – obwohl er auch eine traditionell gestylte F5 baut. Seine J5 oder J3 aber sehen erheblich anders aus, irgendwie rundlich, aber doch nicht rund. Die Holzauswahl immerhin hält sich an Bewährtes: Fichte für die Decke, Ahorn fürn Rest, Ebenholz fürs Griffbrett. Aber der Saitenhalter ist dann wieder ein ganz anderes Kaliber. Schon mutig, sich stark vom alten Stil zu lösen und was Individuelles zu präsentieren. Keine Ahnung, wie teuer die Dinger sind, aber in Bluegrass-Kreisen fällt mir adhoc niemand ein, der so eine Giacomel-Mando spielt. Was wahrscheinlich weniger am Geld als vielmehr an der Optik liegt, da sind unsere Mitmusiker ja eher konservativ. Aber irgendwie haben die was, die Dinger. Man schenke mir mal eine! Bitte.

Nachtrag: Sehe gerade, dass David Grisman Giacomel-Mandos featured. Auf seiner Seite sind Klangbeispiele und Preise in US-Dollar genannt. Ja, sowas kostet.

J3 (l.) und J5 von hinten – nix Schnecke, dafür gefräßiger Spalt.

3 Gedanken zu „Musik aus dem Designer-Hobel

  1. Ha! Das sieht schon geil aus. Aber obwohl ich nicht sonderlich konservativ bin, würde ich mir nie solche Dinger kaufen. Weil man sich sehr schnell satt sehen kann und dann bleibt da nur noch der Klang und die Spielbarkeit. Gute alte F5…

  2. Ja….., dem stimme ich zu! Dass sich die „konservativen“ Formen bis heute halten liegt ja auch daran, dass diese immer weiter optimiert wurden und dann irgendwann nicht mehr verbessert werden konnten. Warum hat sich die Form der Geige bis heute nicht wesentlich verändert?? Weil das einfach die este und zugleich schönste Form für dieses Instrument ist. Das gilt auch für die von Herr Loar zur Vollendung gebrachte F-Form….., finde ich!

  3. Pingback: Zugeschaut und nachgebaut « DoppelstoppBluegrassMandoline

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