Von der Kunst des Einfachen

Manchmal tun „Laien“ mehr für die Popularität eines Instruments als Virtuosen ihres Fachs. Also Musiker, die eigentlich was anderes spielen, aber gelegentlich zu einem Zweitinstrument greifen. Wie Ray Jackson: Der Mitgründer der britischen Folkrockband „Lindisfarne“ war in erster Linie Harmonikaspieler und Sänger. Die Mandoline fasste er nur hin und wieder an. Zum Beispiel 1971, als er seine in Japan gebaute „Columbus“-Mando ins Studio trug, um bei einer Produktion von Rod Stewart zu helfen. Er spielte damals nicht nur den Hobel in „Mandolin Wind“, sondern auch in „Maggie May“. Dafür bekam er 15 Pfund Sterling als Lohn. Sein Mitwirken an Maggie May wurde zum möglicherweise bekanntesten Mandolinenpart der Popgeschichte, obwohl ich auch REMs „Losing My Religion“ definitiv noch mit ins Spiel bringen würde. Und auch da wurde die Mando nicht von einem „Experten“ bedient, sondern von Gitarrist Peter Buck – im Grunde der gleiche Fall wie Ray Jackson, den Bill Graham in seiner Kolumne fürs „Mandolin Café“ detailliert bespricht und Jackson selbst zu Wort kommen lässt.

Woran liegt das? Vielleicht einfach daran, dass die Leute unbelastet von irgendwelchem Wissen sind, wie man eine Mando zu spielen hat, wie man´s richtig/perfekt macht. Sie nehmen das Instrument für ihre Zwecke, als Mittel zur Klangmalerei, für das keine Virtuosität nötig ist. Wohl aber Musikalität. Bestimmt gibt´s solche Fälle auch bei anderen Instrumenten, mir fällt nur gerade nichts ein. Manche rümpfen darüber die Nase. Andere, zum Beispiel Sam Bush, zollen dem Anerkennung: Viele Gitarristen erfassten Herz und Seele eines Songs unmittelbarer als ein versierter Mandolinenspieler es könnte, findet er. Wer auf einem Instrument weit fortgeschritten ist, traut sich möglicherweise nicht mehr, einfache Strukturen damit zu füllen bzw. simple Licks zu spielen. Peter Buck zumindest nutzt eine gute Mando, eine Gibson Flatiron – wie hier zu sehen. Dem armen Kerl ist neulich seine Lieblingsgitarre gestohlen worden: guckst Du hier.

Ein Gedanke zu „Von der Kunst des Einfachen

  1. Für 15 Pfund Sterling hätte ich das dem guten Rod auch eingespielt. Wenn Rod nochmal 15 Pfund draufgelegt hätte, hätte ich sogar den Bass eingespielt. Aber ich bin ja auch kein Mandolinist. Noch nicht mal richtiger Bassist😉

    Nein, mal im Ernst, die Geschichte hinter der Mandoline von Maggie May kannte ich noch nicht. Danke für’s erzählen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s