Gut ohne Worte

Nicht jede CD, die man sich kauft, rotiert auch gleich in großer Häufigkeit im Player. Manchmal stehen Schallerzeugnisse auch eine Weile im Regal, nachdem einmal reingehört wurde. Aber irgendwann macht es klick! Und dann wird das Ding rauf- und runtergehört. Gerade hatte ich nochmal die „Instrumentals„-CD von Ricky Skaggs & Kentucky Thunder laufen lassen. Schon nach dem ersten Hören fand ich die ziemlich gelungen, obwohl ich sonst gern jemanden singen höre. Aber die Vielfalt der Melodie-Einfälle und die musikalische Abwechslung erschließen sich jetzt gerade recht. Ziemlich viele irische Einflüsse sind zu hören, die dem gesamten Album eine freundliche Grundstimmung verleihen. Aber es gibt auch ziemlich knackig-bluesige Nummern wie „Missing Vassar“, das man sofort auf der Mando nachspielen möchte. Aber so einfach ist das nicht – klingt zwar vieles eingängig, simpel nachzuempfinden dürfte aber schwer werden. Na, es ist halt der aufrechte Christenmann Ricky, obwohl es bei ihm wohl nicht der Glaube ist, der Berge versetzt, sondern seine Fähigkeiten am Instrument. Die Botschaft: Wer denkt, ein Instrumentalalbum sei nicht sein Ding, der lasse sich hier eines Besseren belehren. Da ist Virtuosität nicht Selbstzweck, sondern musikalisches Mittel. Nur ein Tipp: die Nr. 5 überspringen – überflüssiger Ballast.

3 Gedanken zu „Gut ohne Worte

  1. Die CD kenne ich noch nicht. Was mich an Ricky Skaggs stört sind 2 Punkte:

    1. Er hält sich selbst für einen „Soldier of the cross“ (das ist nicht von mir, sondern aus seinem eigenen Mund). Und so tolerant ich auch an das Thema Religion und Gläubigkeit herangehe, ich kann das nicht als positiv ansehen.

    2. Er meint offensichtlich oft, dass die Qualität von Bluegrassmusik auf der Basis von Anschlägen pro Sekunde auf den Instrumenten bewertet werden muss. Auch das sehe ich anders ( und zwar unabhängig davon, dass meine eigene Fingerfertigkeit mir lediglich einen Bruchteil seiner Geschwindigkeit auf der Mando erlaubt).

  2. Hallo Dieter.

    Lustig, dass du genau diesen Titel der Skaggs DVD „Soldiers Of The Cross“ anführst – mir wurde auch anders als ich diese das erste mal in den Händen hielt. Das ist schon ein sonderbarer Widerspruch wenn sich ein vermeintlich gläubiger Mensch als „Soldat“ bezeichnet – da wird mir echt übel – sponsored by G.W. Bush oder wie!

    Was Punkt zwei angeht, stimme ich speziell im Falle der hier empfohlen CD, aber nicht mit dir überein. Selbst wenn es auch auf dieser Scheibe Nummern gibt, die deutlich über dem Speedlimit manch‘ anderem Spielers liegen, finde ich auf „Instrumentals“ keine Note zuviel oder zu schnell. Alles sehr schöne Kompositionen ohne Angeberattitüde, dafür aber mit unglaublich geschmackvoller Musikalität und Freude interpretiert. Mit ein bißchen Anstrengung schaffe ich es sogar, den „Soldier“ in Ihm zu vergessen wenn ich die CD höre. Absolute Kaufempfehlung!

  3. Ja, der Kreuzritter-Ricky. Wie stark er wohl missionarisch tätig ist und welche Waffe er dazu benutzt? Im besten Fall die Mandoline. Er übertreibt es tatsächlich nicht mit dem Tempo auf dieser CD. Kann meinem Vor-Schreiber nur zustimmen. Vielleicht hat der Mann ja doch heimlich seine Seele dem Teufel verkauft – wer so spielen kann …

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