Der Pfund nimmt ab

Es soll ja Leute geben, die immer mal gern ein zusätzliches oder ein Erstinstrument kaufen. Gerade an wertigen Bluegrassmandolinen herrscht in Deutschland nicht gerade Überfluss. Natürlich gibt es die eine oder andere gute Quelle, aber wenn man eben was Anderes sucht? Dann gucken die meisten ins Internet und treiben sich auf US-Seiten rum. Aber der Dollar hat sich etwas gefangen und auf Käufe in den USA wird bei der Einfuhr ja noch einiges aufgeschlagen. Nun bin ich kein Experte, aber hat mal jemand in jüngster Zeit den Kurs des britischen Pfunds beobachtet? Der ist mächtig gefallen. Ein Pfund ist nur noch wenig mehr wert als ein Euro. Was ich damit sagen will? Käufe in UK könnten deutlich billiger ausfallen. Ist ja immerhin EU, weshalb diese ganzen Zoll- und Zusatzkosten doch eigentlich wegfallen müssten. Dann käme beispielsweise eine neue Kentucky KM-1000, angeboten von der „Acoustic Music Company“ für 950 Pfund plus 45 Pfund Versand, auf umgerechnet ca. 1086 Euro. Klingt irgendwie sehr günstig. Nur mal für den Hinterkopf.

Zugeschaut und nachgebaut

Was macht er denn jetzt, der David Grisman? In den 80er-Jahren kooperierte er mit der Marke „Kentucky“, die „Dawg-Models“ auf den Markt brachte, im traditionellen F-Mando-Look. Jetzt hat Grisman ein Projekt mit der Firma Eastman ausgeheckt: Er stellt besondere Instrumente aus seiner Mando-Sammlung zur Verfügung und die fleißigen Chinesen der Ostmänner bauen die Dinger nach. Ganz offiziell! Und es gibt bereits die ersten Modelle, vorgestellt auf der kürzlich gelaufenen NAMM-Messe in Anaheim. Eines davon ist eine Kopie der J-5 des italienischen Edelbauers Giacomel, über den wir hier schon berichteten. Keine Ahnung, was die kosten soll, aber in der 10.000-Euro-Region wird sich das nicht bewegen. Und sie sieht tatsächlich so aus wie ein Werk des Meisters aus Italia – siehe Foto der Eastman unten. Wie wohl der Klang erklingt?

Das zweite Instrument aus Grismans Sammlung, dem Eastman eine Neuauflage beschert, ist ein „Bacon Artist Model“ von 1920. Auf deren Website fehlt von beiden Modellen noch jede Spur. Aber sie werden kommen und möglicherweise noch mehr. Vielleicht tauchen ja die neuen Ostmänner auf der Frankfurter Musikmesse 09 auf? Wäre mal was Beguckenswertes. David Grisman im O-Ton: „I have great hopes for the Eastman Giacomel and all of the models that I have been discussing with them. I believe that the quality will be extremely high. The Eastman folks seem very dedicated to building quality instruments, and the prototypes they sent me of both the Giacomel and the Bacon Artist were very impressive. I will receive two more within the next month, which I hopefully will approve for manufacture.“

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Schweinkram bleibt Schweinkram

Als Herrscher über ein Weblog wie dieses stehen einem täglich interessante Statistiken zur Verfügung. Da kann man nicht nur nachschauen, wie viele Zugriffe es gab, sondern auch, mit welchen Suchbegriffen die Menschen auf dieser Site hier landen. In jener Rubrik fand ich kürzlich die Suchphrase: „Pralle Weber“. Nun vermute ich mal, dass derjenige vor lauter Lüsternheit das „i“ für „Weiber“ vergessen hat. Und dann ist er hier im Mando-Blog gelandet. Was muss das für ein Gefühl sein, statt riesiger Brüste schlanke F-Löcher zu erblicken? Auf eine Weber-Mandoline zu schauen, statt auf formatfüllende Glocken? Entweder derjenige klickt sofort weiter oder bleibt irritiert hängen, liest Beitrag um Beitrag, bevor er schließlich bekehrt und überzeugt vom weiblichen Geschlecht ablässt, sich eine Mando kaufen geht und fortan Besseres mit seiner Freizeit anzufangen weiß, als irdischer Geilheit nachzujagen.

Von Zeit zu Zeit betitele ich zugegebenermaßen Posts mit Begriffen, die falsche Fährten legen. Wenn ich beispielsweise von Sierra Hull als „Teenie-Queen“ (der Mandoline) berichte, habe ich natürlich schwupps! diese Irrläufer im Blog. Oder wenn ich mal ein Instrument als „süße Sau“ bezeichnen sollte (weil´s stimmt), kann ich davon ausgehen, hier verlaufene Gäste begrüßen zu können. Und da ich ja gerade wieder diese Wörter benutzt habe, kann es sein, dass sie morgen in der Suchliste auftauchen und dass genau auf diesen Beitrag hier einige abfahren. Ich möchte sie an dieser Stelle herzlich grüßen und ihnen zurufen: Lasst ab vom Masturbieren, beginnt Mando zu studieren! Mit gesunden Händen kann man auch Sinnvolles anstellen. Obwohl amerikanische Ärzte ja behaupten, es sei förderlich, mindestens dreimal die Woche zu … aber anderes Thema.

Mr. Taterbug stompt

Lange nichts mehr abgesondert über den Mann mit der Latzhose: Mike Compton. Aber bei der Suche nach möglichen neu zu lernenden Stücken stieß ich auf den „Bluegrass Stomp“ von Bill Monroe und fand diese Aufnahme von Compton im Duett mit Frank Wakefield. Wie meistens wirkt es wenig spektakulär, was der Peter Lustig da spielt – aber es ist immer passend. Ein Typ für sich, dieser Mr. Taterbug.

Lass man den Bassmann ran

Im Alter wird so mancher wunderlich. Jazz-Bass-Ikone Charlie Haden spielt mit 71 Jahren ein Bluegrass-Album ein: „Rambling Boy“, aufgenommen mit „Family & Friends“. Zu den Freunden gehören: Sam Bush, Jerry Douglas, Ricky Skaggs, Elvis Costello, Pat Metheny, Vince Gill, Bruce Hornsby, Bryan Sutton, Dan Tyminski, ach, ich hör jetzt auf. Komplett an mir vorbeigegangen, dieses Album. Alles Weitere dazu auf der speziellen Website und in diesem Making-Of-Filmchen hier.

Und hier: die Hitparade!

Das US-Musikbranchenmagazin „Billboard“ veröffentlicht regelmäßig auch eine Bluegrass-Hitliste. Am Jahresende werden die Charts dann zusammengefasst zu einer „Best of 2008“-Rangfolge – hier zu sehen. Dabei habe ich von den Titeln und Künstlern, die sich auf den Rängen eins bis fünf tummeln, noch nie was gehört. Dann kommen glücklicherweise doch noch ein paar Bekannte. Aber was macht denn der Charlie Haden da auf 10? Auf den Spuren von Bill Frisells „Nashville“-Album? Muss ich doch mal recherchieren.

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Tanz den alten Lincoln

Es war die Bibel, auf die schon Abraham Lincoln 1861 bei seiner Vereidigung als Präsident der USA geschworen hatte, auf der jetzt die Hand Barack Obamas lag. Das hat zwar nicht gegen den leicht verpatzten Amtseid geholfen, bringt uns aber auf ein anderes Thema. Denn Lincoln stammte aus Kentucky. Und am 12. Februar jährt sich zum 200. Mal sein Geburtstag. Das muss im Bluegrass-Staat natürlich gefeiert werden, wie Obama an diesem Tag bestimmt auch sein großes Vorbild würdigen wird. In Owensboro, Kentucky, erlebt am 12.2. ein Musical seine Uraufführung. Titel: „Lincoln In The Land Of Bluegrass„, eine Kooperation des „International Bluegrass Music Museum“ mit dem Autor Rick Miller. Die Akteure sollen hauptsächlich Schüler sein, unterstützt von Randy Lanham, dem Museumspädagogen, und seiner Band. Auch die Songs stammen aus Schülerköpfen – sie hatten an Songwriting-Workshops des Museums teilgenommen. Ein Musical im Sound Bill Monroes soll es sein. Ob das aber meine Musical-Allergie heilt, stelle ich schwerstens in Frage. Naja, Hauptsache die Bibel spielt mit. Und haltet Euch immer schön an den vorgegebenen Text, Kinder!

Nie mehr um Mitleid bitten müssen

Wir haben einen neuen Pabst! Ach nein, es ging ja nur um den US-Präsidenten gestern. Geziemt es sich dann, heute hier einen Mr. Bush auftreten zu lassen? Dazu noch mit einem Lied, das Randy Newman 1974 auf Richard Nixon, diesen üblen Typen, gemünzt hat? Ja, denn es geht vor allem um die Hoffnung, dass „Mr. President (Have Pity On The Working Man“ so schnell von keinem Künstler mehr gesungen werden muss. Oder dass einem das Lied ganz fremd und weit weg vorkommt, wenn man es künftig mal hört. Wäre doch schön, wenn Onkel Sam es aus seinem Repertoire streichen könnte. Oh, Barack lässt uns träumen …

Schlauer werden in Hammelburg

Mangels Masse war er im vergangenen Jahr ausgefallen, jetzt versuchen die Franken einen neuen Anlauf für den ersten Mainpop-Bluegrass-Workshop. Vom 7. bis 9. August steht die Bayerische Musikakademie Hammelburg fürs Choppen und Picken zur Verfügung. „Das Wochenende im Sommer stellt eine einmalige Gelegenheit dar, mit hochkarätigen Musikern das Zusammenspiel in einer Bluegrass-Band zu trainieren und zu vertiefen. Es wird Workshops zu den einzelnen Instrumenten und Einblicke in die speziellen Bluegrass-Techniken geben“, heißt es in der Ausschreibung. Als Referenten sind angekündigt: Jürgen Biller (Banjo), Rupert Paulik (Mando, Fiddle) und Oliver Waitze (Gitarre, Mandoline, Banjo). Die Kosten betragen inkl. Unterkunft und Verpflegung 230 Euro. Die vollständigen Informationen sind auf der Mainpop-Website nachzulesen. Wer sich sofort anmelden möchte, kann das bei Peter Näder unter info@mainpop.de tun. Vielleicht bekommen ja in diesem Jahr genügend Leute ihre Hammelbeine hoch, sonst muss man sie ihnen eben langziehen. (Verzeihung, kam um den Kalauer nicht rum.)

Heraus zum Nominieren!

Im Turnus der Gezeiten jährt sich regelmäßig die Verleihung der angeblich begehrtesten Musiktrophäen der Welt: der Grammys. Begehrt jedenfalls, was die etablierte phonographische Wirtschaft angeht. Nun denn: Am 8. Februar 2009 ist es wieder soweit. And the for us interesting nominees are: Paulino Bernal mit „El Maestro Del Acordeón Y Sus Polkas“ (Best Polka Album), in diesem Fall ein kleiner Scherz am Rande. Nun aber wirklich zu den Nominierten der Kategorie „Best Bluegrass Album“:

  • Cherryholmes III: Don’t Believe
    Cherryholmes
    [Skaggs Family Records]
  • Del McCoury Band — Live At The 2008 New Orleans Jazz & Heritage Festival
    Del McCoury Band
    [MunckMix]
  • The Ultimate Collection / Live At The Ryman
    Earl Scruggs With Family & Friends
    [Rounder Records]
  • Honoring The Fathers Of Bluegrass: Tribute To 1946 And 1947
    Ricky Skaggs & Kentucky Thunder
    [Skaggs Family Records]
  • Wheels
    Dan Tyminski
    [Rounder]

In der Kategorie „Best Contemporary Folk/Americana Album“ tauchen übrigens noch Emmylou Harris auf („All I Intended To Be“) und Alison Krauss mit Robert Plant („Raising Sand“). Und wer dann die Pokale letztendlich stemmen darf, erfahren wir Mitte Februar. Sämtliche, aber wirklich alle, ohne Ausnahme, komplett sozusagen, Nominierten sind hier aufgelistet.

Picken wie die Hühner

Von Zeit zu Zeit erhebe ich mich gern über E-Gitarristen, die es ja verglichen mit Instrumentalisten akustischer Prägung wirklich einfach haben: Stromgitarren sind superleicht bespielbar und die Lautstärke lässt sich per Regler erledigen. Und dann noch diese Effektgeräte. Da spielen diese Typen kaum was, schaffen es aber mit gigantischer Effekthascherei, das Volk zum Toben zu bringen. Nun ja.

Doch ich will nicht ungerecht sein. Natürlich gibt es auch unter den Stromgitarristen ehrliche Handarbeiter, die durch tatsächliches Können beeindrucken. Eine spezielle Spezies darunter sind diese Telecaster-Helden. Ihnen soll zum Wochenschluss Respekt gezollt werden. Stellvertretend anhand eines Schnipsels des großen James Burton, der mit Elvis gespielt hat (siehe: Aloha From Hawaii) und mehrere Jahre Mitglied in Emmylou Harris´ Band war. Er demonstriert uns den „Chicken Picking“-Stil, eine feine Sache. Das probier ich gleich mal mit meiner Mando aus! Wär doch gelacht, wenn man die Bendings nicht unter Zuhilfenahme sämtlicher gesunder Finger hinbekommen würde. Oder soll ich´s doch besser lassen?

Mando-Kunst im Paket

Es steht, das Programm zum ersten Mandolinenfestival der „New Acoustic Gallery“ in Solingen, das am 29. und 30. August dieses Jahres stattfindet. Die Headliner waren ja schon bekannt: Mike Marshall (USA) und Caterina Lichtenberg (D). Außerdem auf der Bühne steht ein weiterer großer Name der US-Mando-Szene: Don Stiernberg, der im Trio spielen wird. Das Line-Up komplett machen das „Modern Mando Trio“ sowie das „Trio Vibracao„. Das genaue Programm findet sich hier. Der Eintritt beträgt je Tag 40 Euro.

Darüber hinaus werden einige Künstler für Workshops zur Verfügung stehen: Don Stiernberg am Samstag, Mike Marshall und Caterina Lichtenberg am Sonntag, wofür jeweils 60 Euro fällig sind. Wer die Matadore und ihre musikalische Ausrichtung kennt, weiß, dass sich die Kurse nicht in erster Linie an Bluegrasser wenden, sondern eher Jazz, Choro, Klassik im Mittelpunkt stehen. Vielleicht muss man aber gar nichts lernen wollen, sondern genießt es einfach, Virtuosen beim Lehren zuzuschauen. Mir würde vor Ehrfurcht sowieso die Mando aus den Händen fallen – ich spiel doch nicht vor Mike Marshall! Obwohl ich doch früher oft „Rauchende Colts“ geguckt habe und da war auch immer ein Marshall dabei, aber ich schweife ab …

mike_marshall_150 Zieh Deine Mando, Mr. Marshall!

Jaja so blau, blau, blau sieht die Mando aus

Als Emmylou Harris im vergangenen Sommer auf Tour durch die USA war, spielte im Vorprogramm das Duo Jimmy Gaudreau/Moondi Klein. Dabei war Mandomann Gaudreau an einer modifizierten Kentucky KM 805 zu sehen. Offensichtlichster Unterschied zum Standardmodell: die bläuliche Lackierung! Mit dem Teil endorste Jimmy auch während der IBMA World Of Bluegrass 2008 am Stand von Saga Musical Instruments herum. Und dabei hat ihn jemand gefilmt, weswegen uns hier der Anblick dieser blauen Kentucky zuteil wird. Tja, wenn man im Showbusiness unterwegs ist, warum nicht. Ich für meinen Teil lehne diese Farbe ab: Wenn nicht nur der Spieler, sondern auch das Instrument blau ist, ist das des Guten eindeutig zu viel. Stattdessen nippen wir an unserem alkoholischen Getränk und warten ab, ob Saga regulär sowas Blaues mitbringt nach Frankfurt am Main zur diesjährigen Musikmesse. Skol!

Butch lehrt weiter

Am 10. Januar, also vor drei Tagen, ist Butch Baldassari verstorben. Einer der anerkannten großen Mandolinenspieler der USA wurde 56 Jahre alt. Vor 20 Monaten entdeckten die Ärzte bei ihm einen inoperablen Hirntumor. Für die anschließende Behandlung war viel Geld nötig und die Mandolinen- und Bluegrassgemeinde veranstaltete Benefiz-Konzerte und startete andere Aktionen, um Mittel zu sammeln. Aber auch die Strahlentherapie konnte offenbar nicht helfen. Kollegen wie Adam Steffey und Ronnie McCoury haben ihre Trauer bereits öffentlich formuliert. Einen Nachruf schrieb Peter Cooper im „Tennessean„. Ein ausführliches Porträt findet sich hier. Manches habe ich von ihm gelernt – von seiner Bluegrass-Workshop-DVD, erschienen bei Homespun. Jetzt lehrt da ein Verstorbener. Es ist schon irgendwie merkwürdig, Filmaufnahmen von Menschen zu sehen, die längst nicht mehr leben, durch die Aufnahmen aber auch nicht wirklich tot sind, weil präsent mit Bewegung und Stimme. Insofern wird Butch Baldassari zumindest per DVD weiter Unterricht geben, was immer er auch gerade in Wirklichkeit tut.

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Butch Baldassari, 11.12.1952-10.1.2009