Zugeschaut und nachgebaut

Was macht er denn jetzt, der David Grisman? In den 80er-Jahren kooperierte er mit der Marke „Kentucky“, die „Dawg-Models“ auf den Markt brachte, im traditionellen F-Mando-Look. Jetzt hat Grisman ein Projekt mit der Firma Eastman ausgeheckt: Er stellt besondere Instrumente aus seiner Mando-Sammlung zur Verfügung und die fleißigen Chinesen der Ostmänner bauen die Dinger nach. Ganz offiziell! Und es gibt bereits die ersten Modelle, vorgestellt auf der kürzlich gelaufenen NAMM-Messe in Anaheim. Eines davon ist eine Kopie der J-5 des italienischen Edelbauers Giacomel, über den wir hier schon berichteten. Keine Ahnung, was die kosten soll, aber in der 10.000-Euro-Region wird sich das nicht bewegen. Und sie sieht tatsächlich so aus wie ein Werk des Meisters aus Italia – siehe Foto der Eastman unten. Wie wohl der Klang erklingt?

Das zweite Instrument aus Grismans Sammlung, dem Eastman eine Neuauflage beschert, ist ein „Bacon Artist Model“ von 1920. Auf deren Website fehlt von beiden Modellen noch jede Spur. Aber sie werden kommen und möglicherweise noch mehr. Vielleicht tauchen ja die neuen Ostmänner auf der Frankfurter Musikmesse 09 auf? Wäre mal was Beguckenswertes. David Grisman im O-Ton: „I have great hopes for the Eastman Giacomel and all of the models that I have been discussing with them. I believe that the quality will be extremely high. The Eastman folks seem very dedicated to building quality instruments, and the prototypes they sent me of both the Giacomel and the Bacon Artist were very impressive. I will receive two more within the next month, which I hopefully will approve for manufacture.“

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6 Gedanken zu „Zugeschaut und nachgebaut

  1. Berühmt müsste man sein (neben reich und schön!). Dann würde man im Briefkasten, wenn man abends erschöpft nach Hause kommt, statt Rechnungen und Werbung Mandolinen finden.Mal eben von irgend einem Luxus-Hersteller zur Verfügung gestellt. Ich hätte noch ein paar Zimmer frei, um Mandos unterzubringen. Hallo ihr Hersteller da draußen: Hier bin ich! Wie wäre es mit einem Gibson Dieter Zanger Modell! Ich ziere mich nicht!!!
    Dass da so einfach Kopien in Asien gemacht werden dürfen, ist zwar ärgerlich, vermutlich besteht aber kein Musterschutz oder Patent. Würde bei den Asiaten so wie so nix nützen.

  2. Naja…., die F5 wird ja auch von ausnahmslos Allen bis ins kleinste Detail kopiert was für weniger gut Betuchte den Vorteil bietet, sich eine solche Mando kaufen zu können. Wie sooft gibt es gar Kopien, die dem Original überlegen sind! Der alte Italiener wird sich eher gebauchpinselt fühlen, dass seine Instrumente nun nachgebaut werden. Seinem Geschäft wird das nicht schaden. Außerdem bin ich ziemlich sicher, dass er dafür sein „O.k.“ gegeben hat, sonst würde der Grisman von ihm nichts mehr bekommen und dafür wiederum ist der sicherlich auch zu scharf auf neue Instrumente.

  3. Denke auch, dass Käufer, die eine Giacomel im Auge haben, sich nicht in Eastman-Niederungen begeben werden. Und Eastman-Interessenten werden wohl auf längere Sicht nicht das Geld zur Verfügung haben, um ernsthaft ans Original zu denken. So dürften alle Seiten zufrieden sein, zumal auf diesem Weg sicher Herrn Giacomels Bekanntheitsgrad nochmals steigt. Wie heißt das so schön: eine Win-Win-Situation.

  4. Ich glaube, so einfach kann man das nun nicht sehen. Natürlich nimmt das dem Giacomel Aufträge weg, wenn irgendwo in Asien unter wer-weiß-was für Bedingungen Leute, die nur Hungerlöhne bekommen, seine Produkte nachbauen. Wenn einer in Korea T-Shirts mit Krokodilen darauf nachmacht, dann nennt man das Marken-Piraterie. Und das ist Gott-sei-Dank strafbar (zumindestens bei uns). Nur dass man die Verbrecher in Asien nicht erwischen kann. Warum sollte das denn bei Mandos anders sein. Wenn unter gleichen Bedingungen Mandos kopiert werden (gleiche Löhne usw.), und die sollen auch noch gleiche Qualität haben, werden sie auch ähnlich viel kosten. Dann sind wenigstens die Chancen der verschiedenen Hersteller für den Verkauf auch ähnlich. Beim F5-Design sind die Kopien (so viel ich weiß) in den 1970ern losgegangen, also fast 50 Jahre nach Loar und in einer Zeit, als Qualität bei Gibson nicht so hoch angesetzt wurde. Das relativiert die das oben gesagte etwas. Das Giacomel-Design ist aber neu und unverwechstelbar. Soll sich Eastman doch was eigenes ausdenken statt zu klauen. Grrrrrrrrrrrrr!

  5. Ich bleibe dabei: Jede Strat wird kopiert, jede Les Paul, jedes Pre-War Gibson Banjo und das bis ins kleinste Detail – selbst von renommiertesten Herstellern auch in Deutschland. Deswegen verkauft weder Fender noch Gibson auch nur ein Instrument weniger. Die entsprechende Kundschaft wird dennoch nur eine echte Gibson, Fender oder Giacomel kaufen. Daran wird keine noch so gute Kopie etwas ändern. Und da Herr Grisman auf Giacomels Seite immer noch als „exclusive representative in the US.“ aufgeführt wird, kann man sicher sein, dass der Italiener diesen Nachbau auf jeden Fall autorisiert hat.

    Das hat in meinen Augen nichts mit Markenpiraterie zu tun, wo versucht wird, dir eine Billiguhr als Rolex zu verkaufen. Ein Design (billiger) zu kopieren ist natürlich nicht besonders innovativ aber letzten Endes dem ebenfalls nicht innovativem Musiker geschuldet der immer eine Gitarre, eine Mando oder ein Banjo haben will, welches genauso ausschaut wie eine Gibson oder was anderes Überteuertes. So ist es wirtschaftlich gesehen auf jeden Fall gewinnbringender eine Gibson zu kopieren als ein selbst entworfenes Instrument in den Lagern vergammeln zu lassen. Wären also nicht alle Musiker/Menschen solche Markenfetischisten, hätten auch mal andere Designs oder Hersteller eine reelle Chance ihre orginären Instrumente zu verkaufen. Das kann man also kaum den kopierenden Firmen vorwerfen!

    Hungerlöhne und Ausbeutung in Asien sind allerdings wieder ein anderes Thema……, das hat aber eher mit Globalisierung und nur am Rande mit Mandolinen zu tun!

  6. Pingback: Der Engländer hat sie « DoppelstoppBluegrassMandoline

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