Das Gold der Väter

In dieser Nacht sind zum 51. Mal die „Grammy Awards“ verliehen worden. In 110 Kategorien gab es Trophäen zu gewinnen. Für dieses Blog maßgeblich ist die Rubrik Nr. 43: „Best Bluegrass Album“. And the winner is diesmal: Ricky Skaggs & Kentucky Thunder mit „Honoring The Fathers Of Bluegrass:  Tribute To 1946 And 1947“. Mit Gold überschüttet wurden Alison Krauss und Robert Plant – Grammys in gleich fünf Kategorien! Als da wären: Record Of The Year, Album Of The Year, Best Pop Collaboration With Vocals, Best Country Collaboration With Vocals, and Best Contemporary Folk/Americana Album. Leer gingen dagegen die Steeldrivers aus. Aber Mandolin-Café-Kolumnist Bill Graham hat sich ja schon über das Wunder geäußert, dass sie überhaupt nominiert worden sind und will trotzdem feiern. Die komplette Liste mit Nominierten und Gewinnern steckt hier.

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6 Gedanken zu „Das Gold der Väter

  1. Dat is wahr! Obwohl ich von den Flecktones bislang wenig gehört habe, war ich immer ein Fan von Béla Fleck als er noch bei New Grass Revival gespielt hat. Gnadenlos gut! Warum sein Album unter Pop eingestuft wurde, weiß ich natürlich nicht, dazu müsste ich es mal gehört haben. Aber, die Wahl war sicher nicht verkehrt. Es wäre natürlich schön, Béla käme ein wenig zu den Wurzeln zurück (ich meine nicht traditionellen Bluegrass).

    Und dann ist da noch Alison Krauss, die zusammen mit Robert Plant einen Grammy bekommen hat. Auch die ist weg von den Wurzeln, was schade ist!

  2. Ja….., mir gefällt Frau Krause auch besser beim Bluegrass – finde die Platte zusammen mit Robert Plant übrigens zum Gähnen, genau wie die hoch dekorierte Scheibe von Herrn Skaggs. Tut mir leid: Das ist mir zu heftig musikalisch rückschrittlich. Alles super gespielt und arrangiert aber, erstens muss ich Ricky Skaggs nicht unbedingt singen hören – da gibt es nämlich diesen deutlichen „Kermit-Überbiss“ in der Stimme, der sich oft kurz vor Würgereiz anhört – und zweitens verstehe ich nicht, was daran toll sein soll Stücke die es schon mindestens 1.234.343 auf Tonträger gibt im Jahre 2008/2009 nochmals auf CD zu brutzeln. Warum sollte man sich das jetzt nochmal anhören und warum wird sowas „Best Bluegrass Album“? Sollte man nicht annehmen, dass bei den Grammys eine aufgeschlossenere Jury urteilt und somit auch mal „neuer“ Bluegrass Musik ein Chance bekommt?! Allein die aktuelle Stringdusters CD wäre ein würdigerer Sieger in dieser Kategorie gewesen. Aaaaber…., das ist vermutlich wie in der Klassik: Da werden ja auch immer wieder Neuaufnahmen von längst in höchster musikalischer und audiophiler Qualität produzierter Werke ausgezeichnet. Nix gegen gute Coverversionen auch auf CD’s, aber Bands wie z.B. Mayqueen werden nie einen Grammy für das beste Nachspielen von „Bohemian Rapsody“ bekommen – und das vollkommen zu Recht! Warum ist das also im Bluegrass ein Tugend?? Spötter könnten nun sagen: „Lieber was Bewährtes neuaufnehmen – die Stücke klingen ja eh fast alle gleich!“ Ich bleibe dabei: Ich verstehe es nicht. Das ist, als würde Coldplay auf jeder zweiten neuen CD „Michelle“ von den Beatles erneut aufnehmen, weil es halt einfach ein toller Song ist und dafür dann auch noch gebauchpinselt würden?! Doooooof!

  3. Ich stimme Dir zu. Vermutlich steckt Bluegrass derzeit in einer kleinen Krise (trotz wohltuender fortschreitender Verbreitung). Die Frage ist: Was von alledem, das heute Bluegrass genannt wird, ist eigentlich noch Bluegrass. Ist Allison Krauss´s Mucke noch Bluegrass (ohne Mando und oft ohne Banjo)? Ist Musik Bluegrass wenn die typischen Instrumente vorkommen? Ist Bluegrass nur Bluegrass wenn die stilistischen Mittel der ersten Generation vorkommen? Viele Definitionen sind möglich und zulässig. In jedem Fall aber ist es Bluegrass, wenn die Songs der ersten Generation auf den typischen Instrumenten gespielt werden. Das ist mal sicher. Und reproduzieren wir nicht alle, wenn wir auf der Bühne oder im Wohnzimmer oder wo auch immer unsere Instrumente zur Hand nehmen? Solange wir keine eigenen Songs schreiben. Popmusik durch die Wahl der Instrumente zu Bluegrass zu machen, ist auch kein Weg. Wenn Bluegrass auf Dauer überleben will und nicht wie die Countrymusik zur Rock- oder Popmusik werden will, muss ein eigener Weg gefunden werden. Und der kann weder sein, sich ständig auf die 40er Jahre zu beziehen, noch, Popsongs auf das Banjo oder die Mando zu übertragen. Schwierig, schwierig… P.S.: High-lonesome oder joddeling kann ich auch nicht ab. Das ist oft peinlich und schmerzt in den Ohren.

  4. Hallo Dieter.

    Ja, es ist schwierig! Ich finde aber, dass es eine solche Unmenge an hervorragenden neuen Bluegrassbands gibt, die ganz im Stile der alten Säcke die Musik leben und spielen – doch keine von Ihnen erlangt das Licht einer größeren Öffentlichkeit.

    Um Mal bei den Stringdusters zu bleiben: Diese Band spielt auf jeden Fall Bluegrass im traditionellen Sinne – sowohl bei der Instrumentierung, dem Gesangstil und den üblichen Spielweisen und Improvisationen. Aber mit dem Anspruch, der Musik durch ausgefeiltere Arrangements und vor allem einer anspruchsvolleren Komposition, neue Facetten zu geben! Und das schaffen sie so perfekt, dass sie für mich die erste Band sind, die sowohl die Traditionalisten als auch neue Fans eint.

    Wo hört man in der breiteren Öffentlichkeit von dieser Band? Nirgends! Da nervt es mich einfach unfassbar, dass 8 x hintereinander der oder der zum besten Mandolinen- / Banjo- oder Bluegrasskünstler gewählt wird – selbst wenn es von mir hochgeschätze Künstler wie Alison Krauss sind. Es gibt diese riesige Anzahl an neuen Bands, die ganz traditionell Bluegrass im eigentlichen Sinne spielen. Was spielt es für eine Rolle, wie ein Stück arrangiert ist oder wie lang es ist? Das legt sicher nicht fest, was Bluegrass ist oder nicht! Ein Bluegrass Song muss darüber hinaus von keinem bestmmten Thema handeln um Bluegrass genannt werden zu dürfen – das ist auch Unsinn. Es gibt ganz einfach bestimmte Spielweisen und Stilistiken auf ganz bestimmten Instrumenten die aus beinahe jeden Stück einen Bluegrass Song machen – absolut. Es ist aber sicher keine Lösung, ständig nur noch Rock/Pop Songs zu vergewaltigen.

    Gerade die neuen Bands schreiben hervorragende Songs, die auch einer breiteren Bluegrass Gemeinde gefallen würden – sie müssten dazu aber im Radio oder wo auch immer gespielt werden. Das ist der von dir angesprochene „eigene Weg“!!! Doch die Konservativen Musiker und Hörer lauschen eben lieber Kermit dem Frosch und eine neue Akkordwendung in einem Bluegrass-Song wird abschätzig als „Newgrass“ oder „progressiv“ abgetan. Blödsinn!

    Wenn also schon amerikanische Bands mit neuen Songs kaum eine Chance auf echten Ruhm haben, warum sollte dann eine deutsche Bluegrass Band eigene Songs in diesem Stil schreiben und sie einem zum Großteil desinteressierten Publikum präsentieren, das lieber zu „I’ll Fly Away“ schunkelt? Naja….., weil man den Anspruch hat, eigene Songs zu schreiben und zu spielen vielleicht?! Deswegen werden wir auch in absehbarer Zeit eigene Songs ins Programm nehmen. Eine Fanbase unter sog. Bluegrassfans erreichen wir damit aber ganz sicher nicht.

    Und zum Schluss: Um den oben geschmähten Frosch zu rehabilitieren möchte ich nochmals auf seine CD „Instrumentals“ hinweisen. Da zeigt er, was er für ein aufgeschlossener und hervorragender Komponist, Arrangeur und Musiker ist. Bluegrass in Reinkultur, mir einigen irischen Schlenkern und einer Klarinette, und dennoch nicht nach dem dritten Stück einfach nur noch langweilig. Großartig!

  5. Wir sind uns völlig einig!

    Übrigens bin ich ein großer Fan der Stringdusters. Und die sind im letzten Jahr 4 Wochen durch Europa getourt. Zurück in den USA tourten die weiter und sind schon eine große Nummer. Ich habe sie 2x live erlebt. Hut ab!

    Dass immer wieder die gleichen Musiker Preis bekommen ist echt betrüblich, stimmt!
    Dass Jesse Cobb (Manoliner bei den Stringdusters) keine Nominierung bekommt (und keinen Preis) ist aber wiederum richtig (leider). Der ist zwar ein Super-Mandoliner, ohne Zweifel! Aber viele Dinge, die der spielt, sind geklaut. Ganze Läufe von Chris Thile, Rhythmen von Sam Bush, Staccati (scheibt man das so?) von Adam Steffey. Einen Preis sollte, obwohl Cobb einer meiner Lieblings-Mando-Quäler ist, nur bekommen, wer etwas eigenes schafft.
    Das widerspricht natürlich (wie Du bereits ausgeführt hast) der Praxis, dass Orchester belohnt werden für die x-te Einspielung des gleichen Werks. Die schaffen auch nix Eigenes und nix Neues! Jetzt werde ich von den Klassikern erschlagen. Macht nix, die nehmen unsereinen ja sowieso nicht ernst!

    Ach und noch was. Ich habe einem Countryfan 2 CD´s gegeben: Dolly Partons The grass is blue und die erste CD der Stringdusters. Dolly Parton kam richtig gut an (ist auch eine meiner Lieblings-CDs), die SD überhaupt nicht. Will sagen: Alles ist Geschmacksache. Bluegrass wird niemals Breiten-Musik! Ist das gut oder schlecht? Keine Ahnung!

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