Mando-Star, rotes Haar

Manche Iren sehen tatsächlich so aus, wie wir uns Iren vorstellen. Und dazu gehört zumindest, dass sie rote Haare haben. Die hat Brian Kelly tatsächlich und deswegen durfte er auch beim diesjährigen „Irish Spring Festival“ mitreisen! Nein, das war gelogen! Der Mann spielt einfach sehr schön Mandoline, aber auch Banjo. Eine Paarung, die eher selten vorkommt. Wie sich sein Mando-Spiel anhört, lässt sich auf seiner MySpace-Seite erleben, etwa im sehr schönen „Myra´s Tune“. Aber auch in seiner Band „The Long Notes“ hört man eine feine Mando erklingen. Beim Auftritt in Tübingen drückte ihm Rainer Zellner backstage seine alte Gibson F-2 in die Hand, an der sich Brian Kelly gütlich tat – wie in beigepacktem Video zu sehen. Der hat nicht nur Feuer im Schopf!

Morgen Musikmesse. Mal schauen, was für dieses Blog dabei rausspringt.

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Ja, ist denn das erlaubt?

Es sind immer die gleichen Fragen: Darf man nach der Predigt klatschen? Darf man über Hitler lachen? Darf man eine Mandoline kapodieren? Antwort auf die letzte Frage: Jawohl, und erst recht dann, wenn man ein Rockstar ist (Anm.: Und erst recht noch viel danner, wenn es sich um eine Mandola handelt)! So wie Eric Bazillian, Gitarrist und Mandolinenspieler der „Hooters“ aus Philadelphia. In untigem Video zu ihrem Stück „I´m Alive“ provoziert er die ehrenwerte Gesellschaft Mandoliens allerdings. Denn er kapodiert nicht irgendeine Mando, sondern eine Weber, wenn ich recht geguckt habe. Da würde mancher aus dem engeren Kreise der Vierchörigen doch lieber über Hitler lachen als das mitanzusehen. Zu spät:

Almost Heaven, West Virginia

Seit 1983 gibt es die Konzertreihe „Mountain Stage„, gesendet von West Virginia Public Broadcasting. Mal in Charleston, mal in Morgantown, steht ein Paket Musiker, meistens vier bis fünf Künstler bzw. Bands, auf der Bühne – aus unterschiedlichen Musikgenres, aber mit Schwerpunkt auf Singer/Songwriter, Americana, Bluegrass. Das Schöne: Der Sender hält ein hübsches Archiv online parat. Ab der Show vom 13. April 2007 lässt sich bis heute allerhand abrufen. Und zwar nicht nur, um den Stream zu hören, sondern ebenso zum Download, einfach mit der rechten Maustaste aufs Lautsprechersymbol klicken und dann das Ziel speichern. Heraus kommt eine MP3-Datei beachtlicher Länge mit Live-Performances von Künstlern wie Tim O´Brien, Punch Brothers, Steeldrivers, Jerry Douglas, Julie Fowlis, Dan Tyminski und Del McCoury Band. Aber auch Acts wie Jakob Dylan, Mark Cohn, Bruce Cockburn, Billy Bragg und Cowboy Junkies sind zu hören. Sogar eine deutsche Band war mal mit von der Partie: die 17 Hippies aus Berlin. Also insgesamt eine akustische Fundgrube ausgesuchter Spezialitäten, wie gemacht für ein regnerisches Wochenende. Wobei ich das natürlich keinem wünsche, ts ts.

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Schweden zeigen´s den Amis

Im Interview nach richtig scharfen Live-Shows gefragt, nannten die Punch-Brüder Chris Thile (Mando) und Noam Pikelny (Banjo) ein Konzert der schwedischen Band „Väsen“. Das Quartett feiert tatsächlich große Erfolge in den USA, wo es gemeinsam mit Mike Marshall (Mando) und Darol Anger (Fiddle) auftritt. Wie sich das anhört, lässt sich auf „Supersonic“ nachvollziehen. Es handelt sich tatsächlich um Instrumentalmusik auf sehr hohem Niveau. Für unsereins sehr beeindruckend die von Olov Johansson gespielte Nyckelharpa, ein traditionelles schwedisches Streichinstrument mit Tasten. Der Mann für das hiesige Blog-Klientel ist aber eher Roger Tallroth, der zwölfsaitige Gitarre, schwedische Bouzouki und Oktavmandoline beherrscht. Ach was, beherrscht: Es klingt, als flöge es ihm zu. Wunderbare Welt des „sweet sunny North“, um mit David Lindley und Henry Kaiser zu sprechen.

Chris hilft Kate

Man könnte meinen, die Britischen Inseln steckten voller singender Elfen. Die Schottin Julie Fowlis war ja sogar schon in den Tagesthemen zu sehen, wie hier berichtet. Aber wer Fowlis sagt, muss auch Rusby sagen. Zwar würde ich nicht unbedingt behaupten, dass die Engländerin Kate Rusby aus der Grafschaft Yorkshire elfengleich singt, sie hat schon eine eher kräftige Stimme. Auf jeden Fall gehört sie zu den sehr guten Sängerinnen Britanniens. Und ihr Duett mit Ronan Keating stieg sogar in die GB-Top-Ten ein. In Folk-Kreisen ist sie seit den 1990er-Jahren bekannt, als sie Sängerin der „Poozies“ war, jener Band begabter Frauen um Sally Barker.

Und was hat sie hier verloren? Nun, sie hat mindestens eine Gemeinsamkeit mit Julie Fowlis: Chris Thile gehört zu ihren Gastmusikern. Auf der CD „Awkward Annie“ spielt Thile eine sehr schöne warme Mando in „The Old Man“, zu hören auf der MySpace-Seite von Kate. Klingt insgesamt nach einem Album zum Liebhaben – und das Cover ist auch noch schön.

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Rumoren im Preisgefüge

Es gibt viele schöne Wörter in der deutschen Sprache. Eines davon: Preisgefüge. Klingt in gewisser Weise nach festem Rahmen und einem Maß an Transparenz. Manchmal frage ich mich aber, ob in der globalen Mandoverkaufswirtschaft so etwas überhaupt existiert. Nehmen wir mal die kürzlich hier diskutierte Giacomel-Kopie von Eastman – die bietet die englische Acoustic Music Company wie erwähnt für 1850 Pfund an, also heute rund 2000 Euro. Beim „Mandolin Store“ in den USA steht das Instrument für 2796 Dollar zum Verkauf. Das klingt nach einem riesigen Preisunterschied, entspricht aber etwa 2144 Euro. Sieh an. Nehmen wir was Anderes: die Kentucky KM-1000. Kostet etwa laut jeweiligen Online-Katalogen bei „Martins Musikkiste“ 1699 Euro, im Berliner „American Guitar Shop“ 1190 Euro. Holla, was ist da los? In die weite Welt geguckt, liegen die Preise weniger weit auseinander als bei Angeboten aus dem eigenen Land? Vielleicht klärt mich mal ein Händler auf. Oder ich lasse mich auf der Musikmesse vom deutschen Kentucky-Vertrieb „pro arte“ aufklären.

Rupi, unser Wettkönig

Eine gute Bauchmuskulatur soll ja sehr gut gegen Rückenschmerzen sein. Aber diese Wette! Da lässt sich einer 15 Autos über den Bauch rollen und singt dazu „O sole mio“! Unangenehm zuzuschauen. Aber der Mann wurde gestern abend Wettkönig bei „Wetten, dass …“ Unser Wettkönig aber heißt Rupert Paulik! Was der Mann alles ausgehalten haben muss, ohne überhaupt namentlich genannt zu werden. Lediglich zu einem „unser Mandolinenspieler“ ließ sich Gottschalk bei der Begrüßung hinreißen. Und dann steckte unser Rupi auch noch in der Kluft eines Gondoliere! Dazu passte seine F-Mando natürlich gar nicht. Obwohl: Vielleicht wird das sein künftiges Bühnenoutfit – damit kann man bestimmt auch in den USA berühmt werden. Und auf jeden Fall besser als eine Western-Verkleidung. Sein „O sole mio“ tremolierte er natürlich in gewohnter Qualität. Hoffentlich hat unser Held wenigstens ordentlich Kohle dafür einsacken können. Für mich muss ich sagen: lieber die Abdrücke von Mando-Doppelsaiten in der Fingerkuppe als Reifenspuren auf dem Bauch! Wer den Rupert hören will, die Qual aber nicht sehen, der mache beim Video einfach die Augen zu: die Basler Zeitung hat´s schon eingestellt.