Solingens süße Saiten

Niemals zuvor standen derart viele Künstler auf der kleinen Bühne der „New Acoustic Gallery“ in Solingen: Beim großen Jam-Finale des ersten Mandolinen-Festivals am Samstagabend knubbelten sich Caterina Lichtenberg, Mike Marshall, Don Stiernberg mit seinen Musikern Andy Brown (g) und Jim Cox (b) sowie Marijke (mand) und Michiel (g) Wiesenekker von „Mando Nuevo“ samt Gastgeber Oliver Waitze auf engstem Raum zusammen, um das Publikum mit einer letzten Zugabe nach Hause zu schicken: „Sittin´ On Top Of The World“. Da ging es auf 23 Uhr zu. Und weil das Programm bereits um 19 Uhr begonnen hatte, müssten eigentlich alle satt geworden sein. Voll mit Jazz-Klassikern, Choro-Ohrwürmern, Bach und TV-Themes. Sogar einige wenige Bluegrass-Tunes mischten sich unter das Büffett, logischerweise nach Art des Jazzers zubereitet. Da gab es also – verglichen mit dem gängigen Bluegrass – weniger leichte Kost, aber letztlich doch Stoff für Kopf UND Bauch. Es hat also Spaß gemacht. Und meinesteils motiviert mich das Zusehen und -hören zu eigenem Treiben, auch wenn natürlich kein Mike Marshall mehr aus mir wird. Ist ja auch gar nicht die Frage. Aber es war inspirierend und der Folgetag gefüllt mit vielen selbstproduzierten Mando-Noten.

Was mich auf den Workshop mit Don Stiernberg bringt, bei dem ich mit von der Partie war. Ich hatte mir ja vorher schon was gedacht: als völlig unbeleckt von Swing und Gypsy dort zu sitzen. Und als dann der überwiegende Teil der Mitworkshopper munter vom Tab-Blatt das erste Stück spielte, wusste ich, dass ich mehr Zuschauer sein würde. Trotzdem sind ein paar Übungen für mich rausgesprungen und einige Ideen haben sich übertragen. Außerdem ließ Don aufblitzen, dass er ein guter Jethro-Burns-Imitator ist – nicht nur (als sein ehemaliger Schüler) auf der Mando, sondern auch stimmlich. Näheres zum Fest wird hier in den nächsten Tagen folgen, in Text und Bild. Stay tuned!

NAG
Was für ein Gedränge! Bestimmt hat unser Fotograf da auch irgendwo eine Maus versteckt.

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Gespannte Erwartungen

In gespannter Erwartung, in der die Erwartung ja meistens sehr gespannt ist, erwarte ich den morgigen Tag: mit dem ersten Mandolinenfestival in der Solinger „New Acoustic Gallery„. Einerseits natürlich wegen der Starbesetzung – wann finden sich schonmal Caterina Lichtenberg, Mike Marshall und Don Stiernberg (und nicht zu vergessen unser dänischer Lehrmeister Jesper Rübner-Petersen) an einem Platz ein? Andererseits aber bin ich gespannt aufgrund des Workshops zum Thema Swing, Jazz und Improvisation mit Herrn Stiernberg, zu dem ich mich angemeldet habe. Obwohl mir die Stilistik noch ziemlich fremd ist. Es kann also durchaus sein, dass ich stumm und steif dasitzen werde, während der Rest freudig dem Lehrer folgt. Aber selbst wenn es so wäre: schaden tut´s doch nicht. Irgendwas bleibt immer hängen, sagen sich nicht nur die Leser der Bild-Zeitung. Insofern will ich mal ganz ruhig bleiben und versuchen, die Erwartung etwas zu entspannen. Dann werden die Finger bestimmt flinker. Unten ein Ausschnitt aus der Gallery mit Joscho Stephan – der ja bekanntlich keine Mando spielt, sondern diese komischen großen Dinger. Ist aber trotzdem ein Guter.

Adam schlägt nicht

Keine Frage: Adam Steffey gehört auch zu meinen Lieblings-Mandolinenspielern – was ja nicht besonders originell ist. Viele mögen seine Art zu musizieren, weniger die Schnelligkeit als vielmehr seinen wunderbareren Ton, so warm, weich und sauber. Wie der zustande kommt, darüber gibt er selbst Auskunft in Bill Grahams Kolumne im „Mandolin Café“: Er versucht, die Saite nicht anzuschlagen, sondern sie eher entschlossen zu streicheln. Wie man sowas üben kann, verrät er in diesem Zusammenhang gleich mit und außerdem, was er tut, um sein Rhythmusgefühl zu schulen. Bei alledem spielt das Metronom eine entscheidende Rolle. Wenn ich sowas lese, fällt mir immer meine Nachlässigkeit ein, fast nie zum Klick zu üben. Ach, was wäre, wenn man keine guten Vorsätze mehr hätte? Außerdem werde ich zwar nie so Mando spielen können wie Adam Steffey, dafür habe ich eine bessere Figur – auf einigen Youtube-Videos sieht der Gute ja ziemlich aufgequollen aus. Aber so lange er seine Daily-Mando mit den EXP74-Saiten von D´Addario und dem Blue-Chip-Pick so bearbeitet, wie er das tut, will ich nichts gesagt haben.

Vom Wert des Vinyls

Aus Uwe Tellkamps im DDR-Dresden spielenden Roman „Der Turm“:

Niklas zog weiße Handschuhe an, kippte die Schallplatte, eine wippende EMI-Pressung, … aus der Hülle und dem mit Folie gefütterten Papierschutz, faßte die Scheibe zwischen Mittelfinger und Daumen …, begann sie mit extraweichen Kohlefasern zu streicheln, die wie eine Sammlung verführerischster Frauenwimpern in einer Aluminiumbürste aus Japan steckten … und den Staub schonender, dabei gründlicher entfernen sollten als das gelbe Tuch, das der VEB Deutsche Schallplatten manchen seiner Eterna-Alben beilegte, kämmte zärtlich und versonnen die feingewebte Tonspur nach, bis Erik Orré … sagte: „Nu, laß gut sein, Niklas, ich denke, du hast ihr Vertrauen.“

Soviel zum Thema Wertschätzung der Vinyl-LP. Wobei eine EMI-Pressung in der DDR eine unglaubliche Kostbarkeit gewesen sein dürfte.

Country und Oldtime rabiat

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Nachdem hier kürzlich von Bill Frisells CD „Nashville“ die Rede war, will ich in dem Zusammenhang nicht den New Yorker Jazzgitarristen Joel Harrison vergessen. Gegen sein 2003 vorgelegtes „Free Country“ wirkt Frisell allerdings wie Easy Listening – was nicht heißen soll, dass die gesamte Platte lang Harrison uns mit Anspruch überfrachtet. Bei den Stücken, die Norah Jones singt, geht es erwartungsgemäß ruhiger zur Sache, etwa mit „I Walk The Line“ oder dem „Tennessee Waltz„. Wirklich schmalzig wird es bei Joel Harrison aber nicht, im Gegenteil lässt er es gern krachen.

Vor allem aber interpretiert er Country-Klassiker und Wohlbekanntes aus den Appalachen („those old songs from the mountains“, würde der Doktor sagen) auf ureigene Weise – so sehr verändert, dass sie teilweise kaum wiederzuerkennen sind. Muss ja auch nicht. Zeigt aber schön, was aus der Essenz eines Liedes entwickelt werden kann. So muss man auch keine Angst haben, wenn „Will The Circle Be Unbroken“ auf der Liste steht oder „This Land Is Your Land“. Cash, Guthrie, Carter und Haggard: Nur letzterer durfte noch mit eigenen Ohren erleben, was Joel Harrison mit einem seiner Songs angestellt hat: „Sing Me Back Home“ gibt hier eine schöne Country-Ballade ab, mit ´ner fetten Portion Jazz drin. Mein Favorit: Cashs „Folsom Prison Blues“ in einer wirklich gut abgehenden und schön rabiaten Fassung.

Hübsche Musik, bei der nichts fehlt, oder? Ach so, ja doch, natürlich, ich Dummi.

Der schräge Bill im Bluegrass

So mancher mag bestimmt auch mal was Anderes als Bluegrass hören, aber dann bitte doch nichts völlig Anderes. Aber nicht verzagen! Denn es gibt ja den US-Jazzgitarristen Bill Frisell! Und seine CD „Nashville„! Die ist zugegebenermaßen längst nicht mehr taufrisch, hört sich aber immer noch gut an. 1997 aufgenommen, präsentiert eine uns gut bekannte Creme de la Creme der Bluegrassszene vor allem Stücke aus Frisells Feder, immer ein bisschen schräg angehaucht, aber letztlich gut konsumierbar. Bitte kein schwerer Stoff bei diesen Temperaturen heute! Mit von der Partie sind u. a. die Herren Jerry Douglas, Ron Block, Adam Steffey und A.-Krauss-Bruder Victor. Falls mal gesungen wird, ist es die timbregeladene Stimme von Robin Holcomb. Ein musikalischer Trip nach Nashville, den sich Bluegrassfreunde durchaus gefallen lassen können.

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Mandos statt Klingen

Noch steht das Banner in der rechten Spalte auf diesem Blog, das auf das erste Mandolinenfestival in der Solinger „New Acoustic Gallery“ hinweist. Bald aber wird es verschwinden. Denn bis zu den Konzerten am 29. und 30. August dauert es keine zwei Wochen mehr. Vor allem die Jazzer unter den Mandolinista dürften sich angezogen fühlen von Acts wie Don Stiernberg, Mike Marshall und dem Trio Vibracao. Und dazu kommt ja noch die reizende und hoch fähige Caterina Lichtenberg. Und Mando Nuevo. Und die drei Topstars Marshall, Lichtenberg und Stiernberg stehen außerdem für Workshops zur Verfügung. Noch sind Karten zu haben und wer sicher sein will, an der Abendkasse nicht in die Röhre zu gucken, greift zum Telefonhörer oder tut sonstwas, um dabeizusein. Die letzten Stündlein bis zur Festivaleröffnung schlagen …