Als John auf Bill traf

Der berühmte US-amerikanische Gitarrist John Fahey schreibt über das erste Mal. Den Moment, in dem er sein erstes Bluegrass-Stück gehört hat, Anfang der 50er-Jahre, im Radio, als Pubertierender in einer Vorstadt von Washington D. C.:

Dann hörte ich diesen schrecklichen, verrückten Sound. Und ich spürte dieses kranke, verrückt machende Gefühl in mir drin. Nichts in mir fühlte sich mehr so an, wie ich mich sonst anfühlte. So etwas Trauriges und Niederträchtiges hatte ich noch nie gehört. Es war ein terroristischer Angriff revolutionärer Musikzellen auf mein zentrales Nervensystem mittels Ästhetik.
Das war schwärzer als die schwärzeste schwarze Musik, die ich je gehört hatte. Es streckte seine Grabscher nach mir aus, packte mich und hat mich seither nicht mehr losgelassen.

Das Lied kam von Bill Monroe und den Bluegrass Boys und hieß „Blue Yodel Number Seven“. Das Zitat stammt aus dem Buch „Blaugrasmusik“, Suhrkamp-Verlag, übersetzt von Karl Bruckmaier. Weitere Zitate werden folgen.

4 Gedanken zu „Als John auf Bill traf

  1. Schade, dass bei der deutschen Ausgabe der Titel so verkürzt wurde. Im Original heißt das Werk nämlich:

    How Bluegrass Music Destroyed My Life: Stories

    Ein Titel, über den sich trefflich diskutieren lässt🙂 Und an das deutsche Wort „Blaugrasmusik“ muss man sich auch erst mal gewöhnen, Ich hätte „Bluegrassmusik“ als Übersetzung bevorzugt. Man spricht ja auch nicht von Felsenmusik, sondern von Rock.

    Gerhard

  2. Hier wäre natürlich zunächst noch zu klären, wer Karl Bruckmaier ist und ob er einen Bezug hat zur Bluegrassmusik. Oder hat er nur seinen Job als Übersetzer gemacht?

    Ob Rock wohl tatsächlich von Felsen kommt? Oder vom Wort Rütteln? Ist wahrscheinlich wieder eine Fehlfunktion meines Satiredetektors?!

    Aber die Übersetzung „Rüttelmusik“ ist auch nicht besser.

  3. Bruckmaier kann man durchaus als einen der profiliertesten Musikjournalisten Deutschlands bezeichnen – also wenn´s um U-Musik geht. Er hat jahrelang für die Süddeutsche geschrieben und eigene Bücher veröffentlicht, Näheres unter http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Bruckmaier.
    Die Übersetzung des Begriffs „Bluegrass“ kam mir zuerst auch komisch vor. Aber weil Bruckmaier sowas nicht ohne Absicht macht, bin ich mal drauf eingegangen. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass Faheys Buch viele witzige (neben todtraurigen) Passagen hat und Blaugrasmusik für unsere Ohren lustig klingt, aber gleichzeitig fremdartig. Und so scheint die Musik ja auch auf Fahey beim ersten Hören gewirkt zu haben.
    Gerhard, warum er nicht den Originaltitel verwendet hat, dürfte daran liegen, dass „Blaugrasmusik“ Texte aus mehreren Bänden Faheys enthält, und „How Bluegrass Music Destroyed My Life“ ist nur einer davon.
    Vielleicht muss man noch dazu sagen, dass es hier nicht um ein Sachbuch über Bluegrass geht. Es sind subjektive Schilderungen und Erinnerungen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s