Zehn aus zehn Jahren

Das Jahr geht zuende, das Jahrzehnt mit ihm. Und ich bin doch noch am CD-Regal entlang gestreift, um nachzusehen, welche zehn CDs mich in den Nuller-Jahren nachdrücklich begleitet haben. Das wäre in den Jahrzehnten vorher schwerer gewesen, weil mir locker mehr Titel als zehn eingefallen wären. So aber ist diesmal nicht viel übrig geblieben. Bei der Betrachtung mancher Jahre scheint es mir in Nachhinein, als habe Musik gar keine Rolle gespielt. Das änderte sich erst wieder, als 2005/06 Bluegrass in mein Leben trat und mit ihm die Mandoline – oder war´s umgekehrt? Das hier sind jedenfalls die subjektiven Zehn von 2000 bis 2009 in chronologischer Reihenfolge:

  1. Green Day Warning: (2000)
    Pop, Punk, Melodien; mit Wumms und Fallera und sogar Mandoline!
  2. Paul Weller Studio 150 (2004)
    Seine Platte voller Coverversionen, mit einer sehr schönen Fassung von „Black Is The Colour“
  3. Alison Krauss & Union Station Lonely Runs Both Ways (2004)
    Schon sehr poppig, aber meine Bluegrass-Zündung mit „My Poor Old Heart“
  4. Annett Louisan Bohème (2004)
    Wegen Mando-Intro bei „Das Spiel“ und Frank Ramonds sagenhaften Texten
  5. Tim O’Brien Fiddler´s Green (2005)
    Manche Grammy-Auszeichnung erfolgt wirklich zurecht
  6. Texas Lightning Meanwhile, Back At The Ranch … (2006)
    Vielleicht banal, aber sie kamen für mich zur rechten Zeit, vor allem mit dem Cover von „Like A Virgin“
  7. Kate Rusby Awkward Annie (2007)
    Her mit den jungen Engländerinnen!
  8. Julie Fowlis Cuilidh (2008)
    Versteh kein Wort, aber alles ist entzückend mitsamt Chris Thiles Einlagen
  9. The Swell Season Strict Joy (2009)
    Wundersam geschmackvoller Folk-Pop aus Irland
  10. The Nitty Gritty Dirt Band Speed Of Life (2009)
    Riskant, was so Frisches auf diese Liste zu setzen; gilt aber auch für 9)

So, und morgen fallen mir wahrscheinlich all die CDs ein, die ich vergessen habe. Aber diese Liste steht, mag sie noch so peinlich sein.

Ich wünsch Euch allen ein gutes Jahr 2010! Vielleicht lesen wir uns ja hier wieder.

Wer A sagt, kann Kentucky spielen

Nicht für alle Menschen ist jetzt Weihnachten. Für manchen fällt die Bescherung auf Mitte Januar, wenn vom 14. bis 17. im kalifornischen Anaheim die „2010 Winter Namm Show“ steigt. Dann leuchten die Augen in froher Erwartung. Und offenbar wird es bei dieser Messe auch im Bereich bezahlbarer Mandolinen zumindest eine Neuigkeit geben: Saga Musical Instruments erweitert seine Linie der A-Mandos nach oben. Die KM-900 wird das neue Top-Modell der Tropfenförmigen sein, nicht nur was den empfohlenen Verkaufspreis von 1295 $ angeht. Nein, nur das Beste kommt anscheinend zum Einsatz. Das beginnt beim Vorbild für diese Mandoline, die der A5 von Lloyd Loar mit dem Datum 20. September 1923 auf dem Etikett exakt nachgebildet sein soll. Das heißt: eine Decke aus Adirondack-Fichte, Zargen und Rückseite aus Michigan-Ahorn, Nitrozellulose-Lackierung.

Auf der Saga-Homepage habe ich das Instrument vergeblich gesucht, aber im Mandolin Café wurde darauf hingewiesen. Im Forum des Cafés wird auch schon drüber diskutiert. Grundsätzlich würde ich sagen, kann es nicht schaden, sich an großen Vorbildern zu orientieren. Aber sklavisch muss es dann auch nicht sein. Und warum in dieser Hinsicht immer noch der Wurmfortsatz am Griffbrett gebaut wird, ist mir schleierhaft. Bringt nix außer lästiges Pick-Klackern beim Spielen. Das soll ja wohl keine Huldigung Lloyd Loars sein, sondern ein Instrument zum praktischen Gebrauch. Und da nervt die Griffbrett-Verlängerung nur. Vielleicht tröstet aber der Klang darüber hinweg.

Gediegen, aber mit Wurmfortsatz: Kentucky KM-900.

Stille Nacht in Afrika

Zu Weihnachten soll man ja was Schönes schenken. Und manchmal verbreitet was Selbstgebasteltes die meiste Freude. Oft sieht das Selbstgebastelte aber nicht so gut aus. Trotzdem komme ich nicht umhin, Euch ins Weihnachtsfest zu entlassen mit einem Auftritt von „Meister Puder und seinen Emuckels“ vom vergangenen Samstag in Gummersbach. Mein Name ist in dem Fall Ignatz Pop – meine Spezis dürfen mich auch Iggy nennen -, trage das grüne Hütchen in der Mitte und singe: auch für Euch alle! Mandolinenspieler sollten besser weghören, aber der Rest kann sich zumindest ab Minute 7 am innovativen weihnachtlichen Liedgut erfreuen. Frohes Fest!

Leuchtende Augen beim Jamboree

Am vergangenen Sonntag ist in Kassel das letzte Konzert des „Bluegrass Jamboree“ gestiegen. Und am eisigen Montag hieß es nach 16 Tagen on the road Abschied nehmen voneinander. Es muss ein trauriges Auf Wiedersehen gewesen sein. Denn laut Tourveranstalter Rainer Zellner sind die beteiligten Künstler während ihrer gemeinsamen Zeit zu einer engen Gemeinschaft zusammengewachsen. Von „a lifetime experience“ war die Rede. Da konnten manche wohl nicht glauben, dass die Tour tatsächlich vorbei sein sollte. Inzwischen ist hoffentlich jeder trotz Flugchaos gut wieder zu Hause angekommen, um auszuruhen und Weihnachten zu feiern.

Doch offenbar wurde das Jamboree nicht nur für die Künstler zum Erlebnis. Auch das Publikum war nicht selten enthusiastisch gestimmt an den Abenden zwischen Basel und Hamburg, berichtet Rainer Zellner. Die Zuschauerresonanz übertraf teilweise seine Erwartungen: So waren am 19. Dezember in Kaarst über 400 Gäste im Saal! Für viele der Zuhörer stellte Bluegrass Neuland dar, umso erfreuter die Reaktionen. „Der CD-Verkauf war enorm“, bilanziert Zellner, “ und das Konzept des Jamboree hat überall funktioniert.“ Ein genauer Kassensturz steht zwar noch aus, doch er rechnet damit, auf plusminus Null herauszukommen – was er fürs erste Mal durchaus als Erfolg verbucht. Interesse gab es sogar von Seiten der Mainstream-Medien. So berichtete etwa NDR Info über die Tour, der „Zündfunk“ des Bayerischen Rundfunks beteiligte sich aktiv und die Tageszeitung „Darmstädter Echo“ lieferte gar umfangreiche Nachberichterstattung. Fürs nächste Jahr ist Rainer Zellner jedenfalls wesentlich wohler, auch weil die Veranstalter an den Orten sehr angetan waren: „Die Idee kommt an und die Leute finden die Musik klasse.“ Wir sind gespannt auf Dezember 2010.

Zerstört, doch wertvoll

Oh, was ist denn das für ein Päckchen unterm Baum? Das will sogleich geöffnet sein! Doch was soll das denn – s´ist ja schon kaputt, das wunderlich Ding da drin! Da ist der Jammer zu Weihnachten groß. Dabei war das Geschenk mit 37.500 US-Dollar doch wahrlich nicht billig! Was könnte man sich für das Geld für eine tolle Mandoline leisten!

Nein nein, ich gebe zu: Das ist ein völlig konstruiertes Szenario. Denn falls jemand dieses Dings unterm Baum liegen hätte, wäre es auch genau für ihn bestimmt! Denn es handelt sich um eine exquisite Bill-Monroe-Devotionalie – die Kopfplatte seiner alten Lloyd Loar! 1963 hatte der Bill dieses Instrument zur Überholung an den Hersteller Gibson gegeben, war aber anschließend mit der Reparatur derart unzufrieden, dass er sich voller Wut über den Headstock hergemacht und alle Inlays samt Gibson-Schriftzug herausgepokelt hat. Und ne Ecke fehlt dem Teil ja wohl auch! Rache an Gibson! 17 Jahre später hat er denen aber eine neue Chance gegeben und sich ausgesöhnt. Die derangierte Kopfplatte aber blieb erhalten und wurde kürzlich bei Christie´s für eben jene 37.500 Dollar versteigert. Also ich würde mich über solch ein Geschenk durchaus freuen – kleiner Hinweis an die, die noch nicht wissen, was sie mir schenken sollen. Dann würde ich versuchen, das Ding wieder zu verkaufen und mir von dem Geld was Herrliches anschaffen, mit dem man was anfangen kann. Oder einfach zwei Jahre davon leben, ohne zu arbeiten.


Hat der Alte da oben reingebissen?

Am Ende der Nuller

Diese neumodischen Jahreszahlen dieser 2000er-Jahre! Sie bringen einen ganz durcheinander. Denn wenn wir´s recht bedenken: Mit dem Ende dieses Jahres 2009 kommt auch das Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Millenniums. Jaja, ich weiß, mathematisch betrachtet stimmt das nicht. Aber es hat sich doch so eingebürgert, es so zu sehen. 1979 beispielsweise galt als das letzte Jahr der Siebziger. Also ist jetzt das letzte Jahr der Nuller. Und früher habe ich mich bei der Gelegenheit immer sinnierend zurückgezogen, um meine persönlichen zehn Lieblings-LPs des Jahrzehnts auszuwählen. Damit habe ich diesmal noch gar nicht angefangen, weil mir eben das mit den Jahren erst jetzt bewusst geworden ist.

Immerhin war dies das Jahrzehnt, in dem ich letztlich tatsächlich Bluegrass für mich entdeckt habe. Ob deswegen in meiner Bilanz überhaupt – und wenn ja, wieviele – CDs des Genres auftauchen würden, kann ich aus dem hohlen Bauch heraus nicht sagen. Für diese Auswahl benötige ich noch Zeit. Aber falls jemand von Euch angeregt wird, darüber nachzudenken, bitteschön: Postet doch einfach Eure Top Ten als Kommentar! Oder haltet geheim, was Euch musikalisch zehn Jahre lang bewegt hat. Es sei gestattet. Schöner wär´s anders.

Tönendes Griffbrett

Es hat schon so seine Vorteile, wenn man des Englischen ziemlich mächtig ist. Dann kann man beispielsweise jungen Engländerinnen nicht nur schöne Augen, sondern auch anziehende Komplimente machen. Man kann aber auch das „Blog Talk Radio“ des US-amerikanischen Magazins „Fretboard Journal“ ganz anders genießen. In diesem Rede-Podcast gibt es Begegnungen mit namhaften Instrumentenbauern und Saitenkünstlern. In der Folge 24 etwa war Bob Taylor von Taylor Guitars zu Gast, in Episode 15 ging es um 50 Jahre Newport Folk Festival und in Nummer 12 stand Singer-Songwriter-Legende Geoff Muldaur Rede und Antwort. An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich auf die Folgen 5 (Roland White), 9 (Mike Marshall) und 10 (Lynn Dudenbostel) hinweisen. Das klingt zwar alles ziemlich nach Mittelwelle und ein wenig amateurhaft, bringt aber möglicherweise nichtsdestotrotz Erkenntnisgewinn. Die nächste Folge des Podcasts erscheint morgen. In der neuen Ausgabe des Hochglanz-Blatts gibt es übrigens eine Reportage aus der Eastman-Werkstatt in Peking – die dürfte damit sowas wie geadelt sein. Eine tolle Zeitschrift. Habe ich hierzulande leider noch nirgendwo gesehen. Und nicht nur das Heft kostet Geld, sondern vor allem der Bezug aus den USA treibt den Preis nochmal kräftig nach oben. Was echte Fans allerdings kaum stören dürfte.

Die neueste Ausgabe mit altem Cover-Girl