Zwischen Django und Bill

Die Kleider waren extrem kurz, aber dafür die Absätze ausnehmend lang: Die „Toy Hearts“ aus dem englischen Birmingham gehören sicher zu den optisch auffälligsten Acts im Bluegrass. Nicht, dass Hannah und Sophia das nicht tragen könnten. Es wäre halt nur eine billige Show, wenn da nicht auch musikalisch einiges hinterstecken würde. Und dass ohne Zweifel eine Menge Substanz vorhanden ist, konnte das Publikum gestern abend in Bonn erleben – beim zweiten „Bluegrass Jamboree“-Konzert der noch bis zum 20. Dezember laufenden Tour. Was die Mädels in der gut gefüllten „Harmonie“ zeigten, war eine energievolle Mischung aus britischem – sprich: rauem – Bluegrass und von Gypsy-Jazz beeinflussten Songs, zudem fast alles Eigenkompositionen. Nicht nur Bill Monroe als Held, sondern genauso Django Reinhardt: zwischen diesen beiden Polen pendelten die beiden. „Montpellier Street“ etwa lebte vom Gypsy-Geist, der Opener „Stronger“ eher von Kentucky-Wurzeln. Und während Hannah vor allem als Sängerin hervorsticht, verblüffte Sophia die Gäste mit ihrem knackigen  – nein, nicht was Ihr denkt – mit ihrem knackigen Flatpicking! Die Band hat sich extrem weiterentwickelt, seitdem ich sie das erste Mal gesehen habe. Das ist allerdings auch schon wieder anderthalb Jahre her, wenn ich recht erinnere. Mal gespannt, wie sich Hannah an der Mando entwickelt, wenn sie mit dem Studium fertig ist und dann hoffentlich bald ihre Collings in Händen halten darf. Denn schlauerweise beschränkt sie sich derzeit noch aufs Rhythmusspiel. Da kann noch einiges kommen!


Was hatte der Nikolaus denn da mitgebracht? Die Toy Hearts am 6. Dezember in Bonn.

Schiebung beim Gator

Hoffentlich habt Ihr den Termin noch nicht in Euren nagelneuen Kalender für 2010 eingetragen! Dann müsst Ihr nämlich jetzt schon drin rum schmieren – weil sich der Workshop-Termin mit Mike Marshall um einen Tag auf den 17. Januar verschiebt.  Ansonsten ändert sich aber nichts. Es bleibt bei der Uhrzeit, es bleibt bei Solingen, es bleibt bei der NAG. Der Gator kommt und reiht sich damit schonmal ein in die Bewerberriege für „Mandolinenmenschen 2010“.

Blaugras us d´r Schwyz

Es fügt sich immer wieder, dass Menschen aus der Mandolinengemeinde mich auf Möglichkeiten hinweisen, wo wir unserer medial eher unterrepräsentierten Musikvorliebe frönen können. Diesmal war es der Kollege Reichenbach, der auf ein Angebot des Schweizer Radios DRS 1 hinweist. Dort läuft jeden Montag abend von 22.08 bis Mitternacht die Sendung „On The Road Again“ mit vornehmlich Country-Musik, jedoch nicht, ohne auch die Wurzeln und das Umfeld der Stilistik zu berücksichtigen. Bluegrass findet also ebenfalls statt. Das Praktische: Die Sendungen lassen sich als Podcast im Format MP3 herunterladen oder auf der Website anhören. Da trifft es sich gut, dass gerade am kommenden Montag ein interessantes Thema auf dem Programm steht: „Die Beatles und Tom Waits als Country-Künstler“. Zitat aus der Ankündigung: „Die vier Liverpooler hatten eine Ader für Country-Musik – und haben umgekehrt auch ihre erklärten Fans in der Country- und Bluegrass-Welt. Dasselbe gilt für den kalifornischen Exzentriker Tom Waits.“ Bleibt nur noch das Sprachproblem. Aber wenn wir uns so richtig Mühe geben, verstehen wir vielleicht die Hälfte der Moderation. Aber vielleicht ist die auch gar nicht so wichtig.

Das Lebenswerk

In der Jahrhunderthalle Bochum wird heute abend der dollste deutsche Radio-Award vergeben: die „1Live Krone„. Nicht, dass dies etwas mit dem Kernthema dieses Blogs zu tun hätte. Aber es bedrängt mich etwas, und ich möchte es äußern, bevor ich nicht mehr in der Lage dazu bin: Hiermit verbiete ich jedem und allen, mir vor Erreichen meines 70. Lebensjahres einen Preis für mein Lebenswerk zu überreichen – für welches Lebenswerk auch immer. Und sei es für dieses Weblog. Denn wir beobachten Folgendes: Die Künstler, die für ihr Lebenswerk ausgezeichnet werden, werden immer jünger, obwohl doch das durchschnittlich erreichbare Lebensalter in unserer Gesellschaft steigt! Und wir alle bis 67 arbeiten sollen. So bekommen heute die „Fantastischen Vier“ die 1Live Krone auf den Kopp – tatsächlich für ihr Lebenswerk! Die entstammen den Jahrgängen 1967 und 68! Haben mithin gerade mal die 40 überschritten! Junge Kerle! Wie muss man sich da als Künstler fühlen, wenn man auf die Bühne geht und den Preis fürs Lebenswerk erhält? Nächstes Jahr steht dann wahrscheinlich Judith Holofernes von „Wir sind Helden“ an Stelle der Fanta 4, die ist dann ja immerhin auch schon 34!

Nur in einem Punkt stimmt mich das etwas versöhnlich. Ich hatte mir nämlich schon die Augen gerieben, als beim Deutschen Comedy-Preis vor einigen Wochen Mike Krüger den auch dort offenbar unvermeidlichen Preis fürs Lebenswerk erhielt. Im Krone-Vergleich ist er immerhin steinalt mit seinen knapp 58 Jahren. Da kann man schonmal auf sein Leben zurückblicken. In Demut. Okay, na gut: 1Live ist angeblich Jugendradio. Und fürs Zielpublikum wirkt meinetwegen Smudo schon wie Johannes Heesters. Also alles bestens, ich seh´s ja ein. Tschüss. Aber bitte trotzdem meinen obigen Willen respektieren!

Workshop mit Dauergast Mike

Ja, die Liebe ist eine mächtige Kraft. Und manchmal hat nicht nur das glückliche Paar etwas davon, sondern auch Menschen aus dem Umfeld. Etwa in dem Fall, dass ein ewig schlecht gelaunter und quengeliger Zeitgenosse durch die Sanftheit einer Frau zum umgänglichen Kumpel mutiert. Aber um so etwas geht es hier natürlich nicht. Obwohl: Die Klatsch-Abteilung dieses Blogs vermutet seit längerem, dass sich zwischen Klassik-Mandolinistin Caterina Lichtenberg (Deutschland) und Mando-Virtuosen Mike Marshall (USA) mehr als nur kollegiale Freundschaft entwickelt hat. Ja, dort wird sogar behauptet, es handele sich um Liebe!

Wir halten uns lieber an Fakten. Und die deuten darauf hin, dass sich Mike Marshall Anfang 2010 offenbar wieder in Wuppertal aufhält, wo ja Caterina Lichtenberg ihre Professur an der Musikhochschule … Schluss! Jedenfalls wird der gute Mike im benachbarten Solingen am 16. Januar 2010 einen Mandolinenworkshop abhalten. Von 13 bis 17 Uhr wird es in der New Acoustic Gallery um Themen wie „Chords & Arpeggios“, „Finger Busters“, „Simple Gifts“ und Swing auf der Mandoline gehen. Kosten soll das Ganze 60 Euro. Ob die Frage nach der Beziehung Mikes zu Caterina im Preis inbegriffen ist, ließ sich bis Redaktionsschluss nicht feststellen. Näheres bei der Nag.