Heidensummen, Höllengeld

Vor etwa 20 Jahren gab es für 20 Mark Eintrittskarten für Konzerte – oder wie man heute sagt: Tickets. Nicht für die Bands der allerersten Kategorie, aber doch für Künstler wie Bruce Cockburn oder Gil Scott-Heron. Heute kostet die billigste Karte für die anstehende Tournee von U2 umgerechnet 180 Mark. Fällt jemandem noch was ein, was in diesem Zeitraum derart kostspielig geworden ist? Woran das liegt, erläutert der britische Musikjournalist Simon Frith in einem Interview mit „Spiegel Online“. Für ihn ist vor allem der drastische Rückgang der CD-Verkäufe ein Grund: Die Künstler müssen ihr Geld nun vor allem live verdienen. Und warum rennen trotz der immensen Preise so viele Leute in die Konzerthallen? Weil sich deren Budget laut Frith jetzt anders aufteilt – wer früher 100 Euro zur Verfügung hatte, hat es in Tonträger investiert, heute lädt er sich für vielleicht 10 Euro Musik herunter und hat das übrige Geld für Live-Auftritte übrig. Geht diese Rechnung auf? Auf den Massenmarkt bezogen, wird er wohl Recht haben. Aber für weniger prominente Musiker kann die Digitalisierung mit ihren vereinfachten Produktions- und Vertriebsmöglichkeiten auch Vorteile haben. Und in der Bluegrass-Nische sind die Konzertpreise glücklicherweise noch nicht auf U2-Niveau. Und werden dort auch hoffentlich nie hingelangen.

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