Die kommen rum

Mal eben kurz nach Frankreich aufs Bluegrass-Festival in La Roche sur Foron, dann in blaugrasiger Mission noch nach Ungarn und dann wieder zurück in die Staaten: Als Bluegrass-Musiker kommt man schön rum. Jedenfalls, wenn man zum Hickory Project gehört. Dahinter stecken jene Musiker, die via Music Moose gratis Lektionen zu den typischen Bluegrass-Instrumenten anbieten. Wobei ich anscheinend inzwischen zu blöd bin, dieses Angebot zu nutzen – ich find einfach den Eingang nicht mehr. War früher leichter. Da hat uns dieser Giftzwerg namens Anthony Hannigan gelehrt die Mandoline zu spielen. Und vor jeder Lektion hat er irgendeinen irrsinnig schnellen Lick gespielt. Jaja, schon gut, wir wissen ja, dass er mal Mando-Champion war. Immerhin kann er auch ganz nette Songs schreiben, wie den hier unten. Mal sehen, welche Figur die Herren Lehrmeister auf der Bühne in La Roche abgegeben.

Advertisements

Acht Saiten unter Strom

Diese modernen Amero-Iren – oder sagt man: Iro-Amerikaner? Egal. Jedenfalls kann sich ein Traditionalist – oder sagt man: Starrkopf? Egal. Jedenfalls kann der sich selbst auf dem Feld des Irish Folk nicht mehr sicher fühlen. Nehmen wir nur mal Seamus Egan, Gründer der Band Solas: Auf dem Bild unten sehen wir ihn mit einem elektrischen Mando-Teil, das früher nicht zur Ausstattung von Folklorekapellen gehörte. Ja, hätte man ihm in den Sechzigern nicht sogar gern mit einem Beil das Stromkabel zertrennt? Heute aber darf man das. Ich bin dafür. Hauptsache acht Saiten!


Hat die Kopfplatte eine Zipfelmütze auf?

Hergestellt in Frankreich

Noch rauscht die Tour de France durchs Nachbarland – am Sonntag ist jedoch Schluss für dieses Jahr! Dann steht den Franzosen aber schon das nächste Großereignis ins Haus: das Bluegrass-Festival in La Roche sur Foron. Es startet am 28. Juli und endet am 1. August. Zu den Headlinern gehören Dale Ann Bradley und das Hickory Project. Bestandteil des Festivals ist auch der jährliche Band-Contest. Da kann ich nur auf den Freitagabend, 20.30 Uhr, hinweisen – dann wird die mir am Herzen liegende deutsche Band Covered Grass in den Wettbewerb eintreten. Also: Alle Menschen Daumen drücken!

Vielleicht ist der Erfolg ja dann Made in France – ha, was für eine Überleitung zu Three Ring Circle, die uns das Stück hier unten darbieten. Das Projekt zeigt recht hübsch, wie viel Musik drei Leute machen können: Andy Leftwich an der Mandoline, Rob Ickes an der Dobro und Dave Pomeroy am Bass. Weiterer Kommentar überflüssig.

Brüder in anderem Umfeld

Es soll ja nicht wenige Jazzmusiker geben, die eine offene oder heimliche Liebe zu Bluegrass und/oder Country hegen. Manche leben diese Zuneigung offen aus, etwa Bill Frisell mit seinem Album Nashville. Viel früher dran war allerdings Vibraphonist Gary Burton. Er hat schon Mitte der 1960er-Jahre mit Country-Musikern kollaboriert, etwa Chet Atkins. Der ist auch auf Burtons 66er-LP Tennessee Firebird zu hören, ebenso wie Fiddler Norman Spicher und Buddy Emmons an der Steel Guitar. Dass in dem Jazz-Line-up mit Steve Swallow am Bass und Roy Haynes am Schlagzeug auch zwei Bluegrasser auftauchen, mutet irgendwie kurios an: die Osborne-Brüder Bobby und Sonny sind´s – wobei Bobby angeblich Mandola spielt! Drollig auch die Titelauswahl, die Dylan-Songs wie Traditionals getroffen hat. Dabei haben Just Like A Woman und Black Is The Colour wie auch der Panhandle Rag schon eine deutliche Note von Burton abbekommen. Aber so soll es ja auch sein.

Der Luthier von Nottingham

Natürlich, der Eintrag von gestern bedarf noch einer Konkretisierung, und weil John Doyle offenbar ein freundlicher Mensch ist und gerade Zeit hatte, kann ich nun Folgendes offiziell mitteilen: Das Instrument, das er in der Begleitband von Joan Baez gespielt hat, war eine Mandola der Marke Trillium. Und das wiederum ist die Marke des englischen Instrumentenmachers Bob Abrams. Der baut vor allem Oktavmandolinen, Bouzoukis und Citterns. Und wem sich seine Homepage öffnet, der fühlt sich sofort abgekühlt! Ist das ein Blick über den Wald von Nottingham, wo er seine Werkstatt betreibt? Auf der Website lassen sich die Instrumente auch anschauen und anhören – Letzteres über den Umweg von CD-Veröffentlichungen namhafter Folkmusiker. Eine Preisliste findet sich dort nicht, aber Bob Abrams wird wohl angemessen viel Geld nehmen, so wie es seiner Handwerkskunst entspricht. Merke: Es muss nicht immer eine Sobell sein! John Doyle jedenfalls preist seine Mandola: A beautiful instrument and something truly beautiful to play. It fits in any musical situation it seems.


John Doyle mit seiner Trillium-Mandola.

Joan und die starken Männer

Auf arte läuft ja wieder ein „Summer of …“, in diesem Jahr jeden Donnerstagabend der „Summer of the 60´s„. In diesem Umfeld habe ich jetzt eine Biographie über Joan Baez gesehen, in der auch Ausschnitte einer aktuellen Tour zu sehen waren. Und was soll ich sagen? Sie hat tatsächlich einen Mandolinenspieler in ihren Reihen: Dirk Powell. Der kann aber auch Banjo, Akkordeon oder Fiddle spielen – sind ja irgendwie auch alles die gleichen Instrumente, pah. Mir sagte der Name nichts, aber ein Blick auf seine Website zeigt gleich, dass man es mit einem gern gebuchten Musiker zu tun hat. Wer die Bühne mit Leuten wie Sting, T-Bone Burnett, Loretta Lynn und Jack White teilt, darf sich wohl zu den Großen zählen. Das gilt für den Linkshänder an der Gitarre aus Joans Band aber genauso: John Doyle spielte ansonsten bei Solas, ist aber allgemein als Session-Musiker gefragt. Auf seiner zweiten CD Wayward Son sind zum Beispiel die Gastmusiker Kate Rusby, Alison Brown oder Tim O’Brien vertreten. Und bei Frau Baez spielt er gelegentlich auch eine Oktavmandoline – kann aber auch ne Bouzouki sein, ich konnt´s nicht genau erkennen. Jedenfalls gehört der Mann hier ins Blog.

Heute abend um 23:35 Uhr läuft übrigens Hearts of Gold, ein Konzertfilm, der Neil Youngs Auftritt von 2005 im legendären Ryman Auditorium in Nashville dokumentiert.

Navigation außer Stimmung

Der Webdesigner sollte an sich ein kreativer Mensch sein. Manche verfügen sogar über Humor. Oder der Auftraggeber möchte was Witziges auf seiner Website wissen. Keine Ahnung, wie das beim Instrumentenbauer Phil Davidson gewesen ist. Jedenfalls hat ein gewisser „Creative Dad“ dessen Seite gebaut. Und wer sie besucht und rechts mit der Maus über die Tuner-Köpfe fährt, erlebt eine kleine lustige Überraschung. Das nenne ich mal Liebe zum Detail.