Mehr Lied vs. 64stel-Noten

Nein, ich muss mich auf jeden Fall korrigieren: Anthony Hannigan ist kein Giftzwerg! In natura kommt er viel größer daher als in seinen Lehrvideos. Vielleicht haben mich ja auch seine Mützchen irritiert. Egal. Beim Bluegrassfestival in La Roche sur Foron gab es jedenfalls Gelegenheit, ihm gegenüber zu stehen und Maß zu nehmen. Und natürlich die Chance, ihn mit dem Hickory Project auf der Bühne zu erleben. Das allerdings war ein zwiespältiges Vergnügen: Natürlich kann der Kerl Mandoline spielen wie doof, aber mir persönlich sind das viel zu viele Noten in viel zu kurzer Zeit. Ja, das war passagenweise ein wahrer Schwall von Mando-Tönen, die dann auch kaum noch auseinanderzuhalten waren. Ich glaube, er hat dann ausschließlich 32stel-, ach was sag ich: 64stel-Noten aus dem Instrument spratzeln lassen. Vielleicht waren auch ein paar 128stel drunter.

Als reiner Temporausch geriet der Auftritt des Projekts aber glücklicherweise doch nicht. Das Quintett ist durchaus in der Lage, eine ruhige Gangart einzulegen und Balladen überzeugend zu präsentieren. Vor allem aber war es eine Lehrstunde in Sachen Dynamik. „It makes these songs much more interesting“, begründet Gitarrist und Sänger Mark Morris die Sorgfalt, mit der die Band in Sachen Lautstärke und Präsenz zu Werke geht. Also war es doch ein aufregender Gig zum Zuhören. Aber, wie sagte doch meine Begleitung, als anschließend Kreni die Bühne in La Roche betraten: „Die spielen mehr Lied.“

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