Soli, die nach Bluegrass klingen #2

Warum das Ganze? Diese Frage zu seinem Buch The Mandolin Picker´s Guide To Bluegrass Improvisation hat Jesper Rübner-Petersen uns  bereits am Donnerstag beantwortet. Im zweiten Teil des Interviews geht es heute in Richtung praktische Fünftonmusik, oder, wie der Fachmann sagt: Pentatonik.

Jesper, inwieweit sind Deine jahrelangen praktischen Erfahrungen als Musik-Lehrer ins Buch eingeflossen?

JRP: Viele der Techniken aus dem Buch habe ich mit Teilnehmern aus meinen Workshops und mit Privatschülern ausprobiert. Und ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit hatte, so meine Ideen zu testen. Das Schwierige für mich, als ich das Buch schrieb, war es, das Ganze in kurzen Sätzen zu erklären. Mit Schülern hat man immer die Option, die Techniken aus verschiedenen Perspektiven zu erklären, was in einem Buch natürlich nicht möglich ist. Zudem war mir der Amerikaner Spencer Sorenson, der das im Buch verwendete Englisch Korrektur gelesen hat und selbst Mandoline spielt, eine große Hilfe. Zusätzlich zur Korrektur nahm Spencer sich Zeit, alle Beispiele und Erklärungen auszuprobieren. Entsprechend konnte er mir dann eine konstruktive Rückmeldung geben.

Improvisation hat ja auch mit dem musikalischen Ausdruck von Gefühlen zu tun – inwieweit kann das Buch dabei helfen?

JRP: Beim Improvisieren wird im Bluegrass an den musikalischen Ausdruck von Gefühlen etwas anders herangegangen als z. B. beim Blues, wo das „Leiden“ des Musikers in dessen Solo zu hören ist. Bei Bluegrass stehen eher Dinge wie Timing und Groove im Vordergrund. Natürlich kann ein Musiker mehr oder weniger aggressiv spielen, aber die großen Gefühle werden wir im Solo auf der Bluegrass-Mando nicht finden. Jeder hat seinen eigenen „Touch“ und deswegen werden solche Themen im Buch auch nicht erwähnt. Der saubere Klang der Töne ist auch so eine Sache, die schwer zu beschreiben ist – heutzutage wird ja sogar Bill Monroes etwas unsaubere Spielweise von den Hardcore-Monroe-Fans nachgeahmt! Spieltechnische Elemente wie Betonung, Timing, Geschmack und Groove sind alles wichtige Zutaten für ein gutes Solo, was man natürlich schön bei den Meistern der Mandoline hören kann. Trotzdem klingen die guten Mandolinen-Spieler alle unterschiedlich, weil die Tonwahl, gemischt mit dem musikalischen Ausdruck des Musikers, dessen Stil ausmacht.

Du schreibst, Theorie und Praxis sollten sich die Waage halten, wenn man zu improvisieren lernt. Was steckt dahinter?

JRP: Das Lernen der Improvisation ist so ähnlich wie das Lernen einer Sprache. Wenn man in eine neue Sprache eintaucht, ist es wichtig, ein Vokabular aufzubauen, um damit Sätze bilden zu können. Je mehr Wörter und Sätze man beherrscht, desto einfacher wird es, diese in einer Konversation zu benutzen. Liest man mein Buch hundert Mal durch, bedeutet das nicht, dass man improvisieren kann. Erst wenn man anfängt mit den Techniken zu arbeiten, wird man auch anfangen, die ersten Improvisationen spielen zu können.

Zum Kapitel: „The Pentatonic Sound“ bemerkst Du, dass es vielleicht das wichtigste im ganzen Buch ist – warum?

JRP: Die Dur-pentatonischen Tonleitern geben einem die Möglichkeit, das erste Solo zu spielen, das tatsächlich nach Bluegrass klingt. Außerdem sind die pentatonischen Tonleitern auch nicht allzu schwierig zu lernen. „The Pentatonic Sound“ legt die Grundsteine für alles, was danach kommt, und deswegen ist es so wichtig, sich eingehend damit zu beschäftigen.

Ein Gedanke zu „Soli, die nach Bluegrass klingen #2

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