Viel Geld, viel Klang?

Kaum zu fassen, aber wahr: In Chicago bietet ein Fachhändler das teuerste Instrument dieses Erdballs an. Die von Giuseppe Guarneri 1741 gebaute Geige wäre für lausige 18 Millionen Dollar zu haben. Was sind da 300.000 für eine Mandoline von Lloyd Loar? Gut, die ist auch knapp 200 Jahre jünger als die Guarneri. Jetzt würde ich doch tatsächlich gern wissen, was eine Loar im Jahr 2250 kosten wird. Zum Spielen sind diese alten Instrumente allerdings nicht gedacht, sondern zum Spekulieren und Wegschließen. Manche uralten Geigen namhafter Meister müssen noch nicht einmal toll klingen. So gibt es laut Geigenhändler Dietmar Machold eine Stradivari, die Lady Blunt von 1721, die aber auch gar nix taugt: Diese Geige ist in einem perfekten Zustand der Erhaltung, befindet sich aber tonlich etwa auf dem Niveau einer 1000-Euro-Geige, bekundete er jüngst gegenüber dem Fono Forum.

Immer mehr klassische Musiker stellen sich allerdings die Frage, die unsereins sich auch stellt – die nach dem Preis-Leistungsverhältnis. Schließlich gibt es auch neue Violinen, Violas und Celli aus Meisterwerkstätten, die klanglich auf der Höhe sind. Statt für den Preis eines Einfamilienhauses gibt es Geigen des angesagten Meisters Stefan-Peter Greiner schon für 30.000 bis 40.000 Euro! Und manchem fällt es schwer, den klanglichen Unterschied zwischen einer teuren Gibson-Mando und einer günstigen China-Loar für 700 Euro festzustellen. Das Verhältnis ist ähnlich. Drum prüfe, wer sein Konto plündert, ob er nicht noch was Günstigeres findet.


18 Millionen Dollar? Viel Holz.

Ein Gedanke zu „Viel Geld, viel Klang?

  1. Jede Medaille hat 2 Seiten. Einerseits schade, wenn die wenigen Loar-Mandos im ganz normalen Alltag verschlissen werden (unwiederbringlich), andererseits schade, wenn sie in Vitrinen verschwinden. Ich weiß nicht, wo der richtige Weg liegt.

    Bei dem Vergleich zwischen den Gibsonmandos und der The Loar LM-700-VS fühle ich mich angesprochen. Ich habe das im Web tatsächlich geschrieben. Ich spiele mein Gibschen genauso gerne wie meine Loar LM-700-VS. Trotz mehr als erheblichem Preisunterschied. Vielleicht sind meine Ohren nicht gut genug, um die „gewaltigen“ Klangunterschiede zu erkennen. Vielleicht ist die China-Mando in 10 Jahren „über´n Jordan“, während meine Gibson in 100 Jahren noch irgendwem Spaß bereitet!?

    Instrumente für Millionen € zu kaufen muss sicher nicht sein. Aber Prestige ist im Showgeschäft sicher mehr als wichtig.

    Ich gebe allerdings zu, wenn ich 200 k€ echt übrig hätte, würde ich mich auch nach einer Loar (nicht nach einer The Loar) umsehen. Wenigstens mal spielen, vielleicht kaufen.

    Und ob eine Loar im Jahr 2250 viel wert ist, wird sich zeigen. Vielleicht sind Mandos völlig out. Vielleicht gibt es bis dahin keine mehr (alle verschlissen, weil sie im Alltag genutzt wurden). Vielleicht gibt es die Menschheit dann auch nicht mehr?!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s