Lob der Haltung

Es hat nichts mit Mandolinen zu tun, ja, nicht einmal etwas mit Musik, sondern mit: Haltung. Offenbar wird es immer schwieriger in diesem Land, Haltung zu zeigen. Anders ist es kaum zu erklären, dass Judith Holofernes, Frontfrau von Wir sind Helden, einen solchen Wirbel verursacht – mit ihrer Weigerung, Teil einer Werbekampagne für das Schmierblatt Bild zu werden. Wo leben wir denn, dass jemand aus dem öffentlichen Leben scheinbar Angst haben muss, etwas gegen die Bild zu sagen? Wenn ich Frau Holofernes‘  Antwort auf das Ansinnen der Bild-Werbeagentur Jung von Matt lese, wird mir regelrecht warm ums Herz. Dass Promis mit dem Argument geködert werden sollen, dass für ihr Mitwirken Bild jeweils 10.000 Euro an einen guten Zweck spendet, lässt mich müde lächeln. Leute wie Philipp Lahm und Thomas Gottschalk könnten doch eine Spende in dieser Höhe locker aus ihrer Portokasse bezahlen, ohne dafür Männchen für das Boulevardblatt machen zu müssen.

Das Argument der Werbeagentur, die Promis hätten in der Kampagne die Möglichkeit, ihre offene, ehrliche und ungeschönte Meinung zur BILD mitzuteilen, ist albern: Das könnten Promis a) auch ohne Werbekampagne in Talkshows o. Ä. erledigen und b) sind sie so oder so im Boot der Bild, ob sie sich auf Riesenplakaten oder TV-Spots nun positiv oder negativ äußern. Ich könnte brechen bei so viel Verlogenheit. Und wehe, jetzt behauptet jemand, Judith Holofernes hätte das nur getan, um das neue Album der Band zu promoten. Dann käme ich aus dem Kotzen, Reihern und Göbeln nicht mehr raus. Selbst wer mit der Musik nichts anfangen kann – ich finde, diese Haltung fordert Solidarität.

4 Gedanken zu „Lob der Haltung

  1. Das Argument mit der PR fürs neue Album habe ich auch schon gehört. Selbst wenn es so wäre, das öffentliche Eintreten gegen dieses widerliche Schmierblatt (und alle, die bei der Kampagne mitmachen) kann nicht hoch genug bewertet werden.
    Wie sagte schon Max Goldt?
    „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“

  2. Ja, die Fernsehspots sind mehr als peinlich. Warum schämen sich die Promis eigentlich nicht?

    Aber es kann nur um Kohle gehen, oder? Sonst würden Promis auch keine Werbung für Abführmittel oder Gelenk-Verschleiß-Pseudo-Verhinderer machen!

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