So hobelt der Meister

Heute in einer Woche, im niederländischen Voorthuizen, fliegen die Späne – zumindest im übertragenen Sinne: Auf dem EWOB-Festival plaudert einer der besten europäischen Mandolinenbauer aus dem Werkzeugkästchen. Rosta Capek heißt der Meister aus Tschechien, der sich auslassen wird über Tonhölzer, Geheimnisse der Beleistung, die richtigen Saitenhalter und möglicherweise sogar über Mondzyklen und Äxte. Naja, vielleicht doch eher über Leim, Feilen und Sandpapier. Der perfekte Workshop also für den ambitionierten Heimwerker und den handwerkbegeisterten Musiker. Dass Rosta Capek nicht irgendwer ist, zeigt die Liste seiner prominenten Kunden, auf der beispielsweise David Grisman, Andy Statman und Radim Zenkl stehen. Also: zugeschaut und im Geiste mitgebaut! Um 15 Uhr am 3. Juni in Voorthuizen. Den Termin schafft man auch, wenn man noch am Vorabend bei der Internationalen Bluegrass Night Berkenroth war. Sicher.


Oh Meister, zeig mir Deine Späne!

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Provinz gibt Grass auf die Ohren

Das Bühler Bluegrass-Festival und das Hagener Banjoree schon wieder eine Woche zurück, geht der Blick nun nach vorn – in Richtung Himmelfahrtstag. Dann startet natürlich wieder das große EWOB-Festival, aber gerade soll unsere Aufmerksamkeit einer anderen Veranstaltung gelten, einem Neuling der Szene: der Internationalen Bluegrass Night Berkenroth. Im Grunde steigt sie schon zum zweiten Mal, wobei 2010 eher der Zufall die Hauptrolle spielte – aus einem schlicht als Scheunenkonzert geplanten Abend mit den regionalen Bluegrassern von Covered Grass wurde ein Doppelkonzert mit den italienischen Gesinnungsgenossen von Bononia Grass.

Dieses Jahr aber gilt das alles nicht mehr. Was da am 2. Juni ab 19.30 Uhr im Dorfhaus des Örtchens Berkenroth (Gemeinde Nümbrecht, etwa 45 km östlich von Bonn) auf die Bühne steigt, wurde eigens zu diesem Anlass engagiert. Natürlich sind die Lokalmatadore von Covered Grass wieder mit dabei. Dann stehen die Looping Brothers aus dem Osnabrücker Land auf dem Programm. Der Topact des Abends kommt allerdings aus Nashville/Tennessee: Valerie Smith & Liberty Pike! Es handelt sich also tatsächlich um ein komplettes Bluegrassfestival. Und das rührige Team im Dorf stellt alles auf die Beine, was sich Gäste und Musiker wünschen können – von origineller Bühnendeko bis zur Bratwurst. Wie heißt es bei solcher Gelegenheit immer so schön: die Provinz lebt Und außerdem sieht´s dort aus wie in Kentucky.

Neues aus Schweden

Die Schweden, die scheinen ja so gestrickt zu sein, dass immer mal wieder Bands aus ihrem Land in der Lage sind, international aufzufallen. Aus aktuellem Anlass erinnern wir uns an das Jahr 1974, als Abba zu erster großer Form auflief. Später gab´s dann auch noch Roxette und aktuell Mando Diao zum Beispiel. Aber die Schweden sind auch eine große europäische Bluegrass-Nation! Jawohl! Angesichts des ESC denken wir nur noch in Musik-Nationen! Und da haben die Schweden in den jüngsten Jahren gleich zweimal den Titel „European Bluegrass Band“ geholt: zum einen G2, zum anderen die Downtown Ramblers.

Und hier kommt jetzt eine weitere junge Band von dort oben, die eine ganz hübsche Debüt-CD vorgelegt hat – Sticks & Stones. Kein Hardcore-Bluegrass, sondern eher die Variante der Marken Crooked Still oder Joy Kills Sorrow. Vorn steht die Sängerin und Texterin Rebecka Sjöberg mit ihrer mädchenhaften Stimme, die nicht nur über Liebe oder Nichtliebe singt, sondern auch von den Fragen, wer man ist, warum man so ist und wie man damit zurecht kommt. Das Album hält einige bemerkenswerte Songs bereit, etwa den Opener Sticks & Stones, dann No One But Myself To Blame und Silence. Und alle diese Stücke kann man sich auf deren Website auch noch anhören. Erschienen ist die CD übrigens bei Opus3 Records, einem Label, das für seine audiophilen Produktionen gelobt wird. So soll es sein, tut´s den Jazzern nach: Ernst zu nehmende Musik gehört auf seriöse Labels!

Gedenken auf zwei und vier

Heute vor genau 30 Jahren, am 11. Mai 1981, ist Bob Marley gestorben. Und es gibt mindestens einen prominenten Mandolinenspieler, der Marley zu seinen Vorbildern zählt und auch gern auf Lehrvideos den Marley-Rhythmus erklärt: Sam Bush. Daher folgt, zu Ehren von beiden, hier der Klassiker One Love. Und Bush kündigt den Song an, indem er Bob Marley als eine der Größen des Bluegrass bezeichnet. Warum auch nicht – wir reiten doch alle gemeinsam auf der Zwei und der Vier.

Wohin am Wochenende?

Im Mai, da weiß der geneigte Bluegrass-Freund ja gar nicht, wo er zuerst hinfahren soll – Mai ist Bluegrass-Monat! Allerdings verschiebt sich der Mai dieses Jahr in den Juni, weil so spät erst Himmelfahrt und Pfingsten ist. Deswegen richten wir den Blick auf das nahe Liegende: das kommende Wochenende. Hoch her geht´s dann in Bühl, wo am Freitag die neunte Ausgabe des Internationalen Bühler Bluegrass-Festivals beginnt, und zwar mit Auftritten von Sunny Mountain Grass aus der Schweiz und Valery Smith & Liberty Pike aus den USA. Am Samstag dann müssen die Toy Hearts aus England und Redgrass aus Kanada richtig ran: gleich drei Auftritte am Vormittag, Nachmittag und Abend sind zu absolvieren. Dazu gesellen sich Special Consensus aus den USA und am Samstagabend der Top-Act – Doyle Lawson & Quicksilver. Sämtliche Infos gibt´s auf der Festivalseite.

Geradezu beschaulich mutet im Vergleich dazu das Banjoree an, das am Wochenende zum vierten Mal im westfälischen Hagen stattfindet. Vom 13. bis zum 15. Mai treffen sich nicht nur unsere liebsten Freunde, die Banjospieler. Nein, auch Vertreter anderer Instrumentengattungen sind willkommen und bekommen sogar Workshops angeboten. Na gut, will nicht übertreiben: Diesmal steht außer Banjo-Lektionen nur was für Dobro-Spieler auf dem Plan, dafür aber mit dem Dänen Nils Tuxen als Dozent, der ja auch schon mit Texas Lightning zusammen musiziert hat. Was mich zum dritten Großereignis des Wochenendes führt – obwohl: Darüber steht woanders schon genug geschrieben. Dann doch lieber mal beim Banjoree reinschauen.


War früher Banjospieler bei Jimmy Martin und ist am Wochenende in Bühl zugange: Doyle Lawson. Dann aber mit dem richtigen Instrument.

Lachen mit Steve #2

Hier nun eine weitere Anekdote um den famosen Mando-Macher Stephen Gilchrist:

Bauen Australier von Natur aus Mandolinen? Nein! Sie bauen erstmal Surfboards! So war es jedenfalls bei Klein-Steve, das heißt: So klein war er nicht mehr, sondern schon im Teenie-Alter. Den Umgang mit Holz hat er zumindest auf diesem Weg gelernt. Und als er daranging, seine erste Mando zu bauen, orientierte er sich wie so viele an der traditionellen F5 von Gibson. Der Haken an der Sache: Er hatte noch nie ein Original gesehen, geschweige denn eins in der Hand gehabt. Nur eine schlechte Kopie war ihm zugänglich. Was hat er in seiner Not getan? Sich Fotos von Bill Monroes Alben angeguckt, auf denen der Meister mit Mando posierte, und aufgrund der Handgröße auf die Maße des Instruments geschlossen! Hätte also Monroe besonders kleine Hände gehabt, wäre die erste Gilchrist womöglich von der Größe einer Ukulele gewesen. Aber auch so – sagt der Stephen selbst – waren seine ersten Exemplare reichlich merkwürdig. Und heute? Heute kann man drüber lachen.