Wenn das Banjo farbig schillert

Noam Pikelny: Beat The Devil And Carry A Rail (Compass Records 7 4565 2)

Kein Zweifel: Dies ist ein Mandolinen-Blog. Was allerdings kein Grund ist, Noam Pikelnys zweites Soloalbum links liegen zu lassen. Weil er zum einen Banjo auf eine Weise spielt, die weit entfernt ist von üblichen Klischees und überstrapaziertem Twang. Und weil er zum anderen erstklassige Mandolinenspieler bei den Aufnahmen zu Gast hatte: nämlich Tim O’Brien, Mike Compton und Chris Thile. O’Brien gehört dabei fest zur Begleitband, gemeinsam mit Stuart Duncan an der Fiddle, Mark Schatz am Bass und Chris Eldridge an der Gitarre. Letzterer zählt wie Thile zu den Punch Brothers, Noam Pikelnys musikalischer Heimat, die auch Produzent Gabe Witcher mit ihm teilt. Es steckt also eine Portion Punch Brothers in dem Album, besonders zu hören in Bear Dog Grit, dem schrägsten, wildesten Stück der CD, mit Thile an der Mando und Bryan Sutton an der Gitarre. Den Gegensatz dazu bildet gleich der nächste Song Day Down, ein stilles Duett mit Banjo und Kontrabass, in diesem Fall von Paul Kowert gespielt. Instrumentals bestimmen das Album, wobei jeder Gastmusiker „seinem Stück“ eine besondere, wiedererkennbare Farbe verleiht.

Den Großteil der Songs hat Noam Pikelny komponiert, allein oder mit Co-Autoren – keine Easy-Listening-Sammlung, sondern gründlich durchgearbeitete und fein arrangierte Stücke eines der besten Banjo-Spielers der US-amerikanischen Akustik-Szene. Der zudem eine große Bandbreite beherrscht, von 30er-Jahre-Jazz über Western Swing und akustischen Balladen bis zum Bluegrass, dessen Klassiker Cluck Old Hen er hier im Duett mit Steve Martin präsentiert: Die ineinander fließenden Linien wirken fast wie Harfenmusik. Zu den Höhepunkten zählt außerdem eine Version von Tom Waits´ und Kathleen Brennans Song Fish and Bird, den Aoife O’Donovan von Crooked Still singt. Natürlich kommt nicht zwingend ein großartiges Album heraus, wenn lauter Stars der Szene zusammenkommen – wozu im Übrigen auch Jerry Douglas und Alex Hargreaves gehören. Aber in diesem Fall treffen Virtuosen auf beachtenswerte Songs – mit überzeugendem Ergebnis. Eine CD zum Durchhören. Das Album erscheint am 25. Oktober.

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