Blick 2012 #3: Punch in Strömen

Silvester denken die meisten von uns an Punschballen, ich denke mal grad an die Punch Brothers! Die Mannen um Mandolinenfreund Chris Thile werden 2012 ein neues Album vorlegen: Who´s Feeling Young Now? wird am 14. Februar erscheinen. Zuvor sind die Brüder im Januar in Europa unterwegs – die nächstgelegenen beiden Konzerte in Amsterdam sind jedoch bereits ausverkauft. In Paris könnte noch was gehen …

Das neue Album wird außer eigenen Songs Coverversionen enthalten, beispielsweise Kid A von Radiohead und Flippen von der schwedischen Band Väsen. Außerdem war Josh Ritter zweimal am Songwriting beteiligt. Aufgenommen haben die Punch Brothers in den Blackbird Studios in Nashville. Für Ungeduldige: Den Eröffnungstrack Movement and Location gibt´s auf der Website der Brüder als freien Download. Und damit: guten Rutsch!

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Blick 2012 #2: Ricky kommt

Der Mann zählt zu den Superstars der Country-Szene wie zu den Bluegrass-Heroen: Ricky Skaggs. In welcher Funktion er nächstes Jahr in Deutschland auftritt, lasse ich mal dahingestellt. Falls er aber mit Kentucky Thunder anreisen würde, gäbe es sicherlich etliche Bluegrass- und Mandolinen-Fans, die eine Menge Countrymusik und Cowboyhüte aushalten würden, um diese Band live zu sehen. In jedem Fall wird Ricky Skaggs am 4. März 2012 in der Mannheimer SAP-Arena Teil des International Festival of Country Music sein. Zum Line-up des Festivals zählen Reba McEntire, Asleep At The Wheel, Lonestar und George Hamilton IV. Für die deutsche Country-Gemeinde klingt das nach einem Super-Event; Bluegrassern muss zur Vorsicht geraten werden.

Blick 2012 #1: Über die See

Nachdem wir den Schock des viel zu frühen Dahinscheidens unseres Johannes Heesters am Heiligabend so halbwegs verdaut haben, wollen wir uns ein Herz fassen und mutig Blicke ins neue Jahr wagen. Was kommt 2012? Nein, auf keinen Fall gibt es hier eine vollständige Übersicht, ein bisschen Herauspicken sei erlaubt. In der ersten Folge heute wollen wir mal nicht zu weit vorgreifen: Ende Januar/Anfang Februar 2012 wird bereits die fünfte Serie der Transatlantic Sessions auf DVD veröffentlicht. Mit von der Partie in der neuesten Staffel sind u. a. Sam Bush, Sarah Jarosz, Alison Krauss, John McCusker, John Doyle. Wenn das keine schöne Riege ist. Wer so lange nicht warten möchte und mit minderer Bildqualität vorlieb nimmt, kann die komplette Serie vorab auf Youtube bewundern. Wie immer bieten die Musiker um Aly Bain und Jerry Douglas wunderbare Musik – so recht dazu geeignet, die hohle Zeit zwischen den Jahren mit Licht und Wärme zu füllen.

Bis die Rosen entspringen

Es ist schon faszinierend, wer sich alles an deutschen Weihnachtsliedern zu schaffen gemacht hat. Nehmen wir nur mal als Beispiel das wunderbare Es ist ein Ros entsprungen, das uralte Lied aus dem 16. Jahrhundert. Eigentlich niemand aus der Schlagerszene, der es nicht zwischen die Lippen genommen hat: von Andrea Berg über Heintje und Peter Orloff, von Ireen Sheer über Freddy Quinn bis Wolle Petry und Tom Astor. Eine besonders feine Version gibt es von Johannes Heesters – sie klingt wie die Parodie eines Kammersängers. Angesichts dessen freut man sich förmlich über die Jungen Tenöre, Willy Schneider oder Peter Schreier, Letztere die Phantome meiner Kindheit. Wir könnten uns die Ros auch von Angelika Milster oder Roger Whittaker oder Vico Torriani anhören, aber ebenso von Karlchens Spieluhren Orchester, dem Mädchenchor Brixen und James Last. Endlos die Liste, unnütz, sie hier weiterzuführen. Wer bei amazon reinschaut, findet etliche Varianten. Immerhin sind auch die Ernsthaften darunter, etwa Ludwig Güttler oder der Leipziger Thomanerchor (obiger Peter Schreier gehört natürlich auch dazu). Was soll aber das Jammern, was das Lamentieren: Spielen wir das Lied doch einfach selbst! Eine einfache Variante für Mandoline findet sich hier. Schnell noch üben, dann kann Weihnachten kommen.

 

Adieu bis nächstes Jahr

Das Bluegrass Jamboree 2011 ist vorüber, die Künstler befinden sich auf dem Heimweg und Promoter Rainer Zellner dürfte wieder im trauten Tübingen sitzen. Nach getaner Arbeit ist gut ruhen? Oder kommt da nicht erstmal ein Loch, wenn man ruht? Auf jeden Fall hat es auch der Macher des Jamboree mal verdient, hier prominent aufzutauchen. Mit einem Foto aus der Bonner Harmonie, aufgenommen während der Schlusssession (so viele „s“ in einem Wort!). Also, Rainer: Es war mal wieder schön und auch hoffentlich finanziell ein Erfolg. Auf die nächste Runde 2012! Dann wird Rainers F2 von Gibson, die er hier spielt, übrigens 100 Jahre alt. Wie soll man das bloß feiern?

Wieder mal Bearfoot

Von Zeit zu Zeit heißt es, Bearfoot zu loben. Ohne große Vorrede oder Erklärung. Einfach mal loben, was die so für Musik machen. Vielleicht noch mit einem Link zur Band verbinden – fertig! Nur das mit dem Einbetten von Videos aus dem Country Music Television CMT mag nicht ohne Weiteres funktionieren. Aber munter unten angeklickt, und schon geht es los mit dem Song Tell Me A Story. Mehr will ich ja auch gar nicht.

Mehr als zwei

Schon bei den vergangenen beiden Bluegrass Jamborees waren sie sowas wie die stillen Stars: die Duos, die traditionell das Festival eröffnen. Ob Beverly Smith & Carl Jones, Vida Wakeman & Jeff Burke oder gerade aktuell Cahalen Morrison & Eli West – es ist wunderbar zu erleben, wie zwei Leute einen ganzen Saal verzaubern. Und das Duo Morrison/West zeigt sich meisterlich vor allem in der Kunst, Atmosphäre zu erzeugen. Mal abgesehen von ihren ohnehin deutlichen instrumentalen Fähigkeiten. Sie müssen nur mit On God´s Rocky Shore beginnen, schon lauschen alle fasziniert. Eli West spielt dazu ein Mandocello von Fletcher Brock, das aussieht wie eine Jazzgitarre und wunderbar warm klingt. Dann noch ihre Version von Norman Blakes Church Street Blues und der Abend ist schon dein Freund. Zudem die a-capella-Nummer My Bloody Heart und jeder, der vorher noch nicht beeindruckt war, ist es jetzt. Ich kann dem Zitat von Tim O’Brien nur zustimmen: Cahalen and Eli are making music that the world needs.


Cahalen macht die Augen zu – geblendet von Elis schönem Mandocello.