Henry Girls auf Fuchsjagd

Sind drei Schwestern im Haus, hat´s die mittlere meistens schwer. Ob das bei den Henry Girls auch zutrifft? Aus ihrem Harmoniegesang lässt sich nichts heraushören, was auf Differenzen schließen lässt, im Gegenteil – die dreistimmigen Sätze der Schwestern Karen (Fiddle), Lorna (Akkordeon) und Joleen (Irische Harfe) McLaughlin aus dem irischen Nord-Donegal klingen gänsehauttreibend perfekt. Musikalisch bieten sie wahres transatlantisches Crossover im Pop-Gewand. Auf ihrer vierten CD December Moon gesellen sich zu den typisch irischen Instrumenten Klangerzeuger wie Dobro, Mandoline, E-Gitarre und Drums. Das alles zusammengenommen bildet eine aufregende Mischung, die in jede transatlantische Session passen würde und teilweise auch gar nicht so weit weg ist vom Bluegrass. Manchmal erinnern sie tatsächlich an die Dixie Chicks, dann klingen sie wie eine Spiritual-Truppe oder geben eine Spur Andrew Sisters zum Besten. Samples gibt´s auf der Website. Beim kürzlich zu Ende gegangenen Irish Spring Festival standen sie ohne Band auf der Bühne und zeigten ihre Fähigkeiten auf das Wesentliche reduziert.

Wer würde nicht gern mit ihnen zusammenspielen? Das Quartett The Fox Hunt aus West-Virginia beispielsweise bekam Gelegenheit dazu – und deren Wilde-Mann-Musik erhielt zusätzliche weibliche Zwischentöne. Trotzdem kann man sich die Fuchsjäger auch mal ohne Henry Girls anhören, etwa hier. Jetzt aber ist Zeit für Gemeinsamkeit.

Innovationen in Keramik

Noch eine Entdeckung von der diesjährigen Musikmesse: Es handelt sich um eine innovative neue Mandoline, und zwar das Sanitär und Heizung Schröttke Signature Model! Das Problem: Bislang kann nur Meister Schröttke selbst dieses Instrument spielen. Und zu dem Zeitpunkt, als ich das Foto aufgenommen habe, befand er sich nicht am Stand, sondern musste in Halle 4.0 das Abflussrohr eines WCs neu fixieren, das langhaarige Stromgitarrenfreunde zuvor aus der Wand gerissen hatten. So müssen wir alle wohl bis nächstes Jahr warten, um zu erfahren, wie man dieser Mando Töne entlockt und damit Red Haired Boy spielen kann.

Den Saiten was Gutes

Wieder einmal war die Frankfurter Musikmesse ein Erlebnis. Zwar hatte die Firma Collings keine Mandolinen ausgestellt, dafür aber gab es sensationelle Innovationen aus China, was den Zubehörmarkt angeht. Auf dem Foto unten sehen wir eine Kollektion völlig neu entwickelter chinesischer Mittel zur Saiten- und Griffbrettpflege. Die Masse in den kleinen Tüten eignet sich zur Reinigung und Konvervierung der Saiten; außerdem verleiht die Behandlung den Strippen ein angenehmes Pfirsicharoma. Die Masse in den kleinen Plastikbehältern reinigt Rosen- wie Ebenholzgriffbretter, dass sie erscheinen wie neu. Vorsicht! Die Bonbons dazwischen stammen vom deutschen Pickup-Hersteller Shadow und dürfen auf keinen Fall mit den Pflegemitteln verwechselt werden – Ihr Instrument könnte sonst Schaden nehmen. Links im Bild sehen wir übrigens die ebenfalls völlig neu entwickelten Mega-Roundcore-Saiten aus der neuen Serie von D’Addario, hier in der Stärke 40. (mm). Irrer Sound, aber eher was für kräftige Hände. Demnächst mehr Innovationen von der diesjährigen Musikmesse!

Schöne Instrumente schön gespielt

Heute öffnet in Frankfurt am Main wieder die Musikmesse. Unter den Ausstellern finden sich auch etliche Anbieter unseres Lieblingsinstruments – die allerdings nicht immer hoch qualitative Ware feilhalten. Frei von diesem Verdacht ist ein Hersteller, der ebenfalls in Frankfurt dabei ist: Collings Guitars. Nun weiß man jedoch vorher nie, was die Firmen denn so mitschleppen nach Europa. Am Ende hat der Bill Collings nur ein, zwei Mandos im Gepäck. Aber wahrscheinlich erfährt man per Internet sowieso eher, wie ein Instrument klingt angesichts der bekannten Geräuschproblematik in Messehallen. Jedenfalls bietet Collings auf seiner Website eine hübsche kleine Galerie, in der einzelne Instrumente vorgestellt werden. Gespielt von zwei Könnern: dem ehemaligen Mandolinisten der Infamous Stringdusters, Jesse Cobb, und Kym Warner. Da kann man sich mal entspannt durchklicken und was Schönes hören. Beispielsweise Kym, der nun für uns eine ambitionierte Version von Whiskey Before Breakfast spielt.

Gauck ganz oben

Bundespräsident Gauck! Das hätte ich niemals gedacht, dass eines Tages ein Musiker unser Staatsoberhaupt sein wird. Sicher, Ralf Gauck gehört zu den besten Bassisten des Landes, aber dass er es so weit bringen würde?! Ach, der Präsident heißt gar nicht Ralf? Wie, Joachim? Und das hier ist auch kein Bassisten-Blog? Dann aber nix wie Schluss damit. Verzeihung, vielmals.

Musik in Strömen

Aus Schweden kommen nicht nur die Downtown Ramblers oder die G2 Bluegrass Band, sondern von dort stammt auch der Musikstreaming-Dienst Spotify. Ab morgen, so meldet Spiegel Online, soll der Dienst auch in Deutschland verfügbar sein. Rund 16 Millionen Musiktitel werden demnach kostenfrei und unbegrenzt zum Hören angeboten, jedenfalls das erste halbe Jahr. Danach wird das Angebot wahrscheinlich auf zehn freie Stunden pro Monat begrenzt. Das alles geschieht werbefinanziert. Wer ungestört lauschen will, muss pro Monat 4,99 zahlen; mobile Nutzer zahlen 9,99 je Monat. Das liegt auf dem Niveau des deutschen Streaming-Anbieters simfy. Der ist allerdings derzeit nur fünf Stunden im Monat kostenfrei nutzbar und auch das nur mit starken Nerven: Nach nahezu jedem Song folgt Werbung.

Was natürlich logisch ist: Solche Dienste sind ja nur bedingt Teil der Umsonst-Kultur des Internets, möchten letztlich Geld mit ihrer Dienstleistung verdienen. Kostet wahrscheinlich auch ne Menge Kohle, so etwas anzubieten – allein die Gema-Gebühren! Für Mandolinen- und Bluegrass-Fans dürfte eine Menge zu hören sein angesichts des riesigen Repertoires beider Anbieter. So lässt sich sogar die jüngste CD der deutschen Bluegrass-Band Covered Grass über simfy genießen. Die Entscheidung, von wem man sich mit Musik beströmen lassen möchte, mag jeder individuell entscheiden: simfy kommt aus Köln (Standort Deutschland), spotify bietet das angeblich umfangreichere Begleitprogramm zum Strom – etwa eine Menge ausgewählter Playlists. Warten wir´s ab.

ist auf dem Sprung nach Deutschland.