Bühlgrass: von zwei auf eins

Im Norden haben wir immer gedacht: Die Gemeinden im Süden, die sind irgendwie reicher als unsere. Offenbar aber fehlt auch dort das Geld, das – so der Eindruck – weltweit in Milliardenstapeln hin- und hergeschoben wird. In Bühl ist aber keine Milliardenüberweisung gelandet, und das wird jetzt einem der renommiertesten europäischen Bluegrass-Ereignisse zum Nachteil, dem Internationalen Bühler Bluegrass Festival. Es wird 2013 nicht mehr an zwei Tagen, sondern nur noch am Samstag, 4. Mai, stattfinden. Das dürfte in Bluegrass-Kreisen zu langen Gesichtern führen, und Festival-Mastermind Walter Fuchs war alles andere als amüsiert über diese Entscheidung der Stadt, die das Ereignis zuletzt mit einer Summe von 22.000 Euro bezuschusst hat. Dabei hätte womöglich ein Teil des Defizits durch höhere Eintrittspreise aufgefangen werden können. Ein Zurück scheint es aber nicht zu geben, die Würfel sind gefallen – das Festival kehrt gezwungenermaßen zu seinem ursprünglichen Format des eintägigen Konzertmarathons zurück.

Nun wird Schrumpfen hierzulande oft per se als negativ empfunden, wo doch immer noch viele dem Wachstum huldigen. In diesem Falle hat Walter Fuchs jedenfalls vor, am verbliebenen Festivaltag geballte Qualität zu bieten, von 14 Uhr bis Mitternacht: mit vier US-Bands aus der oberen Liga. Eine steht bereits fest – Monroe Crossing werden nach Bühl kommen. Auch die weiteren Namen sind bekannt, die Verträge allerdings noch nicht unterzeichnet. Wenn das endgültige Line-up steht, werden wir´s weitergeben.

Walter Fuchs hofft nun, dass durch die Reduzierung das Festival keinen allzu großen Image-Verlust erleidet: Der Vertrauensvorschuss in dieses Festival war von Seiten des Publikums riesengroß. Ein großer Teil unserer Besucher hatte ja am Ende des Festivals ihr Hotelzimmer oder ihre Ferienwohnung schon wieder für das kommende Jahr reserviert. Qualitativ soll es keinen Einbruch geben, denn dies könnte ich nicht mittragen, schreibt er. Die Gefahr, dass der Initiator des Festivals die Segel streicht, scheint noch nicht ganz gebannt – je nachdem, wie die Reaktionen auf die Streichung des zweiten Tages ausfallen, könnte er doch noch den Hut nehmen wollen. Was uns allen nicht gefallen dürfte. Der Freitag weg, dafür knallt’s am Samstag, fasst Walter Fuchs die Lage zusammen. Ein kleineres, aber immer noch feines Bluegrass-Festival in Bühl ist jedenfalls tausendmal besser als gar keins. Und Bühl blieben nur die Pflaumen.

Ein Gedanke zu „Bühlgrass: von zwei auf eins

  1. Bei der Struktur des Festivals, nämlich als reines Konzertereignis ohne viel Drumrum mit Parkinglotpicking usw. hab ich die Ausdehnung auf 2 Tage noch nie verstanden. Wäre interessant, zu wissen, wieviele Zuhörer tatsächlich an beiden Tagen da waren. Ich war jedenfalls nach 8 Stunden Mucke am Samstag jedesmal genügend abgefüllt. Und ich bin nun wirklich eingefleischter Fan… Was in Bühl immernoch fehlt sind alternative Örtlichkeiten für Sessions, damit nicht immer diese Megasessions entstehen, die mir nix bringen!

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