Alles wiederholt sich

Mandolinen für Millionen lautete heute eine Schlagzeile im Kulturteil des Kölner Stadt-Anzeigers. Darunter befand sich allerdings kein Artikel zu den in der vergangenen Nacht vergebenen IBMA-Awards oder gar eine Nachricht, wer denn 2012 Mandolinenspieler des Jahres geworden ist. Daher holen wir das hier nach: Adam Steffey hat sich die Auszeichnung geholt – irgendwo hab ich den Namen schonmal gehört. Alle Preisträger finden sich hier.

Zurück zur Schlagzeile: In dem zugehörigen Artikel ging es um das neue Album der englischen Band Mumford & Sons. Um es kurz zu machen – dort wurde nicht das Loblied der Mandoline gesungen, sondern die zweite LP der Formation namens Babel ordentlich kritisiert. Es handele sich um eine kraftlose und überraschungsarme Kopie ihres Debüts, heißt es da sinngemäß, insofern hätten auch wieder Mandos hergemusst. Und das Banjospiel sei mittlerweile zu einer rein wild-virtuosen Zupforgie verkommen. Auf der ersten Single I Will Wait fehlt die Mando jedenfalls. Ach was soll´s, spielt halt mal!

Advertisements

Welten der Wortmänner

Während die einen ferne Länder bereisen und sich anschicken, Hollywood zu erobern, arbeiten sich andere in dunklen Kellern an deutschem Liedgut ab. Ja, erraten: Es gibt Neuigkeiten von den Wortmann Brothers! Nicht nur, dass sie am 11. Dezember ein bisschen Vorprogramm bestreiten, wenn das diesjährige Bluegrass Jamboree in der Bonner Harmonie gastiert (natürlich nur als Vor-Vorgruppe, denn die Vier ist ja bekanntlich die Eins des Kleinen Mannes!!, Anm. der Wortmänner). Nein, sie haben auch neue Songs auf ihre Website gestellt! Die sogenannten Wohnzimmermitschnitte sind ehrlich und ungeschminkt, schreiben die Brüder, und: Wir haben sie lange zurückgehalten, doch sie wollten raus in die Welt. Und da sind sie nun! Wer auf eines der Püppchen-Fotos klickt, wird mit harten Texten und kerniger Musik belohnt. Mein Favorit: das grüne Monster mit den drei Rüsseln. Es steht für Wir leben in verschiedenen Welten – eine traurige Laughstory. Mit der Bitte um freundliche Beachtung.

Ein Wortmann-Songmonster

Unser Trupp in Nashville

Heute beginnt das große USA-Abenteuer der ehemals kleinen Bluegrass-Band Covered Grass: Um halb elf geht´s ab Frankfurt gen Nashville. Es folgen der Auftritt auf der offiziellen IBMA-Präsentationsbühne und der Trip nach Los Angeles zur Party 40 Jahre Waltons – wir haben hier über die Fundraising-Kampagne berichtet, die erfolgreich abgeschlossen worden ist. Wir bleiben schön zu Hause, halten die Stellung und verfolgen das Schicksal der fünf über deren Website und deren Facebook-Seite. Außerdem hat sich Banjospieler Volker Fisher dazu überreden lassen, für die California Bluegrass Association ein Tour-Blog zu schreiben. Und wer sich mit den einzelnen Bandmitgliedern auf Facebook anfreundet, bekommt bestimmt noch mehr Material. Außerdem wird´s einen Film geben, der das wilde Tourleben dokumentiert. Die einen werden das alles mit triefenden Lefzen verfolgen, die anderen froh sein, gemütlich im Lieblingssessel zu hängen und zu sehen, wie unsere Delegation im Mutterland des Bluegrass schwitzend im Angesicht der Stars die Instrumente auspackt und auf die Bühne muss. Aber ist nicht letztlich das das Leben? Wir wünschen ihnen jedenfalls alles Gute, bleibt so cool wie möglich und saugt alles in Euch auf, damit es unvergessliche Momente bleiben! Der Aufschlag im Alltag wird dann hart genug. Aber es sind ja schon bald die Punch Brothers in Köln …


Das erste, wacklige Foto: Mando-Spieler Joon Laukamp (r.) mit Schatzi über der Schulter auf dem Weg zur Gangway.

Vom Dänen lernen

Jesper Rübner-Petersen, in Süddeutschland lebender Däne, Mandolinenspieler und Autor des bei Mel Bay erschienenen Buchs The Mandolin Picker´s Guide To Bluegrass Improvisation, lädt in diesem Jahr wieder zum großen Schlauerwerden ein, und das erneut in der New Acoustic Gallery nach Solingen. Am 17. und 18. November geht es um verschiedene Stile auf der Mando, um Bluegrass, Swing, Old Time und Dawg Music in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Es können sogar vorab Wünsche geäußert werden, welche Stücke auf dem Lehrplan stehen sollen – Nachricht an Jesper genügt. Die Teilnehmerzahl des Kurses ist auf zwölf begrenzt, die Anmeldefrist läuft. Die Kosten betragen 150 Euro, schlafen und essen exklusive.

Dann gibt es schon etwas anzukündigen fürs nächste Jahr: Ein weiterer Workshop mit Jesper steigt am 16. und 17. März für die süddeutschen Mandolinenfreunde, und zwar in Karlsruhe. An den beiden Tagen im Durlacher JfB BluesKeller wird der Blues im Mittelpunkt stehen: genauer gesagt der traditionelle Blues Nordamerikas, gemischt mit bluesigen Liedern aus den Genres Bluegrass und Jazz/Swing. Auch hier bleibt die Zahl der Teilnehmenden auf zwölf beschränkt. Die Kosten liegen bei 120 Euro ohne Unterkunft und Verpflegung. Anmeldung bald hier. Und wo kam Initiator Hans Laible die Idee zu diesem Workshop: in der Toskana! Da hat er wohl schon beim Bildungsurlaub was von Jesper gelernt. Oder wurde etwa nur dem Rotwein gefrönt?


Von Dänen lernen heißt spielen lernen.

Alternatives Arschgeweih

Im Fußball, da können wir die Faröer schlagen, aber nicht in Sachen Erotik mit Mandoline: Der von den Inseln stammende Sänger Dánjal macht vor, wie der schlanke Körper eines Instruments mit den unschlagbaren weiblichen Proportionen in Harmonie zu bringen ist! Dabei geht es aber nicht nur um Effekthascherei. Denn zwischen den aus ganz Skandinavien stammenden Musikern seiner Band befindet sich auch ein Mandolinenspieler – der Finne Kim Nyberg. Über das musikalische Schaffen von Dánjal informiert dieses Video. Wir schauen uns mal lieber das unbewegte Bild an.

Kreta, heute abend

Wer zufällig gerade auf Kreta weilt und zufällig seine Mandoline dabei hat, der kann dabei sein: beim Versuch, mit dem größten Mandolinenorchester der Welt ins Guinness Buch der Rekorde aufgenommen zu werden. Heute abend um 19.30 Uhr sollen sich so viele Mandolinista wie möglich im Hafen von Heraklion vor dem Zollgebäude einfinden. Was gespielt wird? Smoke on the water? House of the rising sun? Das Thema aus Alexis Sorbas? Verrät auch der entsprechende Blog-Eintrag nicht. Aber es gibt den Hinweis: Die Teilnahme an Proben zum Guinness-Weltrekord ist nicht notwendig. Nehmen Sie Ihre Mandoline und spielen Sie mit. Ja, dann macht das doch, wenn Ihr das lest und da seid! Die Aktion ist Teil des kretischen Mandolinenfestivals, das heute abend nach drei Tagen zu Ende geht. Zum Programm kann ich nicht viel sagen, aber wer das hier lesen kann, bitteschön. Sollte die Aktion gelingen, könnten unsere griechischen Freunde auch mal mit einem positiven Rekord Schlagzeilen machen, nicht wahr?

Plainsong samt „Banjo“

Als Ende der 1960er-Jahre in England die Folkrock-Szene erblühte, da waren sie fast alle schon mit dabei, die Musiker von Plainsong. Gestern abend spielte die legendäre Band um Iain Matthews und Andy Roberts im Kulturhaus Lüdenscheid ein Konzert ihrer Abschiedstournee. Dabei gab es auch ein paar Songs, zu denen Roberts Mandoline oder Bouzouki spielte – leider eingestöpselt, was den Klang der Instrumente nicht verschönert hat; aber das kennt man ja mittlerweile. Sei´s drum: Die Band mit Mark Griffiths am Bass und dem jungen Mann Julian Dawson (g, harm, voc) spielte klassisch-gelassen ihre Songs zwischen englischer Folktradition und US-amerikanischen Einflüssen aus Country & Western plus Gospel plus Westcoast, mit perfektem drei- bis vierstimmigem Harmoniegesang.

Was am Rande zu bemerken war: In der Pause widmete sich Andy Roberts dem Stimmen seiner Instrumente. Als er Töne auf der Mando anschlug, bemerkte der Begleiter einer Dame, die mit dem Rücken zur Bühne stand: Oh, ein Klavier! Darauf drehte sich die Dame herum, sah Roberts mit der Mandoline und sagte: Ach, ein Banjo! So viel zum Allgemeinwissen der Leutchen, was Musikinstrumente angeht. Andererseits allerdings lässt diese Anekdote erkennen, dass die Folkpack-Reihe im Lüdenscheider Kulturhaus längst nicht nur Experten und eingefleischte Fans anlockt. Und dass ist dann im Zweifel auf jeden Fall das Wichtigere. Im November wird übrigens Julie Fowlis erneut dort auftreten – am 24.; einen Monat vor Weihnachten. Ts. Bald ist es wieder soweit.


Andy Roberts: war mal Tourgitarrist von Pink Floyd