Ganz ohne geht doch nicht

Es war kürzlich eine freche Behauptung, es könne auch ohne Mandoline gehen. Jetzt liegt allerdings der filmische Beweis vor: Selbst Steve Martin und Edie Brickell können nicht ohne Mike Guggino und seine Mando. Die wird zwar sehr dezent eingesetzt bei When You Get To Asheville, aber sie ist da! Und damit wären die Steep Canyon Rangers auch komplett. Bitteschön, live im Bild.

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Radio heute: Herzen oder Rillen?

Die musikaffinen Hörer des Deutschlandradios unter Euch müssen sich heute Abend entscheiden: Der Deutschlandfunk sendet ab 20:10 Uhr in der Sendung Musikszene einen Beitrag von Raoul Mörchen mit dem Titel: Von der CD zur Cloud. Über das Verschwinden der Tonträger. Im Deutschlandradio Kultur läuft mehr oder weniger zeitgleich die Aufzeichnung eines Konzerts der englischen Toy Hearts aus dem Februar im Sudhaus, Tübingen. Also: rare Platten oder kurze Röcke? Viel Zeit zur Entscheidung bleibt nicht mehr. Infos zu den Toy Hearts gibt´s hier. Näheres über den Tonträger-Beitrag findet sich in der Programmvorschau des DLF.

Mal was zum Record Store Day

Heute ist Record Store Day, der Tag, der ausgerufen wurde, um die unabhängigen lokalen Schallplatten-Fachgeschäfte zu stärken und zu ehren. Dabei handelt es sich zunächst mal um ein sicher löbliches Unterfangen. So ganz aber mag man in dieses romantische Liedlein nicht einstimmen. Sicher, per se sollen sie alle genug Geld zum Leben verdienen, die kleinen Fachgeschäfte. Allerdings wollen wahrscheinlich die wenigsten von uns das alte Ladensystem zurückhaben. Wir erinnern uns: Wollte man mal was Besonderes erwerben, fand man das im kleinen Geschäft in der Regel nicht. Und konnte es bestellt werden, dauerte es mindestens zwei Wochen, bevor die Ware kam. Die dann oft noch sehr teuer war. Bei den heutigen Bestellmöglichkeiten lassen sich selbst die exotischsten Exoten von zu Hause aus anfordern – zu akzeptablen bis günstigen Preisen. Paradiesische Zustände für Liebhaber, die sich abseits des Mainstreams aufhalten. Und die nicht in einer Großstadt leben und vielleicht das Glück haben, den Spezialisten ein paar Straßen weiter zu wissen. Also unterstützt den Record Store Day und die aufrechten letzten Einzelkämpfer. Aber verteufelt nicht die Handelssysteme und die Logistik des Webs.

Steve Martin, Edie Brickell

Am 23. April veröffentlicht Rounder Records das Album Love Has Come For You, eine Kollaboration zwischen Steve Martin und Edie Brickell. Dass der Banjospieler auch als Komiker auftritt, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die Zusammenarbeit mit der Songschreiberin Edie Brickell aber bedeutet Neuland für beide. Ende der Achtziger hatte sie einen Hit mit What I Am. Danach war zumindest hierzulande wenig von ihr die Rede. Allenfalls ihre Heirat mit Paul Simon sorgte für ein paar Zeilen. Jetzt geht es aber wieder um Musik. Und obwohl das Duo Martin/Brickell auf der CD nicht nur Banjo und Stimme präsentiert, sondern auch Leute wie die Steep Canyon Rangers sowie Sara und Sean Watkins eine Rolle spielen, handelt es sich um ein echtes Zweier-Projekt. Steve hat die Musik erfunden, Edie die Texte dazu geschrieben. Was erstmal übers Internet lief, da beide an den gegenüberliegenden Küsten wohnen. Dann hat aber Produzent Peter Asher alles in Form gebracht.

Das Ergebnis klingt nicht nach einer Bluegrass-Platte, sondern bewegt sich eher zwischen Old Time und Pop. Martin spielt viel Open-Back-Banjo, sehr melodiös, sehr dezent. Er hat die Melodien für Brickell vorgegeben, sie hat drüber gesungen und die Texte geschrieben. Das klingt alles sehr schlicht und ursprünglich, was es in Wirklichkeit natürlich nicht ist. Aber die Tonalität führt auf diese Fährte. Und es verbietet sich jeder Vergleich mit dem Duo Alison Krauss/Robert Plant, bei dem ja T-Bone Burnett an den Reglern saß. Steve Martin hat einfach Sinn für schöne Linien, was bereits auf seinen vorigen Alben zu hören war. Und Edie Brickells Stimme passt perfekt dazu. Das klingt so angenehm verführerisch, dass man vergisst, dass Mandolinen hier keine Rolle spielen. Es geht offenbar auch ohne.

Neue KM und Schwarzes Eis

Manchmal kommt es eben auf die Details an. Zum Beispiel bei der neuen Mandoline der Marke Kentucky, die die Modellbezeichnung KM-1050 trägt: Auf den ersten Blick scheint sie sich kaum von der KM-1000 zu unterscheiden. Doch bei näherem Hinsehen offenbart das Instrument einige markante Unterschiede. So liegen die Saitenpaare etwas weiter auseinander als bei der 1000er, das Griffbrett zeigt sich leicht gewölbt und der so lästige Wurmfortsatz am Griffbrett-Ende wirkt zwar wie vorhanden, wurde aber abgeflacht, sodass er beim Spielen im Sweet Spot nicht stört. Und der Klang? Entspricht dem der KM-1000, wie auch der Preis. Also wenn ich die Wahl hätte: Ich nähm die 1050. Wer´s selbst ausprobieren will: Ein Exemplar des neuen Modells aus der großen Produktpalette von Kentucky befindet sich auf dem Stand von Saga Musical Instruments auf der Frankfurter Musikmesse. Die läuft ja noch bis einschließlich Samstag und hat jetzt auch erstmals den Freitagnachmittag fürs gemeine Volk geöffnet. Mandolinenmäßig gibt´s übrigens ebenfalls drei leibhaftige Weber-Mandos zu betatschen – am Stand von Two Old Hippies/Breedlove.

BLACK_ICE_MANDO_BIst das die Marke des kommenden Sommers – Black Ice? So nennt Weber jedenfalls dieses Modell, das die Reise mit zur Musikmesse auf sich nehmen musste. Sieht in echt voll scharf aus!

Plektren selbst lochen

Wir stehen kurz vor Eröffnung der Frankfurter Musikmesse an diesem Mittwoch. Auch die Zubehörspezialisten werden wieder am Start sein, darunter auch die Plektrumgeheimniskrämer. Dass die Firma Slam Design antritt, ist dagegen zu bezweifeln. Obwohl die Engländer mit dem Pickmaster ein fantastisches Gerät vertreiben – einen Plektrum-Locher! Einfach die noch gültige EC-Karte in den Locher legen, zudrücken: Fertig ist ein invididuelles und wertvolles Pick! Auf diese Weise lässt sich alles Mögliche zu Plecs verarbeiten, der Fantasie mögen keine Grenzen gesetzt sein. Der Pickmaster kostet so um die 20 Euro. Da kann sich jeder selbst ausrechnen, was er durchs Selberlochen sparen kann. Von der aufkommenden Experimentierfreude ganz zu schweigen! Mögliche großartige Geschäftsmodelle tun sich auf! Wer jetzt loslegt, darf vielleicht im nächsten Jahr mit seinem eigenen Plektrenstand zur Musikmesse!

Vielleicht können nur Engländer auf die Idee kommen, so etwas zu vertreiben. Auch die übrigen Artikel aus ihrem Sortiment lassen sich vorzeigen, etwa der Bleistiftspitzer, der in den Hintern einer Plastikkatze eingelassen ist. Damit nicht genug: Die Katze miaut sogar, wenn man hinten was reinsteckt. Oder der Goldfisch-Badewannenstöpsel, mit einem ewig tauchenden Beschuppten, ganz zu schweigen vom Benedictaphone, einem Diktiergerät in Gestalt des pensionierten Papstes Benedikt – wahrscheinlich jetzt zum Ausverkaufspreis erhältlich. Das Leben wäre ärmer ohne Engländer.

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Immer feste druff – fertig ist das eigene Plec!

Bluegrass für Einsteiger

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Putumayo presents: Bluegrass (Exil 968042)

Es soll nicht wenige Menschen geben, denen erstens das Wort Bluegrass fremd ist und die zweitens auch nichts über den gleichnamigen Musikstil wissen. Das ist nicht schlimm. Denn jenen kann geholfen werden – beispielsweise mit diesem Sampler des Weltmusiklabels Putumayo. Die Spezialisten in Sachen Kompilationen präsentieren hier eine Sammlung, in der die jüngeren Generationen des Genres den Ton angeben. Dazu gehören Künstler wie Alison Krauss, Crooked Still, Railroad Earth und Andrea Zonn. Dann finden Innovatoren des Bluegrass ihren Platz, also Acts wie David Grisman, Sam Bush und The Seldom Scene. Mit von der Partie sind außerdem Leute, die man nicht sofort auf dem Zettel hat, etwa Uncle Earl, Town Mountain und James Alan Shelton.

Insgesamt gibt die Sammlung ein frisches Bild des Bluegrass ab, wenn auch kein historisch korrektes. Dafür hätten natürlich die Urväter mit auf den Sampler gehört, Bill Monroe selbstredend, die Stanley Brothers, Flatt & Scruggs. Andererseits: Wer die Hörerschaft erstmal mit Bluegrass vertraut machen möchte, sie sanft hinführen, der tut gut daran, die alten Heroen zunächst außen vor zu lassen. Deren Intonation und Spielweisen mögen als Einstieg zu befremdlich wirken. Wer aber erstmal auf den Geschmack gekommen ist, hält möglicherweise von sich aus Ausschau nach den Wurzeln und Traditionen der Musik. Und damit hätte der Putumayo-Sampler auch diesen Zweck erfüllt. So liefert er zunächst einen verdaulichen Zugang ins Genre. Und auch eingeschworene Bluegrasser dürften sich über eine Zusammenstellung freuen, der man ohne Weiteres von vorn bis hinten lauschen kann.