Guten Morgen, Covered Grass

Das Jahr wird immer verrückter für die rheinische Bluegrass-Band Covered Grass – jede Menge große Festivals gespielt, an diesem Wochenende folgt noch das Bluegrass-Festival im nordirischen Omagh, Ende September zur IBMA nach Nashville, und dann das: Die Band schreibt ein Stück namens Goodnight John-Boy – eine Reminiszenz an die TV-Serie Die Waltons -, das Lied verbreitet sich (vor allem per Internet), und irgendwie kommt es dazu, dass Covered Grass plötzlich eingeladen werden, auf der Jubiläumsfeier zu 40 Jahren Waltons in Los Angeles zu spielen! Da die Band in diesem Zeitraum sowieso gerade in Nashville weilt, bietet es sich förmlich an, der Einladung zu folgen. Der Haken dabei: Die Flüge von Nashville nach L. A. werden nicht bezahlt. Um den Ausflug trotzdem zu realisieren, hat die Band eine Sponsoring-Aktion initiiert. Alles Weitere dazu findet Ihr hier. Und weil es ja irgendwie dazu gehört, folgt hier noch das Video zum Song, der das alles schuld ist. Obwohl ich wahrlich kein Walton-Freund war und mir diese Hackfressen immer auf den Geist gingen. Aber es kam halt nichts Anderes. Und geglotzt werden musste. Was hat man sich bloß alles angetan!

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Bühlgrass: von zwei auf eins

Im Norden haben wir immer gedacht: Die Gemeinden im Süden, die sind irgendwie reicher als unsere. Offenbar aber fehlt auch dort das Geld, das – so der Eindruck – weltweit in Milliardenstapeln hin- und hergeschoben wird. In Bühl ist aber keine Milliardenüberweisung gelandet, und das wird jetzt einem der renommiertesten europäischen Bluegrass-Ereignisse zum Nachteil, dem Internationalen Bühler Bluegrass Festival. Es wird 2013 nicht mehr an zwei Tagen, sondern nur noch am Samstag, 4. Mai, stattfinden. Das dürfte in Bluegrass-Kreisen zu langen Gesichtern führen, und Festival-Mastermind Walter Fuchs war alles andere als amüsiert über diese Entscheidung der Stadt, die das Ereignis zuletzt mit einer Summe von 22.000 Euro bezuschusst hat. Dabei hätte womöglich ein Teil des Defizits durch höhere Eintrittspreise aufgefangen werden können. Ein Zurück scheint es aber nicht zu geben, die Würfel sind gefallen – das Festival kehrt gezwungenermaßen zu seinem ursprünglichen Format des eintägigen Konzertmarathons zurück.

Nun wird Schrumpfen hierzulande oft per se als negativ empfunden, wo doch immer noch viele dem Wachstum huldigen. In diesem Falle hat Walter Fuchs jedenfalls vor, am verbliebenen Festivaltag geballte Qualität zu bieten, von 14 Uhr bis Mitternacht: mit vier US-Bands aus der oberen Liga. Eine steht bereits fest – Monroe Crossing werden nach Bühl kommen. Auch die weiteren Namen sind bekannt, die Verträge allerdings noch nicht unterzeichnet. Wenn das endgültige Line-up steht, werden wir´s weitergeben.

Walter Fuchs hofft nun, dass durch die Reduzierung das Festival keinen allzu großen Image-Verlust erleidet: Der Vertrauensvorschuss in dieses Festival war von Seiten des Publikums riesengroß. Ein großer Teil unserer Besucher hatte ja am Ende des Festivals ihr Hotelzimmer oder ihre Ferienwohnung schon wieder für das kommende Jahr reserviert. Qualitativ soll es keinen Einbruch geben, denn dies könnte ich nicht mittragen, schreibt er. Die Gefahr, dass der Initiator des Festivals die Segel streicht, scheint noch nicht ganz gebannt – je nachdem, wie die Reaktionen auf die Streichung des zweiten Tages ausfallen, könnte er doch noch den Hut nehmen wollen. Was uns allen nicht gefallen dürfte. Der Freitag weg, dafür knallt’s am Samstag, fasst Walter Fuchs die Lage zusammen. Ein kleineres, aber immer noch feines Bluegrass-Festival in Bühl ist jedenfalls tausendmal besser als gar keins. Und Bühl blieben nur die Pflaumen.

Kinder und Bluegrass

Wir wollen unseren belgischen Nachbarn keinesfalls etwas Böses nachsagen. Aber der Fall Marc Dutroux liegt doch noch nicht so lange zurück, dass wir ihn vergessen hätten. Und jetzt das! Uns ist Bildmaterial zugespielt worden, in dem unschuldigen belgischen Kindern Bluegrassinstrumente in die Hand gedrückt worden sind. Zudem scheinen sie noch unter Drogen gesetzt worden zu sein. Wie anders ließe sich das erklären, was diese erschreckenden Aufnahmen uns vor Augen führen? Die Urheber sollen aber bereits bekannt sein. Aus gut unterrichteten Kreiseln verlautet, die Band Rawhide stecke dahinter. Moment, es klingelt gerade: Ach, guten Tag, Herr Staatsanwalt! Wie, ich soll verbotene Filme angeschaut haben? Wann? Gerade? Aber da muss es sich um ein Missverständnis handel ………………

Alles schwarz

Egal ist 88, lautet eine Redewendung. Den Bluegrassfreunden wird es aber gar nicht egal gewesen sein, als Banjo-Legende Earl Scruggs am 28. März im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Nachrufe waren sogar in Deutschland zu lesen, in großen wie in kleinen Zeitungen. Und in der Online-Ausgabe der österreichischen Zeitung Der Standard sehe ich mit Freuden, dass auf Youtube jetzt der anderthalbstündige Dokumentarfilm über Earl Scruggs namens His Family And Friends zu sehen ist, in voller Länge. Die Doku stammt von 1972 und zeigt den Musiker in einer Umbruchphase. Doch was den Österreichern offen steht, bleibt uns Deutschen verschlossen: Denn nach dem Klick auf den Play-Button erscheint mal wieder das nur zu bekannte Sprüchlein, von wegen Gema, und dass der Film Material von Sony Music Entertainment enthält. Essig also. Bleibt erstmal nur die Erläuterungen zum Film zu lesen und ihn sich anderweitig zugänglich zu machen. Wäre schön, wenn sich mal bald Youtube und die Gema umfassend einigen könnten.

Musik in Strömen

Aus Schweden kommen nicht nur die Downtown Ramblers oder die G2 Bluegrass Band, sondern von dort stammt auch der Musikstreaming-Dienst Spotify. Ab morgen, so meldet Spiegel Online, soll der Dienst auch in Deutschland verfügbar sein. Rund 16 Millionen Musiktitel werden demnach kostenfrei und unbegrenzt zum Hören angeboten, jedenfalls das erste halbe Jahr. Danach wird das Angebot wahrscheinlich auf zehn freie Stunden pro Monat begrenzt. Das alles geschieht werbefinanziert. Wer ungestört lauschen will, muss pro Monat 4,99 zahlen; mobile Nutzer zahlen 9,99 je Monat. Das liegt auf dem Niveau des deutschen Streaming-Anbieters simfy. Der ist allerdings derzeit nur fünf Stunden im Monat kostenfrei nutzbar und auch das nur mit starken Nerven: Nach nahezu jedem Song folgt Werbung.

Was natürlich logisch ist: Solche Dienste sind ja nur bedingt Teil der Umsonst-Kultur des Internets, möchten letztlich Geld mit ihrer Dienstleistung verdienen. Kostet wahrscheinlich auch ne Menge Kohle, so etwas anzubieten – allein die Gema-Gebühren! Für Mandolinen- und Bluegrass-Fans dürfte eine Menge zu hören sein angesichts des riesigen Repertoires beider Anbieter. So lässt sich sogar die jüngste CD der deutschen Bluegrass-Band Covered Grass über simfy genießen. Die Entscheidung, von wem man sich mit Musik beströmen lassen möchte, mag jeder individuell entscheiden: simfy kommt aus Köln (Standort Deutschland), spotify bietet das angeblich umfangreichere Begleitprogramm zum Strom – etwa eine Menge ausgewählter Playlists. Warten wir´s ab.

ist auf dem Sprung nach Deutschland.

Die spontanen Vier

Wo man fröhlich mandoliniert, da lass Dich ruhig nieder – sagten sich offenbar auch einige Mandolinenspieler bei der diesjährigen IBMA-Tradeshow in Nashville am Stand von Northfield Instruments. Da wollten die Herren Adam Steffey und Martino Coppo offenbar in aller Ruhe die neuesten Modelle des Herstellers ausprobieren, und schon waren sie umringt von weiteren Fetischisten der süßen Achtsaiter: Sterling Abernathy und Emory Lester gesellten sich zu der fröhlichen Runde in dem Hotelzimmer. Und Peter Bagale von Northfield, gar nicht dumm, schaltete sogleich sein Aufnahmegerät ein und schnitt die Session mit. Jetzt dürfen wir alle Ohrenzeugen werden, denn die Firma bietet fünf Songs zum freien Herunterladen an – hier geht es lang. Dient natürlich vor allem dem Wohl von Northfield, aber bitte: Wenn man gute Instrumente baut, darf man damit auch angeben.


Die Herren Steffey, Coppo, Lester, Abernathy (v. l.)

Wahre Gentlemen

Ein Weilchen ist es schon noch hin bis zum diesjährigen Bluegrass Jamboree von Anfang bis Mitte Dezember. Vorstellen sei aber jetzt schon erlaubt. Jedenfalls, was die Deadly Gentlemen angeht. Sie haben einen Imagefilm ins Netz gestellt, der zeigt, was sie bewegt, wo ihre Wurzeln sind und was sie so von ihren Bandkollegen halten. Da wird dann auch Mandolinenspieler Dominick Leslie gefeatured (Dominick Leslie is my name/playing mandolin is my game). Wir aber warten natürlich auf ihr leibhaftiges Erscheinen in jetzt nicht einmal mehr zwei Monaten. Das Jamboree startet am 1. Dezember in Offenburg und endet am 18.12. in Kaarst. Promoter Rainer Zellner liefert mit einem Preview-Video einen Vorgeschmack aufs gesamte Programm – das hier mit Sicherheit noch mehrmals Thema sein wird.