Mandolinenspieler mit Vergangenheit

Nun ist der Sommer zwar gerade nicht mehr so intensiv, aber egal: Wir schreiben heute Freitag, Wochenende, hinaus ins Freie! Dazu begleitet uns Mandolinenfreund Guntmar Feuerstein. Denn der hat eine Vergangenheit. Nein, jetzt gerade nicht die mit L.Bow Grease. Nein, die mit den Strandjungs ist gemeint! Die waren Mitte der 1980er-Jahre groß, sogar Nummer 1 in der ZDF-Hitparade, und Guntmar stand im Mittelpunkt. Heute macht der Bochumer ganz andere Musik und holt Bluegrasskünstler ins Ruhrgebiet, beispielsweise weiland Special Consensus. Und irgendwie sieht er heute auch ganz anders aus als damals – doch wer von uns tut das nicht nach bald 30 Jahren Differenz? Aber die rote Halbakustische, die benutzt er offenbar immer noch.

Tonspuren lesen

Es ist zwar noch was hin bis zum 10. September, aber Gelegenheit, sich den Tag dick im Kalender anzukreuzen, besteht schon jetzt: Dann startet die zweite Staffel der Reihe Tonspur. Soundtrack meines Lebens auf 3Sat. Über das Prinzip stand hier schonmal was zu lesen: Ein Prominenter gibt eine Liste mit Songs ab, die sein musikalisches Leben geprägt haben. Ein dreiköpfiges Expertenteam versucht nur anhand der Songs herauszufinden, um wen es sich da handeln könnte: Mann, Frau? Jung, alt? Künstler oder Geschäftsmann? Ein spannendes Konzept, gleich welche Musik zu hören ist. Im Gegenschnitt zu den drei Rätslern im Studio kommt der Promi zu Wort und erzählt über seine Lieder. Da schaut man gern zu, selbst wenn ausnahmsweise mal kein Mandolinenlied dabeisein sollte. Zehn Folgen stehen ab dem 10.9. jeweils samstags auf dem Programm von 3Sat – Informationen gibt´s hier.

Die nächste Generation

Sieh an, sieh an, der junge Kirkpatrick! Den Vater John kennen wir ja seit Jahrzehnten, von Steeleye Span und der Albion Band, oder als musikalischen Partner von Richard Thompson. Aber den Junior Benji?  Er hat allerdings trotz junger Jahre schon viele Spuren hinterlassen, unter anderem in der Band von Seth Lakeman. 2008 erschien sein erstes Album auf Navigator Records – zugegeben nicht mehr ganz taufrisch, was das Datum angeht. Aber die Musik klingt jung und energievoll wie am ersten Tag. Da sind jede Menge Vierchörige aus unserer geliebten Mandolinenfamilie mit am Werk, gern auch die großen Brummer mit den langen Hälsen. Jedenfalls macht das Debüt Lust auf mehr von Benji Kirkpatrick – vielleicht ja 2011? In der Zwischenzeit können wir uns ja mit Bellowhead vergnügen, einer Big Band der etwas anderen Art – aber das wäre nun wieder eine ganz andere Geschichte.


Seth unterstützt Benji – sonst ist es eher umgekehrt.

Auf der Tonspur

Bereits seit einigen Wochen läuft auf 3Sat die Sendung Tonspur. Der Soundtrack meines Lebens. Das Konzept: Ein mehr oder minder Prominenter schreibt eine Playlist von meist acht Songs, die in dessen Leben irgendeine Bedeutung hatten bzw. haben. Über diese Liste unterhält sich der- oder diejenige mit Moderatorin Nina Brunner, während abseits davon ein Experten-Trio sich die Lieder anhört und versucht herauszufinden, um wen es sich handeln könnte. Zu dem Rateteam gehört u. a. Tim Renner von Motor Music. Als Deko-Element läuft an beiden Schauplätzen immer eine Nagra mit – hübsches nostalgisches Element. Insgesamt ein amüsantes Spielchen, 30 Minuten lang, das zeigt, wie unterschiedlich Menschen Musik betrachten und erleben: manche speziell, manche mainstreamig. Wer´s noch nicht kennt: Die nächste Sendung läuft am kommenden Mittwoch um 22.25 Uhr. Und die bisherigen Folgen lassen sich aus dem Archiv abrufen. No Bluegrass content, but anyway …

Alan und das Archiv

Dass ich früher sehr auf Alan Bangs‘ BFBS-Sendung „Nightflight“ gestanden habe, steht an irgendeiner anderen Stelle in diesem Blog. Und da sehe ich doch beim Surfen, dass es die „Friends of Alan Bangs“ gibt – ein deutsches Weblog mit jeder Menge Stoff: Originalmitschnitte nicht nur der Nightflights, sondern auch anderer Sendungen des Engländers aus den vergangenen 30 Jahren wie den „ARD-Nachtrock“ und die „Alan Bangs Connection“. Die gepackten Audiodateien lassen sich herunterladen und entzippen, wenn man das Passwort „radiohoerer“ eingibt. Ja, und dann öffnet sich für manchen das Reich der Nostalgie, wenn er den Nightflight mit Guthrie Thomas wiederhören kann oder andere Ereignisse längst vergangener Samstagnächte. Aber nicht nur Nostalgie: Vieles hört man heute anders oder kann es jetzt erst entdecken, weil damals die Müdigkeit schon zu groß war. Beispielsweise in der herunterladbaren Sendung mit Musik aus den US-Südstaaten. Wer sich also auch zu den Freunden Alan Bangs‘ zählt, sollte mal reingucken. Ein reger Tauschplatz rund um die Radio-Legende.

Wunderwelt WLAN-Äther

Das war schon spannend früher, als Kind und in jugendlichem Alter: am Radio drehen, die Kurz-, Lang- und Mittelwellen erforschen. Auf UKW war ja nicht so viel los wie heute, jedenfalls mengenmäßig. Und über Kurzwelle kamen Sender ans Ohr, die sich verboten anfühlten – das deutsche Programm von Radio Moskau zum Beispiel oder die „Stimme der DDR“. Ich dachte, wenn ich nicht bald ausschalte, klopft ein Polizist an die Tür!

Heute gibt es ein anderes Radio-Abenteuer, aber nicht nur um des spannenden Erlebnisses willen, sondern wegen der Inhalte: Web-Radio. Nun bin ich nicht jemand, der gern vorm Computer sitzt und durch quäkige Lautsprecher geduldig Programme anhört. Deshalb habe ich vom Weihnachtsgeld ein Webradiogerät gekauft. Das zieht sich über WLAN Hunderte von Stationen rein, geordnet nach Genres oder Ländern. Die Masse lässt sich natürlich nicht bewältigen. Aber manches wird sich so nach und nach als lohnenswert herauskristallisieren. Etwa die Nachrichten von den französischen Antillen – kleiner Scherz. Zu den Favoriten gehört wahrscheinlich nicht so etwas wie „Bluegrass Radio“, weil ich da meistens nach 20 Minuten schon genug habe. Meine Favoriten bisher sind nicht sehr originell, aber gut anzuhören: „Folk Alley“ (werbefrei), wo sich Bluegrass, Folk und Singer/Songwriter die Hand reichen; „ByteFM“ für die alternativen rockigen Töne; „Radioio Newgrass“ für das, was der Name schon sagt. Und alles in guter Klangqualität, auf Wunsch über den Hifi-Verstärker, vom Sofa aus zu hören. Schon viel Gutem begegnet und mir Notizen zu Künstlern gemacht – so viele CDs kann man gar nicht kaufen. Nur die „Stimme der DDR“ habe ich noch nicht gefunden. Warum nur, warum.

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Lynchen per EWOB und WWUH

Radio, ach Radio! Es erlebt eine kleine Renaissance durch ein Gerät, das gar kein Radio ist. Mein Laptop sieht nicht aus wie eins, hat null Charme im Vergleich mit einem Radiogerät und auch keinen vergleichbaren Klang. Und doch: Er zaubert mir Wellen ans Ohr, die uns sonst niemals erreichen könnten. Diejenigen US-amerikanischer College-Radios beispielsweise. Oder der Station WWUH 91.3 FM an der Hartford-Universität in Connecticut. Dort präsentiert Mandolinenspieler Kevin Lynch jeden Samstag von 9 bis 13 Uhr Ortszeit vier Stunden Bluegrass. Und wir können das auch hören: von 15 bis 19 Uhr unserer Zeit, natürlich übers Web-Radio. „U-H Radio Bluegrass“ heißt die Sendung und trägt den Untertitel: „Best in Blue Grass Music since 1970“. Reingehört hab ich noch nicht, aber das wird kommen.

Doch was macht Kevin Lynch am Samstag, 3. Mai? Dann kann er unmöglich live seine Sendung moderieren. Denn er ist auf dem EWOB-Festival in Voorthuizen und hostet den Mando-Workshop für Fortgeschrittene. „The term ‘advanced’ means we will be focusing on the more difficult and perhaps even unusual methods pertaining to bluegrass mandolin playing„, heißt es erläuternd im Programm. Aber ob ich mich dorthin trauen soll, weiß ich dadurch immer noch nicht. Der Lehrplan verspricht jedenfalls Interessantes, u. a. Fills, einfühlsames Begleitspiel, effektiver Tremolo-Einsatz und einen Ausflug in die höheren Lagen des Griffbretts.

Glücklicherweise gibt es ja zwei Mando-Workshops auf dem Festival. Der erste steigt einen Tag vorher, ebenfalls um 12 Uhr mittags, gedacht für Anfänger und bessere Anfänger. Da kann man dann erstmal gucken, ob einen schon das überfordert. Aber wie immer dieser Test für mich ausfällt: Als Mäuschen wäre ich am Samstag trotzdem gern dabei. Ich werde einfach meine heute eingetrudelte neue Ukulele mitnehmen und mich hinter ihr verstecken. Von dort aus kann ich dann alles unentdeckt verfolgen. Ein guter Plan, ein sehr guter Plan!

Aloha von Mando zu Uke

Aloha, Freunde der Ukulele! Heute geht es in unserem Uke-Blog um … Moment, äh, falscher Anfang! Kaum bin ich gestern leicht in die Welt der Uke eingetaucht, schon liege ich gedanklich neben dem Kernthema dieses Blogs! Es sind halt die Zwergengitarren aller Art, die unser Herz erwärmen und -weichen. Und mein Besuch gestern beim Ukulelen-Kenner und DLF-Musikredakteur Dr. Carlo May hat eben Spuren hinterlassen. Natürlich auch deshalb, weil mir der nette Kerl ein Instrument zum heimischen Ausprobieren mitgegeben hat. Eine fröhliche Angelegenheit, diese „hüpfenden Flöhe“. Aber eine Umgewöhnung ist es schon, nicht von der Mensur, aber vom Spielen her. Doch keine Angst, der Mando gilt meine unverbrüchliche Treue! Aber man wird ja mal nach links gucken dürfen.

Und wenn man bei den Ukes mal ganz weit nach links guckt, findet man unglaubliche Vollplastik-Instrumente! Die auch noch erstaunlich gut klingen! Konnte gestern eine Maccaferri-Islander-Uke probieren – nicht zu fassen. Fand den Klang schöner als den einer alten Gibson, die natürlich aus Holz war. Bin ich jetzt pervers, Herr Doktor? Was mich darauf bringt, nicht mehr so abfällig auf die Karbonfiber-Mando zu gucken, die vor längerer Zeit hier Thema war. Aber auch wenn sie noch so gut klingen sollten, eins haben sie eben nicht: diesen wunderbaren Augenschmaus einer lebendigen Holzmaserung. Nein, nein, nein.

Blues vor dem Krieg und der ganze Rest

Noch schnell ein Hinweis auf eine Website, auf der es vor Bienen nur so wimmelt und Ramblin´ Jack Elliott passenderweise den kleinen Song „Honey, where you been so long?“ singt: Pre-War Blues. So weit ich das in der gerade zur Verfügung stehenden Kürze überblicken konnte, steckt die Seite voller mp3s aus den unterschiedlichsten Genres. Freunde, da braucht Ihr aber tüchtig Zeit, um das zu durchforsten! Deswegen landet das Blog auch auf Dauer in der Blogroll, weil anscheinend immer neue Dateien dazukommen. Ich sehe Euch schon Stunde um Stunde vorm Rechner sitzen …

Ebenfalls neu in der Blogroll ist übrigens „Take Country Back„, ein Weblog, die sich der Roots-Musik verpflichtet fühlt, dem schnöden Kommerz wohl eher weniger. Da gibt es außer der Bluegrass-Kategorie noch jede Menge andere Inhalte zu entdecken.

Fein ziseliert, fein formuliert

Man liest ja manchmal merkwürdige Dinge. Da testet Michael Vrzal CD-Player, Vollverstärker und Lautsprecher der englischen Manufaktur „rega“ und schreibt über die Exemplare im Januar/Februar-Heft 2007 von „image hifi„: „Objektiv haben sie keine Chance gegen die Vergleichsgeräte. Subjektiv aber gelingt ihnen wieder einmal dieser mir immer noch unbegreifliche transzendierende Schritt, dass elektronische Gerätschaften als Interpreten wahrgenommen und mit demselben Vokabular bewertet werden, das gemeinhin künstlerischen Darbietungen vorbehalten ist.“

Da schrickt der Musiker erstmal auf: Maschinen als Interpreten? Aber beim Durchdenken ist das gar nicht mal abwegig: Wahrscheinlich haben die meisten von uns schon Aufnahmen auf unterschiedlichen Anlagen gehört und festgestellt, dass sie immer anders klingen. So wie eine Stromgitarre immer anders klingt, je nachdem, in welchen Verstärker sie eingestöpselt ist. Und Mandos, je nachdem, durch welche Mikros sie gespielt werden. Ok, das Wort „Interpreten“ mag ein wenig zu menschelnd sein, aber letztlich klingt Musik nie ausschließlich auf eine einzige Weise. Konzerthallen wären danach übrigens auch Interpreten.

Vrzal fährt fort: „Was bei den Regas auffällt, ist ihr offensichtliches Wissen um die Kohärenz von Melodien.“ Wobei ich Kohärenz hier mal mit „inneren Zusammenhang“ übersetze. Das ist schon weit gedichtet. Aber so formulieren nicht nur Hifi-Freaks, die davon begeistert sind, wie Geräte es schaffen, Musik lebendig wiederzugeben. So sind auch Musiker, zumindest, wenn sie in irgendeiner Form mit technischen Hilfsmitteln umgehen. Ob der handverlötete Marshall-Amp oder die P-90-Pickups mit dem ganz besonderen Schmatz oder das unglaubliche Neumann-Mikrofon: ein bisserl Technik-Begeisterung darf´s schon sein. Wir sind ja schließlich Männer!

Sehnsucht nach Richard

Wer sich am kommenden Sonntagabend nicht zwischen Tatort, Traumschiff und Spielfilm entscheiden kann, hätte die Möglichkeit, im Radio was möglicherweise Interessantes zu hören: WDR 5 bringt dann ab 20.05 Uhr in der Reihe „Streng öffentlich“ eine Sendung mit dem Titel: „Dies ist unser Land! Neue Protestsongs aus den Vereinigten Staaten“. Die Bandbreite soll von Bruce Springsteen über Mary Chapin Carpenter bis Steve Earle reichen. Autor ist der Kabarettist und Musiker Thomas C. Breuer, der Anfang dieses Jahres fünf Wochen in den USA unterwegs war. Dabei begegnete ihm auch der Autoaufkleber mit dem Spruch: „Ich hätte nie gedacht, dass ich Nixon vermisse!“ So weit ist es also schon gekommen. Wann wird auf unseren Karren der Slogan kleben: „Gebt uns Kohl zurück!“ Oder ist es etwa schon soweit? (Dank an Helmuth Schumacher für den Radio-Tipp.)

Gabba Gabba Chop Chop

Angesichts der Wildheit – oder besser: parodistischen Wildheit? – von Hayseed Dixie und meiner alten Liebe zu Punk und New Wave suche ich immer weiter nach Querverbindungen zum Bluegrass. Gerade fällt mir aber nichts Vergleichbares ein. Auch „Newgrass“ kann ja nicht als Punkbewegung innerhalb des Bluegrass durchgehen, obwohl die Richtung stimmt. Aber auch bei den modernen Formen des Bluegrass bleibt es meistens dabei: Solistische Fähigkeiten sind gefragt, Dilettantismus nicht. Und Solos waren im Punk ja verpönt, da ging es vor allem um pure Energie und Haltung. Das fällt mit elektronischen Instrumenten zunächst auch leichter, weil das immer irgendwie nach was klingt, auch wenn man nicht besonders gut spielt. Vielleicht lehne ich mich hier auch ein bisschen weit aus dem Fenster, weil ich ja kein erfahrener langjähriger Bluegrass-Hase bin. Gern lasse ich mich eines Besseren belehren.

Manchmal aber gibt es erstaunliche Querverbindungen. Einer der Urväter des US-Punk und seit Ewigkeiten als Gitarrist mit Patti Smith unterwegs ist Lenny Kaye. Und eben dieser Kerl hat gemeinsam mit Country-Outlaw Waylon Jennings dessen Autobiografie erarbeitet. Das ist natürlich schon wieder Jahre her und Jennings seit 2002 tot, mir war´s bis dato aber unbekannt. Genauso wie die Tatsache, dass Richard Hell, ebenfalls Ur-Punk und gemeinsam mit Tom Verlaine Gründer von „Television“, aus Lexington in Kentucky stammt. Wenn sich da nicht irgendwie ein Verwandter mit Bluegrass-Vergangenheit recherchieren lässt, will ich Patty Loveless heißen …

Köpfe schütteln, Jeans abschneiden

Hier der Beitrag von Rainer Zellner zum Auftritt von „Hayseed Dixie“ in Rudolstadt:

„Hayseed Dixie in Rudolstadt waren viel besser als erwartet.
Backstage absolut umgänglich, auf der Bühne extrem präsent und witzig, vor
allem John Wheeler ein hervorrragend Master of Ceremony (MC). Am Sound
konnte man als kunstsicherer Purist nörgeln, aber: Vor etlichen Tausend
Besuchern nur mit Bluegrass-Instrumenten (wenn auch durch Tonabnehmer
verstärkt) einen richtig massiven Sound hinzubekommen zeugt von Know how,
Wohnzimmer ist anders, das ist klar. Die Crooked Jades als Eröffnung des
Abends hatten da mehr Schwierigkeiten (weil nur Mikros). Mittendrin dann
noch die grandiose Valerie Smith, deren Sound von der Lautstärke her genau
in der Mitte lag, mit einer Show, die Hayseed Dixie, wenn auch auf andre
Weise, stimmungsmäßig ebenbürtig war. Und das nur mit Bluegrass!
Zurück zu Hayseed Dixie – die beiden Reno-Brothers absolut beeindruckend an
Banjo und Mandoline! Ein echter Genuss.

Faszinierend das wilde Rock-Star-mäßige Rumgerenne auf der Bühne, Köpfe
schütteln, Metal-Posen, alles irgendwie übertrieben dennoch. Ich glaube eh,
ihr Konzept ist schlicht satirische Überhöhung der „not to dos“ beider
Stilrichtungen – Metal und Bluegrass. Beides Richtungen mit Hardcore-Fans
und interner Stil-Polizei. Hayseed Dixie packte alle alten Schinken aus,
die man seit 30 Jahren eigentlich nicht mehr erlaubt: Duelling Banjos mit
gegenseitigem Greifen der Instrumente oder „Will the Circle be Unbroken“ als
Mitsingnummer. Und dazu die grausame Verirrung mit den abgeschnittenen Jeans
als Bühnenoutfit, aber klar, konsequent satirisch die Hillbillies durch den
Kakao gezogen. In den USA ist man davon wenig begeistert, Bluegrass ist
mittlerweile woanders in der Entwicklung, dort gilt Hayseed Dixie als
Klamauk. Aber die unvorbereiteten, in allen Balkanrhythmen erfahrenen
deutschen Folk-Jünger (und Jüngerinnen!) tanzten an der Bühne – vor den
wilden Redneck Cowboys! The Times, They are a Changin´…“