Hacken zu Leistungsstücken

Sehr sehr schön, was da bei Amazon Deutschland steht, und zwar in den Produktinformationen zu Sam Bushs DVD All about rhythm mandolin!: Das Rhythmusspielen Sams Bushs ist ohne Gleichen in der Welt der Mandoline – Teil Bluegrass, Teilreggae, Teilrock ’n‘ roll. Hier zeigt er alle Aspekte seiner Art: hacken, klimpernd und betonen und Dämpfung und unterteilen Schläge und mehr. Er führt seine Begleitungen für zwei seiner populärsten Leistungsstücke, des Mädchens aus dem Nordland und der Sailin‘-Schuhe einzeln auf.

In diesem Sinne verabschiede ich mich nun ins Studium der Mandoline, um anhand eines Leistungsstücks mein Hacken zu verbessern. Danke fürs Verständnis.

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Im Urwald Mando lernen

Im südlichen Friesland, wo die gute Butter noch auf Bäumen wächst und Rinder von Pferden unterscheidbar sind, dort gedeiht auch ein Instrument der norddeutschen Steppe aufs Trefflichste: die Mandoline. Zwar traut man sich dort noch nicht, ein Festival nach ihr zu benennen. Doch in Wahrheit sind die regelmäßig wiederkehrenden Neuenburger Gitarrentage ein Hochamt für die Mando. Der beste Beweis: Wenn in diesem Jahr zwischen dem 16. und 20. Oktober die Gemeinde Zetel im Fokus der musizierenden Öffentlichkeit steht, werden zwei Giganten der Mandoline für Konzerte und Workshops bereitstehen: Caterina Lichtenberg und Mike Marshall. Und wer zusätzlich noch Geige spielt, findet mit Darol Anger einen ebenfalls hochkarätigen Lehrer im Line-up des Festes. Man hole sich ruhig einmal nähere Auskünfte! Nur ein Satz in der Einladung macht misstrauisch, nämlich der hier: Der Kurs findet im „Vereenshuus“ am Neuenburger Urwald statt. Urwald? In diesen Breitengraden? Ach wer weiß, vielleicht lernt man zusätzlich noch das Saitenflechten aus Lianen.


Dann fangt schonmal an – das klappt bis Oktober!

Es lehrt der Mandolinenherr

Auch in diesem Jahr treibt es den Mr. Jazz Mandolin um – auch wenn es nicht immer um Jazz geht. Dahinter steckt unser dänischer Mandolinenlehrer Jesper Rübner-Petersen, der 2013 zu mehreren Workshops einlädt. Den ersten der Reihe gibt´s am Wochenende 16./17. März in Karlsruhe-Durlach, im JfB BluesKeller. Das Hauptthema ist der traditionelle Blues Nordamerikas, gemischt mit bluesigen Liedern aus den Genres Bluegrass und Jazz/Swing. Im Kurs wird sowohl Melodie/Solospiel als auch Begleitung anhand von Standards verschiedener Schwierigkeitsstufen vermittelt, heißt es in der Einladung. Die Kursgebühren betragen 120 Euchens, Näheres steht hier.

Anfang April geht es dann gleich weiter in Virton, Belgien: Vom 1. bis zum 6.4. dreht sich von morgens bis abends alles um Bluegrass and New Acoustic Music. Und am Wochenende 20./21. April heißt es Grüß Gott in Grafrath zum Workshop Oldtime- und Bluegrass-Mandoline. Kostet 110 Eus. Im Spätsommer und Herbst folgen dann weitere Werkstätten in Solingen und Reinheim bei Darmstadt. Möglicherweise sind die Plätze für die ein oder andere Veranstaltung schon knapp oder gar ganz weg! Also besser schnell mal nachhorchen.

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Bluegrass auf Deutsch

Lehrbücher für Mandoline in Deutsch sind rar gesät. Wer sich ans englischsprachige Material heranwagt, dem öffnet sich eine ungleich größere Auswahl. Es soll aber nicht wenige geben, die sich lieber in der Landessprache was beibringen lassen. Da trifft es sich gut, dass seit einigen Wochen diese Schule vorliegt, geschrieben vom US-amerikanischen Mandolinenspieler Todd Collins, ins Deutsche übersetzt von Anke Maria Iorio. Nur für Anfänger. Mandoline eignet sich tatsächlich für jene, die noch nie eine Mandoline in der Hand gehalten haben und erstmal wissen möchten, wie das Instrument gestimmt ist, wie man es richtig hält und wie man mit dem Plektrum umgeht. Außerdem gibt´s ein paar Seiten zu Grundlagen der Musiktheorie, bevor es gängige Tonleitern hinauf und hinab geht.

So lernt man erstmal die Skalen in G, A und D, mitsamt Übungen zu Arpeggien. Zu jeder Tonart gehören Übungsstücke, Klassiker aus Bluegrass und Old Time wie Handsome Molly, Old Joe Clark und Soldier´s Joy. Hier verrät sich die US-amerikanische Herkunft des Buchs. Das wird den freuen, der sowieso in erster Linie Bluegrass spielen will – die wichtigen Chop-Akkorde werden ebenfalls behandelt. Wer eher Irisches oder Poppiges lernen möchte, ist bei diesem Buch an der falschen Adresse. Autodidakten, die mehr als Bluegrass kennenlernen wollen, werden sich also weiterhin auf die Mandolinenschule von Christian Veith konzentrieren – oder sich der englischen Herausforderung stellen.

mandoline

48 Seiten
Herausgeber: Bosworth Music
EAN: 9783865437501
BOE: BOE7654
Preis: 14,95 Euro
inkl. CD mit langsam und schnell gespielten Stücken

Vom Dänen lernen

Jesper Rübner-Petersen, in Süddeutschland lebender Däne, Mandolinenspieler und Autor des bei Mel Bay erschienenen Buchs The Mandolin Picker´s Guide To Bluegrass Improvisation, lädt in diesem Jahr wieder zum großen Schlauerwerden ein, und das erneut in der New Acoustic Gallery nach Solingen. Am 17. und 18. November geht es um verschiedene Stile auf der Mando, um Bluegrass, Swing, Old Time und Dawg Music in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Es können sogar vorab Wünsche geäußert werden, welche Stücke auf dem Lehrplan stehen sollen – Nachricht an Jesper genügt. Die Teilnehmerzahl des Kurses ist auf zwölf begrenzt, die Anmeldefrist läuft. Die Kosten betragen 150 Euro, schlafen und essen exklusive.

Dann gibt es schon etwas anzukündigen fürs nächste Jahr: Ein weiterer Workshop mit Jesper steigt am 16. und 17. März für die süddeutschen Mandolinenfreunde, und zwar in Karlsruhe. An den beiden Tagen im Durlacher JfB BluesKeller wird der Blues im Mittelpunkt stehen: genauer gesagt der traditionelle Blues Nordamerikas, gemischt mit bluesigen Liedern aus den Genres Bluegrass und Jazz/Swing. Auch hier bleibt die Zahl der Teilnehmenden auf zwölf beschränkt. Die Kosten liegen bei 120 Euro ohne Unterkunft und Verpflegung. Anmeldung bald hier. Und wo kam Initiator Hans Laible die Idee zu diesem Workshop: in der Toskana! Da hat er wohl schon beim Bildungsurlaub was von Jesper gelernt. Oder wurde etwa nur dem Rotwein gefrönt?


Von Dänen lernen heißt spielen lernen.

Bald sind auch wir Dummies

In Kürze soll auch unser Lieblingsinstrument Mitglied der großen Dummie-Familie werden: Das Buch Mandolin For Dummies findet sich jedenfalls in der Vorankündigung bei Amazon. Dort ist als Erscheinungstermin zwar der 17. August genannt, doch der ist ja bereits vorüber und das Buch dennoch nicht lieferbar. Amazon USA nennt mittlerweile den Termin 19. September. Also hat Autor Don Julin womöglich noch letzte Hand anlegen müssen (kürzen!) oder der Verlag lässt sich beim Editieren mehr Zeit. Naja, schlecht wird der Inhalt ja dadurch nicht. Die Erwartungen ans Buch sind recht hoch: Es soll sich nicht nur an komplette Anfänger, sondern auch an Fortgeschrittenere wenden. Vor allem soll es stilistisch breit aufgestellt sein, neben Bluegrass auch Celtic und Swing berücksichtigen. Im Mandolin Café wird schon diskutiert. Ob Mandolin For Dummies jemals ins Deutsche übertragen wird, stelle ich mal in Frage. Wenn´s so wäre, wär´s schön. Aber wir sind ja das Englische gewöhnt – zwangsläufig, bei diesem Instrument.

Mandolinenstunden bei Jesse

Freunde der Infamous Stringdusters müssen sich an ein neues Gesicht an der Mandoline gewöhnen: Der bisherige Mann am Hobel, Jesse Cobb, hat sich Anfang Oktober von der Band verabschiedet. Auf der Website der Dusters begründet er das vor allem mit dem ewigen Unterwegssein: In meinem Leben haben sich große Veränderungen ergeben, und ich habe gemerkt, dass Reisen und das Entferntsein von lieben Menschen seinen Tribut fordert – sowohl geistig als auch physisch. Der Band, die ihm so viel gegeben hat, wünscht Jesse Cobb eine großartige Zukunft. Er selbst sucht offenbar nach dem Mittelweg, um als Musiker überleben zu können, ohne ständig auf Tour zu sein. Zunächst bietet er Online-Lektionen für Mandolinenspieler an: via Facebook.  Ein Schulstündchen mit ihm als Lehrer wäre sicher nicht das Schlechteste. Bei den Stringdusters hat aushilfsweise für die Release-Tour des neuen Albums We´ll Do It Live ein 21-Jähriger die Lücke geschlossen, von dem hier gestern die Rede war – Dominick Leslie, der hoffentlich trotzdem im Dezember mit seiner eigentlichen Band, den Deadly Gentlemen, in Deutschland zu erleben sein wird. Ansonsten nehmen die ISD vielleicht noch Bewerbungen an – wer sich also berufen fühlt …


So sehen Mandolinenlehrer aus.

Lernen, wie der Alte klung

Immer, wenn es spät wird im Jahr, lädt die New Acoustic Gallery in Solingen zum Mandolinen-Workshop ein. In diesem Jahr kommt unser dänischer Freund Jesper Rübner-Petersen am Wochenende 12./13. November ins Bergische, um uns die Mando-Töne beizubringen. Und weil Bill Monroe 2011 hundert Jahre alt geworden wäre, steht seine Mandolinenkunst im Mittelpunkt des Workshops. Jesper hat sich vorgenommen, den Teilnehmenden Monroes beste Songs und Soli nahezubringen. Darüber hinaus wird es um das Thema Jazz-Blues gehen, um den besten Mandolinensound, um Lieder-Begleitung und Anschlagtechnik. Um möglichst vielen gerecht zu werden, besteht die Möglichkeit, zwei Arbeitsgruppen zu bilden: für Anfänger und Fortgeschrittene. Die Anmeldefrist läuft bereits. Das Mandolinen-Wochenende kostet 150 Euro und beinhaltet den Eintritt zum Konzert am Sonntagabend, 13.11. Dann wird das Trio Vibracao spielen, erweitert um einen besonderen Gast: Don Stiernberg. Der US-Amerikaner gehört zu den weltweit Besten im Fach swingende Jazz-Mandoline. Das Konzert steht natürlich auch denjenigen offen, die keine Mando spielen – ihr aber gern lauschen. Nähere Infos auf der Website.


Wurzel aus A-Dur minus d-Moll im Quadrat=Jerusalem Ridge

Blaulicht bei Pandolfis Rede

Während sich Adam Steffey bei den diesjährigen IBMA-Awards in Nashville wieder einmal den Titel Mandolin Player of the Year geholt hat und die CD Help My Brother der Gibson Brothers als Album of the Year ausgezeichnet wurde, zog sich offenbar ein Diskussionsthema durch die gesamte IBMA-Woche: die Frage, was noch Bluegrass ist und was nicht. Also der Kasus, wann die Bluegrass-Polizei auf den Plan tritt und wann sie ruhig bleibt. Und in den USA gibt es eine deutlich militantere Bluegrass-Polizei als in Europa. Die Traditionalisten und Hüter von Monroes Vermächtnis wittern schnell Ausverkauf und Verrat, wenn etwas neben der gewohnten Spur verläuft. Diese Erfahrung hat in diesem Jahr Chris Pandolfi gemacht, Banjo-Spieler der Infamous Stringdusters. Im April hatte er in seinem Blog einen Text über Gegenwart und Zukunft des Bluegrass und, damit einhergehend, der IBMA geschrieben. Die Quintessenz daraus lautet unter anderem, den Begriff Bluegrass deutlich auszuweiten und zu öffnen, um ein größeres Publikum zu erreichen. Bluegrass im gewohnten Sinne scheint selbst in den USA nur noch ein Nischengenre zu sein, deren Anhänger langsam wegsterben. Der neuen Roots-basierten akustischen Musik, wie sie am Berklee College of Music in Boston gelehrt wird, prophezeite er dagegen eine fruchtbare Zukunft.

Pandolfi erhielt viel Zuspruch, aber auch eine Menge Gegenwind. Jetzt bekam er von der IBMA Gelegenheit, ein Impulsreferat zu halten und seine Thesen zu erläutern. Die komplette Rede lässt sich hier anschauen. Die Stringdusters nennen sich nicht Bluegrass Band, fühlen sich aber als solche. Die Resonanz auf die Rede ließ nicht lange auf sich warten und geriet verständlicherweise widersprüchlich. Aber es scheint so, dass auch Traditionalisten, die über den Tellerrand hinausschauen, erkennen, dass im großen Bluegrass-Zelt Platz für viele sein muss. David Morris von Bluegrass Today würdigte die Rede Chris Pandolfis als eine, auf die man zurückblicken wird als einen Schlüsselmoment für die Zukunft des Genres. Und er überschreibt den Beitrag – nach den Wortgefechten im Vorfeld – mit der auch für Deutschland passenden Überschrift: Quit Fighting, Start Playing. Glaubenskämpfe sind so ermüdend.

Bluegrass Today im Anzug

Der Bluegrass Blog wird auch hierzulande gern als Informationsmedium über Bluegrass herangezogen. Doch noch diese Woche, genau gesagt: morgen, verschwindet die Marke Bluegrass Blog. Das allerdings ist kein Grund zum Wehklagen – denn der Blog mündet in Bluegrass Today: ein Informationsportal über Bluegrass, das deutlich umfangreicher werden soll als das bisherige Blog. Das jedenfalls versprechen die Macher. Eine Menge zusätzlicher Schreiber und Fotografen werden an Bord kommen und in großer Bandbreite über das Genre berichten, detaillierter und schneller als bisher, so die Ankündigung. Außerdem steht die Installation des Bluegrass Today Wikis auf der Agenda, einem zuverlässigen Lexikon zur Bluegrassmusik gestern und heute. Dazu ist geplant, eingeführte Web-2.0-Formate wie Chat, Foren und Blogs zu integrieren. Ab morgen wissen wir mehr.

Opa erzählt vom Musikgeschäft

Ist es nicht ganz wunderbar herrlich, alten Leuten beim Erzählen zuzuhören? Früher erzählte Opa vielleicht vom Krieg, heute lullen uns sonore Stimmen auf Hörbüchern ein. Aber es gibt ja noch ganz andere Gelegenheiten, zum Beispiel die Oral History-Videothek der National Association of Music Merchants (NAMM) mit Sitz in Carlsbad, Kalifornien. Dort finden sich über die Jahre hinweg gesammelte Interview-Schnipsel mit legendären Persönlichkeiten aus dem Musikbusiness: Instrumentenbauern, Firmenchefs, Musikern, Lehrern usw. Der Fokus bleibt dabei nicht auf die USA beschränkt, sondern richtet sich auf Persönlichkeiten weltweit. Auch der frühere Höfner-Chef Christian Benker ist beispielsweise dabei – und lässt uns hören, wie es klingt, wenn ein älterer Franke Englisch spricht. Oder mal Jim D’Addario lauschen? Verfolgen, wie Lawrence Fishman über den Anfang seines Pickup-Geschäfts berichtet? Sich erzählen lassen, dass Roger Bucknall von Fylde einmal beim Versuch, einen Pickup einzubauen, mit dem Unterarm in Martin Carthys wertvoller Martin-Gitarre hängen blieb (und Panik hatte, nicht mehr rauszukommen)? Vielleicht aber auch lieber bei John McEuen reinhören, der verrät, dass er erst Mandoline gelernt hat, als es an die Aufnahmen zu Mr. Bojangles ging und das Stück dann gleich zum Hit für die Nitty Gritty Dirt Band wurde? Was soll das lange Reden: Schaut selbst und stöbert! Ein 55-seitiges PDF mit den Namen aller Interviewten gibt es hier.

Wohin am Wochenende?

Im Mai, da weiß der geneigte Bluegrass-Freund ja gar nicht, wo er zuerst hinfahren soll – Mai ist Bluegrass-Monat! Allerdings verschiebt sich der Mai dieses Jahr in den Juni, weil so spät erst Himmelfahrt und Pfingsten ist. Deswegen richten wir den Blick auf das nahe Liegende: das kommende Wochenende. Hoch her geht´s dann in Bühl, wo am Freitag die neunte Ausgabe des Internationalen Bühler Bluegrass-Festivals beginnt, und zwar mit Auftritten von Sunny Mountain Grass aus der Schweiz und Valery Smith & Liberty Pike aus den USA. Am Samstag dann müssen die Toy Hearts aus England und Redgrass aus Kanada richtig ran: gleich drei Auftritte am Vormittag, Nachmittag und Abend sind zu absolvieren. Dazu gesellen sich Special Consensus aus den USA und am Samstagabend der Top-Act – Doyle Lawson & Quicksilver. Sämtliche Infos gibt´s auf der Festivalseite.

Geradezu beschaulich mutet im Vergleich dazu das Banjoree an, das am Wochenende zum vierten Mal im westfälischen Hagen stattfindet. Vom 13. bis zum 15. Mai treffen sich nicht nur unsere liebsten Freunde, die Banjospieler. Nein, auch Vertreter anderer Instrumentengattungen sind willkommen und bekommen sogar Workshops angeboten. Na gut, will nicht übertreiben: Diesmal steht außer Banjo-Lektionen nur was für Dobro-Spieler auf dem Plan, dafür aber mit dem Dänen Nils Tuxen als Dozent, der ja auch schon mit Texas Lightning zusammen musiziert hat. Was mich zum dritten Großereignis des Wochenendes führt – obwohl: Darüber steht woanders schon genug geschrieben. Dann doch lieber mal beim Banjoree reinschauen.


War früher Banjospieler bei Jimmy Martin und ist am Wochenende in Bühl zugange: Doyle Lawson. Dann aber mit dem richtigen Instrument.

In den Sessions gelandet

Alle zwei Monate veröffentlicht der Verlag Mel Bay eine neue Ausgabe seiner Mandolin Sessions. Da gibt´s dann Umsonst-Lektionen in Sachen Bluegrass, Irish Folk, Jazz nebst Artikeln über Mandolinenbauer. Natürlich ist das alles gedacht als Verkaufsförderung für die Lehrbücher des Verlags, aber es lässt sich auch so prima nutzen, zumindest für Anfänger. Wobei: Was sich da in der Jazz-Abteilung tut, klingt für mich immer recht sophisticated. Schon längst finden sich bei den Lektionen Audio-Beispiele und sogar Videos. Das sei all denen gesagt, die noch neu sind im Thema Mandoline und sich erst zurechtfinden müssen. Da bieten sich die Mandolin Sessions als Möglichkeit an.

Jetzt stehen auch die neuen Beiträge für April und Mai online. Und was finde ich da neben den üblichen Rubriken? Ein Interview meiner Wenigkeit, mal als PR-Maßnahme mit Jesper Rübner-Petersen geführt – für sein Buch The Mandolin Picker´s Guide To Bluegrass Improvisation. Das hat der Jesper dann auf Englisch übersetzen lassen und in alle Welt geschickt, natürlich auch an seinen eigenen Verlag. Und schwupps! tauche ich in den Sessions auf. So kann´s gehen. Hat eigentlich keine Bedeutung, ist aber trotzdem irgendwie schön. Wie damals, als dieses Blog in Bill Grahams Kolumne des Mandolin Café prominente Erwähnung fand. Das sind doch diese Momente der Motivation, die uns alle am Laufen halten.

Bei der Gelegenheit: Einer der MS-Lehrer, Matt Raum, bietet auf seiner Website weiteren Lehrstoff an, mit Videos bebildert. Vielleicht findet dort ja der eine oder andere Hilfe. Wollte´s nur mal erwähnt haben.

Bluegrass selbst gemacht

Nicht jeder ist so wie unsere Lena. Die meisten haben mal klein angefangen und nicht gleich groß. Und vor allem für Starter ist wohl die Website DIYBluegrassbiz.com gedacht. Dort finden sich jede Menge Tipps für Bluegrass-Bands, um im Musikgeschäft voranzukommen. In erster Linie für die Situation in den USA geschrieben, findet sich auf jeden Fall auch für Bands in Deutschland viel Interessantes. Ob´s nun darum geht, warum und woran Bluegrasser scheitern, welcher Weg zu einem guten Live-Sound führt, welches Marketing Erfolg verspricht oder selbst Hilfe bei der Suche nach einem Bandnamen – die Artikel der Site können helfen. Und was dort nicht steht, findet sich womöglich in der riesigen Link-Liste; die allerdings tatsächlich vor allem Musiker in den Staaten nützen wird. DIY=Do It Yourself. Also ab in den Bluegrass-Heimwerkerkeller!

Profis aus der Schachtel

Der Computernutzer schwankt zwischen Faszination und Erschauern: Wer die neueste Version der Software Band In A Box testet, mag seinen Ohren nicht trauen. Denn was er zu hören bekommt, klingt nicht nach Midi und nicht nach Rechner, sondern nach Musik. Das gilt nicht nur für gängige Pop-, Rock- und Jazzmusik. Nein, auch Nischengenres wie beispielsweise Bluegrass wirken wie von Menschen gespielt. Letztlich sind sie das sogar – die Mandolinenparts zum Bluegrass-Style des Programms hat etwa Andy Leftwich eingespielt, Mitstreiter von Ricky Skaggs als Fiddler in dessen Band Kentucky Thunder. Wer es nicht selbst gehört hat, mag jetzt ungläubig und zutiefst skeptisch den Kopf schütteln. Aber selbst ein von der Software generiertes Mando-Solo – dem Leftwichs Töne zugrunde liegen – klingt, als hätte das ein Meister genau so eingespielt.

Die Luxus-Version 2010 des Programms mit jeder Menge wav-Dateien macht letztlich auch die kaufbaren Playalong-CDs überflüssig; nicht nur, weil man sich mit BIAB seine eigene Backup-Band zusammenstellt, die genau die Akkorde in dem Tempo spielt, das man ihr vorgibt. Auch deshalb, weil sich die Combo aus dem Rechner jedesmal anders anhört, also jede Menge Variationen beherrscht, während die Stücke von CD logischerweise immer genau gleich klingen. Musiker, die die Software nutzen, sprechen von einem völlig neuen und höchst motivierenden Übe-Erlebnis. Und Komponisten sowie Arrangeure finden damit sowieso ein traumhaftes Arbeitswerkzeug. Der Rest ist Kulturpessimismus. Und Gruseln.