Ein Fordschritt

Immer und immer wieder habe ich mich gefragt, warum am Tailpiece meiner Kentucky-Mando zwölf Häkchen sind, wo doch nur acht Saiten befestigt werden müssen; habe mich nachts von rechts auf links gewälzt, war tagsüber unkonzentiert, habe die Geburtstage aller wichtigen Menschen vergessen. Jetzt endlich weiß ich, was es mit den Häkchen auf sich hat. Die Site frets.com hat es mir verraten. Michael Reichenbach wies vor Jahren schonmal darauf auf seiner Homepage hin, jetzt hab ich mal geguckt, was der Instrumentenbauer und -reparateur Frank Ford alles zu bieten hat. Und das ist einiges! Vieles werde ich nicht nutzen können, weil mir Handwerksgeschick und Werkzeug fehlen – zum Beispiel für Franks Anleitung, wie man diese nutzlose Griffbrett-Nase an Mandolinen entschärft, die der Gibson F5 nachempfunden sind. Dieser Wurmfortsatz befindet sich genau an der Stelle, wo viele Mandolinen am besten klingen. Sam Bush hat sich das Stückerl einfach absägen lassen, Frank Fort macht es raffinierter.

Aber das wollte ich doch gar nicht berichten. Es bleibt jedoch nicht aus, dass man auf der Site mal hier, mal da schaut, weil es viel Interessantes zu sehen gibt – übrigens auch für Banjospieler, Gitarristen, Ukulelisten (heißen die so?) usw. Zurück zu den Häkchen: Sehr ausführlich schildert Ford das Neubesaiten einer Mando, ich wusste gar nicht, auf was man da alles achten kann. Vor allem der interessierte Anfänger wird in dem Beitrag viele hilfreiche Tipps finden, auch was Intonation angeht. Ich fand dort die Erklärung der zwölf Haken: Früher, im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, wurden die nicht umsponnenen hohen Saiten ohne Schlaufe ausgeliefert. Deswegen bekamen im berühmten Gibson-Tailpiece die A- und E-Saiten jeweils zwei Haken, damit man die da schön drumrumwickeln konnte. Muss heute nicht mehr sein, obwohl ich neulich in einem Satz GHS-Saiten auch eine ohne Schlaufe dabei hatte. Normalerweise kann man die Saiten also ganz einfach einhängen, ohne damit nochmal „um die Ecke“ herum zu müssen. Meine schlaflosen Nächte sind jedenfalls nun vorbei, die Tage verlaufen konzentriert und alle freuen sich über ihre Geburtstagswünsche. Danke, Mr. Ford.

Ein Gedanke zu „Ein Fordschritt

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