Knopf im Kopf

Manchmal ist die Not groß. Zum Beispiel dann, wenn man so friedlich dasitzt und seine Mandoline stimmt und plötzlich feststellt, dass ein Tunerknopf seinen Geist aufgibt und nur noch durchdreht. Sowas soll ja auch manchmal bei Menschen passieren, denen in solchen Fällen wirksam medikamentös geholfen werden kann. Aber was tun wir Mandolinenspieler? Schonmal versucht, einen einzigen Knopf einer Mechanik ersetzt zu bekommen? In meinem Fall sind’s Gotoh-Dreher, und einer musste getauscht werden. Die entsprechende Internet-Recherche nach einem Originalknopf von Gotoh verlief ernüchternd. Wenn überhaupt, dann nur ganze Sätze – acht Stück zu 25 Dollar oder so. Aber wer braucht acht, wenn nur einer kaputt ist?

Irgendwann bin ich dann bei Ebay auf Magic Guitar Parts gestoßen. Dieser Ebay-Shop hatte Knöpfe im Angebot, die denen von Gotoh nahezukommen schienen. Und das für einen Preis von nur etwas mehr als fünf Euro für vier Stück! Und in Blitzesschnelle geliefert! Und das Beste: Sie lassen sich sogar verwenden! Jetzt weiß ich natürlich nicht, wie langlebig der Knopf ist, aber ich hab ja noch drei weitere in Reserve. Jedenfalls komme ich nicht umhin, an dieser Stelle mal eine Empfehlung für den Mann auszusprechen. Wer auf der Suche nach wichtigen Kleinteilen ist, kann offenbar ruhigen Herzens mal reinschauen in diesen zauberhaften Teileladen.

Lachen mit Steve #1

In der März-Ausgabe von Bluegrass Unlimited findet sich ein Porträt über den famosen australischen Mandolinenbauer Stephen Gilchrist. Der Artikel enthält außer viel Wissenswertem Stoff für jede Menge Anekdoten – Anlass für eine kleine Gilchrist-Serie in lockerer Folge. Heute also Anekdote Nr. 1.

Als Fünfjähriger kam der kleine Steve auf die Idee, dass es sich im Sandkasten doch viel besser mit einem Hilfsmittel buddeln ließe. Also packte er sich kurzerhand die dickbauchige Konzertmandoline seines älteren Bruders und nutzte sie fortan als Grabe-Werkzeug. Irgendwann allerdings war Feierabend: Die Mandoline zeigte sich der Beanspruchung nicht mehr gewachsen und zerbrach. Von schlechtem Gewissen geplagt, nahm Stephen sich später vor, alles wieder gutzumachen und die Welt mit Mandolinen zu füllen. Was der gute Junge bekanntlich bis heute tut. Sein Bruder jedenfalls sollte nicht mehr böse sein.

Die fröhlichen Drei

Den Engländern sagt man ja einen Hang zum Schrulligen nach. Unter diesem Aspekt möchte ich auch mal dieses Mandolinen-Trio betrachten: Dave Pegg, Dave Swarbrick und der großartige Richard Thompson, allesamt ehemals Mitglieder von Fairport Convention, gniedeln sich hier fröhlich einen. Es war 1981, und man durfte noch ungestraft auf einer Bühne rauchen. Selbst das Nicht-Auf-Die-Asche-Achten war offenbar erlaubt. Swarb stört sich jedenfalls nicht dran und schaut auch sonst recht eingetrübt drein. Aber Spaß machen sie doch, die drei.

Der besondere Akzent

Zugegeben: Die Flitsch, wie der Rheinländer die Mandoline nennt, taucht im Kölner Karneval häufig auf. Aber so, wie Hans Süper mit dem Instrument umging, konnte und kann ihm keiner das Wasser reichen. War er für die einen vor allem der verrückte Spaßmacher des Colonia Duetts, schaute unsereins besonders genau auf die Fingerchen der linken Hand, immer verbunden mit der Frage: Was macht der da eigentlich? Darauf gibt auch das Buch Hans Süper: Mein Leben mit der Flitsch keine Antwort. Damit war aber auch nicht zu rechnen. Geschrieben von Helmut Frangenberg, Redakteur beim Kölner Stadt-Anzeiger, ist das Buch in erster Linie fürs regionale Publikum gedacht – alle anderen könnten Schwierigkeiten haben, das geschriebene Kölsch zu verstehen. Und davon gibt es reichlich, denn Hans Süper redet nunmal meistens Kölsch.

Mitte März ist er 75 Jahre alt geworden, und das Buch rollt dieses Leben auf: von den Kinderjahren im Krieg, der harten Nachkriegszeit in Köln, Süpers Leben als Tanzmusiker und Stromzählerableser und schließlich seine Karriere im Karneval, der ihn berühmt gemacht hat. Gemessen am Titel, wäre insgesamt vielleicht doch mehr Flitsch angemessen gewesen. Aber es gibt dennoch einige Anekdoten und Fotos, in und auf denen die Mando eine wichtige Rolle spielt. So etwa die Geschichte, als Süpers Vater aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückkam und zweierlei Instrumente im Gepäck hatte: eine aus einer Apfelsinenkiste gebaute Mandriola und eine Mandoline von Gibson! Letztere landete leider zügig auf dem Schwarzmarkt, während Süper auf der Mandriola seine ersten musikalischen Gehversuche machte. Das dauerte allerdings nur bis zu seiner Kommunion – dann setzte sich ein Gast während der Feier nämlich drauf, das Instrument war hin. Aber Süper war der Mandoline verfallen. Als er dann Geige lernen sollte, wollte ihn ein Lehrer kostenlos unterrichten, unter einer Bedingung: Er muss das Mandoline spielen sein lassen. Süper dachte gar nicht daran, schwänzte den Unterricht und versteckte die Geige im Keller.

Das Verhältnis zu seinem Vater, ebenfalls ein berühmter Karnevalist, blieb zeitlebens schwierig. In den 50ern und 60ern stand Hans Süper mit einer E-Mandoline von Fender (Sam Bush spielt seine ja auch gelegentlich) auf der Bühne, schloss sie an ein Röhrenradio an und spielte Tanz- und Beatmusik – auf dem schönsten Foto des Buchs dokumentiert. Verraten wird auch das Geheimnis des Süper-Saitensatzes: Er zog statt der normalen A- und E-Saiten G- und D-Saiten auf, stimmte die aber wieder den Ganzton hoch. Dadurch klingt das ein bisschen voller, begründet Süper. Was vielleicht angesichts der nicht so ganz hohen Qualität seiner Instrumente auch notwendig gewesen sein mag … Aber man kann´s ja auch mal so probieren.

Sie taucht im Buch also immer mal wieder auf, die Flitsch. Aber Vorsicht, mandolinenbegeisterte Interessenten: Es geht auf den gut 100 Seiten nicht in erster Linie um Musik. Es geht um den Menschen und Clown Hans Süper, um Karneval und Colonia Duett, um die dunkle Seite des Geschäfts und der Persönlichkeit Süpers, aber auch die schönen Spielarten des kölschen Brauchtums. Und der Musiker Süper? Er stellt sein Licht unter den Scheffel, während Profis wie der Gastdirigent der WDR-Bigband, Mike Herting, nicht müde werden ihn zu loben. Man kann Autor Frangenberg nur zustimmen, wenn er schreibt: Mit Musik ging Hans Süper genauso um wie mit Sprache. So wie er in den Dialogen des Colonia Duetts verzögerte und wartete, bis er einen Witz platzierte, spielte er auch die Mandoline. Er fand immer den richtigen Zeitpunkt für den besonderen Akzent.


Helmut Frangenberg
Hans Süper
Mein Leben mit der Flitsch
KiWi Köln, 17,99 €
inkl. CD mit knapp 30 Minuten Laufzeit
ISBN: 978-3-462-03829-3

In den Sessions gelandet

Alle zwei Monate veröffentlicht der Verlag Mel Bay eine neue Ausgabe seiner Mandolin Sessions. Da gibt´s dann Umsonst-Lektionen in Sachen Bluegrass, Irish Folk, Jazz nebst Artikeln über Mandolinenbauer. Natürlich ist das alles gedacht als Verkaufsförderung für die Lehrbücher des Verlags, aber es lässt sich auch so prima nutzen, zumindest für Anfänger. Wobei: Was sich da in der Jazz-Abteilung tut, klingt für mich immer recht sophisticated. Schon längst finden sich bei den Lektionen Audio-Beispiele und sogar Videos. Das sei all denen gesagt, die noch neu sind im Thema Mandoline und sich erst zurechtfinden müssen. Da bieten sich die Mandolin Sessions als Möglichkeit an.

Jetzt stehen auch die neuen Beiträge für April und Mai online. Und was finde ich da neben den üblichen Rubriken? Ein Interview meiner Wenigkeit, mal als PR-Maßnahme mit Jesper Rübner-Petersen geführt – für sein Buch The Mandolin Picker´s Guide To Bluegrass Improvisation. Das hat der Jesper dann auf Englisch übersetzen lassen und in alle Welt geschickt, natürlich auch an seinen eigenen Verlag. Und schwupps! tauche ich in den Sessions auf. So kann´s gehen. Hat eigentlich keine Bedeutung, ist aber trotzdem irgendwie schön. Wie damals, als dieses Blog in Bill Grahams Kolumne des Mandolin Café prominente Erwähnung fand. Das sind doch diese Momente der Motivation, die uns alle am Laufen halten.

Bei der Gelegenheit: Einer der MS-Lehrer, Matt Raum, bietet auf seiner Website weiteren Lehrstoff an, mit Videos bebildert. Vielleicht findet dort ja der eine oder andere Hilfe. Wollte´s nur mal erwähnt haben.

Paula als Mandola

Etwas unscharf, an sich aber rattenscharf – diese E-Tenor-Ukulele aus dem Hause Risa, der E-Gitarrenlegende Les Paul von Gibson nachempfunden. Trotz des leicht missglückten Fotos von der jüngst zu Ende gegangenen Musikmesse in Frankfurt musste das Teil noch hier rein: Suchtfaktor!!! Haben wollen!!! So müssen viele reagiert haben. Seit etwa einem halben Jahr im Risa-Programm, haben sich die kleinen Les Pauls zum Renner entwickelt. Wer sollte das besser verstehen als wir. Man schaue nur mal hin: zwei Humbucker (die Risa in eigener Werkstatt fertigt) plus Dreifachschalter zum separaten Ansteuern der Pickups nebst getrennter Ton- und Lautstärkeregelung. Und alles mit bester E-gitarrenhafter Saitenlage! Und nicht nur in Schwarz erhältlich, sondern auch in Mahagoni und dem wunderbaren Cherry-Sunburst.

Während die Tenor-Variante sich für uns Quintaner eher als E-Mandola anbietet, lassen sich die Sopran-Modelle auch in GDAE stimmen. Allerdings musste die Elektronik angesichts der kleineren Korpusgrößen abgespeckt werden, weswegen es hier nur zwei Regler gibt – die Summenknöppe für Volume und Ton. Gefertigt werden die sorgfältig verarbeiteten Instrumente in Tschechien, bis auf die besagten Humbucker. Für die lieben Kleinen ruft Risa 529,- Euro auf, für die farbigen Tenöre 599,- Euro. In einem Beispielvideo kann man sie singen hören. Ach, wenn doch auch mal so eine Paula für mich jubeln würde …


Ach, Du rassige schwarze Paula, Du!