In guten Händen


Peter Rowan: Legacy (Compass Records COM 4543)

Ausgestreckt liegt er auf einem Sofa, seine alte Martin zu Füßen, ein Loch im Socken und ein schelmisches Lächeln auf dem Gesicht: Denkt Peter Rowan gerade an vergangene Zeiten? So zeigt ihn das Booklet seiner neuen CD Legacy, und der inzwischen 68-Jährige hat reichlich Anlässe, lächelnd zurückzudenken: an seine Zeit mit Bill Monroe als Bluegrass Boy, an die kurze Episode mit der Superband Muleskinner, an seine Ausflüge in Reggae-Gefilde beispielsweise. Er hat es im Lauf seiner Karriere immer gewagt, Grenzen zu überschreiten – oder zu erweitern, je nach Blickwinkel. Jetzt geht er zurück zu den Bluegrass-Wurzeln, daher der passende Album-Titel. Klassisch auch die Besetzung seiner Bluegrass Band, mit der er aufgenommen hat und die derzeit mit ihm auf Tour ist: Jody Stecher (mand), Keith Little (bj) und Paul Knight (b). Dazu kommen die Gäste Tim O’Brien, Ricky Scaggs, Del McCoury, Gillian Welch und Dave Rawlings.

Letztere bereichern die Wohlfühl-Nummer So Good, wie fast alle Songs der CD eine Eigenkomposition von Peter Rowan – ein schön fließendes Stück mit einprägsamem Chorus. Überhaupt lässt sich musikalisch nur Gutes sagen über das von Alison Brown produzierte Album, und Mandolinenmann Stecher darf gar mit Lord Hamilton´s Yearling ein Instrumental beisteuern. Vom High-Speed-Bluegrass bis zum langsamen Dreier ist alles dabei, was das Genre zu bieten hat – nicht zu vergessen den exzellenten Gesang.

Inhaltlich mögen manchem ein bisschen zu viele Gospel-Themen unter den 13 Tracks sein, Gott, Jesus, Glauben spielen immer wieder eine Rolle. Wobei es bei Rowan nicht um Heile-Welt-Gedudel geht, etwa wenn er in The Family Demon die bedrückende Geschichte eines Jungen erzählt, den sein Vater ständig mit der Pferdepeitsche verdrischt und diese „Liebe“ niemals los werden wird: „One day when I´m older and I´ll be full grown/I´ll carry the pain of your love in my bones“. So wird Gewalt gesät, weswegen er später in Turn The Other Cheek das Jesus-Wort vom „auch die andere Wange hinhalten“ als Gegenmittel zitiert und zu friedfertigem Handeln ermuntert. Vor diesem Hintergrund dürfte er kaum zu den Radikalen zu rechnen sein, die gern mal einen Koran verbrennen möchten. So, genug Wort zum Sonntag. Vielleicht kommt mit zunehmendem Alter einfach auch das Bedürfnis nach Glauben zurück. Die hohe Musikalität war offenbar nie weg. Da hat Legacy einiges zu bieten. Die CD erscheint diese Woche in Europa.

4 Gedanken zu „In guten Händen

    • Mir stellt sich die Frage, warum er auf der Scheibe soviel von „Jesus, faith & praise the Lord“ singt? Vielleicht ist es ihm einfach wurscht, welcher Konfession der Text eines Liedes entstammt?! Wer aber richtig liest merkt, dass der Blog-Artikel gar nicht behauptet Rowan sei gläubiger Christ, genauso wenig wie er behauptet er sei Buddhist. Insofern kann hier von schlechter Recherche keine Rede sein!

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