Jamboree #1: Mikes Worte

Vom 5. bis zum 20. Dezember tourt das „Bluegrass Jamboree“ durch Deutschland – das ist nicht mehr lange hin. Mit von der Partie sind bekanntlich die „Steep Canyon Rangers“, Beverly Smith und Carl Jones sowie die „Toy Hearts“. Wir wollen das im Vorfeld mal ein bisschen aus Mandolinensicht beleuchten – sofern die Akteure mitmachen. Den Auftakt bestreitet der Mandomann der Rangers, Michael Guggino. Mike hat sofort, unverzüglich auf meine Mail reagiert und ich habe mal übersetzt, was er der Leserschaft hier mitteilt:

Ich habe am College damit begonnen, Mandoline zu spielen. Damals war ich Gitarrist, hatte aber kaum Bluegrass gespielt. Als ich damit anfing, mir Bluegrass anzuhören, stach die Mandoline für mich als das interessanteste Instrument heraus. Man konnte damit schnell spielen, aber auch langsam und ausdrucksstark, falls nötig. Heute, als professioneller Mandolinenspieler, habe ich mehr Spaß daran als jemals zuvor. Ich denke, je besser man bei etwas wird, desto größer wird die Freude daran. Die Band läuft recht erfolgreich, weswegen unsere Shows aufregender und erfüllender geworden sind. Was die Bluegrass-Mandoline angeht, mag ich Bill Monroe, David Grisman, Ronnie McCoury, Sam Bush, Ricky Skaggs und viele andere. Ich spiele aber auch traditionelle italienische Volksmusik auf der Mandoline. Da stehe ich wirklich auf das Spiel von Carlo Aonzo und Beppe Gambetta. Meine Instrumente sind eine F-Mandoline von Will Kimble und eine A-Mandola, ebenfalls von Kimble. Ich nutze Saiten von D’ Addario der Stärken .11, .16, .26 und .40. Außerdem spiele ich ein Blue Chip Pick.

Soweit Mike Guggino. Mal sehen, ob Carl Jones und Hannah Johnson uns auch was Schönes schreiben. Angenehmes Wochenende!

SCR Mike Mike Guggino, „Steep Canyon Rangers“.

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Ode zum 40-Jährigen

Willkommen in den Muppet-Laboratorien, wo die Zukunft schon heute gemacht wird! Mein Name ist Dr. Honigtau-Bunsenbrenner. Heute wird die Sesamstraße 40 Jahre alt. Und weil das hier ein Musik-Blog ist, habe ich meinen Assistenten Beaker angewiesen, zu diesem freudigen Anlass ein freudiges Lied zu singen: die Ode an die Freude! Um unsere Kollegen von der Sesamstraße zu ehren! Bitte, Beaker!

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Hoch den Eisernen Vorhang!

Der Tag des Mauerfalls! Festakt! Jeder weiß, wo er an diesem Tag vor 20 Jahren gewesen ist! Im Ausnahmezustand nämlich! Oder vielleicht doch im Bett? Schlafend? Und morgens nichtsahnend aufgestanden und es im Radio gehört? Im Grunde gebührt die Ehre doch wohl dem 10. November, dem Tag, an dem es dann alle mitbekommen haben, was passiert ist, und zwar sofort … unverzüglich! Schließlich geschah es am 9.11. erst um 23.30 Uhr, dass der Übergang Bornholmer Straße geöffnet wurde.

Und für die Bluegrass-Gemeinde müssen die Vorgänge in der CSSR als bedeutender gelten – wo wären wir denn heute, wenn die Pruchas, Furchs, Capeks usw. immer noch ohne Material hinter dem Eisernen Vorhang säßen und mit Steinwerkzeugen an groben Holzklumpen schaben würden? Wir müssten uns mit USA-Ware begnügen, am Ende noch von der Marke Gibson, die heute ihrerseits Teile bei Prucha bezieht. Und wer würde den Bluegrass alter Prägung noch heute so originalgetreu nachspielen wie die Vertreter aus Tschechien und der Slowakei? Wer sollte dann die Polls auf dem EWOB-Festival in Voorthuizen gewinnen? Denken wir also an diesem Tag auch an Vaclav Havel und seine Mitstreiter in Prag. Außerdem: Havel war Stones-Fan und ist es wahrscheinlich bis heute. Und Helmut Kohl?

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Wild toben auf der Bühne

Frei sein, noch nichtmal unbedingt high sein, aber dabei sein: das wollen wir Mandolinenspieler auf der Bühne. Vor allem Freiheit wäre schön, im Sinne von: Bewegungsfreiheit. Stattdessen hängt man als bewegungsunfähiger Sklave vor dem Mikrofon fest. Dabei gibt es so viele andere Möglichkeiten, zumindest theoretisch – Pickups eingebaut, Pickups an den Steg geklebt, Pickups an der Decke befestigt, Minimikro ins F-Loch geklemmt, Kontaktmikro auf Holz usw. usf. Wir sind alle frei, uns was auszusuchen. Das heißt, frei im Rahmen individueller finanzieller Möglichkeiten. Die wenigsten dürften in der Lage sein, sowas High-Endiges wie DPA-Mikrofone zu erwerben. Die Schertler-Mando-Pickups sind auch weit oben auf der Preisskala. Gibt´s vielleicht auch was Günstigeres, was die Mando trotzdem nach Mando klingen lässt? Der Markt ist groß, aber was taugt? Und von Zeit zu Zeit habe ich die Hoffnung, dass auf diesem Blog jemand vorbeischaut und etwas Schlaues mitzuteilen weiß – in diesem Fall zum Thema Pickup etc. Aber wahrscheinlich schreibt wieder kein Schwein … Dann geh ich eben gleich ins Mandolin Café und durchforste die ellenlangen Threads zum Thema. Und bin nachher verwirrter als vorher. Bei manchen Fragen gibt es nichts Schlimmeres als Internet-Foren. (Kann man sich da eigentlich auch mit Schweinegrippe anstecken? Bei so vielen Kontakten?)

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Das Objekt feuchter Träume: DPA-Mikro 4061.

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Bordunisten werden frech

In der neuen Ausgabe des „Folker“ gibt´s nicht nur ein völlig fettes Special rund ums Thema Gema und eine Würdigung Wiglaf Drostes zum Songschreiber Danny Dziuk und Lesestoff zum „Bluegrass Jamboree“, nein, es gibt auch einen Artikel von Ulrich Joosten über die „New Acoustic Gallery“ in Solingen. Genau, der Ort, an dem an diesem Wochenende wieder Mandolinen-Workshop mit Jesper Rübner-Petersen war. Ohne mich, weil ich nicht konnte. Tante wurde 80. No way. Jedenfalls: In dem Artikel schreibt Uli nicht nur schön über den Laden, sondern bezeichnet unsereins glatt als „Mandoholiker“! Ich finde, das geht zu weit. Von einem Drehleiermann, der er unter anderem ist, müssen wir uns das nicht sagen lassen! Von einem Bordunisten! Da wird mir noch die passende Gelegenheit einfallen, ihm das heimzuzahlen. So weit ist es schließlich noch nicht, dass wir unsere Instrumente vor Frauen verstecken und unsere Übestunden verheimlichen, indem wir angeben, zu VHS-Kursen zu gehen. Oder immerwährend Handschuhe tragen, damit niemand die abgewetzten Kuppen unserer Greiffinger sieht. Ich kann mich nur wiederholen: Bordunist!

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Alles krumm und schief

Ja ist denn alles schief und krumm? Möcht man meinen. Jedenfalls tauchen immer mehr Bands mit dem Wörtchen „crooked“ im Namen auf. Zunächst habe ich von den „Crooked Jades“ gehört, vielleicht auch von „Crooked Still„. Und im Alternative Rock ziehen gerade „Them Crooked Vultures“ jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Warum? Wegen des Personals: Dave Grohl (mal Nirvana, Foo Fighters), Josh Homme (Queens Of The Stone Age) und John Paul Jones (Led Zeppelin) in einer Band. Warum das hier steht? Wegen Jones: der kann Mandoline spielen – wie z. B. hier schonmal berichtet. Mit den krummen Aasgeiern macht er aber vergleichsweise wüsten Radau, wie auf Youtube zu hören. Da wird jetzt auf den 17. November gewartet, wenn das erste Album des Trios erscheint.

So, aber was ist jetzt mit der schiefen und krummen Stille? Oder mit den schiefen und krummen Schindmähren bzw. Kleppern? Also den Stills und den Jades? Möglicherweise gilt bei ihnen die Übersetzung von crooked als „unehrlich“. Aber kann eine Stille lügen? Nein, still ist still. Ein oller Klepper dagegen ist bestimmt falsch und hintertrieben. Auf so nen Gaul passt eigentlich alles Negative. Ab zum Pferdemetzger! Aber oweh, wen sehe ich da im Anmarsch? Es sind Tierschützer, die ein Säureattentat auf dieses Blog verüben wollen! Ich bin dann mal weg.


Crooked Still plays Dylan in a different way.

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Bush, von Kreisen umgeben

Seit einer Woche gibt´s die neue CD von Sam Bush namens „Circles Around Me“. Höchste Zeit, der Platte (seinem sechsten Solo-Longplayer) mal ein paar Zeilen zu widmen. Bisher kenn ich nur die online verfügbaren Schnipsel, aber die klingen vielversprechend. Wie gewohnt bietet er eine Mischung aus eigenen Stücken, Fremdkompositionen und Traditionals. Zur Band mit Byron House (b), Scott Vestal (bj), Chris Brown (dr) und Stephen Mougin (g) kommen Gastmusiker, etwa Jerry Douglas und Del McCoury. Was soll da schiefgehen? Aber langweilig könnte es ja trotzdem sein. Die Samples lassen eher anderes vermuten, klingt nach einer geschmackvollen Mischung aus Balladen, bluesigen Nummern und Bluegrass. Erschienen ist die CD wiederum bei Sugar Hill Records.

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Zurückgeblättert, vorausgeschaut

Bisweilen stellt sich das Gefühl ein, man hätte gar nicht gelebt. Weil die Zeit so schnell daherfliegt. Da hilft es zurückzuschauen. Aus einer Laune heraus habe ich also im Doppelstopp mal drei Jahre zurückgeblättert, auf den 23. Oktober 2006 – ein Montag. Damals war die Rede von schlechter Montagmorgen-Stimmung, von der TV-Show „50 Jahre Bravo“ mit einer Jeannette in Strapsen und dem Ende der letzten Formel-1-Saison Michael Schumachers. Da ist doch einiges passiert in der Zwischenzeit: Jeannette interessiert keinen mehr, Schumi gehört zum alten Eisen, nur die schlechte Montagslaune, die ist zeitlos. Drei Jahre sind nicht viel, aber der alte Eintrag liest sich nicht so, als wäre es gestern gewesen.

Heute stellt sich die Lage ganz anders dar – denn es ist Freitag! Und freitags geht es ins Wochenende, die Laune erreicht bei den meisten ihren Höhepunkt! Und die Laune steigt weiter, wenn es für die treuen Leser hier noch ein schönes Video zum Rüberrutschen in die Freizeit gibt. In diesem Fall zeigen Randy Waller & The Country Gentlemen die Richtung für die nächsten zwei Tage an: Listen To The Music – jüngst bei der IBMA 2009 beim Jammen aufgenommen.

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Entweder oder

Immer so um den 1. Mai herum, dachte ich. Diesmal nicht. Diesmal steigt das Bühler Bluegrass-Festival am 14. und 15. des Wonnemonats, kollidiert somit terminlich mit dem EWOB-Festival in Holland, das vom 13.-15. Mai stattfinden wird. Die attraktiveren Namen wird wohl Bühl präsentieren können: Im Line-up des zweitägigen Festes stehen als Headliner die Frauenband „Uncle Earl“ und „Carrie Hassler & Hard Rain“. Außerdem in Baden am Start sind „4Wheel Drive & Jolanda Peters“, „The Midnight Ramblers“ aus den USA und aus Schweden kommt „G2″. Den kompletten Flyer gibt´s hier zum Angucken. Da hilft nur knallhart entscheiden, was man lieber möchte: Bluegrass genießen (Bühl) oder vor allem selbst spielen (Voorthuizen, NL). Entweder oder.

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Proud Mando

Wenn alten Rock-Helden nicht wirklich was Neues einfällt, gehen sie gern zurück zu ihren Wurzeln – zum Blues oder Country. So does John Fogerty: Der alte CCR-Haudegen versammelt auf „The Blue Ridge Rangers Rides Again“ zwölf Stücke amerikanischer Musiktradition, die ohne Fiddle, Pedal Steel und Telecaster nicht auskommen. Aber, siehe da, auch unser Lieblingsinstrument findet ein freies Plätzchen, etwa in „Paradise„. Für dessen Bedienung sind entweder Greg Leisz oder Jason Mowery zuständig – der eine als Saitenkünstler allgegenwärtig, der andere vor allem als Fiddler von Keith Urban aufgefallen. Und weil es so selten passiert, dass eine Mando in Rockvideos auftaucht, hier das Filmchen zu „When Will I Be Loved“, einem Stück der Everly Brothers. Vielleicht erkennt jemand auch den Sangesbruder Johns, den mit der tiefen Stimme?

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Als John auf Bill traf #3

Es ist ja immer noch Buchmesse in Frankfurt. Deswegen folgt hier ein abschließender Blick ins Buch „Blaugrasmusik“ von John Fahey – ein entscheidender:

Wegen Don Owens [ein Bluegrass-DJ] und Dick Spottswood [ein Schallplattensammler] und Bill Monroe ist aus mir ein professioneller Gitarrist und Komponist geworden.
Was zur Hölle soll das für ein Leben sein?
Ich hätte ein Lochindieweltreißer werden können.
Also, laßt mich was sagen. Was Nützliches.
Falls ihr mal wo seid und so einer wie ich spielt eine verminderte Terz auf einer Mandoline und ein anderer irgendwas in e-Moll auf seiner Gitarre – lauft. Alles andere ist schlecht für die Umwelt.
Sucht nach einem Typen, der was Freundliches in Dur auf seinem Klavier klimpert.
Ein völlig ungefährliches Instrument.
Im Gegensatz zu einer Mandoline.
Nein.
Niemals.
Mandolinen und Banjos sind böse. Ich wußte es von Anfang an.
Blaugrasmusik ist die Musik des PAN.

Und der war bekanntlich der gefürchtete, aber gleichzeitig verehrte Hirtengott. Diese Textstelle dürfte besonders den Banjospielern gefallen, weil sie hier nicht allein die Bösen sind, sondern wir Mandolinista keinen Deut besser. Tja. Wie gut, dass wir wissen, dass es sich bei Literatur um reine Fantasie handelt (Suhrkamp 2005).

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Als John auf Bill traf #2

Was bisher geschah: Der jugendliche John Fahey hört Bill Monroes „Blue Yodel Number Seven“ und verfällt der Blaugras-Musik. Er muss die Platte haben und fragt einen Händler danach.

Die Platte war vergriffen. Und er hatte auch keine auf Lager.
„Sorry, Kleiner. Ich hab die Platte nicht und kann sie dir auch nicht bestellen.“
„Ich muß das Lied aber noch einmal hören. Ich muß.“
„Hör zu, Kleiner“, sagte er da zu mir, „die Platte taugt nichts. Sie ist sogar böse. Sie hat viel Unheil angerichtet, solange sie zu haben war. Frauen verließen ihre Männer. Männer verließen ihre Frauen. Kinder rissen von zu Hause aus und wurden nicht mehr gesehen. Es gab Sonnenflecken auf dem Mond. Revolutionen brachen aus. Es gab Massaker. Die Selbstmordrate und der Alkoholmißbrauch brachen alle Rekorde. Es gab Krieg. Drüben am Rand der Welt wurden Monster gesichtet. Es war fürchterlich, Kleiner, nicht auszuhalten. Könnte sein, daß es besser für dich wäre, wenn du die Platte nicht wieder hörst. Ich muß dir das so deutlich sagen. Jemand in deinem Alter sollte von so gefährlichem Zeug die Finger lassen.“
„Das ist mir schnurz. So sei es denn mein Schicksal!“
„Schicksal Fickschal! Ich habe dich gewarnt. Aber bitte: Hier ein kostenloser Tip von mir. Finde einen Schallplattensammler. So ein Schallplattensammler könnte wissen, wo du suchen mußt.“
„Kennen Sie so einen Menschen?“
„Ich treibe mich doch nicht mit solchem Gesindel herum. Aber ich weiß, daß es sie gibt. Ich werde für dich beten, Kleiner. Ich werde für dich beten.“

Aus: John Fahey, Blaugrasmusik, Suhrkamp Verlag

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Brücken ohne Schrauben

Zugegeben: Zwischendurch befand ich mich auch mal im Tuning-Rausch – gedanklich. Nein, halt! Den Tone-Gard hab ich ja tatsächlich gekauft, eine der besten Investitionen der jüngeren Zeit. Wenn es an der Mandoline auch nicht so viel zu tauschen gibt wie beispielsweise an einem Banjo, so lässt sich doch manches losrütteln oder abschrauben. Der Steg etwa. Da habe ich mir noch nicht so viele Gedanken drum gemacht. Was aber ein Fehler sein könnte. Denn jetzt kamen mir Red Henry und seine Stege aus Ahorn in die Quere. Es handelt sich um einteilige Gebilde, die laut Red jede Mando besser klingen lassen. Er stellt die Dinger selbst her und verkauft sie für 20 Dollar oder so. Jedenfalls scheint es keine übermäßig teure Sache zu sein. Wir kennen das ja von unseren Banjo-Freunden: Wenn Ihr bei denen die Nachttischschublade aufzieht, kommen Euch Brücken ohne Ende entgegen – und die sind nicht dazu da, um sie in den Mund zu stecken. So schlimm dürfte es mit den Murphy-Brücken nicht kommen, obwohl der mit zig Holzsorten und Formen experimentiert hat, wie er Joe Mendel im Interview verrät. Die einzige Frage, die mir jetzt noch bleibt, ist allerdings: Wenn Ahorn so konkurrenzlos toll ist, warum setzen dann die meisten Hersteller weiterhin auf Ebenholz-Stege? Noch dazu auf zweiteilige? Was wäre die Welt ohne Rätsel.

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Eine Elfloch-Stute, diese Brücke!

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Als John auf Bill traf

Der berühmte US-amerikanische Gitarrist John Fahey schreibt über das erste Mal. Den Moment, in dem er sein erstes Bluegrass-Stück gehört hat, Anfang der 50er-Jahre, im Radio, als Pubertierender in einer Vorstadt von Washington D. C.:

Dann hörte ich diesen schrecklichen, verrückten Sound. Und ich spürte dieses kranke, verrückt machende Gefühl in mir drin. Nichts in mir fühlte sich mehr so an, wie ich mich sonst anfühlte. So etwas Trauriges und Niederträchtiges hatte ich noch nie gehört. Es war ein terroristischer Angriff revolutionärer Musikzellen auf mein zentrales Nervensystem mittels Ästhetik.
Das war schwärzer als die schwärzeste schwarze Musik, die ich je gehört hatte. Es streckte seine Grabscher nach mir aus, packte mich und hat mich seither nicht mehr losgelassen.

Das Lied kam von Bill Monroe und den Bluegrass Boys und hieß „Blue Yodel Number Seven“. Das Zitat stammt aus dem Buch „Blaugrasmusik“, Suhrkamp-Verlag, übersetzt von Karl Bruckmaier. Weitere Zitate werden folgen.

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Fuchs liebt SC (nicht Freiburg)

Kleiner Nachtrag zu „Special Consensus“: Bluegrass-Experte und Bühl-Macher Walter Fuchs lobt deren neues Album „Signs“ in höchsten Tönen – also zumindest findet er es „großartig“. In seinen „Country Informationen“ geht er aber weniger auf die CD ein als auf die Entwicklung der Band und eine Anekdote anlässlich des ersten Bühler Bluegrass-Festivals 2003. Damals hatte Bandleader Greg Cahill ein Problem: Nach dem 11. September 2001 wollten seine damaligen Mitmusiker den Trip nach Europa nicht antreten. Eine der Folgen daraus war die Neuformation von SC 2005. Ohne die Band von vorher zu kennen, könnte es auch in diesem Fall wieder einmal so gewesen sein, dass schwierige Situationen positive Folgen nach sich zogen. Aber so schlau ist man ja immer erst später.

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