Hoffentlich habt Ihr den Termin noch nicht in Euren nagelneuen Kalender für 2010 eingetragen! Dann müsst Ihr nämlich jetzt schon drin rum schmieren – weil sich der Workshop-Termin mit Mike Marshall um einen Tag auf den 17. Januar verschiebt. Ansonsten ändert sich aber nichts. Es bleibt bei der Uhrzeit, es bleibt bei Solingen, es bleibt bei der NAG. Der Gator kommt und reiht sich damit schonmal ein in die Bewerberriege für „Mandolinenmenschen 2010″.
Blaugras us d´r Schwyz
Es fügt sich immer wieder, dass Menschen aus der Mandolinengemeinde mich auf Möglichkeiten hinweisen, wo wir unserer medial eher unterrepräsentierten Musikvorliebe frönen können. Diesmal war es der Kollege Reichenbach, der auf ein Angebot des Schweizer Radios DRS 1 hinweist. Dort läuft jeden Montag abend von 22.08 bis Mitternacht die Sendung „On The Road Again“ mit vornehmlich Country-Musik, jedoch nicht, ohne auch die Wurzeln und das Umfeld der Stilistik zu berücksichtigen. Bluegrass findet also ebenfalls statt. Das Praktische: Die Sendungen lassen sich als Podcast im Format MP3 herunterladen oder auf der Website anhören. Da trifft es sich gut, dass gerade am kommenden Montag ein interessantes Thema auf dem Programm steht: „Die Beatles und Tom Waits als Country-Künstler“. Zitat aus der Ankündigung: „Die vier Liverpooler hatten eine Ader für Country-Musik – und haben umgekehrt auch ihre erklärten Fans in der Country- und Bluegrass-Welt. Dasselbe gilt für den kalifornischen Exzentriker Tom Waits.“ Bleibt nur noch das Sprachproblem. Aber wenn wir uns so richtig Mühe geben, verstehen wir vielleicht die Hälfte der Moderation. Aber vielleicht ist die auch gar nicht so wichtig.
Das Lebenswerk
In der Jahrhunderthalle Bochum wird heute abend der dollste deutsche Radio-Award vergeben: die „1Live Krone„. Nicht, dass dies etwas mit dem Kernthema dieses Blogs zu tun hätte. Aber es bedrängt mich etwas, und ich möchte es äußern, bevor ich nicht mehr in der Lage dazu bin: Hiermit verbiete ich jedem und allen, mir vor Erreichen meines 70. Lebensjahres einen Preis für mein Lebenswerk zu überreichen – für welches Lebenswerk auch immer. Und sei es für dieses Weblog. Denn wir beobachten Folgendes: Die Künstler, die für ihr Lebenswerk ausgezeichnet werden, werden immer jünger, obwohl doch das durchschnittlich erreichbare Lebensalter in unserer Gesellschaft steigt! Und wir alle bis 67 arbeiten sollen. So bekommen heute die „Fantastischen Vier“ die 1Live Krone auf den Kopp – tatsächlich für ihr Lebenswerk! Die entstammen den Jahrgängen 1967 und 68! Haben mithin gerade mal die 40 überschritten! Junge Kerle! Wie muss man sich da als Künstler fühlen, wenn man auf die Bühne geht und den Preis fürs Lebenswerk erhält? Nächstes Jahr steht dann wahrscheinlich Judith Holofernes von „Wir sind Helden“ an Stelle der Fanta 4, die ist dann ja immerhin auch schon 34!
Nur in einem Punkt stimmt mich das etwas versöhnlich. Ich hatte mir nämlich schon die Augen gerieben, als beim Deutschen Comedy-Preis vor einigen Wochen Mike Krüger den auch dort offenbar unvermeidlichen Preis fürs Lebenswerk erhielt. Im Krone-Vergleich ist er immerhin steinalt mit seinen knapp 58 Jahren. Da kann man schonmal auf sein Leben zurückblicken. In Demut. Okay, na gut: 1Live ist angeblich Jugendradio. Und fürs Zielpublikum wirkt meinetwegen Smudo schon wie Johannes Heesters. Also alles bestens, ich seh´s ja ein. Tschüss. Aber bitte trotzdem meinen obigen Willen respektieren!
Workshop mit Dauergast Mike
Ja, die Liebe ist eine mächtige Kraft. Und manchmal hat nicht nur das glückliche Paar etwas davon, sondern auch Menschen aus dem Umfeld. Etwa in dem Fall, dass ein ewig schlecht gelaunter und quengeliger Zeitgenosse durch die Sanftheit einer Frau zum umgänglichen Kumpel mutiert. Aber um so etwas geht es hier natürlich nicht. Obwohl: Die Klatsch-Abteilung dieses Blogs vermutet seit längerem, dass sich zwischen Klassik-Mandolinistin Caterina Lichtenberg (Deutschland) und Mando-Virtuosen Mike Marshall (USA) mehr als nur kollegiale Freundschaft entwickelt hat. Ja, dort wird sogar behauptet, es handele sich um Liebe!
Wir halten uns lieber an Fakten. Und die deuten darauf hin, dass sich Mike Marshall Anfang 2010 offenbar wieder in Wuppertal aufhält, wo ja Caterina Lichtenberg ihre Professur an der Musikhochschule … Schluss! Jedenfalls wird der gute Mike im benachbarten Solingen am 16. Januar 2010 einen Mandolinenworkshop abhalten. Von 13 bis 17 Uhr wird es in der New Acoustic Gallery um Themen wie „Chords & Arpeggios“, „Finger Busters“, „Simple Gifts“ und Swing auf der Mandoline gehen. Kosten soll das Ganze 60 Euro. Ob die Frage nach der Beziehung Mikes zu Caterina im Preis inbegriffen ist, ließ sich bis Redaktionsschluss nicht feststellen. Näheres bei der Nag.
Ein Küken besser als das andere
Manchmal lässt sich die Anerkennung, die ein Künstler oder eine Künstlerin genießt, am Kleingedruckten auf dem CD-Booklet ablesen, nämlich an den Namen der Gastmusiker, die alle den Zusatz tragen: „appears courtesy of“. Und bei diesem Album sind es Namen wie Jerry Douglas, Stuart Duncan, Chris Eldridge, Byron House, Paul Kowert, Mike Marshall, Tim O’Brien, Aoife O’Donovan, Darrell Scott und Chris Thile. Sie alle wirken mit auf der Debüt-CD einer 17-jährigen Mandolinenspielerin, Gitarrenspielerin, Banjospielerin, Klavierspielerin und vor allem Sängerin: Sarah Jarosz. Vor mehr als zwei Jahren hatten wir hier im Blog über sie berichtet. Seitdem habe ich aber vor allem vom Küken Sierra Hull gehört. Dabei geht die etwa gleichaltrige Sarah einen beachtlichen Weg. Ihre Stimme klingt nach Rickie Lee Jones und derart reif, dass man sie jederzeit viel älter schätzen würde – beim Hören. Auch ihr Songwriting geht schon jetzt in die Tiefe. Während Sierra Hull das fröhlich plappernde Teenie-Girl gibt, wirkt Sarah Jarosz wie das Gegenteil.
Auf ihrer ersten, bei Sugar Hill Records in diesem Sommer erschienenen CD „Song Up In Her Head“ klingt sie wesentlich mehr nach „Crooked Still“ als nach irgendetwas Anderem aus der Nähe des Bluegrass. Atmosphäre steht über Virtuosität. Es sind fast ausschließlich eigene Songs, die sie mal mit komplettem Bluegrass-Instrumentarium orchestriert, mal im Trio oder Duo in eine intime Stimmung taucht. Etwa, wenn sie zum Finale des Albums ihren „Little Song“ im Duett mit Chris Thile bestreitet. So machen die kleinen Dinge noch mehr Spaß. Mal gespannt, was da für eine Musiker-Generation heranreift – siehe auch diesen Ausschnitt von 2008, wo Sarah Jarosz gemeinsam mit Samson Grisman (Bass) und Alex Hargreaves (Fiddle) den Bill-Withers-Klassiker „Grandma´s Hands“ interpretiert. Cool.
Jamboree #3: Hannahs Worte, Teil 2
Gestern hatte Hannah Georgia Johnson, Sängerin und Mandolinenspielerin der „Toy Hearts“, hier schon was erzählt zu ihrer persönlichen Mando-Geschichte und ihren Lieblingen am Instrument. Jetzt folgt der zweite Teil: zu ihrem musikalischen Hintergrund und über die Liebe zu einer bestimmten Mando – die bestimmt viele mit ihr teilen.
Die Frage, welche Musik mich am meisten beeinflusst hat, ist sehr schwer zu beantworten, da ich alle möglichen Arten von Musik höre. Ich denke, dass die Offenheit gegenüber Musik wirklich wichtig dafür war, den Sound der Toy Hearts (was immer das sein mag) zu entwickeln. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die beim Musikhören das Bedürfnis haben, alles gleich einordnen und in eine Schublade stecken zu müssen. Sowas schottet Dich ab. Wenn ich etwas höre, das mir gefällt, spielt es für mich keine Rolle, um welchen Stil es da geht. Ich hoffe, dass unsere Auftritte die Bandbreite der Musik zeigen, die uns beeinflusst hat, mich, meine Schwester und meinen Dad in unterschiedlicher Weise. Ich selbst höre eine Menge früher Country-Music, ich liebe Keith Whitley, George Jones, Merle Haggard, auch Patsy Cline, Hank Williams und Elvis Presley sind große Inspirationen für mich gewesen. Ich höre eine Menge Bluegrass, neuen und alten. Ich liebe Soul, besonders Otis Redding. Außerdem die Beatles, die ich als Heranwachsende viel gehört habe. Western Swing und Gypsy Jazz gehören zu meiner CD-Sammlung, ich liebe J. S. Bach … die Liste hört nicht auf … Das Einzige, was mich nicht interessiert, ist Club Music: Dance, House, Trance gehören definitiv nicht zu meinen Favoriten.
Mein Instrument? Ich spiele eine F-Mandoline von Epiphone. Die war für den Anfang ganz gut, aber ich würde sie jetzt nicht als großartige Mandoline bezeichnen. Wie auch immer, derzeit muss ich mein Studium finanzieren (ich bin im dritten und letzten Jahr) und kann mir meine Traummandoline nicht leisten. Das wäre eine F-Style-Collings … oder irgendeine Collings für diesen Zweck. Als wir auf unserer Tour in Austin, Texas, auftraten, wo deren Fabrik steht, konnte ich mir eine borgen. Es war die beste Mandoline, die ich jemals gespielt habe, und ich hoffe es kommt der Tag, an dem ich mir meine eigene leisten kann.
Hinsichtlich Plektren verwende ich welche aus Schildpatt und Wegen-Picks in Triangel-Form. Beim Bluegrass ist ein hartes Pick wirklich essentiell für den Klang Deines Chops! Ich nutze D´Addario EXP-Saiten von mittlerer oder hoher Stärke. Ich selbst betrachte mich in erster Linie als Sängerin und danach als Schülerin in Sachen Mandoline! Ich muss noch eine Menge lernen und besser werden. Und das ist momentan eine Reise, die ich so gut wie möglich sowohl durchlebe als auch genieße.
Jamboree #2: Hannahs Worte, Teil 1
Fast den ganzen Dezember bis kurz vor Weihnachten ist das „Bluegrass Jamboree“ durch unser Land unterwegs. An dieser Stelle sollen die beteiligten Musiker das Wort haben, und zwar die, die unser Lieblingsinstrument in Händen halten: die Mandoline. Mike Guggino von den „Steep Canyon Rangers“ hatte hier schon seinen Auftritt, jetzt ist Hannah Georgia Johnson dran, Sängerin und Mandolinistin der englischen „Toy Hearts„. Und weil sie uns so allerhand zu erzählen hat, folgt morgen der zweite Teil ihrer Mail an „Doppelstopp“.
Mit der Mandoline habe ich – glaube ich – vor etwa zwei Jahren angefangen. Unser Mandolinenspieler hatte damals gerade die Band verlassen, und nachdem mehrere andere mit uns gespielt hatten, dachte ich, das wäre etwas, das ich versuchen könnte zu lernen. Die Toy Hearts sind mein Vater, meine Schwester und ich selbst, und in puncto Dynamik macht es viel mehr aus, eine Mandoline in der Band zu haben als eine Rhythmusgitarre (die ich vorher gespielt habe). Die Mandoline ist so ein wundervolles Instrument, rhythmisch so wandlungsfähig, und für mich besitzt die Mandoline von allen Bluegrass-Instrumenten den vollsten Ton.
Meine liebsten Mandolinenspieler? Bill Monroe ist immer noch cool, finde ich. Sein Spiel hat selbst heute noch etwas Modernes. Mensch, das ist schwer zu beantworten – es gibt so viele großartige Leute da draußen. Ich liebe Ronnie McCoury, sein Spiel ist ehrfurchtgebietend. Ich liebe es, wenn er Blues und Rock ´n´ Roll einbezieht. Natürlich gibt es auch die eher progressiven Musiker wie Chris Thile und Sam Bush, die beide grandios sind. In jüngster Zeit habe ich viel „Cadillac Sky“ gehört – ihr Gitarrist David Mayfield wird unser drittes Album produzieren – und ich finde Bryan Simpson ziemlich cool. Ich liebe auch die Art von Adam Steffey und Jesse Cobb von den „Infamous Stringdusters“, Mike Guggino von den Steep Canyon Rangers, B. J. Cherryholmes, Sarah Jarosz und Josh Williams. Alles exzellente, exzellente Musiker!
Soweit Hannah Georgia für heute, morgen mehr.
Leiermann mit hoher Stimme
Das erste Album von „The Police“, Seite 1, erstes Stück, erste Zeile: „I can´t stand it for another day“, singt ein hörbar erregter Sting bei „Next To You“ ins Mikro. Dazu die abgehackte Gitarre von Andy Summers und das aufgeregte Schlagzeug von Stewart Copeland. Es war die Zeit, als die Musiker der „New Wave“ von konservativen Hörern nicht ernst genommen und als billig abgetan wurden. Bei manchen hält sich bis heute das Gerücht, dass sie mit ihren Instrumenten nicht hätten umgehen können. Hat schon damals nur bei manchen gestimmt. Und heute? Heute gehören einige aus der frühen Zeit zu den anerkannten Größen der Rockmusik: Elvis Costello, Paul Weller und auch Sting.
Obwohl: Rockmusik? Stings Alben erscheinen inzwischen bei der Deutschen Grammophon! Schon das vorletzte Album „Songs From The Labyrinth“ mit Kompositionen von John Dowland war eine Veröffentlichung des renommierten deutschen Klassik-Labels. Die neue CD „If On A Winter´s Night“ setzt die eingeschlagene Linie fort, enthält alte Weihnachtslieder, winterliche Volkslieder, Schlaflieder und Kunstlieder wie den „Leiermann“ aus Schuberts „Winterreise“. Das alles wird geschmackvoll inszeniert, wozu auch Folk-Musiker wie Kathryn Tickell (Fiddle, Pipes) und Julian Sutton (Melodeon) beitragen. Es verkauft sich offenbar – wie zu erwarten war – sehr gut: Die CD landete auf Anhieb auf Rang 6 der Billboard-Top-200 und auf Nummer eins der Klassik-Charts.
Trotzdem bin ich versucht, die Musik zu mögen. Anscheinend besitzt dieses Album die Qualität, eine ergreifende Atmosphäre zu erzeugen. Träumen zu lassen von tief verschneiten Wäldern mit einsamen Hütten, wo die Kamine rauchen. Das einfache Leben. Eine Stimmung wie bei den „Transatlantic Sessions“. Sowas hat mit dem Sting von 1978 natürlich nichts zu tun. Aber muss das gleich Verrat an der alten Sache sein? Auch wenn man´s ihm nicht ansieht: Er wird wie wir alle älter, Prioritäten verschieben sich. Daran kann auch die 2007er-Reunion-Tour von Police nicht rütteln. Auf seinem nächsten Album wird Sting die Mandolinen-Musik des Barock entdecken und die DG endgültig in höhere Umsatzsphären katapultieren. Oder sich in wohlklingende Langeweile verabschieden.
So schön kann ein Museum klingen
Bei den „Punch Brothers“ handelt es sich zweifellos um eine der besten akustischen Bands der Welt. Und die Instrumente, die sie spielen, gehören ebenfalls in die höchste Kategorie. Ein paar Details nennen die Musiker der Band – Chris Thile, Noam Pikelny, Gabe Witcher, Chris Eldrigde und Paul Kowert – in Einzelinterviews mit dem „Paste Magazine„, wobei sie auch auf den Zusammenklang der verschiedenen Äxte eingehen. Das Video ist unter diesem Link abrufbar. So sorgt dieses Blog für das Wohl aller Gattungen …
Freies Drehen für freie Bürger!
Nein, nicht dass ich alle paar Wochen die Saiten wechseln würde. Ist ja für einen Amateur auch nicht unbedingt nötig. Aber manchmal warte ich zu lang damit, wie ich nachher feststelle, wenn das Instrument klingt, als hätte es ein Schamane verzaubert! Und warum warte ich zu lang? Einmal natürlich, weil manche Saiten spürbar Geld kosten. Der andere Grund ist aber, dass ich immer noch keine vernünftige Saitenkurbel für Mandolinen habe. Mein Teil von Planet Waves passt zwar genau auf die Mando-Mechanik, scheitert aber am neuralgischen Punkt einer F-Mando: dem Knopf für die zweite D-Saite und dem für die erste A-Saite. Da macht´s nämlich boing! Da hängt das Ding an der jeweils oberen Mechanik fest. Nun kann man die Kurbel etwas herausziehen und haarscharf an den oberen Knöpfen vorbeischliddern, aber schwups! ist die Kurbel auch schon ab! Muss das denn wirklich sein?
Planet Waves bietet auch den „Pro-Winder“ an, aber ob der genügend Spiel hat für das geschilderte Problem? Einen zumindest gibt´s, den „MandoCrank“, der saust auf der Website des Herstellers „Bluegrass Pilots“ wie ein Weltmeister an der potenziellen Kollisionsstelle vorbei, als wäre das nix! Aber wie sieht das Teil aus? Gibt´s das nicht nüchterner? Jedenfalls scheint der MandoCrank derzeit nicht lieferbar zu sein – da hat offenbar jemand was richtig gemacht und eine Nische gefüllt. Oder was gibt´s sonst noch für verlässliche Saitenkurbeln für die Mandolinista? Damit könnte man zu Weihnachten einen Strom von Freudentränen bei der Klientel auslösen.
Beistand für den Komiker
Als kleiner Nachtrag zu den „Steep Canyon Rangers“ und Mandolinist Mike Guggino: Die Band trat jüngst in der Talkshow von David Letterman auf, um Steve Martin zu begleiten. Die Nummer gibt aus Mando-Sicht nicht viel her, in erster Linie deswegen, weil Mike hier seine Kimble-Mandola spielt und die nur als Backup dient. Aber es zeigt nochmal, dass es keine Unbekannten sind, die da im Dezember durch Deutschland touren.
Jamboree #1: Mikes Worte
Vom 5. bis zum 20. Dezember tourt das „Bluegrass Jamboree“ durch Deutschland – das ist nicht mehr lange hin. Mit von der Partie sind bekanntlich die „Steep Canyon Rangers“, Beverly Smith und Carl Jones sowie die „Toy Hearts“. Wir wollen das im Vorfeld mal ein bisschen aus Mandolinensicht beleuchten – sofern die Akteure mitmachen. Den Auftakt bestreitet der Mandomann der Rangers, Michael Guggino. Mike hat sofort, unverzüglich auf meine Mail reagiert und ich habe mal übersetzt, was er der Leserschaft hier mitteilt:
Ich habe am College damit begonnen, Mandoline zu spielen. Damals war ich Gitarrist, hatte aber kaum Bluegrass gespielt. Als ich damit anfing, mir Bluegrass anzuhören, stach die Mandoline für mich als das interessanteste Instrument heraus. Man konnte damit schnell spielen, aber auch langsam und ausdrucksstark, falls nötig. Heute, als professioneller Mandolinenspieler, habe ich mehr Spaß daran als jemals zuvor. Ich denke, je besser man bei etwas wird, desto größer wird die Freude daran. Die Band läuft recht erfolgreich, weswegen unsere Shows aufregender und erfüllender geworden sind. Was die Bluegrass-Mandoline angeht, mag ich Bill Monroe, David Grisman, Ronnie McCoury, Sam Bush, Ricky Skaggs und viele andere. Ich spiele aber auch traditionelle italienische Volksmusik auf der Mandoline. Da stehe ich wirklich auf das Spiel von Carlo Aonzo und Beppe Gambetta. Meine Instrumente sind eine F-Mandoline von Will Kimble und eine A-Mandola, ebenfalls von Kimble. Ich nutze Saiten von D’ Addario der Stärken .11, .16, .26 und .40. Außerdem spiele ich ein Blue Chip Pick.
Soweit Mike Guggino. Mal sehen, ob Carl Jones und Hannah Johnson uns auch was Schönes schreiben. Angenehmes Wochenende!
Mike Guggino, „Steep Canyon Rangers“.
Ode zum 40-Jährigen
Willkommen in den Muppet-Laboratorien, wo die Zukunft schon heute gemacht wird! Mein Name ist Dr. Honigtau-Bunsenbrenner. Heute wird die Sesamstraße 40 Jahre alt. Und weil das hier ein Musik-Blog ist, habe ich meinen Assistenten Beaker angewiesen, zu diesem freudigen Anlass ein freudiges Lied zu singen: die Ode an die Freude! Um unsere Kollegen von der Sesamstraße zu ehren! Bitte, Beaker!
Hoch den Eisernen Vorhang!
Der Tag des Mauerfalls! Festakt! Jeder weiß, wo er an diesem Tag vor 20 Jahren gewesen ist! Im Ausnahmezustand nämlich! Oder vielleicht doch im Bett? Schlafend? Und morgens nichtsahnend aufgestanden und es im Radio gehört? Im Grunde gebührt die Ehre doch wohl dem 10. November, dem Tag, an dem es dann alle mitbekommen haben, was passiert ist, und zwar sofort … unverzüglich! Schließlich geschah es am 9.11. erst um 23.30 Uhr, dass der Übergang Bornholmer Straße geöffnet wurde.
Und für die Bluegrass-Gemeinde müssen die Vorgänge in der CSSR als bedeutender gelten – wo wären wir denn heute, wenn die Pruchas, Furchs, Capeks usw. immer noch ohne Material hinter dem Eisernen Vorhang säßen und mit Steinwerkzeugen an groben Holzklumpen schaben würden? Wir müssten uns mit USA-Ware begnügen, am Ende noch von der Marke Gibson, die heute ihrerseits Teile bei Prucha bezieht. Und wer würde den Bluegrass alter Prägung noch heute so originalgetreu nachspielen wie die Vertreter aus Tschechien und der Slowakei? Wer sollte dann die Polls auf dem EWOB-Festival in Voorthuizen gewinnen? Denken wir also an diesem Tag auch an Vaclav Havel und seine Mitstreiter in Prag. Außerdem: Havel war Stones-Fan und ist es wahrscheinlich bis heute. Und Helmut Kohl?
Wild toben auf der Bühne
Frei sein, noch nichtmal unbedingt high sein, aber dabei sein: das wollen wir Mandolinenspieler auf der Bühne. Vor allem Freiheit wäre schön, im Sinne von: Bewegungsfreiheit. Stattdessen hängt man als bewegungsunfähiger Sklave vor dem Mikrofon fest. Dabei gibt es so viele andere Möglichkeiten, zumindest theoretisch – Pickups eingebaut, Pickups an den Steg geklebt, Pickups an der Decke befestigt, Minimikro ins F-Loch geklemmt, Kontaktmikro auf Holz usw. usf. Wir sind alle frei, uns was auszusuchen. Das heißt, frei im Rahmen individueller finanzieller Möglichkeiten. Die wenigsten dürften in der Lage sein, sowas High-Endiges wie DPA-Mikrofone zu erwerben. Die Schertler-Mando-Pickups sind auch weit oben auf der Preisskala. Gibt´s vielleicht auch was Günstigeres, was die Mando trotzdem nach Mando klingen lässt? Der Markt ist groß, aber was taugt? Und von Zeit zu Zeit habe ich die Hoffnung, dass auf diesem Blog jemand vorbeischaut und etwas Schlaues mitzuteilen weiß – in diesem Fall zum Thema Pickup etc. Aber wahrscheinlich schreibt wieder kein Schwein … Dann geh ich eben gleich ins Mandolin Café und durchforste die ellenlangen Threads zum Thema. Und bin nachher verwirrter als vorher. Bei manchen Fragen gibt es nichts Schlimmeres als Internet-Foren. (Kann man sich da eigentlich auch mit Schweinegrippe anstecken? Bei so vielen Kontakten?)

Das Objekt feuchter Träume: DPA-Mikro 4061.




